CDs und Konzerte

Ich will die Diskussion über Urheberrechte hier nicht wieder aufwärmen.

Stattdessen möchte ich einmal von der Voraussetzung ausgehen, dass kaum ein Kunde bereit ist, ein gigantisches Vertriebssystem für Tonträger zu finanzieren, wenn die technischen Möglichkeiten, die digitale Musik einfach zu kopieren, so fortgeschritten sind wie heute. Entsprechend wird sich auf Dauer auch der relativ hohe Preis für Musikdownloads (der allerdings schon erheblich unter dem liegt, den man für stofflich durch die Gegend gekarrte Musik zahlen muss) kaum halten lassen.

Darum bin ich schon lange der Ansicht, dass die Zeit, als sich mit dem Vertrieb von Musikaufzeichnungen viel Geld verdienen ließ, einfach vorbei ist. Das liegt einerseits an den neuen Vertriebswegen, die zwar erheblich weniger kapitalintensiv sind, aber auch relativ wenig Ertrag versprechen. Andererseits aber auch an der Tatsache, dass professionelle Produktionsmethoden für Studiomusik immer preiswerter geworden sind und somit die Zahl der Künstler, die Musik mit professionellem Anspruch produzieren können, ständig steigt. Der Unterschied zwischen einem Weltstar und einer Nachwuchsband aus Köln-Ehrenfeld ist heutzutage oft nur noch das Marketing.

Was aber nach wie vor selten ist, ist eine gute Live-Performance. Denn da muss nicht nur der Künstler wirklich außergewöhnlich gut sein (anstatt mit beliebiger Vorbereitungszeit im Studio geschönt zu werden), sondern auch die Preise für ordentliches Equipment sowie die vielen anderen Kostenfaktoren, von der Organisation über die Transporte bis hin zu Catering und Sicherheitsdienst, sind nach wie vor hoch. Weshalb sich vermutlich auch in Zukunft gutes Geld mit Konzertauftritten verdienen lassen wird – aber eben wohl nicht mehr mit Platten.

Diese Ansicht teilt auch Gunter Buskies vom kleinen Label “Tapete Records” im Interview mit der Süddeutschen:

Hat das Prinzip „Platte“ ausgedient?
Mein Partner Dirk Darmstaedter hat mal prophezeit, dass es bald dahin kommen wird, dass eine CD-Veröffentlichung nur noch wie eine Setcard für einen Schauspieler ist. Eine Berechtigung zum Touren. Mit dem reinen Tonträgergeschäft können heute weder die Firmen noch die Künstler ein Auskommen haben. Würden die Lieder nur in digitaler Form vorliegen, sparte das Label enorm an Produktionskosten.

Schön zu lesen, dass auch Profis, die sich mit der Szene auskennen, diese Hypothese teilen.

Die ich übrigens nicht ganz allein entwickelt habe, sondern die in ihren Grundzügen einem Cyberpunk-Buch entspringt, das ich vor ca. 20 Jahren gelesen habe – als sich noch kaum jemand einen CD-Brenner leisten konnte und Filesharing noch nicht einmal am Horizont stand. Was wiederum eine Diskussion bestätigt, die ich vor einigen Tagen mit Martin Marheinecke auf dessen Blog hatte: Die Science Fiction erlaubt oft bessere Blicke in die Zukunft als die seriöse Futurologie; und gerade im Bereich des Cyberpunkt hat sich viel bewahrheitet. Auch, wenn manches vielleicht in den Bereich der Self-Fulfilling Prophecy fiel.

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35 Kommentare zu “CDs und Konzerte”

  1. R.A.
    27.03.2007 | 17:06

    Es ist ja schön, wenn Label wie das zitierte mit ihrem Geschäftsmodell Erfolg haben.

    Ich fände es aber weiterhin fair, wenn jeder Künstler selber darüber entscheiden könnte, ob er mit Konzerten, CDs oder Downloads sein Geld verdienen möchte.

  2. 27.03.2007 | 17:14

    Das zitierte Label hat keinen großen Erfolg mit seinem Geschäftsmodell. Sie freuen sich nur darüber, dass der Einbruch bei ihnen etwas geringer ist, weil sie sich eben nicht so sehr auf den Handel mit Tonträgern konzentriert haben wie etwa die großen Labels.

    Ansonsten verweise ich aber auf den ersten Satz. Sonst fangen wir wieder an, darüber zu diskutieren, ob die angesprochenen Künstler nun über CDs ihr Geld verdienen oder über die Macht, anderen Leuten zu verbieten, welche herzustellen.

  3. R.A.
    27.03.2007 | 17:44

    @Karsten:
    > Ansonsten verweise ich
    > aber auf den ersten
    > Satz.
    Tja – aber welchen Sinn macht eine Diskussion in diesem Bereich, wenn man nicht darüber reden möchte, welche Rechte die Künstler haben dürfen und welche nicht?

    Das ist dann wie bei diversen Diskussionen übers Grundeinkommen, wenn man die Frage der Finanzierung ausklammert …

  4. 27.03.2007 | 18:01

    Ich stimme Karsten zu. Auch das Urheberrecht ist eine Rechtsposition, die vom Staat eingeräumt wurde, weil er einen Nutzen für die Allgemeinheit darin erkennt. Lässt sich diese Position aber nur unter unverhältnismäßig hohen Kosten nicht nur materieller Art durchsetzen, werden die Karten damit sozusagen neu gemischt. “Fiat iustitia et pereat mundi” ist keine demokratische Tugend.

  5. 27.03.2007 | 23:19

    DRM und kopiergeschütze CDs durchaus liberal…

    In letzter Zeit hört man immer wieder DRM und kopiergeschützte CDs gehören nicht in eine freie Gesellschaft, wo Wissen und Informationen frei zirkulieren sollen. In ihrem Leitantrag zur Medienpolitik letztes Wochenende auf dem Bundeskongress haben z…

  6. Llarian
    28.03.2007 | 10:57

    So ganz kann mich die Argumentation nicht überzeugen: Der Vertriebsweg wird billiger, daher sinkt auch der Preis. Es gibt mehr Konkurrenz und daher sinkt auch der Preis. Das würde gelten, wenn es sich um beliebig substituierbare Güter handelt. Tut es aber nicht. Ob das Verlangen nach “Tokio Hotel” jetzt marketinginduziert ist oder nicht, es kann nicht einfach gegen “Bangkok Bungalow” substiuiert werden, nur weil die auch gutes Studioequipment zur Verfügung haben oder ihren Kram übers Internet verkaufen.
    Die CDs die heute verkauft werden, kosten doch nicht 15 Euro weil der Vertriebsweg so teuer ist, sondern weil es so den maximalen Gewinn bringt. Wird der Vertriebsweg günstiger, so wird schlicht der Gewinn grösser, ein Grund CDs billiger zu verkaufen ergibt sich daraus alleine nicht, solange Leute bereit sind die 15 Euro zu zahlen.
    Trotzdem komme ich im Endeffekt auf ganz ähnliche Ergebnisse: Die Preise werden sinken und entsprechend werden die Künstler andere Geldquellen suchen müssen. Allerdings eher, weil die Preise durch eine viel realere Konkurrenz bedroht werden und das sind eben dezentrale Sicherheitskopien. Wenn die Musikindustrie könnte würden sie bis zum Sankt Nimmerleinstag pro CD 15 Euro und mehr nehmen und jeden einzelnen, der es wagt die Dinger zu kopieren, an die Wand stellen. Dann könnte man vermutlich auch weiterhin ein Riesengeld mit CDs verdienen.

  7. 28.03.2007 | 11:11

    @Llarian:

    Ich kann mich nicht erinnern, dass die Musikindustrie die CD-Preise in der Öffentlichkeit so darstellen würde, dass sie einen Riesengewinn damit macht, so dass ihnen der Reichtum schon zu den Ohren herausquillt.

    Nein, bevor sie die aktuelle Kampagne aufgesetzt haben (Wenn du raubkopierst, sorgen wir dafür, dass Dich ein Bodybuilder vergewaltigt), gab es eher öffentliche Darstellungen im Stile von “Man kann die CDs aber nicht viel billiger machen, weil ja so viele Jobs dran hängen…” und teilweise sogar (geschönte) Kostenrechnungen veröffentlicht.

    Die hohe Toleranz für Raubkopien in der Gesellschaft hat ja auch mit dem wachsenden Gefühl zu tun, von der Musikindustrie eh nur verarscht und abgezockt zu werden.

    BTW: “dezentrale Sicherheitskopien” ist ja ein netter Ausdruck. :)

  8. R.A.
    28.03.2007 | 11:21

    @Llarian:
    > Ob das Verlangen
    > nach “Tokio Hotel”
    > jetzt
    > marketinginduziert
    > ist oder nicht, es
    > kann nicht einfach
    > gegen “Bangkok
    > Bungalow”
    > substiuiert werden,
    Exakt.

    Und merkwürdigerweise kommt ja auch keiner der Schwarzkopierfans auf die Idee, einfach auf “Tokyo Hotel” zu verzichten und Musiker zu hören, die das mit dem Kopieren lockerer sehen.

    Man kann ja die Musikindustrie gerne als Ansammlung gieriger Schweine sehen (nur: wieso sollte das für Liberale ein Problem sein?).
    Aber solange die Musikindustrie niemanden zwingt, eine CD zu kaufen, ist doch alles ok.

    Daß man diverse von dieser Musikindustrie geforderten Gesetze sehr kritisch sehen muß, ist klar.

    Aber ich begreife allgemein nicht in dieser Diskussion, daß man den Interessen von Musikern, Autoren oder anderen Content-Produzenten so völlig gleichgültig gegenüberstehen kann nach dem Motto: “Was ihr produziert will ich haben, und zwar kostenlos, und wovon ihr dann lebt ist mir egal”.

  9. Llarian
    28.03.2007 | 13:03

    @R.A.: Ich bin bei der Frage selber ziemlich gespalten. Das Verzichtsargument ist logisch absolut zwingend. Ich kann nicht etwas “stehlen”, nur weil mir der Preis nicht passt. Ich habe nur Probleme mit dem Konzept des geistigen Eigentums. Für mich ist es schwer zu fassen, dass etwas, dass ich weiss, Eigentum eines anderen sein kann. Und so offensichtlich ist das auch nicht, sonst würde man auch nicht so Hilfskonstruktionen wie “Eigentum für die nächsten 10 Jahre und dann nicht mehr” brauchen. Als alter Fundamentalist, der ich bin, fällt es mir schwierig dass irgendwie zu verankern. Aber das war es wohl nicht, was Karsten hier diskutieren wollte. :)

  10. R.A.
    28.03.2007 | 14:44

    @Karsten:
    > gab es eher
    > öffentliche
    > Darstellungen im
    > Stile von “Man kann
    > die CDs aber nicht
    > viel billiger
    > machen, weil ja so
    > viele Jobs dran
    > hängen…”
    Das ist halt der übliche Mumpitz, wenn hierzulande politisch diskutiert wird. Da wird alles und jedes und sein Gegenteil mit Jobs begründet.

    Natürlich geht es den Musik-Bonzen in erster Linie um ihren persönlichen Reibach.
    Aber zumindestens hier bei uns sollte doch Konsens sein, daß dies legitim ist.

    > Die hohe Toleranz
    > für Raubkopien in
    > der Gesellschaft
    > hat ja auch mit dem
    > wachsenden Gefühl
    > zu tun, von der
    > Musikindustrie eh
    > nur verarscht und
    > abgezockt zu werden.
    Das glaube ich ehrlich gesagt nicht.
    Letztlich machen die Gewinne der Musik-Industrie nicht den Eindruck, dort würde mehr abgezockt als bei Porsche, Nike oder dem Döner-Laden an der Ecke.

    Aber bei denen akzeptiert jeder, daß er entweder zahlen muß, oder eben zu Fuß gehen, No-Name-Schlappen tragen oder trocken Brot fressen muß.

    Mir scheint den meisten Schwarzkopierern die Gier der Musikindustrie nur ein vorgeschobenes Argument zu sein, um das Gewissen zu beruhigen und die eigene Gier nach kostenlosem Erwerb zu bemänteln.

  11. 28.03.2007 | 14:49

    Hallo zusammen,

    wenn Ihr euch den ersten Satz von Karsten mal anschaut, denke ich, dass die meisten Kommentare hier ziemlich am Thema vorbeigehen. Wenn ich das richtig sehe, geht es Karsten nicht um Urheberrechtsschutz und rechtliche Geschichten sondern einfach nur um den Status Quo und der sieht nunmal so aus, dass die Einnahmen durch den Verkauf von Tonträgern und DRM-Musik im Internet stark rückläufig sind.
    Ob das nun so richtig ist und
    so sein sollte oder nicht sei dashingestellt – auf jeden Fall ist es so.

    Ich, als jemand, der aus dem Live-Tontechnik-Bereich kommt, kann Karsten nur absolut zustimmen.
    Über Urheberrechte, Raubkopien und deren Verfolgung kann man lange diskutieren, viele Maßnahmen ergreifen die viel Geld kosten (Kopierschutz, Verfolgung von Raubkopierern, etc…) und damit im Endeffekt seine Gewinnspanne nur noch verkleinern – denn jeder Kopierschutz ist in einem Drittel der Zeit geknackt, die es zum Programmieren gebraucht hat…
    Die Musikindustrie muss also langsam aufhören, Gebetsmühlenartig ihre Argumente zum Thema Raubkopieren dauernd zu wiederholen – es bringt ihnen ja eh nichts – sondern anfangen, sich umzugucken, wo man denn eigentlich noch Geld mit Musik verdienen kann – und das sind eindeutig Live-Performances.
    Wenn man bedenkt, was so ein durchschnittlicher Aufbau an Bühne, Ton- und Lichttechnik bei einem Mittelgroßen Konzert kostet – das wird dem Ottonormalverbraucher, der keinen Bezug zu den internet Details hat, gar nicht klar. Das klingt nur gut, und sieht hübsch bunt aus.
    Der andere Punkt der noch dazu kommt, ist denke ich die Qualität der Musik, denn Live kann man nicht einfach mal so lange am Effektgerät schrauben bis das gut klingt – das muss auf anhieb gut klingen. Da würden einige “Bands” wie Tokio Bor…. äh Hotel ganz schön ins straucheln geraten, denke ich…

    “Was ihr produziert will ich haben, und zwar kostenlos, und wovon ihr dann lebt ist mir egal”.

    Ich finde, man sollte vor allem auch mal bedenken, dass Tonträgerverkauf eine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist. Komisch nur, dass es Musik auch schon vorher gegeben hat? Musik ist eben eine Form von Kunst, und zwar eine brotlose Kunst. Wer Musik nur aus dem Grund produziert, Gelddamit zu verdienen, verdient es nicht, sich Künstler zu nennen. Solche Leute sind Kommerzer, mehr nicht. Ich denke auch dieses Problem, dass immer mehr schlechte ähm nein besser gesagt grausame Kommerz-Musik auf den Markt kommt und die guten Künstler dazwischen schon fast untergehen, wird sich damit ziemlich von alleine regeln… Mit Tonträgern ist keine müde Mark mehr zu machen und um Live zu spielen ist man nicht gut genug da man die Musik ja als “Job” und nicht als Kunst ansieht.
    Wie viele Tonträger hat Beethoven zu lebzeiten verkauft? Oder Mozart?
    Genauso gibt es heute genug Musiker, die keine Platten verkaufen, ja nicht einmal welche aufnehmen. Ich kenne viele Musiker, die keine Plattenverträge haben, auch nicht gegen große Gagen auf großen Festivals auftreten und trotzdem einfach der Musik wegen Musik machen ;)

  12. R.A.
    28.03.2007 | 14:54

    @Llarian:
    > Ich kann nicht
    > etwas “stehlen”,
    > nur weil mir der
    > Preis nicht passt.
    Exakt.
    Die ganze Diskussion über Kopierschutz und alle daraus abgeleiteten Gesetze würde in sich zusammenfallen, wenn die entsprechend Empörten einfach auf solche Musik/Software etc. verzichten.

    > Ich habe nur
    > Probleme mit dem
    > Konzept des
    > geistigen Eigentums.
    OK – das wollte ich auch hier nicht diskutieren.

    Man muß es meinetwegen nicht “Eigentum” nennen.
    Aber es sollte doch klar sein, daß ein Content-Produzent ein legitimes Interesse daran hat, nicht umsonst arbeiten zu müssen, und daß es gerade im Interesse der Konsumenten ist, faire Modelle dafür zu entwickeln.

    Diese Modelle können durchaus völlig anders aussehen als heute üblich – da bin ich ziemlich offen.

    Aber es ist weder schlau noch gerecht von vielen Freikopierfans, wenn sie die Kuh beliebig melken wollen, aber sich prinzipiell beim Füttern verweigern.

    > Aber das war es
    > wohl nicht, was
    > Karsten hier
    > diskutieren wollte.
    Tja, aber was wollte er dann diskutieren?

    Daß man nicht nur mit CD-Verkäufen seinen Lebensunterhalt verdienen kann ist letztlich trivial.

    Über Recht/Unrecht oder Sinnhaftigkeit von CD-Verkäufen sagt das nichts.

    Bei uns im Viertel steht ein öffentlicher Bücherschrank, da stellen die Leute ihre alten Bücher rein und nehmen sich dafür von den anderen, was ihnen gefällt.

    Richtig niedliche Idee.

    Fände ich jetzt aber kein Argument für die These, man dürfe sich in der nächsten Buchhandlung nach Belieben ohne zu zahlen Bücher mitnehmen …

  13. R.A.
    28.03.2007 | 15:07

    @Maik:
    > Über Urheberrechte,
    > Raubkopien und deren
    > Verfolgung kann man
    > lange diskutieren,
    > viele Maßnahmen
    > ergreifen die viel
    > Geld kosten …
    Klar.
    Ist denkbar, daß das alles eine Sackgasse ist. Kann dann auch sein, daß am Ende eine Reihe Angebote einfach verschwinden, von denen die Kopierer heute glauben, die würden automatisch vom Himmel fallen.

    > denn jeder
    > Kopierschutz ist
    > in einem Drittel
    > der Zeit geknackt,
    Ja.
    Ich rede hier aber weniger über konkrete Maßnahmen, sondern übers Prinzip.

    Wenn nämlich allgemein anerkannt würde, daß ein Produzent nicht aller Rechte verlustig geht, nur weil er seine Musik auf CD bringt – vielleicht wäre ja auch denkbar, daß die Leute einfach ehrlich bezahlen, was sie nutzen wollen.

    Man kann Diebstahl auch sonst nicht komplett verhindern. Aber die meisten Leute verzichten auf Diebstahl nicht wegen der technischen Qualität der Schlösser, sondern weil sie es nicht anständig finden.

    Und wenn es wieder allgemein als anständig gelten würde, auch einen Produzenten fair zu bezahlen, dann wäre die Diskussion m. E. schon weiter.

    > Ich finde, man
    > sollte vor allem
    > auch mal bedenken,
    > dass Tonträgerverkauf
    > eine Erfindung des
    > 20. Jahrhunderts ist.
    Nu und?
    Strom gibt es auch erst seitdem – soll man den deswegen frei abzapfen dürfen?

    > Wer Musik nur aus
    > dem Grund
    > produziert,
    > Gelddamit zu
    > verdienen, verdient
    > es nicht, sich
    > Künstler zu nennen.
    Meinetwegen.
    Dann nennen wir ihn halt nicht Künstler.
    Sein Geld aber hat er sich trotzdem verdient.
    Einfach deshalb, weil die Konsumenten genau seine Produktion hören wollen.

    Wenn sie es nicht hören wollen, weil sie es nicht künstlerisch genug finden – dann gibt es ja keinen Diskussionsbedarf.

    > Wie viele Tonträger
    > hat Beethoven zu
    > lebzeiten verkauft?
    Viele, wenn es die schon gegeben hätte.

    Der Unterschied heute ist halt, daß nicht nur wenige Fürsten und Reiche diese Musik hören können, sondern jeder.
    Und so wie damals die Fürsten ihre Musiker bezahlt haben, muß das halt jetzt auch jeder machen – des es hören will.

  14. 28.03.2007 | 15:24

    “Man kann Diebstahl auch sonst nicht komplett verhindern. Aber die meisten Leute verzichten auf Diebstahl nicht wegen der technischen Qualität der Schlösser, sondern weil sie es nicht anständig finden.

    Und wenn es wieder allgemein als anständig gelten würde, auch einen Produzenten fair zu bezahlen, dann wäre die Diskussion m. E. schon weiter.”

    Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen. Leider ist das eine Utopie, denn es wird nicht möglich sein, den Leuten das klarzumachen. Raubkopieren ist ja keine Sache die aufkam mit der Erfindung von MP3 und Internet sondern mit der Erfindung der Tonträger. Schallplatten wurden damals auf Tonbänder kopiert, später auf Cassetten.
    Da ich keine realistische Möglichkeit sehe, den Leuten zu vermitteln, dass auch ein Produzent ordentlich bezahlt werden muss und sein Geld verdient hat, denke ich aber, dass die Musikindustrie einfach anfangen sollte, sich umzuorientieren. Es gibt noch genug Sektoren innerhalb ihres Marktes, wie den Live-Bereich, mit dem sich gut Geld verdienen lässt.

    “Sein Geld aber hat er sich trotzdem verdient.
    Einfach deshalb, weil die Konsumenten genau seine Produktion hören wollen.”
    Das sehe ich als insider etwas anders. Es gibt jede Menge sogenannter “Künstler”, die meiner Ansicht nach das Vermögen, dass sie mit “ihrer” Musik machen nicht verdient haben.
    Ich möchte hier aber nicht anfangen, mich über Pop-Kommerz-Musik auszulassen, das gehört auf ein anderes Blatt ;)

  15. Llarian
    28.03.2007 | 16:22

    @Maik:
    Ich glaube nicht, dass wir wirklich in eine Zeit zurückwollen in denen qualitativ höhere Kunst nur den Reichen und Mächtigen zuteil wird, die es sich leisten können, den Mäzen zu geben, insofern ist der Hinweis auf Beethoven und Mozart ein wenig unglücklich. Von Goethe weiss man, dass er ziemlich giftig werden konnte, wenn sein Verleger zuviel Anteil vom Kuchen wollte und keiner käme auf die Idee ihm die Kunst abzusprechen, weil er ein gesundes kommerzielles Interesse hatte. Es ist m.E. nach nicht zielführend einem die Kunst abzusprechen, weil man damit Geld verdienen will. Und noch weniger darüber extern zu urteilen wann jemand sein Geld verdient hat oder nicht. Was jemand verdient sollte bei uns immernoch der freie Markt entscheiden.

    @R.A.:
    Ich bin mir darüber im Klaren, dass mein Rechts/Unrechtsbewusstsein in dieser Frage auch deutlich vom eigenen Vorteil gebiast ist. Ich bin mit dezentralen Kopien aufgewachsen. Und das haben wir damals gemacht, weil es billig war und nicht, weil wir der Meinung waren die Industrie verdiene zuviel.
    Ebenso ist aber auch ein Existenzrecht der Contentindustrie nicht so klar. Nur weil jemand von etwas leben will, heisst das nicht, dass man das zahlen muss. Ich habe ja auch kein Interesse Versicherer gegen Eisbergschaden im Bodensee zu bezahlen, nur weil jemand meint, er wolle solche Policen anbieten. Prinzipiell würde ich sagen, ich habe Interesse an der Existenz der Kunst, nicht an der Kunstindustrie.
    Die Frage die übrig bleibt ist, wie kann man zu einem funktionierenden Kunstmarkt kommen, ohne dieses furchtbare Vehikel des geistigen Eigentums zu bemühen ?

  16. 28.03.2007 | 16:34

    @R.A.

    Irgendwie habe ich bei der Diskussion dieses Thema immer das Gefühl, dass du stets wieder ganz von vorne anfangen würdest, also nicht etwa auf einem Stand, der die Argumentation des Für und Wider vergangener Diskussionen abbildet, sondern am liebsten stets von Neuem und mit denselben Argumenten gegen den Strohmann der “Schwarzkopierfans”, die uns allerdings nicht den Gefallen tun, hier vertreten zu sein.

    Natürlich ist das dein gutes Recht. Es ist aber schade, wenn Ansätze wie von Karsten, die das Thema von einer anderen Seite her beleuchten und als Konsequenz auch vergangener Diskussionen mögliche Entwicklungslinien aufzeigen, auf diese Art einfach wieder nur in ein altes Raster gepresst werden.

    Ich finde es übrigens auch nicht sonderlich logisch, erst gegen die hohe Zahl von Kopierern zu wettern und dann eben diese als Beweis für vorenthaltenes Entgelt zu nehmen. Gerade Nachfrage nach Popmusik dürfte, was die Zahl von Kopien angeht, sehr preiselastisch sein.

    Es geht hier u.a. um Güterabwägungen und Kosten-Nutzen-Überlegungen. Die Durchsetzung eines unantastbaren “geistigen Eigentums” gegen alle technischen Möglichkeiten und gegen auch das Rechtsbewusstsein der Mehrheit ist mit hohen Kosten verbunden. Entweder die Musikindustrie macht weiter mit dem technischen Wettlauf, dann kostet das Entwicklungsgelder und enttäuschte Kunden, die eine legal erworbene CD plötzlich nicht mehr in allen Geräten abspielen können. Oder sie engagiert den Staat als Handlanger, der ihnen nun seinerseits alle technischen Möglichkeiten der Massenüberwachung in die Hände gibt, damit das Geschäftsmodell zu retten ist. Das verursacht hohe gesellschaftliche Kosten, die man zumindest als Liberaler nicht akzeptieren dürfen sollte.

    Politisch relevant ist allein Letzteres. Alles andere überlassen wir doch dem großen Entdeckungsverfahren “Markt”. Auch den Aspekt, der im Streit für das “geistige Eigentum” gerne so außer Acht gelassen wird, nämlich das “Cui bono”. Man ist es ja gewohnt, dass bei Demos gegen Agrarmarktreformen immer empörte Kleinbauern vor die Mikrofone gelassen werden und bei Gehaltsforderungen im Öffentlichen Dienst die Krankenschwestern herhalten müssen, während die eigentlichen Nutznießer sich unsichtbar machen können. Bei der Debatte um die Einschränkung von Bürgerrechten zur Wahrung des “geistigen Eigentums” sind des die armen Künstler. Wer denen aber etwas Gutes tun will, sollte sich vielleicht mal näher mit deren Beziehung zu den Rechteverwertern beschäftigen, bevor man sich gerade für die in die Bresche wirft. Das nur mal so als Anregung.

  17. 28.03.2007 | 21:59

    @llarian
    “Und noch weniger darüber extern zu urteilen” Lies mal meinen Kommentar genau…
    Ich habe genug sogenannter “Künstler” live erlebt, die ein MD mit dem Playback abspielen weil sie eigentlich überhaupt nicht singen können. Der eigentliche Künstler ist der Kollege im Studio der es geschafft hat, mit Hilfe von etlichen Effektgeräten aus der Stimme etwas zu machen…
    “Was jemand verdient sollte bei uns immernoch der freie Markt entscheiden.” Das tut er natürlich. Es sagt aber nichts darüber aus, was diese Leute mit ihrem zeug eigentlich verdient hätten… Künstlerische Qualität kann man nunmal nicht am Marktwert festmachen…

  18. 28.03.2007 | 23:41

    @Maik:

    Nein, künstlerischer Qualität kann man gar keinen Wert zuweisen. Sie ist eben subjektiv. Aber ich denke, da sind wir einer Meinung.

  19. Llarian
    29.03.2007 | 0:43

    @Maik:
    Ich hab deinen Kommentar schon verstanden, ich bin nur nicht deiner Meinung. Ob ein Künstler etwas ohne Tontechnik singen kann oder nicht ist nicht wichtig, solange er das verkauft, was sein Zuschauer haben will. So lange es ihm gelingt bei seinem Zuschauer Emotionen und Gedanken zu wecken, die dieser anders nicht emfindet. Nicht der Tontechniker schafft dies, sondern der Künstler, sonst könnte es der Tontechniker auch selber machen.
    Künstler geben auch Erfahrungen vor, die sie nicht haben, singen von Dingen, die sie nur aus Büchern kennen oder lassen sich Texte von wieder ganz anderen schreiben. Das ist aber nicht wichtig, so lange ein Kunde genau das haben will.

    Es obliegt nicht Dir oder mir zu beurteilen was Kunst ist oder gefällt, sondern einzig dem, der die Kunst kauft oder schön findet. Ob das ganze im Tondstudio entstanden ist, wo ist das wichtig ?
    Wie Karsten gerade sagte, Kunst ist in höchstem Maße subjektiv und eigentlich ist der Marktwert in diesem Zusammenhang noch die fairste Bewertung, denn er gibt die Meinung von vielen wieder.

  20. 29.03.2007 | 1:13

    @Llarian:

    Ich glaube, dass Du hier eine etwas rosige Vorstellung von Künstlern hast (Emotionen wecken und so), die sich (leider!) nur noch mit einem geringen Teil der aktuellen “Contentproduzenten” deckt – dass dieses Wort da vielfach besser trifft als “Künstler”, ist jedenfalls auch meine Meinung.

    Denn der Tontechniker hat häufig ja nicht mehr die Aufgabe, die besonderen Eigenheiten der Stimme eines bestimmten Künstlers herauszustreichen und zu unterstützen, sondern vielmehr die, aus einer überaus durchschnittlichen und gewöhnlichen Stimme und Performance etwas zu machen, das auch “nach was klingt”. Und für den letzendlichen Erfolg ist leider oft Authentizität weniger wichtig als ein mit großem Enthusiasmus (und Budget) kreiertes Image, das weniger mit dem jeweiligen Künstler zu tun hat als vielmehr mit der Verwertungsindustrie, die mittlerweile eisern zwischen Künstler und Rezipienten steht.

    Und damit wären wir vielleicht – nach der offenbar unvermeidlichen Urheberrechtsdiskussion – wieder beim Thema meines Beitrages: Dass sich nämlich im Laufe der nächsten Jahre vermutlich immer deutlicher zeigen wird, dass die modernen technischen Mittel die künstlerische Bedeutung aufgezeichneter Musik immer weiter herabsetzen werden. Und dass die Live-Performance (die man auch nicht so leicht vervielfältigen kann) damit in ihrer Bedeutung steigen und die eigentliche Einnahmequelle des Musikers darstellen könnte. Wenn wirklich jeder kapiert hat, dass das, was er als Kunst kauft, äußerst unecht ist. Wenn Authentizität wieder zählt.

    Oder ich irre mich. Aber wäre schön andere Meinungen dazu zu lesen.

    Ach ja: Was den kommerziellen Wert von Kunst als objektiven Bewertungsmaßstab angeht: Da gibt es das Problem, dass Leute von Kunst angesprochen sein können, ohne den Willen, sie besitzen zu wollen. Nur der Wille, sie zu besitzen, macht aber den Marktwert aus. Ich kann etwas nämlich künstlerisch sehr schön und wichtig finden, ohne es aber haben zu wollen – und darum entzieht sich Kunst leider sogar den von uns allen hier geliebten Prinzipien der Marktwirtschaft.

  21. R.A.
    29.03.2007 | 11:42

    @Maik:
    > Da ich keine
    > realistische
    > Möglichkeit sehe,
    > den Leuten zu
    > vermitteln, dass
    > auch ein Produzent
    > ordentlich bezahlt
    > werden muss und sein
    > Geld verdient hat,
    Vielleicht richtig.
    Obwohl ich durchaus das Gefühl habe, das die meisten Leute das durchaus einsehen.

    Und vielleicht als Jugendliche mangels Geld etwas großzügiger sind mit dem Kopieren, als Erwachsene mit Einkommen aber häufig bewußt legal kaufen, eben weil halt doch ein Gefühl für Anständigkeit da ist.

    > denke ich aber, dass
    > die Musikindustrie
    > einfach anfangen
    > sollte, sich
    > umzuorientieren.
    Da stimme ich zu.
    Der Kampf gegen Windmühlenflügel bringt eh nichts, der Erfolg von iTunes zeigt, daß es auch anders geht (insbesondere wenn man da noch kräftig die Preise senken würde).

  22. R.A.
    29.03.2007 | 11:46

    @Llarian:
    > Ebenso ist aber auch
    > ein Existenzrecht der
    > Contentindustrie
    > nicht so klar.
    Die ist mir auch recht unwichtig.
    Auch wenn in der Tat oft der “arme Künstler” vorgeschoben wird, wenn die Konzernbosse ihr eigenes Gewinnstreben nicht zugeben wollen – am Ende ist es halt doch der Künstler, der sein Geld kriegt oder eben nicht.

    Und der mit denselben Problemen zu kämpfen hat, wenn er direkt vermarktet und nicht über Konzerne geht.

    Im übrigen gelten alle diese Grundsatzüberlegungen nicht nur für Musik, sondern insbesondere auch für Bücher etc.

    Ich habe wenig Ahnung von der Notwendigkeit der Plattenlabels – aber bei Buchverlagen bin ich schon sicher, daß die eine sinnvolle Arbeit machen.

    Und bei Buchautoren ist schon klar, daß die meistens nur über den Textverkauf Geld verdienen können und nicht mit Live-Auftritten.

  23. R.A.
    29.03.2007 | 11:59

    @Rayson:
    > Irgendwie habe ich
    > bei der Diskussion
    > dieses Thema immer
    > das Gefühl, dass du
    > stets wieder ganz
    > von vorne anfangen
    > würdest, …
    Dieses Gefühl mag daher kommen, daß Du die Diskussion beim spannenden Punkt abgebrochen hast.

    Die Diskussion über abstrakte Eigentumsbegriffe haben wir beendet, “we agree to disagree”.

    Aber bei der Diskussion, ob denn nun ein Autor überhaupt irgendwelche Rechte hat, seine Interessen zu wahren – da bist Du ausgewichen.

    > erst gegen die hohe
    > Zahl von Kopierern
    > zu wettern und dann
    > eben diese als
    > Beweis für
    > vorenthaltenes
    > Entgelt zu nehmen.
    Das habe ich nicht.
    Ich folge auch nicht den obskuren Berechnungen, wieviel “Schaden” angeblich durch Schwarzkopieren entsteht – die Zahlungsbereitschaft dieser Leute ist ja völlig unbekannt.

    Ich sage nur, daß Leute, die Null ausgeben wollen dann eigentlich so konsequent sein sollten, auf “Tokyo Hotel” zu verzichten, wenn ihnen deren Preismodell nicht gefällt.

    > Es geht hier u.a.
    > um Güterabwägungen
    Um Güter abzuwägen, muß man erst einmal deren Existenz anerkennen.

    Es ist ein Riesenunterschied ob man sagt: “Eigentlich sollte der Künstler Geld kriegen, aber wir haben derzeit keine vernünftigen Mittel, ihm dazu zu verhelfen” oder ob man sagt “Der hat keinerlei Rechte und man darf jeglichen Content nach Belieben verwenden und kopieren”.

    Ich habe niemals die konkreten Forderungen z. B. der Musik-Industrie verteidigt oder gar diverse Gesetze dazu.

    Sondern immer nur gefordert, daß man die Interessen der Content-Produzenten anerkennen sollte und damit auch überlegen sollte, ob es nicht wenigstens teilweise Maßnahmen mit akzeptablem Kosten-Nutzen-Verhältnis etc. geben kann, um deren Interessen zu wahren.

    Wenn sich solche Maßnahmen nicht finden lassen – ok, Pech gehabt.
    Wobei das je nach Bereich sehr unterschiedlich sein kann, ich rede eben NICHT nur über Musik.

  24. Llarian
    29.03.2007 | 13:42

    @Karsten:
    Ich beziehe meine rosige Vorstellung rein von mir selber. Wenn ein, nennen wir es Objekt, bei mir Emotionen oder Gedanken wecken kann, emfinde ich das als Kunst. Dabei ist es belanglos ob sich eine ganze Industrie oder ein einzelner Mann mit einer Flöte dafür verantwortlich zeigt. Ob das, woraus sich das Werk im einzelnen zusammensetzt, gewöhnlich oder handwerklich ist, ist mir nicht wichtig. Ebensowenig wie die Frage ob die Kunst jetzt beim Texter, Interpreten oder durch den Produzenten geschaffen wird. Nicht die Erstellung sondern das Objekt ist das alleinige Maß. Das Image ist dabei durchaus ein Teil des Ganzen, man kann es nicht herauslösen und singulär betrachten.
    Das die Urheberrechtsdiskussion dabei immer wieder reinspielt ist nicht zu vermeiden, denn der Effekt, den Du beschreibst, hängt damit unmittelbar zusammen. Du sagst, Live-Performance wird wichtiger, weil die “Kunden” ein grösseres Interesse an Autentizität entwickeln. Das bestreite ich ganz entschieden. Live-Performance wird wichtiger, weil der Kunde zunehmend kein Interesse mehr am Copyright zeigt. Selbe Wirkung aber gänzlich andere Ursache.
    Deine Argumentation zum Kaufen/Willen kaufe ich auch nicht. :)
    Wenn jemand eine Kunst will, dann hat er auch eine Bereitschaft dafür zu zahlen. Vielleicht will er sie nicht zuhause haben, aber er zahlt für die Erstellung. Ist er dazu nicht bereit, dann ist sie ihm auch nichts wert. Und wenn das für alle Menschen gilt, dann ist sie wertlos. Ich stelle mich da ausgesprochen doof hin: Eine Sache ist genau das wert, was jemand bereit ist dafür zu bezahlen. Das gilt für die Erstellung von Kunst ebenso wie für das Backen von Kuchen.

  25. Llarian
    29.03.2007 | 13:49

    @R.A.:
    Es gibt schon einen bedeutenden Unterschied zwischen Büchern und Platten. Wenn man den Begriff des geistigen Eigentums mal kurz für falsch deklariert, dann ist Kompensation für (kopierbare) Kunst eine Art von Spende. Man bezahlt jemanden für das was er gemacht hat nach eigenem Gutdünken (mal ab von den Druckkosten) und mit dem Hintergedanken dass der, wenn genügend Menschen das tun, er noch mehr Kunst schaffen wird. Diese Welt ist bei Büchern noch in Ordnung. Autoren leben gut von ihren Werken und das System funktioniert. Bücher werden als real gepreist emfunden.
    Bei Platten ist dagegen der Preis sehr hoch und die Nachfrage viel höher. Und als Folge verdienen eben Künstler soviel Geld, dass man sich fragt, warum soll ich hier noch spenden ? Der bekommt schon viel, da muss ich nix drauflegen. Wenn ich Künstler wie Madonna sehe, die den Hals einfach nicht voll kriegen und trotz hunderten Millionen immernoch wert darauf legen, dass kleine Kinder verfolgt werden, weil sie eine CD kopieren, dann ist da meine Spendenbereitschaft genau null. Ich würde eine Madonna CD noch mit 2 Euro für überpreist emfinden.

  26. R.A.
    29.03.2007 | 15:36

    @Llarian:
    > Es gibt schon
    > einen bedeutenden
    > Unterschied zwischen
    > Büchern und Platten.
    Vom Grundsatz her gibt es m. E. keinen.
    Wir haben nur unterschiedliche technische Stände: Der Textmarkt befindet sich noch weitgehend in der Schallplatten-Ära, man muß die Dinger erst noch mühsam digitalisieren, bevor man sie kopieren und weiterverteilen kann.

    Das hat natürlich in erster Linie damit zu tun, daß es (noch) keine vernünftigen Abspielgeräte für digitalisierte Texte gibt.

    Aber eben auch damit, daß die Verlage die Probleme im Musik-Bereich sehen und nur mäßig Lust haben, sich die mit eBooks auch aufzuladen.

    Wenn die Musikindustrie geahnt hätte, welche Probleme sie mit Napster und Co. bekommen, wären sie wahrscheinlich nie auf CDs umgestiegen.

    > Wenn man den Begriff
    > des geistigen
    > Eigentums mal kurz
    > für falsch
    > deklariert, dann ist
    > Kompensation für
    > (kopierbare) Kunst
    > eine Art von Spende.
    Ich hoffe mal, daß zwischen diesen beiden Extremen noch etwas möglich ist.
    Denn wenn man das Recht eines Künstlers an seinen Produkten grundsätzlich negiert (egal wie man dieses Recht jetzt nennt oder genau ausstattet), dann halte ich Spenden alleine für völlig unzureichend – dann werden wir eben deutlich weniger Produzenten und Produkte haben.

    > Autoren leben gut
    > von ihren Werken
    > und das System
    > funktioniert.
    Aber nur, weil es eben noch keine Digitalisierung gibt.
    Ich halte es für völlig unwahrscheinlich, daß Autoren/ Lektoren/ Übersetzer nur von freiwilligen Spenden leben könnten.

    Jetzt kann man natürlich streiten, ob eine erhebliche Reduzierung des derzeitigen Buchmarkts ein großer Verlust wäre – für mich wäre es das.

    > Bücher werden als
    > real gepreist
    > emfunden.
    Weiß ich nicht.
    Die Leute kaufen Bücher nicht wegen solcher Empfindungen, sondern weil sie sie lesen wollen und kostenlos nicht kriegen.

    > Bei Platten ist
    > dagegen der Preis
    > sehr hoch und die
    > Nachfrage viel
    > höher.
    Weiß ich auch nicht.
    M. W. ist der Gesamtumsatz im Printbereich deutlich höher als im Audiobereich.

    Und ob man das schwarz Kopierte als echte Nachfrage zählen soll, ist halt fraglich.

    > Und als Folge
    > verdienen eben
    > Künstler soviel
    > Geld, dass man
    > sich fragt, warum
    > soll ich hier noch
    > spenden ?
    Verdienen Musiker im Schnitt mehr als Autoren?
    Glaube ich nicht.
    In beiden Bereichen gibt es einige reiche Stars, und viele, die sich mühsam durchwursteln.

    “Was soll ich spenden” ist m. E. bei Medienkonsum fast nie eine praktisch relevante Frage.

    Die Rowlings ist Milliardärin, vielleicht reicher als Madonna – und trotzdem werden Millionen den nächsten Harry Potter kaufen.

  27. Llarian
    29.03.2007 | 16:01

    @R.A.: Ich negiere dem Künstler nicht das Recht an seinem Werk, eher das Recht anderen das Kopieren zu verbieten. Ein Künstler wird kaum gezwungen sein Werk öffentlich zu präsentieren. Aber warum sollte er ein Recht haben bei einer öffentlichen Präsentation anderen etwas zu verbieten ?

    Betrachten wir es libertär: Es gibt den Künstler A, den Kunden B und den Dritten C. A hat keinen Vetrag mit C. C auch nicht mit A. Somit kann C, wenn er das Werk irgendwie bekommt, es auch kopieren. Jetzt wirst Du einwenden, dann muss B in seinem Vertrag mit A eben versprechen (garantieren), dass er nichts an C weitergibt. Aber genau da hakts. Dazu wären die meisten Bs nämlich nicht einverstanden. Niemand würde eine CD kaufen, die er nur zuhause in der stillen Kammer hören kann. Die nicht im Radio gespielt wird. Genau das will aber A. Er will, dass sein Werk öffentlich wird und das B keine Einschränkungen wahrnimmt. Und das erreicht er mit einem einseitigen staatlichen Gesetz zum Nachteil von C. Das Angebot dass A an B macht wird durch das Gesetz verändert, es wird attraktiver.

    Ob durch zunehmende Digitalisierung sich im Buchmarkt was ändert ? Wir werden sehen. Für mich ist es real ein Unterschied zwischen 15 Euro für 60 Minuten Musik oder 15 Euro für 20 Stunden Lesevergnügen. Es gibt durchaus CDs für die ich auch 15 Euro bezahle (sehr wenige). Bei Büchern ist das Geschäft aber doch überzeugender. Übrigens weiss ich nicht, ob ich Frau Rowling nochmal eine Spende zukommen lasse. Wenn der siebte Band genauso schlecht wird wie der sechste darf sie ihn behalten.

  28. R.A.
    29.03.2007 | 17:03

    @Llarian:
    > Ich negiere dem
    > Künstler nicht das
    > Recht an seinem Werk,
    > eher das Recht
    > anderen das
    > Kopieren zu
    > verbieten.
    Und was ist das “Recht an seinem Werk” dann noch wert? De facto nichts.

    Interessanter ist das Vertragsbeispiel.

    M. E. wäre es bei Fehlen staatlicher Regelungen schon die normale Vertragskonstruktion, das A sein Werk nur dann an B verkauft, wenn der sich zur Nichtweitergabe verpflichtet. Was ja den normalen Gebrauch in keiner Weise behindert.

    Und B ist auch der originäre Rechtsbrecher, nicht so sehr der kleine Kopierer am Ende der Kette.

    Wenn nun aber B den Vertrag bricht – dann kann C trotz fehlenden direkten Vertrags mit A keinen rechtmäßigen Besitz an der Kopie erwerben, das wäre dann wie bei Hehlerei.

    Insgesamt halte ich die staatlichen Gesetze nur für eine vereinfachende Generalisierung der Verträge, wie sie A und B ansonsten massenhaft abschließen würden (ich meine jetzt das grundsätzliche Gesetzverständnis, nicht jede moderne “Raubkopier”-Klausel).

    > Übrigens weiss ich
    > nicht, ob ich Frau
    > Rowling nochmal
    > eine Spende
    > zukommen lasse.
    Da bleibt mir keine Wahl, ein Verzicht wäre in der Familie politisch nicht durchsetzbar ;-)
    Unsere Amazon-Bestellung ist schon registriert …

  29. 29.03.2007 | 18:33

    Dann eben noch mal für die Grundsätzlichen das hier zum Lesen, wenn man Zeit ist:
    http://www.dklevine.com/general/intellectual/againstnew.htm

    Mit Dank an “Mit dem Kopf voran” für den Hinweis.

  30. R. A.
    29.03.2007 | 18:53

    @Rayson:
    Vielen Dank für den Link, das werde ich baldmöglichst und mit großem Interesse lesen. Obwohl mich beim ersten Überfliegen die exzessive Überdehnung des Begriffs “Monopol” mißtrauisch macht.

    Wir sind uns aber wohl einig, daß grundsätzlich der Verweis auf externe Autoritäten die Argumentation innerhalb einer Diskussion nur ergänzen, nicht aber ersetzen kann.

  31. 29.03.2007 | 21:20

    @R.A.

    Wer redet denn von Autoritäten? Als ob meine Argumentation die auch nur annähernd nötig hätte ;-)

    Ich habe das verlinkte Werk übrigens selbst noch nicht gelesen. Soll aber spannend sein, sagt SteffenH.

  32. 30.03.2007 | 7:28

    Recht hat SteffenH:

    In the end, it is difficult to avoid the conclusion that it is the extreme unpopularity of the music industry with its customers, combined with the inferiority of the “legitimate” product, that has led to the widespread giving away of MP3s for the cost of personal time and bandwidth. In the case of products sold in a superior form at a reasonable price, there appears to be little effort to trade it on peer-to-peer networks – so much so that the unencrypted product outsells the encrypted version.

    Kapitel 2, S. 23

    Erinnert mich ein bißchen an eins der Statements von Llarian.

  33. 30.03.2007 | 7:30

    Oh, ich sehe gerade, daß aus dem zitierten Abschnitt nicht hervorgeht, daß es sich bei den Produkten in “superior form” und “at a reasonable price” um Ebooks handelt.

  34. 30.03.2007 | 8:00

    @David:
    Hm, eigentlich meine ich, dass sich das auch ein Bisschen nach Kommentaren von mir anhört…
    Allerdings: Könnte es sein, dass Ebooks vielmehr deswegen weniger “geshared” werden, weil eben mehr Leute Musik hören als lesen? Und auch mehr verschiedene Musikstücke in der gleichen Zeit konsumieren können, als das mit Büchern möglich ist?

  35. 30.03.2007 | 13:56

    “Hm, eigentlich meine ich, dass sich das auch ein Bisschen nach Kommentaren von mir anhört…”

    Das mag sein. Ich fühlte mich nur in erster Linie an die Sache mit Madonna und den Preisen erinnert.

    “Allerdings: Könnte es sein, dass Ebooks vielmehr deswegen weniger “geshared” werden, weil eben mehr Leute Musik hören als lesen?”

    In absoluten Werten betrachtet mit Sicherheit. Aber das Phänomen läßt sich wohl ebenso bei den relativen Werten beobachten.
    Wobei man sicherlich einräumen muß, daß dem Buch keine ausgedehnten Studien sondern eher mehrere Stichproben und auch Umsatz- oder Gewinnangaben zugrunde liegen. Die sind aber teilweise dennoch sehr interessant.

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