25. April 2007
It’s the EU, stupid!
Der law blog nimmt eine Änderung der Vorgehensweise unserer um unsere Sicherheit so besorgten Regierung zum Anlass, noch einmal auf die Konsequenzen der Vorratsdatenspeicherung hinzuweisen. Den dort genannten Link zum Blog “rabenhorst” kann ich auch nur wärmstens weiterempfehlen.
In all dem Gezeter um den dunklen Ritter Schäuble scheint allerdings eins etwas unterzugehen, nämlich die Methode, wie so etwas Gesetz wird. Im für die Öffentlichkeit weitgehend intransparenten EU-Gesetzgebungsprozess spielen die überwachungsgeilen Regierungen über Bande. Die nationalen Parlamente haben die Vorgaben ihrer Regierungen nur noch abzunicken; die Gewaltenteilung auf nationaler Ebene ist damit in einem wesentlichen Punkt ausgehebelt.
Erschreckenderweise ist diese schleichende Entmündigung des Bundestags in der öffentlichen Diskussion kaum angekommen. Auch die Medien tun noch so, als würden die Gesetze in Berlin gemacht, so dass die EU-Richtlinien immer quasi als eine Art Gottesentscheidung über uns hereinbrechen. Die Regierung verweist dann mit einer heuchlerischen Geste der Hilflosigkeit auf die “Vorgaben aus Brüssel”, die sie selbst mitbeschlossen hat.
Dabei käme es aber gerade auf die Medien an. Wer sonst sollte die Aufgabe erfüllen, aus dem Wust an Papier, das in der EU tagtäglich produziert wird, zwischen all den bürokratischen Regelungen zum Agrarmarkt oder zum Strukturfonds, die Dinge herauszupicken, die unser aller Leben entscheidend zu beeinflussen drohen? Wer sonst sollte die Bürger darauf hinweisen, dass die Musik in Brüssel spielt? Wer sonst sollte uns begreiflich machen, dass wir nicht nur bei der Wahl zum Europaparlament über das Handeln der EU urteilen müssen, sondern auch und gerade bei den Wahlen zum Bundestag und zu den deutschen Landtagen, die ja letztlich entscheiden, wer Deutschland im wichtigsten EU-Gesetzgeber, dem Ministerrat, vertritt.
Der Streit um die Softwarepatente hat gezeigt, dass es zwar mühsam, aber möglich ist, auf die EU-Gesetzgebung Einfluss zu nehmen. Leider gelingt das aber nur kleinen, gut organisierten Gruppen mit weitgehend homogenem Interesse (Mancur Olson: “Logik des kollektiven Handelns”). Wir brauchen dringend Strukturen, die eine öffentliche Diskussion über EU-Richtlinien zum frühestmöglichen Zeitpunkt gewährleisten und jenseits der bereits kräftig wirkenden Lobbys Wege zur Herstellung einer mit Sanktionsmöglichkeiten verbundenen Rechenschaftspflicht der am Gesetzgebungsprozess Beteiligten. Eine Landesregierung abwählen, weil die sie tragende Partei in Brüssel mithilft, schlechte Gesetze auf den Weg zu bringen? Warum nicht.
Und lassen wir den Funktionären der Macht es nicht durchgehen, uns ihre pseudo-demokratische EU-Gesetzgebung als “Verfassung” aufs Auge zu drücken.
Verfasst von Rayson um 14:15 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, International, Politik (Trackback)
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