Mythos “Generation Praktikum”

Die Hochschul-Informations-System GmbH in Hannover (alte Erinnerungen werden wach…) hat mehr als 10.000 Hochschul-Absolventen des Jahrgangs 2005 über ihre nachfolgenden Praktika befragt. Ergebnis: ein Randphänomen. Warum also geistert das Thema immer wieder durch die Gazetten?

Es gibt dafür mindestens zwei Erklärungen. Die eine liefert “Arbeitgeberpräsident” Hundt:

Es dränge sich der Verdacht auf, dass die Panikmache nur als Vorwand für unnötige neue Regulierungen, die offenbar auch im Bundesarbeitsministerium erwogen wurden, genutzt wird.

Das betrifft vielleicht das Echo, aber doch nicht so sehr den Ruf selbst. Der liegt wahrscheinlich an einer Art “Nabelschauphänomen”: Was für Absolventen von Studiengängen, die eine hohe Affinität zum Journalismus besitzen, in größerem Ausmaß zutrifft, hat einfach mehr Publizität, auch wenn das zu Fehlschlüssen führt:

Bei Sprach- und Kulturwissenschaftlern ist es [hat mindestens ein Praktikum absolviert] sogar jeder vierte Absolvent.

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16 Kommentare zu “Mythos “Generation Praktikum””

  1. 12.04.2007 | 18:21

    Semi-OT: Wirklich schön sind die Gänsefüßchen um den Arbeitgeberpräsidenten. Da muss ich immer an das würdige Amt eines IHK-Präsidenten denken ;-)

  2. 12.04.2007 | 18:28

    Immerhin besteht der eine Verband aus Freiwilligen…

  3. 12.04.2007 | 18:45

    Stimmt. Es war ja nicht der DIHK-Präsident.

    Aber der Wikipedia-Artikel über Herrn Braun ist wirklich interessant: ein einziger Satz zum Unternehmen, keiner über seine persönliche Rolle als Arbeitgeber. Viel Meinung, wenig Information.

  4. okeanos
    13.04.2007 | 2:37

    Ich tippe auf zweiteres mit der Ergänzung, dass die Politikredaktionen der großen Tageszeitungen mittlerweile in Berlin sitzen und aus diesem Blickwinkel die soziale Gegensätze, aber auch die Arbeitsmarktsituation Berlins auf ganz Deutschland projizieren.

  5. 13.04.2007 | 10:58

    “Generation Praktikum” bezieht sich vor allem auf junge Journalisten, Werbetexter, Grafikdesigner usw.
    Im Media-Bereich ist es gang und gäbe, ganze Abteilungen, von der Leitungsebene abgesehen, fast nur mit Praktikanten und studentischen Hilfskräften zu betreiben, und eine “Karriere” Studienabschluss-Betriebspraktikum-Betriebspraktikum-Betriebspraktikum
    (wobei ein Praktikum durchaus ein Jahr dauern kann)
    -Sozialhilfe-Pseudojob als Selbstständiger mit den Einkünften eines AlG2-Empfängers ist dort nichts Ungewöhnliches. In Berlin Mitte rund um die Castingallee hat man mitunter das Gefühl, die ansässige Bevölkerung bestünde mehrheitlich aus solchen Leuten :-)

  6. 13.04.2007 | 13:32

    So wie ich aber die Netzeitung verstehe, basiert die Erkenntnis über eine mythologische Praktiumsgeneration, auf einer Eine von Arbeitgebern in Auftrag gegebene Studie. Und da spielt dann ja wieder ein Interesse mit hinein.

  7. 13.04.2007 | 13:37

    @Marc

    Ohne Hinweise auf mögliche Fehler der Studie ist dein Einwurf aber wenig aussagekräftig.
    Die Methode, Aussagen zu diffamieren, in dem man nicht ihren Inhalt sondern vermeintlich oder tatsächlich dahinterstehende Interessen hervorhebt, finde ich persönlich recht ärgerlich.

  8. 13.04.2007 | 13:41

    Man kann das “Argument” nämlich genau so leicht umdrehen: Die Befürworter des Mythos haben anscheinend kein Interesse daran, eine Studie in Auftrag zu geben.

    Und bitte, wer sonst, der frei von jedem eigenen Interesse ist, sollte denn sowas finanzieren?

  9. 13.04.2007 | 17:15

    Ich bin ja nur für Transparenz. Wenn die Heinz-Böckler-Stiftung mit einer Studie kommt, dann reagiere ich inzwischen genauso vorsichtig.

  10. R.A.
    13.04.2007 | 17:54

    Na ja, wenn eine “Studie” direkt von einer Lobby kommt, dann nehme ich die auch fast nicht ernst.
    Da kommt eigentlich immer nur raus, was der Auftraggeber brauchen kann, auch eigentlich seriöse Wissenschaftler finden da Methoden genug.

    Üblich ist zum Beispiel, bei einer ordentlichen, aber beschränkten Studienaussage noch ein paar spekulative Fragen ins Fazit zu schreiben.
    Die dann vom Auftraggeber großzügig interpretiert werden.

    Und das ist noch der “gute” Fall – die Hans-Böckler-Untersuchung zum Thema “Praktikum” war schon vom Ansatz her Banane.

    Glaubhafter hier ist die Untersuchungs des Bundesbildungsministeriums.
    Nicht weil ich einer Behörde mehr traue, sondern weil die wohl gerne etwas mehr regulieren würden.
    Wenn die also de facto zum Schluß kommen, im Bereich Praktika gäbe es die behaupteten Mißstände nicht, kann man das erst einmal glauben.

    http://www.zeit.de/2007/16/C-Praktikantenumfrage

  11. 13.04.2007 | 18:01

    Das ist interessant. Es handelt sich anscheinend um dieselbe Studie der HIS. Die Netzeitung sagt, sie sei von den Arbeitgebern in Auftrag gegeben worden, die “Zeit” sagt, es sei das Bundesbildungsministerium gewesen. Vermutlich ist die Netzeitung da einem Fehlschluss aufgesessen, weil unser “Arbeitgeberpräsident” gleich dazu etwas abgesondert hat. Seriöser Journalismus wäre das nicht, wenn mein Verdacht stimmte.

  12. R. A.
    13.04.2007 | 19:17

    Du hast recht – so im Hinterkopf hatte ich auch ein leichtes Wundern, daß jetzt zeitgleich zwei so ähnliche Studien kommen.
    Also bei mindetens einer Zeitung ist das tatsächlich eine peinliche Panne – und die netzeitung hat sich wohl den Job des Hauptverdächtigen gesichert ;-)

  13. 14.04.2007 | 16:15

    [...] Mythos “Generation Praktikum” – bissige-liberale.net [...]

  14. 15.04.2007 | 21:37

    Ok, da hat sich die Netzeitung wohl geirrt.

    Stille Hoffnung: Vielleicht hat der Aufschrei der Generation Praktikum-Propagierer ja diese Praxis gerade noch im Vorfeld abgefangen. ;-)

    Aber es ist schon bezeichnend, dass man sowas Arbeitgebern zutraut. Auch ich erinnere mich an Doktorandenkollegen, die das erste halbe Jahr erstmal für lau promovierten, weil der Chef angeblich gerade keine Mittel hatte. Nur irgendwie hatte ich diese Geschichte zu oft gehört.

  15. 16.04.2007 | 13:19

    Also bitteschön, ich hatte schon einmal als Teil einer Doppelspitze eine PR-Abteilung geleitet, in der wir beiden Führungskräfte die einzigen regulären Angestellten waren, während das von uns geleitete Team aus Praktikanten, Azubis und Studenten bestand, die aber alle wie Vollkräfte eingesetzt wurden. In der Pressearbeit und Werbung ist das gang und gäbe. Und unbezahlte Praktika von einem Jahr Dauer sind dort auch üblich. Die Chefs liebten uns wegen der überaus günstigen Kostenstruktur der Abteilung.

  16. 7.05.2007 | 13:33

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