EU-Parlamentarier verschaffen sich billigere Tarife
Ich nutze mein Mobiltelefon fast ausschließlich innerhalb Deutschlands. Das dürfte den meisten meiner Mitmenschen ähnlich gehen.
EU-Parlamentarier nutzen ihre Mobiltelefone vermutlich zu einem recht großen Teil im Ausland – nämlich in Belgien oder Frankreich (sind sie nicht gerade Belgier oder Franzosen).
Wenn diese Parlamentarier nun beschließen, dass das Telefonieren im Ausland billiger werden soll (was ökonomischer Logik zufolge mit einiger Wahrscheinlichkeit zu höheren Preisen im Inland führen könnte), wessen Interessen vertreten sie dann?
Meine nicht. Und deine, lieber Leser, vermutlich auch nicht.
Unsere lieben Parlamentarier telefonieren zukünftig günstiger – auf unsere Kosten.
bisher 22 Kommentare » Kommentare
Wobei mir scheint, dass die EP-Abgeordneten sowieso schon auf Kosten der europäischen Steuerzahler telefonieren, denn die Kosten für Telefon, Fax und Mobiltelefon sollten eigentlich zu den Abgeordnetenspesen oder -pauschalen gehören. Und so ein EP-Abgeordneter ist ja bekanntlich immer im Dienst
Stimmt wohl.
Dann wären die Bemühungen, unsere inländischen Mobilfunkkosten nach oben zu treiben, ja nicht einmal durch Eigennutz plausibel zu machen sondern man müsste für eine Erklärung tatsächlich auf Unfähigkeit, ökonomische Grundregeln zu verstehen, zurückgreifen.
Ich weiß jetzt nicht, welche der beiden Deutungen mich stärker beunruhigt…
Es handelt sich wohl einfach um eine Spielart der gewöhnlichen Unpolitik: irgendwann im Jahr müssen sie doch mal »beweisen«, dass sie dort im Parlament auch etwas für die Bürger tun. Die Mobilfunktarife im Inland werden ja vermutlich aufgrund der technischen Entwicklung trotzdem nicht steigen. Also haben sie sich einfach nur ein wenig Profil in Sachen Verbraucherschutz verschafft … es sind eben lauter kleine Glos-Michels
Relativ zu dem, was ohne Preisdiktat möglich wäre, aber vielleicht schon.
Ansonsten gebe ich dir aber Recht:
Das ist wohl einfach die übliche Unpolitik unserer Politikdarsteller in Brüssel und Straßburg.
Und SPON zeigt als Ergänzung Null-Journalismus: eine Mallorca-Urlauberin im Bikini beim Handy-Telefonat.
Was den möglichen Einfluss auf die Tarife anbetrifft, gebe ich Dir ja ganz klar recht. Aber es gibt noch so viele andere Einflussfaktoren: Energiekosten, Steuern und Abgaben, technische Entwicklung, Effizienzsteigerung der Verwaltung, [...], so dass der normale Nutzer wohl kaum Veränderungen spüren wird.
Sicher wird eine Veränderung wohl eher nicht spürbar sein. Schließlich lernt man ja die Alternative auch gar nicht erst kennen.
Und selbst wenn – dann wären die Schuldigen eben die gierigen Konzerne, die nur ihre Profite steigern wollen.
Von der Intention her finde ich das Anliegen verständlich: Es ist Aufgabe der EU, einen möglichst durchgängigen Binnenmarkt zu schaffen.
Und da sollte der Grenzübertritt zwischen Deutschland und Frankreich genausowenig eine Rolle spielen wie der zwischen Hessen und Bayern.
Aber wie oft: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.
Denn der eigentliche Kern des Problems ist doch, daß die Mobilfunklizenzen weiterhin national organisiert sind. Sonst hätten sich schon längst Anbieter etabliert, die Regionalangebote oberhalb nationaler Grenzen anbieten.
WENN aber die Staaten nationale Sondersysteme (incl. Abrechnung) erzwingen, dann werden systemübergreifende Aktionen immer teurer sein – und das darf man dann nicht bei der Preisbildung unterdrücken.
Also ich duze nur einen MdEP. Dem waren die Roaminggebühren auch schon vor seiner Abgeordnetentätigkeit egal. Persönlich begrüße ich das sehr. Auch wenn es mich nur im Winterurlaub betrifft. Ich finds immer gut, wenn was billiger wird. Greife ich zu kurz?
@Robert
Fragen wir Robert Heinlein: “There ain’t no such thing as a free lunch…”
hmm, die Mobilfunkgebühren scheinen mir eher ein oligarchisches Preisabsprachenmonopol zu sein. Und wenn der Staat was tun soll, dann doch bitte fragwürdige Monopole zerschlagen …
@der gute don:
tja, für den gutmenschen bleibt stets die argumentative flucht in das uninformierte gebrabbel vom “preisabsprachemonopol”. wahrscheinlich meinst du ja eher ein kartell, was den beitrag nicht besser machen würde. vielleicht versuchst du es mal mit etwas ökonomischer lektüre zum thema. den bauch sollte man nach wie vor allem zum verdauen, weniger zum denken benutzen. entschuldige den zynismus, aber ich kann diesen einwand nicht mehr hören…
Ich halte das für übertrieben. Warum sollte sich das in national höheren Preisen niederschlagen, dazu ist der Markt, zumindest in Deutschland zu umkämpft. Und warum sollte diese Art von Wettbewerb nicht auch europäisch funktionieren? Weil von den bösen Bürokraten nichts Gutes kommen kann? Sie schreiben eine Obergrenze vor, in einem Gebiet das von fast allen Gruppen, außer den Netzbetreibern selbst, von überteuert bis Abzocke tituliert wird. Die Preise im Inland werden nicht steigen, weil die Kunden es nicht mitmachen werden. Die Preise in der EU bleiben entweder an der Maximalgrenze hängen oder die Anbieter treten in Wettbewerb, weil die alte Preissetzung nicht mehr funktioniert. Was ist daran so schlimm?
@SteffenH
Du meinst also, Preisabsprachen könnten nicht vorkommen? Vielleicht solltest du mal, bevor du hier gegen unsere Kommentargrundsätze verstoßend andere Kommentatoren beleidigst, in Erwägung ziehen, dass manche Manager nicht ganz auf der Höhe der ökonomischen Theorie sind und Dinge einfach machen, die es nicht geben dürfte?
@Thomas
Ich bin zwar nur auch ökonomischer Laie aber mir scheint, dass jedes Unternehmen eine simple Rechnung aufmacht: Was erlöse ich und welche Kosten stehen dagegen.
Wenn am Erlös etwas wegfällt, ohne, dass die Kosten sinken, dann wird das wohl irgendwie wieder wettgemacht werden müssen.
Welche “Art Wettbewerb”? Das Vorschreiben von Preisobergrenzen mit Wettbewerb zu titulieren, scheint mir doch ein wenig waghalsig zu sein.
Wieso? Die haben doch auch die Roaming-Gebühren mitgemacht, vor denen die Bürokraten sie nun schützen zu müssen meinen.
@ rayson:
ich hab nicht gesagt, dass keine preisabsprachen vorkommen können. nur fehlen mir belege und eine sachliche argumentation über deren erfolgsaussichten und das dadurch verursachte problem. auch habe ich, relativ zum normalen umgangston hier, niemanden beleidigt. mich nervt schlichtweg dieses argumentationsniveau. wenn man das hier nicht mehr zum ausdruck bringen darf, erspare ich mir in zukunft meine kommentare. wer austeilt muss einstecken können.
@rayson:
falls du den link in meinem ersten kommentar übersehen hast, versuchs mal mit der lektüre, bevor ich wieder die generalschelte für die akademiker unter den ökonomen einstecken muss.
und nochmals entschuldigung für den rüden ton. ich werde mich bessern…
@SteffenH
Hättest du gesagt, was du gemeint hast, wäre dein Beitrag willkommen gewesen (wie deine Beiträge das hier generell sind!). Wir stecken aber in deinem Frust nicht drin, und das, was als Aussage übrig blieb, empfand ich schon als Beleidigung. Dass du hier einen Bonus hast, magst du aber daran erkennen, dass nicht gelöscht wurde.
Nicht, dass du gesagt hast, dass dich etwas nervt, sondern wie du es gesagt hast, ist Gegenstand meiner Kritik, die ich, wäre ich das Ziel deiner Attacke gewesen, auch nicht geäußert hätte. Blogautoren, noch dazu, wenn sie wie ich mit einem (je nach Betrachter) an Arroganz grenzenden oder darüber weit hinaus schießenden Selbstbewusstsein ausgestattet sind und auch selbst gerne mal den Säbel schwingen, dürfen nicht weinerlich sein. Aber was unsere geschätzten Kommentatoren angeht, bin ich empfindlich. Wenn dich einer schräg anquatschen würde, würde ich genau so reagieren. Und gerade “der_gute_don” ist eigentlich keiner, der auch “austeilt”.
Aber ich bin heute mal selbstkritisch. Man muss sich nicht gleich diesem kompletten “code of conduct” von Tim O’Reilly anschließen, der z.Zt. in der Blogosphäre kritisiert wird, aber die Idee, zunächst den E-Mail-Kontakt zu suchen, ist vielleicht eine, die man übernehmen könnte.
@SteffenH
Nichts gegen konkrete Gegenargumente. Ich habe dir natürlich gleich mal was unterstellt. Aber mich darfst du ja auch anstänkern
@steffenH:
von Deiner im Ton danebengegriffenen Antwort mal abgesehen: bin ich mit den ökonomischen Umständen der Telekommunikationsbranche vertraut und was dem einem Betrachter eine plausible Kostenstruktur sein mag, ist es dem anderen nicht. Und ohne Deine Links jetzt en detail zu lesen, ist mir ohnehin bekannt was drin stehen wird:
Notwendige gigantische Investments mit hohen Grad der Unsicherheit. (Ich gehe jetzt an dieser Stelle mal nicht den UMTS Schwachsinn und wer die Zeche zahlt ein)
Punkto “argumentationsniveau”: Die Argumente für die hohen Preisstrukturen sind für mich ziemlich abgewetzt, ich halte das für eine Farce (oder nenn es “Gebrabbel”) aber
1) leider haben Preisabsprachen eine unangenehme Eigenschaft: sie sind geheim.
2) Auch wenn eine deratige Vermutung nicht zutreffend sein sollte, kann man davon ausgehen, (ich tue es mal) daß die Branche sich unter dem Deckmantel der unsicheren Invest-Entscheidungen die Preise argumentativ gemütlich auf einem stabil hohem Niveau hält.
3) Wenn Du wissenschaftliche Erklärungsmodelle aus dem Spektrum des Lobbyismus ausschließt und das alles unkritisch schluckst – Dein Bier, aber keks mich nicht an.
aus reiner Neugierde habe ich jetzt noch einen Blick auf Deinen Link geworfen.
Das sind ja großartig aufbereitete Weisheiten, unelastische Nachfrage hält das Preisniveau hoch, wer hätte das gedacht.
Und der krönende Abschluß des von Dir zitierten Kommentars, das ein Anbieter sein Portfolio nach Elastizzität bepreist ist natürlich eine unglaublich neue Erkenntnis. Mit Sicherheit kann der Anbieter seine Wohlfahrtsrendite so maximieren. Warum das kein Marktversagen ist sondern ein effizienter Markt ist bleibt der Autor natürlich schuldig und warum der Staat im ordoliberalen Sinne zur Maximierung der Gesamtwohlfahrtsrendite für ein wachstumstreibendes Produktionsmittel Kommunikation nicht eingreifen sollte, das bleibt auch weiterhin offen.
Aber vielleicht brauchen wir auch keine Verbändevereinbarung zur Aufbrechung des Gasmonopols, schließlich sind dort die Grenzkosten ja ganz andere.
@der gute don:
mein ton war wirklich etwas über der kante, tut mir leid.
aber: weil geheimabsprachen geheim und unsichtbar sind, kann man sie jedem unterstellen. das ist zu einfach. das problem ist, kartelle können vorkommen, sind aber sehr instabil und halten nicht lange. es ist für das einzelne unternehmen immer besser aus dem kartell auszusteigen, wenn alle anderen drin bleiben. die kartelldisziplin lässt sich in der regel ohne staatliche mithilfe kaum halten. hier könnte die regulierung sogar nach hinten losgehen, weil die festgesetzte preisobergrenze erst ein preiskartell manifestiert.
und das wesentliche argument hat rayson eigentlich schon gebracht: “There ain’t no such thing as a free lunch…” wer in diesem markt keine renditen macht verdrückt sich und lässt das investieren. dann konzentriert sich der markt erst recht und die preise steigen weiter. das problem wirst du mit noch so wohlmeinender preisregulierung nicht lösen.
gewinnmaximierung ist ein normales marktphänomen. ich denke auch du betreibst etwas in der richtung. hier versagt der markt nicht. die hohe marktkonzentration hat was mit den hohen anfangsinvestitionen, größenvorteilen und netzwerkeffekten zu tun. keines dieser marktkarakteristika erklärt zumindest aus sichtweise der herrschenden ökonomischen lehre ein marktversagen. wenn politiker da eins sehen, können sie das gern machen, müssen dann aber für die langfristigen konsequenzen für ihre kunden fertig werden. boche sprach da schon mal an, dass man die preissenkungen zunächst sieht, die relativen preiserhöhungen später nicht. nimm doch einfach mal an, du würdest ein mobilfunkunternehmen betreiben und jemand würde deine preise nach oben restringieren. könnte mir vorstellen, du würdest etwas die lust an dem geschäft verlieren.
ein tipp, wie du ganz persönlich um das roaming-entgeld herum kommst. schau dir mal den neuen service jahjah an. konkurrenz belebt das geschäft. vielleicht löst sich das problem auch von ganz allein.
aber: weil geheimabsprachen geheim und unsichtbar sind, kann man sie jedem unterstellen.
da hast Du vollkommen recht, Deine Sichtweise scheint mir in dieser Sache aber zu sehr auf rationales managment fixiert, Entscheider handeln zuweilen auch irrational. (oder wenn rational dann bestehen moral hazards, oder einfach nur die Gefahr von Fehlentscheidungen)
Nicht umsonst finden die Themegebiete Entscheidungstheorie und Spieltheorie Ihren Platz bei den ökonomischen Modellen.
Aus meinen persönlichen Erfahrungen im Geschäftsleben habe ich schon viele falsche und zu kurzfristig ausgelegte Entscheidungen gesehen und erlebt. Und punkto Kartelldiziplin, wie konnte der offiziell 1999 liberalisierte Gasmarkt bis heute ohne staatliche Mithilfe ein Monopolmarkt bleiben? Ich denke hier wird auch die Bedeutung des zeitlichen Horizonts für Monopolstrukturen klar. An der Stelle wäre es mal spannend Zeitspannen des (operativen) break even in der TK zu haben, ich vermute aber sie sind trotz gravierender Managmentfehlentscheidungen der Vergangenheit vergleichsweise kurz im Vergleich mit anderen Branchen.
Ich möchte die aufgebrachte Fragestellung i.Ü. nicht auf Roaming und Privatkonsumenten begrenzen, was ist mit Kommunikation als wachstumstreibendes Produktionsmittel? Und warum sind die Preise bei gleicher Technologie in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern so hoch. Ich vermute mal nicht wegen signifikant unterschiedlicher Nachfrageelastizitäten im Angebotsportfolio. (Auch geographisch gesehen)
Abschließend: Ja, das Vertrauen auf den Markt in monopolistischen Märkten ist ein gutes und starkes Argument, aber es muß auch immer wieder hinterfragt werden und darf nicht bedingungslos akzeptiert werden. Und da scheiden sich nunmal die Geister, jeder Libertäre wird argumentieren, Monopole lösen sich bei (vollständiger) Nichteinmischung des Staates schon selbst auf. Der ordoliberale Fürsprecher könnte arguementieren, daß die Realität eine andere ist und der Staat, solange er über das Mindestmaß hinaus ohnehin eingreift, auch bei der Zerschlagung von Monopolstrukturen mitwirken muß. Aber in schätzungsweise 5 Jahren sind wir alle schlauer wenn wir zurückblicken können