Ehrliches Entsetzen, gepaart mit Wut

Man wird mich naiv und blauäugig schimpfen – aber ich muss mein Entsetzen jetzt einfach mal loswerden.

Bislang habe ich attac nicht weiter beachtet. Heute habe ich in einer gelangweilten Mittagsstunde mal in einem “Grundlagenpapier” (PDF, 582 KB) der “AK Grundlagen” der Münchener Attac-Gruppe gelesen, das ein alternatives Wirtschaftskonzepts vorstellt. Kurz: Mich hat es fast vom Hocker gehauen! So unverblümt habe ich die Forderung nach Rückkehr zum Sozialismus nicht erwartet.

Hier mal ein paar Auszüge aus dem Papier, versehen mit meinen Anmerkungen, die ich mir natürlich nicht verkneifen konnte:

Steuerliche Gleichstellung von Unternehmen
Mulinational organisierte Unternehmen werden während des Übergangsprozesses mit ihrer gesamten Wertschöpfung schrittweise inländischen Steuern unterworfen und national organisierten Unternehmen
gleichgestellt. Damit werden Steuerschlupflöcher gestopft, Steueroasen ausgetrocknet und Unternehmen
motiviert, ihren Anteil an nationaler Wertschöpfung Schritt für Schritt zu erhöhen.

Das bedeutet natürlich, dass ausländische Unternehmen Deutschland den Rücken kehren werden.

Verbot von Unternehmensfusionen und Übernahmen
Grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen werden mit Beginn des Übergangsprozesses – in beiden Richtungen – wegen der damit verbundenen Verletzung der Ortsgebundenheit und Sozialpflichtigkeit des Produktionskapitals nicht mehr zugelassen. Inländische Fusionen und Übernahmen, die der Dezentralisierung und dem wirtschaftlichen Subsidiaritätsprinzip entgegenstehen, werden zum selben Zeitpunkt ebenfalls untersagt.

Der Franzose hat mit seinem Kapital hier nichts verloren! Ansonsten sind wirtschaftliche Beteiligungen anzumelden und Genehmigungen einzuholen. DDR light? Das ist DDR, nichts anderes.

Wiederaufbau zerstörter Industrien
Diese Programme dienen dem Wiederaufbau einzelner nationaler Wirtschaftsbranchen, die unter neoliberalen Verhältnissen dezimiert oder ganz zerstört worden sind, sowie auch der Neubelebung ganzer Binnenregionen, die im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten sind. Gesamtwirtschaftlich wird damit das Ziel verfolgt, die nationale wirtschaftliche Vielfalt und Unabhängigkeit wiederherzustellen, das in der Bevölkerung vorhandene breite Spektrum an Fähigkeiten und Qualifikationen mit der Arbeitsnachfrage der Wirtschaft zur Deckung zu bringen und für den gesellschaftlichen Fortschritt zu nutzen, sowie die binnenwirtschaftlichen Voraussetzungen für die drei Säulen des Außenhandels zu schaffen.

Zentralismus wie er im Buche steht. Die haben echt nichts gelernt, die attacis… Da werden Wirtschaftsbranchen aufgebaut, Vielfalt und „Unabhängigkeit“ hergestellt – basierend auf dem Wissen eines großen Vorsitzenden (oder einer Bande von Bürokraten). Kommandowirtschaft pur.

Dazu werden nationale und ausländische Wissensträger angeworben, Maschinen, Ausrüstungen und Lizenzen erworben und erfahrene wie neue Mitarbeiter geschult und eingearbeitet.
Die Produktion innerhalb einer im Aufbau befindlichen Branche wird im selben Maße schrittweise hochgefahren wie die Importe zurückgeschraubt werden.

Kennt jemand noch das Computerspiel SimCity? Hier scheinen ein paar Ex-Spieler zu glauben, sie könnten an der realen Welt um sie herum ebenso herumbasteln. Das liest sich schon fast mitleiderregend naiv.

Gleichzeitig werden die Preise für Binnen- und Importprodukte schrittweise und im Gleichtakt auf das Binnenniveau angehoben: Während die Preise der Importprodukte durch angepasste Wechselkurse und eventuell schrittweise durch Zölle und Steuern auf das unverfälschte Inlandsniveau angehoben werden, erhalten die inländischen Hersteller während des Übergangs schrittweise abnehmende staatliche Zuschüsse, bis beide Bewegungen schließlich das unverfälschte Inlandsniveau erreicht haben und für in- und ausländische Produkte gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen.

Und was ein „unverfälschtes“ Preisniveau ist, definiert der kommende Führer?

Beim Wiederaufbau von Wirtschaftszweigen werden von vornherein dezentralisierte Strukturen mit subsidiärer Arbeitsteilung aufgebaut und dabei alles unternommen, um schädliche und kostspielige externe Effekte auf Gesellschaft und Umwelt schon im Ansatz zu vermieden (siehe auch den nächsten Absatz).

Nicht, dass noch jemand zu effizient wird oder seine Produkte zu begehrt! Das bleibt alles schön im Dorf, gelle?

Wirtschaftliche Subsidiarität
Während des Übergangsprozesses wird die Körperschafts- und Gewerbesteuer Schritt für Schritt durch eine Kommunalsteuer ersetzt, die branchenspezifisch für alle Betriebe erhoben wird und zur Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung und Finanzautonomie beiträgt. Diese Steuer wird progressiv auf Grund und Boden, Kapitalstock und Wertschöpfung erhoben und sorgt schon während des Übergangs dafür, dass große Unternehmen früher oder später in eine Steuerprogression geraten, die sie motiviert, sich in unabhängige, dezentral agierende Einzelbetriebe aufspalten.

Klein bleiben, habe ich gesagt, du böser, böser Großindustrieller! Zuviel Erfolg ist ab sofort verboten!

Im eingeschwungenen Zustand werden dann im Wachstum befindliche Unternehmen gezwungen, sich ab einer bestimmten, von der jeweiligen Branche und ihrer Entwicklung abhängigen Größenordnung in Einzelbetriebe aufzuteilen.

In der DDR hieß das anders: Im zukünftigen Kommunismus, der Phase, die auf den Sozialismus und die Diktatur der Arbeiterklasse folgt, wird es dann so und so sein (jedenfalls superschön und so).

Eingeschwungen… Ihr kleinen Attacies: Mit solch albernem Vokabular wird das aber nichts mit der Einführung eures Sozialismus und mit den zu unverfälschten Preisen produzierenden Kleinstbetrieben. Lest ihr nicht die marxistisch-leninistischen Klassiker? Oder seid ihr nur zu feige, sie wörtlich zu zitieren?

Mit der dadurch bewirkten ständigen – dynamischen – Dezentralisierung der Wirtschaftsstruktur wird ein ganzes Bündel von Zielen verfolgt:
(1) Dezentrale wirtschaftliche Vielfalt, soziale und ökologische Verantwortung vor Ort sowie branchenspezifisch sinnvolle subsidiäre Arbeitsteilung werden sichergestellt.

Klar. Alles wird besser, wenn jedes Dorf seine eigenen Schuhe produziert und nicht ans Nachbardorf verkaufen darf.

(2) Das natürliche Spektrum an Berufen und Qualifikationen wird mit der Arbeitsnachfrage der Wirtschaft weitgehend zur Deckung gebracht. Damit ist eine entscheidende Voraussetzung für Vollbeschäftigung erfüllt.

Hier gibt es mal Zustimmung von mir: Mit der Rückführung der Gesellschaft in früh- oder vorindustrielle Zeiten dürfte es tatsächlich bald Vollbeschäftigung geben. Aber ob die dann noch gemocht werden wird? Malochen bis es dunkel wird, um Nahrung, Kleidung und Behausung überhaupt sicherstellen zu können – da werden sich einige vielleicht schnell nach Hartz4 zurücksehnen…

(3) Produktivitätsunterschiede zwischen kleinen und großen Betrieben werden ausgeglichen und dadurch vertikaler Branchenwettbewerb und die Koexistenz handwerklicher und industrieller Produktionsmethoden ermöglicht.

„Du da! Du hörst jetzt gefälligst mal auf, in so kurzer Zeit so viele Brötchen zu backen (die den Leuten auch noch schmecken)! Du schaffst hier neoliberale Produktivitätsunterschiede, die abgeschafft gehören.“

(5) Auch kleine Unternehmen werden in die Lage versetzt, Forschung und Entwicklung zu betreiben und sich am globalen Freihandel mit geistigem Eigentum zu beteiligen.

Ha, ha! Deutsche Kleinstbetriebe verkaufen ihre hochwertigen Güter dann aus Kleinmachnow in die ganze Welt! Sie dürfen bloß nicht zu erfolgreich werden, dann werden sie zerlegt, zerstückelt und zerkleinert.

Umbau der Landwirtschaft
Die dezentral wirtschaftende ökologische Landwirtschaft einschließlich ihrer nachgeordneten Verarbeitungsbetriebe wird Schritt für Schritt steuerlich begünstigt und parallel dazu ein Programm mit Anreizen zum Umstieg für konventionell wirtschaftende bäuerliche Betriebe und Lebensmittelproduzenten gestartet. Im gleichen Takt wird der Außenhandel mit Agrarprodukten strikt auf ökologisch produzierte Spezialitäten und möglichst kurze Transportwege beschränkt. Der kommerzielle Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen wird untersagt. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die heutige EU-Agrarpolitik vollständig zu überwinden.

Geht ja auch nicht an, dass der deutsche Wohlstandsbürger eine so große Auswahl an günstigen Nahrungsmitteln hat! Kirschen und Weintrauben müssen wieder Luxus werden. Kiwis und Bananen gehören angesichts der Transportwege sowieso verboten.

Sozialer und ökologischer Fortschritt
Der technologische Fortschritt wird in den Dienst des sozialen und ökologischen Fortschritts gestellt.

Öko ist neu. Ansonsten hat das Neue Deutschland das vor der faschistisch-neoliberalen Wende auch immer so gesagt. Muss also stimmen.

Die Prioritäten der staatlichen Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden im Einklang mit den Gewichtungen der sozialen und ökologischen Indikatoren der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung festgelegt (siehe nächster Absatz).

„festgelegt“ – hier schimmert das staatliche Planungsbüro ja nicht einmal mehr verhohlen durch.

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
Grundlage dieses Programms ist die Erstellung eines Wohlfahrtsindexes, der mittels sozialer Indikatoren etwa bezüglich Grundrechte, Familie, Gesundheit, Bildung, Arbeitsleben, Umwelt, Freizeit und Kultur detailliert den Lebensstandard und die Lebensqualität sowie mittels ökologischer Indikatoren bezüglich Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch die Entwicklung des Naturvermögens erfasst (wie im Kapital [sic!] II unter Wachstum im Abschnitt Ausblick dargestellt). Die Indikatoren gehen als monetarisierte Werte in die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ein und sorgen dort für eine wahrheitsgemäße Berechnung der volkswirtschaftlichen Produktivität und des Sozialprodukts.

Der zukünftige Oberplanungskommissar träumt sich schon einmal in seine Zahlenspiele hinein…

Die Indikatoren dienen zugleich der Wirtschaftspolitik als Steuerelemente, mit denen die wirtschaftliche Entwicklung während des Übergangs Schritt für Schritt vom unsinnigen Vorrang des Mengenwachstums befreit und auf soziale und ökologische Produktivität, das heißt auf qualitatives Wachstum und Fortschritt ausgerichtet wird.

Was Qualität und was Fortschritt ist, bestimmt wer? Lasst mich raten: Nicht der Verbraucher, stimmt’s?

Unternehmerisches Controlling
Analog zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird die unternehmensinterne Planung und Kontrolle (Controlling) verbindlich Schritt für Schritt um soziale und ökologische Zielsetzungen sowie deren systematische Überwachung und Einbeziehung in die Unternehmensbilanz erweitert. Dies geschieht im Hinblick auf die wirtschaftspolitisch vorgegebenen Ziele, die auf optimale Allokation aller volkswirtschaftlichen Ressourcen gerichtet sind und die einerseits durch eine Internalisierung der externen unternehmerischen Kosten und andererseits durch eine fortschritts- und wohlfahrtsorientierte Nutzung der Ressourcen angestrebt werden (siehe die beiden folgenden Absätze).

Es ist zum aus der Haut fahren: Haben die noch nie etwas vom Versagen planwirtschaftlicher Lenkungskaspereien gehört?!? (Dass sie sie nicht am eigenen Leibe erlebt haben, scheint mir offensichtlich.)

Wohlfahrtsorientierte Steuerung
Ergänzend zur Internalisierung externer Kosten werden Unternehmen steuerliche Anreize und Entlastungen angeboten, die darauf abzielen, die volkswirtschaftlichen Ressourcen von vornherein in den Dienst des Fortschritts und der Wohlfahrt zu stellen. Zu den diesbezüglichen Aktivitäten zählen die sozial und ökologisch ausgerichtete unternehmerische Forschung und Entwicklung einschließlich des verwertbaren Patentschutzes, die überregionale Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung, künstlerische Arbeiten einschließlich des verwertbaren Urheberschutzes, jede Art des überregionalen Lizenzhandels sowie Existenzgründungen.

Ok, die heutigen Spielereien, durch ein immer komplexer werdendes Steuersystem ein erwünschtes Ergebnis anzustreben (und dann doch nicht oder nur in Zusammenhang mit unerwarteten Folgeproblemen – die dann per neuer Steuer erneut wegzuregulieren sind – zu erreichen) – den Quatsch will man also weiterführen. Warum auch nicht bewährte sozialistische Mechanismen übernehmen …?

Teilhabe abhängig Beschäftigter
Alle abhängig Beschäftigten werden – tarifvertraglich abgesichert – Schritt für Schritt am Produktivitätsfortschritt beteiligt, …

Interessant ist: „tarifvertraglich abgesichert“. Bisher hieß „Vertrag“ ja in etwa: Auf freiwilliger Basis getroffenes Abkommen zwischen Vertragspartnern. Unsere Attacies möchten gern vorgeben, welche Abkommen „freiwillig“ zu treffen sein werden.

Beschränkung privater Kapitaltransfers
Private Investitionen werden auf Wirtschaftsräume beschränkt, mit denen entsprechende bilaterale Abkommen bestehen. Inländische Gelder, die in anderen Ländern angelegt sind sowie Gelder aus anderen Ländern, die im Inland angelegt sind, müssen während einer Übergangsfrist zurückgeführt werden. Ausnahmen von dieser Regel werden bei Aus- bzw. Einwanderung und gleichzeitigem Wechsel der Staatsbürgerschaft gewährt.

Das Geld wird an der Grenze erschossen, wenn es unerlaubt aus- oder einreisen will. Ein neoliberaler Schelm, der sich Böses dabei weiterdenkt…

Aufgabe der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften teilen sich während des Übergangsprozesses in einzelne Branchengewerkschaften auf, um in ihren Verhandlungen der von Branche zu Branche unterschiedlichen subsidiären Arbeitsteilung und den unterschiedlichen Produktivitätszuwächsen gerecht zu werden. Während dieser Zeit fällt ihnen die Aufgabe zu, den Fortschritt aller außen- und binnenwirtschaftlichen Maßnahmen des Übergangsprozesses zu überwachen, Fehlentwicklungen aufzudecken und Korrekturen einzufordern. Ihre ganze Arbeit ist darauf gerichtet, Vollbeschäftigung herzustellen und sie später im eingeschwungenen Zustand zu verteidigen und zu wahren.

Nennen wir es doch bitte auch wieder FDGB, ja? Gewerkschaftliche Freiheit? So’n Quatsch! Wir sagen euch, was eure Aufgabe ist!

Verträgliche Bevölkerungsdichte
Aus den Anforderungen des Naturschutzes bezüglich einer größtmöglichen Biodiversität und der damit im Einklang stehenden Produktionskapazität der ökologischen Landwirtschaft wird die langfristig anzustrebende Bevölkerungsdichte des Wirtschaftsraumes ermittelt.
Um den rechnerischen Wert in der Praxis zu erreichen, wird die Bevölkerungsdichte während einer sich über mehrere Generationen erstreckenden Übergangszeit kontinuierlich verringert, um danach dauerhaft stabilisiert zu werden.

Na, läuft dem ersten Hardcore-Linken unter meinen Lesern dann doch langsam ein Schauder über den Rücken? Hier wird vorausgeträumt, was ein Großdenker wie Stalin in seinem Reich durch locker verordnete Umsiedlungen auch schon mal probiert hat.

Die Übergangszeit kann erst beginnen, nachdem drei Voraussetzungen erfüllt sind:
Erstens Vollbeschäftigung verbunden mit einem flexiblen Renteneintrittsalter, zweitens eine effektive Migrationspolitik und drittens eine ebenso effektive Familienpolitik. Mit Vollbeschäftigung und flexiblem Renteneintrittsalter wird die Finanzierbarkeit des Prozesses sichergestellt, während mittels Migrations- und Familienpolitik zunächst die Schrumpfung und später die Stabilisierung der Bevölkerungsdichte gesteuert wird.

Die großen Steuermänner von attac – was die alles lenken, planen und gestalten…!
Man könnte fast vergessen, dass es sich um Menschen handelt, was sie sich dafür als verfügbares Material vorstellen…

Mein Fazit: attac paart Nationalismus und Sozialismus. Dass diese alte, gefährliche Mischung, die Millionen Menschen mit Freiheit und Leben bezahlt haben, heutzutage einen jugendlich-revoluzzerhaften Eindruck zu erwecken vermag, finde ich beängstigend.

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Nachtrag: Zu dieser attac-Soße bin ich übrigens über die “Grüne Freiheit” gelangt. Die Jung-Ökos träumen nämlich vom Ende des Kapitalismus, wobei ihnen attac natürlich gern das Theoriefutter liefert.

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70 Kommentare zu “Ehrliches Entsetzen, gepaart mit Wut”

  1. Libero
    21.03.2007 | 14:51

    Der heimtückische Versuch, dir die Sprache zu verschlagen, schlug also fehl.

  2. 21.03.2007 | 14:55

    Ja, sowas klappt nur in der realen Welt.

  3. R.A.
    21.03.2007 | 15:00

    Du hast natürlich völlig recht, attac ist durchweg eine Ansammlung altbackener (national-)sozialistischer Spinnereien.

    Das Problem ist halt, daß die ja angeblich alle völlig autonom arbeiten und weder dieses Papier noch irgendein anderes wirklich für attac steht, wenn man ernsthaft diskutieren will. Das ist wie Pudding an die Wand nageln.

    Und dann tritt dann z. B. bei einer Diskussion über Globalisierung in einer Schule ein freundlicher alter Pfarrer für attac auf und erzählt, daß es doch bitte allen Menschen gut gehen soll.
    Da kann man dann schlecht offen sagen, daß er nur ein trotteliger Handlanger der Stalinisten ist.

  4. 21.03.2007 | 15:10

    @R.A.

    Da kann man dann schlecht offen sagen, daß er nur ein trotteliger Handlanger der Stalinisten ist.

    Warum eigentlich nicht?
    Gut, der Reflex der Höflichkeit Älteren gegenüber …
    Aber den könnte ich vielleicht überwinden, wenn es meine Tochter wäre, die von solch einer Bande indoktriniert werden soll.

  5. 21.03.2007 | 15:15
  6. 21.03.2007 | 15:20

    Das ist wie Pudding an die Wand nageln.

    Passt doch. Da auch attacs Feindbild, der “Neoliberalismus”, von dem Verein inhaltlich sehr variabel definiert wird, trifft Pudding auf Pudding. Aber wenigstens sind da ein paar Menschen beschäftigt und müssen sich nicht langweilen.

  7. 21.03.2007 | 15:27

    Aber wenigstens sind da ein paar Menschen beschäftigt und müssen sich nicht langweilen.

    Du spielst auf meine mittagsstündliche Langweile an? ;-)

  8. Llarian
    21.03.2007 | 15:31

    Wenn man das Wort faschistisch mit menschenverachtend übersetzt, dann ist der letzte Absatz schlicht und einfach purer Faschismus. Man hüllt sich zwar in Schweigen was die angestrebte “Familien-” und “Migrations-” Politik sein soll, die eine Schrumpfung der Bevölkerung bewirken soll, aber mit einer freien Gesellschaft oder einer, die Individualrechte (so auch das Recht sich zu vermehren) schützt, hat das nichts mehr zu tun. Aber was tun die eigentlich, wenn die Bevölkerung zu sehr schrumpft, staatliche Begattungsstellen einrichten ?!?

  9. 21.03.2007 | 15:33

    Aber was tun die eigentlich, wenn die Bevölkerung zu sehr schrumpft, staatliche Begattungsstellen einrichten ?!?

    Vielleicht erst dann, wenn sich die Hoffnung zerschlagen hat, dass genügend Leute in ihr sozialistisches Paradies einwandern wollen.

  10. Spruance
    21.03.2007 | 16:10

    Oh Mann, ich hatte die ja schon immer für luddistische Spinneer gehalten, aber daß es schon so schlimm ist! Ächz!

  11. Robin
    21.03.2007 | 16:23

    Bei diesem Grundlagenpapier handelt es sich doch wohl nur um eine Parodie, oder?

  12. FG
    21.03.2007 | 16:28

    Muhaaa! Der freudsche Verschreiber im Kapitel “Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung” ist ja gar nict von Boche reingeschmuggelt, der steht ja auch im Original! Respekt, sowas kann man nicht erfinden.

    Im Ernst: Es erschaudert wirklich, für was für Dinge wohlmeinende, aber eben auch zu oft absolut naive Jugendliche geködert werden. Dieses Pamphlet ist an Dummheit und Menschenverachtung kaum zu überbieten.

  13. 21.03.2007 | 16:39

    @FG

    Danke für den Hinweis! Diesen passenden Fehler habe ich ganz übersehen (und markiere ihn gleich mal…).

  14. R.A.
    21.03.2007 | 16:47

    @Boche:
    > Warum eigentlich
    > nicht?
    > Gut, der Reflex der
    > Höflichkeit Älteren
    > gegenüber …
    Ich bin zwar höflich gegenüber Leuten jeden Alters, habe aber nie Schwierigkeiten gehabt, diesen trotzdem unangenehme Sachen direkt zu sagen.

    Das Problem war hier, daß man in einer Podiumsdiskussion mit so harten Angriffen ohnehin selten etwas erreicht.

    Und das Hauptproblem war, daß olle Pfarrer ja bis dato nur menschenfreundliche Allgemeinplätze abgelassen hatte.
    Und eben angesichts der losen Struktur von attac hätte es da gar nichts gebracht, auf angebliche böse Sätze aus München zu verweisen.

  15. 21.03.2007 | 16:50

    Wenn ich mir so ein Papier herunterlade, schaue ich immer erst auf die Anzahl der Seiten:
    pdfinfo attac.pdf | grep Pages
    Pages: 77

    So viele Seiten lesen doch die romantischen Junglinken überhaupt nicht. Denen genügt es, dass man sich bei Attac in alternativen und »coolen« Klamotten treffen kann und dass man dort gegen das Etablierte kämpft. Außerdem ist dieses Papier ein Beispiel für extrem schlechte Lesbarkeit und viele Satzfehler. Deshalb dürften auch viele Gutwillige beim Lesen sehr schnell müde werden.

    Zur Umgestaltung der Gesellschaft: Ich assoziiere das immer mit den sowjetrussischen »Ingenieuren der menschlichen Seele«: sie wollten auch an ein paar Stellscharauben drehen und dann sollte der sozialistische Einheitsmensch entstehen … Ich kann gut verstehen, dass Boche ausgerechnet dieses Dokument aufgespießt hat. Mir geht es als Ex-DDR-Bürger genauso.

    Die große Verführerin Gleichheit läuft in jedem Demonstrationszug mit. Wieviele Demagogen riefen schon laut nach »Gleichheit« und meinten doch nichts anderes als Gleichmacherei und Unterdrückung unter ihrer Diktatur …

  16. 21.03.2007 | 16:54

    @R.A.

    Ja, es stimmt wohl mit dem Pudding…
    Wobei man ja auch die Taktik probieren könnte, sich die markantesten Absätze solcher Pamphlete zu kopieren bzw. auszudrucken und bei solcher Gelegenheit vorzulesen.
    Die Reaktion des Herrn Pfarrer auf Bevölkerungsplanungsgelüste u.ä. könnte ggf. interessant sein (zumal, wenn er gar noch Katholik wäre *g*).

  17. 21.03.2007 | 16:58

    @stefanolix

    Ja, die Theorie hat das Fußvolk wohl noch nie interessiert. Braucht es ja auch nicht für die Drecksarbeit.
    Da reichen Schlagworte wie “Neoliberalismus” und deren lose Verknüpfung zu halbgaren Sinnzusammenhängen (etwa: kleines Unternehmen = gut; großes Unternehmen = böse; internationales Unternehmen = ganz doll böse; amerikanisches Unternehmen = Mörder!) vollkommen aus.

  18. 21.03.2007 | 17:10

    Noch ein PS zu den Satzfehlern und zur Sprache: Die Gliederung des PDF-Dokuments (bookmarks) ist völlig wirr. Wenn man ein Dokument zweispaltig setzt, dann muss man es auch registerhaltig setzen, sonst sieht es einfach schlecht aus. Schriftart und Schriftgröße sind ungeeignet. Der Durchschuss ist zu gering. So etwas will man nicht lesen.

    Die Verwirrung setzt sich im Text fort:

    Für die meisten Entwicklungsländer und ehemaligen Kolonien, besonders solche mit beschädigtem Primärsektor, konnte die Schwelle zur Industrialisierung auch mit internationaler Finanzhilfe nicht überwunden werden und sich die Hoffnung auf allgemeinen Wohlstand nicht erfüllen.

    Wo ist MomoRules, wenn man ihm Beispiele für schlechten Satzbau zeigen will? ;-)

  19. R.A.
    21.03.2007 | 17:11

    @Boche:
    Im Prinzip hast Du recht, Zitate dieser Art können richtig angewandt sehr nützlich sein.

    Aber man muß da vorsichtig sein, ob man sie passend in der Diskussion verwenden kann.

    Im Zweifelsfall behauptet dann der Kontrahent, die Zitate wären aus dem Zusammenhang gerissen und überhaupt wäre das ein irrelevantes Diskussionspapier.

    Die Zuhörer mögen es meist auch nicht, wenn man Sachen einführt, die nicht in der Diskussion aufkamen.

    Im übrigen war der Betreffende natürlich evangelischer Pfarrer – Seufz.

  20. 21.03.2007 | 17:33

    @Boche
    Oder vereinfacht nach Orwell: Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht!

    ;-)

  21. Llarian
    21.03.2007 | 18:02

    Ich denke auch, dass man da mit Zitaten nicht wirklich weiter kommt. Das ist ähnlich frustrierend wie in einer Diskussion darauf hinzuweisen, im Koran wären Aufforderungen zur Gewalt zu finden oder dass die Hockeyschläger-Grafik nur Phantasie mit Schneegestöber darstellt. Alles aus dem Zusammenhang gerissen, man muss das im Kontext sehen, das ist so gar nicht gemeint und wenn man das ganze gelesen hätte, würde einem klar werden, warum man das alles nicht verstanden hat.
    Davon ab, dass es tatsächlich ein irrelevantes Diskussionspapier sein dürfte, da ich den meisten Linken (auch Dunkellinken) ein bischen mehr Hirn zutraue als dieses Zusammengebräme. Fehlen ja wirklich nur noch offene Überlegungen zum Schiessbefehl.

    Übrigens ist das mit dem Verschreiber wirklich witzig. Denn ich habe ihn beim ersten Lesen auch überlesen, allerdings in anderer Form. Ich bin davon ausgegangen, dass wirklich das Kapital an dieser Stelle gemeint war. Muss wohl auch meine Vorurteile mal wieder nachjustieren, wenn ich bei Begriffen wie “Naturvermögen” immer gleich an Marx denken muss. Obwohl man damit hier sicher nicht so falsch liegt.

  22. 21.03.2007 | 18:51

    Grusel…vielleicht hätten die wirklich mal SimCity spielen sollen. Wenn man so “regiert” kommen die wütenden Bürger und werfen den Spieler aus dem virtuellen Rathaus. Zu recht!

    Wenn es die DDR noch gäbe würde ich nur fragen: Wenn ihr das so toll findet, warum zieht ihr nicht nach “drüben”. Ich war mal aus Neugier auf so einer attac Veranstaltung. Naive Studenten und eine Handvoll Hardcore-Linker, die ihren Beruf garantiert noch auf einer Kaderschmiede gelernt haben….

  23. der_gute_don
    21.03.2007 | 18:58

    Gibts nicht irgendwo in Europa einen leeren Landstrich wo man diese Spinner ihren real existierenden Sozialismus ausprobieren lassen kann? Einzige Bedingung: Freie Ein- und Ausreise.

  24. libero
    21.03.2007 | 19:38

    Ich assoziiere das immer mit den sowjetrussischen »Ingenieuren der menschlichen Seele«: sie wollten auch an ein paar Stellscharauben drehen und dann sollte der sozialistische Einheitsmensch entstehen

    Dann spiele ich mal den Advocat des Teufels. Richtig ist, daß die Ingenieure der menschlichen Seele einen neuen Menschen züchten wollten. Das wollt ihr sicherlich nicht. Die liberale Gesellschaft die ihr wollt, funktioniert aber ebenfalls nur mit einem neuen Menschen, der eine gänzliche andere Einstellung zu seinem Mitmenschen hat als der gegenwärtige Mensch. Dieser Mensch wird sich nicht automatisch dadurch ergeben, daß der Staat abgebaut wird, sondern nur dadurch, wenn statt des Staates sich selbst organisierende Institutionen der liberalen Gesellschaft entstehen. Diese werden aber nur dann entstehen, wenn sich die Einstellung der Menschen ändert. Mithin braucht ihr auch den neuen Menschen.

  25. 21.03.2007 | 19:45

    Aber Liberale lassen die Menschen von sich aus entwickeln und “planen” sie nicht. Sie helfen nur mit Argumenten nach :-)

  26. libero
    21.03.2007 | 20:02

    Zu den Argumenten zählt auch die klammheimliche Freude, ich verwende bewußt diesen Ausdruck, über den Niedergang des Staates. Weil Liberale die Erwartung hegen, dann müssen sich die Menschen ändern, so ändern, daß sie die sich selbst organisierende Institutionen der liberalen Gesellschaft schaffen. Das halte ich für eine fatale Fehleinschätzung.

  27. Llarian
    21.03.2007 | 20:05

    @Libero: Sagen wir es zweigleisig:
    Als Liberaler versucht man immer die anderen von der Freiheit zu überzeugen. Wenn sie sich dadurch freiwillig ändern, klasse. Das haben wir mit den Sozialisten gemeinsam.

    Was uns unterscheidet ist, dass wir Menschen, die wir nicht überzeugen können, nicht zur Freiheit zwingen wollen. Sie sollen so leben, wie sie das wollen, aber uns in Ruhe lassen. Das ist der Unterschied.

    Wir wollen auch anderes Denken, aber wir tun niemandem etwas, weil er das nicht will.

  28. 21.03.2007 | 20:19

    @libero

    Was für “klammheimliche Freude”? Der “Niedergang”, also das Einstellen aller Investitionen und die personelle Unterausstattung auch in den Kernaufgaben “innere und äußere Sicherheit”, Rechtsprechung und Infrastruktur zugunsten des aus Gesamtsicht völlig chaotischen, aus Politikersicht aber dennoch sinnvollen Herumwerfens mit Geld, ist nichts, was Liberale freuen kann. Für einen Staat, der seine Kernaufgaben beherrscht und mit dem Rest restriktiv umgeht, ist auch kein “neuer Mensch” erforderlich. Es sei denn, inzwischen wäre bereits erfolgreich einer geschaffen worden, der nicht mehr ohne Hilfe von oben existieren kann.

  29. 21.03.2007 | 20:30

    @Paul:
    Das ist jetzt eine absolute Beleidigung für SimCity. Das simuliert nämlich keine Diktatur – die Sims haben eine weitgehende Freiheit, und wenn denen nicht gefällt, was Du tust, dann hauen sie einfach ab. Da ist nix so mit zentraler Autorität, die einfach funktionieren muss… :)

  30. libero
    21.03.2007 | 20:36

    Für einen Staat, der seine Kernaufgaben beherrscht und mit dem Rest restriktiv umgeht, ist auch kein “neuer Mensch” erforderlich. Es sei denn, inzwischen wäre bereits erfolgreich einer geschaffen worden, der nicht mehr ohne Hilfe von oben existieren kann.

    Lieber Rayson,

    In einem Artikel über den American Dream habe ich mal vor einem Jahr geschrieben, daß die Europäer, die von einer Adaption träumen, eine Kleinigkeit übersehen. Das sind die starken religiösen Gemeinden in den USA, die ja nicht nur im Glauben, sondern auch im Gemeinschaftsgefühl zusammenkommen. Das ist das Rückgrat Amerikas und wenn das schwächelt, dann gute Nacht.

    Einen solchen Gemeinschaftssinn, der sich nicht dem Staat unterordnet, sondern ganz im Gegenteil mit dem Selbstbewußtsein der Staat sind wir der Regierung entgegentritt, ist in Deutschland nicht mehr vorhanden. War es auch nie so richtig. Zudem sind die Deutschen durch den doppelten Mißbrauch des ursprünglichen Gemeinschaftssinnes Nazis/Sozialisten zu sehr geschädigt.

    ich fürchte daher, diese neuen Menschen sind notwendig. Ich halte es allerdings für sehr wahrscheinlich, das in einem reformierten Bildungssystem Menschen heranwachsen, die von sich aus sich selbst organisierende Institutionen der liberalen Gesellschaft schaffen, viel stärker als es ihre Eltern, und dann sich der Staat zurückziehen kann.

    Allerdings wird der Umgang mit diesen selbstbewußt, frei und eigenständigen Erwachsenen nicht einfach sein. Sie treffen ja nicht nur auf den Staat, sondern auch z.B. in den Unternehmen auf Menschen, den Widerspruch ist nicht genehm. Dazu gehören z.B. viele Führungskräfte, die von einer gefühlten Ohnmacht in die nächste fallen werden, wenn sie sich mit diesen jungen Erwachsenen auseinandersetzen werden.

    PS: Ich hoffe, es kränkt dich nicht, wenn ich dir widerspreche, aber immer so einheitlicher Meinung zu sein ist doch langweilig und ebenso wie du mich als Störenfried wahrnimmst, geht es mir mit euch. Sieh es mal so. Ich bin deine Vorhölle und du bist die meine.

  31. chinaski
    21.03.2007 | 20:52

    @all
    weiss gar nicht, was ihr alle habt, wenn man smätliche wirtschaftswissenschaftlichen erkenntnisse der letzten 250 Jahre über Bord wirft (komparative Kostenvorteile, economies of scale, etc), dann klingt das doch sehr vielversprechend ;-)

    @der gute don
    willst du diese armen Leuten dorch nicht ihrer Utopie berauben? Stell dir nur das Geschrei vor, wenn sie merken, dass sie auf der ganzen Linie Unrecht hatten?

  32. 21.03.2007 | 21:00

    @Libero

    Ich finde deine Einwürfe hier durchaus bereichernd.

  33. 21.03.2007 | 21:16

    @libero

    Ich hoffe, es kränkt dich nicht, wenn ich dir widerspreche.

    Scherzkeks.

  34. 21.03.2007 | 23:16

    @Libero: Ich empfände ja schon klammheimliche Freude, wenn sich der Staat nicht immer weiter ausbreitete. Will ich einen Niedergang des Staates? Nein! Aber ich will auf jeden Fall eine Begrenzung der Staatsfunktionen auf das Wesentliche. Bei der Umsetzung des Attac-Modells entstünde in jedem Staat ein kleines Staatsmonster wie damals in der DDR.

    Will ich einen neuen Menschen? Ja, ich will einen Menschen mit höherer Eigenverantwortung. Aber ich traue vielen Menschen diese Entwicklung zu und habe sie auch schon an vielen miterlebt. Ich sehe da auch keinen Widerspruch zur Wirtschaft. Wir werden nur mit solchen »neuen Menschen« konkurrenzfähig bleiben. Sicher werden einige geistig und körperlich verfettete mittlere Führungskräfte damit möglicherweise Probleme haben. Dann haben sie die Möglichkeit, sich selbst wieder fit zu machen oder sich zu verabschieden.

    Der neue Mensch vom Reißbrett der Sowjet-Ideologen wäre überhaupt nicht konkurrenzfähig gewesen. Der neue Mensch nach dem Bilde der attacies wäre es ebenfalls nicht. Aber wir müssen auch Ballast über Bord werfen, den wir aus dem alten Staat BRD noch mitschleppen.

  35. 22.03.2007 | 10:09

    [...] Mit dem Kopf voran 22.03.2007 um 10:09 UhrEnergy Attacvon: steffenh Während die Leute vom B.L.O.G. verständlicherweise ihrem Ärger über die neosozialistischen Eskapaden von Attac Luft machen, muß ich immer wieder erkennen, dass man so weit nach links gar nicht schauen braucht, um tief verwurzelte Ansätze staatlicher Lenkungslogik zu finden: [...]

  36. Andreas
    22.03.2007 | 11:15

    Lustiges Papierchen.

    Habe mal kurz überflogen.

    Zum “Neoliberalismus”

    “Soweit also das reproduzierte „Original“ mit seinen
    Verheißungen. Aber wie sieht die Realität nach über 30
    Jahren praktiziertem Neoliberalismus aus – bei uns und
    weltweit? Sind Wohlstand und Wohlfahrt tatsächlich
    gestiegen?”

    Ja, ohne Frage. Und zwar um so stärker, je liberaler der jeweilige Staat agiert hat.

    “Haben Gerechtigkeit und Gleichverteilung
    wirklich zugenommen?”

    Interessant, daß hier das UND steht. Offenbar wird schlicht eine Identität von Gerechtigkeit und Gleichverteilung vorausgesetzt.

    “Sind anspruchsvolle Arbeitsplätze
    für alle Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden?”

    Nein, nicht für alle. Aber für sehr viele.

    “Werden die Belange der Umwelt nun nachprüfbar
    besser berücksichtigt?”

    Das ist eindeutig der Fall, insbesondere in den industrialisierten Ländern.

    “Ziehen wir inzwischen
    echten Nutzen aus privatisierter Daseinsvorsorge und
    schwachem Staat?”

    Ja, dort wo der Staat sie zulässt und nicht – wie hierzulande – durch exorbitant hohe Abgabenlast für viele unmöglich macht.

    “Und schließlich: Sind die Entwicklungsländer
    wie vorgesehen erfolgreich industrialisiert
    und auf eigene Beine gestellt worden?”

    Etliche ja, insbesondere im asiatischen Raum. Dort, wo immer noch sozialistische Träumer oder korrupte Diktatoren anderer Coleur aktiv sind, ist das nicht gelungen.

    Das Fazit der Attacies:
    “Auch wer sich nicht mit Wirtschaftsfragen befasst, kann all diese Fragen nur mit einem eindeutigen Nein beantworten.”

    Wo leben die eigentlich??

  37. der gute don
    22.03.2007 | 11:47

    Ich empfände ja schon klammheimliche Freude, wenn sich der Staat nicht immer weiter ausbreitete.

    Trifft es auf den Punkt stefanolix. Leider ist das Gegenteil der Fall und man kann bei jedem neuen Gesetzesentwurf nur staunen, das unsere politische “Elite” noch ein Stück rechtsfreien Raum gefunden hat, den sie regulieren, unter Beobachtung oder besser gleich unter Strafe stellen konnten.

    Das Interessante ist wohl, daß die linken Sozialromantiker einen leeren Landstreifen, der Ihnen für ein Gesellschaftsexperiment frei zur Verfügung gestellt würde ablehnen würden, (da gibts ja niemanden den man enteignen und auf dessen Kosten leben kann) während sich einige Liberale danach vermutlich die Finger lecken würden.

  38. 22.03.2007 | 12:37

    Wäre der leere Landstreifen mit Ressourcen versehen, würden sie den ganzen Tag darüber diskutieren, wie ungerecht diese Ressourcen verteilt sind ;-)

    Ein leerer Landstreifen und freie Menschen — dazu gehören für mich untrennbar die berühmten Goethe-Verse aus Faust II:

    Eröffn’ ich Räume vielen Millionen,
    Nicht sicher zwar, doch tätig-frei zu wohnen …

    In den wenigen Versen bis

    Solch ein Gewimmel möcht’ ich sehn,
    Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
    Zum Augenblicke dürft’ ich sagen:
    Verweile doch, du bist so schön!
    Es kann die Spur von meinen Erdetagen
    Nicht in Äonen untergehn.–

    bringt Goethe Gemeinsinn und Freiheit, Arbeit und Leistung, Bedrohung und Widerstand unter. Es ist einfach die genial formulierte Vision einer freiheitlichen Gesellschaft.

    [Sagte ich schon, dass ich auch jedes Jahr vor Ostern hoffe, dass die Menschen durch einen schönen und freien Osterspaziergang zu liberalen Gedanken inspiriert werden ;-) ]

  39. 22.03.2007 | 13:07

    @stefanolix

    In letzter Zeit formulierst du Dinge so schön frühlingshaft … ;-)

  40. 22.03.2007 | 15:50

    Das kommt vom Joggen im Park, wo mich die singenden Vögel und der klopfende Specht begrüßen ;-)
    Oder willst Du darauf hinaus, dass mit 40 der zweite Frühling einsetzt … ?

  41. 22.03.2007 | 15:56

    An so etwas wie die singenden und klopfenden Vögel hatte ich natürlich gedacht. ;-)

  42. 23.03.2007 | 8:53

    Ich kenne einige “Attacies” aus eigener Aussschauung – und finde sie gar nicht mal so unsympathisch. Auf der rein persönlichen Ebenene.
    Was dahinter steckt: die Vorstellung oder besser die Utopie vom idyllischen, weitgehend autarken Kleinstaat, überschaubar, strukturell unfähig, an einen Angriffskrieg auch zu denken, “Small is beautyful”. Das ganze verbunden mit der Vorstellung der freiwilliges Askese – bescheidener Wohlstand, keiner ist wirklich reich, keiner wirklich arm, kein Neid, kein Konkurrenzkampf.
    In etwa sieht der Idealstaat der Attacies so aus wie “The Shires” / “das Auenland” in Tolkiens “Herr der Ringe”.
    Sehr symphatisch, leider ein Fantasy-Roman.
    In der 80er gab es mal eine Strömung bei den GRÜNEN, die ähnlich dachte: “Leuter kleine Friesenrepubliken, dann kann wenigstens kein Krieg mehr von uns ausgehen”.
    Leider gibt es zwischen den sympathischen, aber in einem Fantasy-Welt lebenden Regional-Utopisten und den (durchaus auch rassistischen) nationalen Sozialisten ein Scharnier: den Bioregionalismus. Und wenn ich mir die heutige ATTAC-Ideologie so ansehen, haben die Fans einer totalitären Ideologie mittels dieses Scharniers längst die nettern Möchtegern-Hobbits als “nützliche Idioten” instrumentalisiert.

  43. R.A.
    23.03.2007 | 10:20

    > In etwa sieht der
    > Idealstaat der
    > Attacies so aus wie
    > “The Shires” / “das
    > Auenland” in Tolkiens
    > “Herr der Ringe”.
    Witzig.
    Es gibt auch Leute, die das Auenland für ein libertäres Musterbeispiel halten: Es gibt keinen Staat, keine Autorität, keine Steuern …

    Real spiegelt sich da aber wohl eher Tolkiens Sehnsucht nach dem klassischen englischen Landleben wieder, wo der Squire (Bilbo) mit gütiger Autorität seine Latifundien verwaltet, und die braven Landleute (Sam) treu und brav ihrem Master folgen.

  44. dointime
    23.03.2007 | 10:37

    na dein ddr-reflex funktioniert ja immer wieder gut :-)

    die von dir zitierten vorschläge haben nur leider wenig mit der diktatur des proletariats zu tun, auch wenn möglicherweise einer der autoren marx gelesen hat, was ja kein verbrechen sein soll, auch nicht in einem demokratischen rechtstaat. so weit ich es in erinnerung habe, ging die gängige ml-theorie davon aus, dass die konzentrationsprozesse im kapitalismus dazu führen würde, dass man die großbetriebe leicht verstaatlichen und so den sozialismus aufbauen könne. die hier propagierte dezentralisierung zielt genau auf das gegenteil ab, letzten endes darauf, dass die wirtschaft wieder der kontrolle demokratischer prozesse unterliegt und die zwänge der kapitalistischen mechanismen unser leben grundlegend bestimmen – und ob du willst oder nicht, aber das tun sie. genauso wie der direkte, nicht demokratisch legitimierte einfluss von konzernen ein problem darstellt.
    und was daran stalinistisch sein soll, ein gutes leben nicht am wirtschaftswachstum zu messen, weiß ich wirklich nicht…

  45. 23.03.2007 | 13:22

    @dointime

    die von dir zitierten vorschläge haben nur leider wenig mit der diktatur des proletariats zu tun

    Das hatte die DDR auch nicht.

    auch wenn möglicherweise einer der autoren marx gelesen hat, was ja kein verbrechen sein soll, auch nicht in einem demokratischen rechtstaat

    Etwas nicht Behauptetes zu kritisieren mag Energie beim Denken sparen. Was fällt dabei aber sonst an Nutzen ab?

    die hier propagierte dezentralisierung zielt genau auf das gegenteil ab, letzten endes darauf, dass die wirtschaft wieder der kontrolle demokratischer prozesse unterliegt

    “Demokratische Prozesse” – das klingt gut.
    Soll das Vergessen machen, dass durch “demokratische Prozesse” letztlich Bürokratien beauftragt werden, Macht auszuüben?
    Dass alles, was demokratisch entschieden wird, der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen erst einmal weggenommen werden muss?
    Und dass hier eben, wenn es um wirtschaftliche Fragen geht, ganz zentrale Entscheidungen des Lebens vom Individuum weg- und zu Bürokratien hindelegiert werden?
    Es braucht schon mehr, als das Hinwerfen des Brocken “demokratisch”, wenn du das rechtfertigen möchtest.

    die zwänge der kapitalistischen mechanismen unser leben grundlegend bestimmen – und ob du willst oder nicht, aber das tun sie.

    Selbstverständlich tun sie das. Die Zwänge der arbeitsteiligen Kooperation, der unbedingten Ausrichtung an den Bedürfnissen des Kunden, der Notwendigkeit, möglichst ressourcensparsam zu wirtschaften – diese Zwänge bestimmen unser Wirtschaftsleben. Man kann diese Zwänge durch (demokratisch beauftragte! demokratisch beauftragte!) Bürokratie zu überwinden versuchen. Man kann aber später nicht behaupten, dass man nicht hätte wissen können, was dabei herauskommt: Verschwendung von Ressourcen und gravierender Wohlstands- und Sicherheitsverlust.

    genauso wie der direkte, nicht demokratisch legitimierte einfluss von konzernen ein problem darstellt.

    Einfluss auf wen? Die Politik? Dann nehmen wir doch der Politik einfach möglichst viel Macht, vor allem Verteilungsmacht weg, dann lohnt sich auch die Einflussnahme aller denkbaren Lobbygruppen (die ja nicht nur aus Konzernen bestehen) nicht mehr.

    und was daran stalinistisch sein soll, ein gutes leben nicht am wirtschaftswachstum zu messen, weiß ich wirklich nicht…

    Dem Stalinismus nähern wir uns, wenn du bestimmen möchtest, wie ich ein “gutes Leben” definiere.
    Das attac-Pamphlet beschreibt den Versuch einer solchen Bevormundung.

  46. 23.03.2007 | 19:45

    Gysi heute in der “Welt” (fette Hervorhebung von mir):

    WELT ONLINE: Nach Staatssozialismus aber klingt die Forderung, Schlüsselindustrien zu verstaatlichen. Woran denken Sie da?

    Gysi: Zum Beispiel Strom und Rüstungskonzerne. Schluss sein muss auch mit der Privatisierung der Daseinsvorsorge wie Bildung, Gesundheit, bestimmte Bereiche der Kultur, Wasser, Energie, Nah- und Fernverkehr. Wenn das alles verscherbelt wird, hat Politik gar nichts mehr zu entscheiden.

  47. dointime
    23.03.2007 | 23:04

    @Boche
    “Etwas nicht Behauptetes zu kritisieren mag Energie beim Denken sparen. Was fällt dabei aber sonst an Nutzen ab?”

    Ich hab gar nichts kritisiert, ich hab klargestellt…

    Und was alles andere angeht: Gut, du bist Liberaler und als solcher hast du halt ein Problem damit anzuerkennen, dass sich Menschen in einer Marktwirtschaft durchaus nicht so verhalten können, wie sie vielleicht gerne würden. Ich sehe durchaus die Gefahr von Bürokratenherrschaft, nur bin ich mir nicht sicher ob beim Laissez-faire des freien Marktes mehr Menschen das, was sie für ein gutes Leben halten, verwirklichen können, als in einem Wirtschaftssystem, wo Menschen gemeinsam darüber entscheiden, wie sie ihre Wirtschaftsbeziehungen regeln (was ja nicht heißt, dass nichts dem Markt überlassen bleiben darf).

    Darüber kann man sachlich diskutieren, dafür haben wir eine pluralistische Demokratie und die will wohl kaum ein Attacie abschaffen (ich zum Beispiel nicht).

  48. Klaus B. - Berlin
    24.03.2007 | 10:16

    Ihr Liberalen wollt eine absolute Freit ohne Eingriffe des Staates? Dann fangt doch mal mit dem Straßenverkehr an. Hebt die Straßenverkehrsordnung auf. Schafft die Gebührenordnung für eure liberalen Anwälte ab.
    Genau wie der Straßenverkehr geregelt werden muß, muß auch die Wirtschaft zugunsten der Masse geregelt werden. Alles andere ist Raubtierkapitalismus a la China.

  49. 24.03.2007 | 11:16

    @Klaus B.:
    Es wird Dich wundern, aber Du hast vollkommen recht. Vor allem mit dem Beispiel Straßenverkehr. Denn auch Liberale sind dafür, dass es Recht und Gesetz in der Wirtschaft gibt, dass sich jeder im Wettbewerb nach gewissen Regeln verhalten muss, die im Voraus festgelegt werden.

    Um in Deinem Beispiel zu bleiben: Was Liberale nicht wollen, ist, dass man bei Dir anklopft und Dir befiehlt, genau jetzt mit Deinem Auto nach Köln zu fahren. Und wann Du wieder zurückfahren darfst. Du sollst schon noch selbst entscheiden können, wann Du wohin fahren möchtest – solange Du dich an die Verkehrsregeln hältst.

  50. 24.03.2007 | 18:22

    @Klaus B.

    Es wird dich vielleicht überraschen, aber sie Straßenverkehrsordnung scheint mir tatsächlich großteils überflüssig zu sein. Der Straßenverkehr ließe sich nach einfachen, libertären Grundregeln organisieren, die im Grunde in § 1 StVO auch kodifiziert sind.

    Kleine Anekdote: Was machen Autofahrer in den USA, wenn sie sich an einer Kreuzung treffen, und was machen sie in Deutschland? Jetzt mal angenommen, es stünde in Deutschland da mal ausnahmsweise keine Ampel oder kein Schild zur Vorfahrtregelung…

    Gut, de facto dürften ein paar allgemeinverbindliche Regeln weiterhin notwendig sein, aber unter den Autoren dieses Blogs sind ja auch keine Libertären zu finden.

    Und was China angeht: “Raubtierkapitalismus” ohne sichere Eigentumsrechte? Aber egal: Welch großes Unheil hat dieses Monstrum China denn beschert?

  51. 24.03.2007 | 18:23

    @Karsten

    Jetzt sehe ich erst, dass wir mit fast derselben Formulierung eingeleitet haben. Wer färbte denn da auf wen ab? ;-)

  52. 25.03.2007 | 11:12

    Danke für den Text, etwas mehr hätte man da schon noch draus machen können, aber gut so. Ich dachte eigentlich, dass bei attac noch ein paar mittelmäßig kritische Anarchos rumsitzen,die bei einem derartigen Abfeiern von nationaler Volkswirtschaft allein der Wörter wegen das Haarsträuben kriegen. Aber Pustekuchen.

    Zu bemerken wäre noch der theoretische Rückfall in funktionalistische Gesellschaftstheorien, nach denen ein gesellschaftliches System ein natürliches Gleichgewicht hat. Individuen kommen darin ebenwsowenig vor wie Flexibilität. Die nationale Abschottung und die Reduziereung der Bevölkerung ist schon ein bedenkliches Zeichen von stalinistischem Altersschwachsinn.

  53. dointime
    25.03.2007 | 23:43

    Meint ihr nich mal im Ernst, ihr solltet den Gebrauch des Wortes stalinistisch mal überdenken?

  54. 26.03.2007 | 0:44

    @dointime:

    Wer ist denn jetzt “ihr”?

    Kleiner Hinweis: “nichtidentisches” ist kein Autor dieses Blogs. Er würde das vermutlich auch nicht wollen, und ebensowenig würden die Autoren dieses Blogs das wollen (denke ich jedenfalls). Wir haben nicht mal eine kompatible Grundhaltung. Aber in diesem Falle scheint er der gleichen Meinung wie Boche zu sein. Kommt ja mal vor. :)

  55. 26.03.2007 | 0:58

    @Rayson:

    Füge an dieser Stelle eine lange Diskussion darüber ein, warum etwas mehr Gesetze manchmal nötig sind, damit nicht jeden Tag willkürlich ein Richter entscheidet, ob Dein Verhalten im Straßenverkehr ausreichend rücksichtsvoll war. ;)

    Und was die Formulierungen angeht: So lange bloggen wir doch noch gar nicht zusammen?!? :)

  56. 26.03.2007 | 9:01

    Auffällig ist hier doch die dauernde Wiederholung der Begriffe “national” und “sozial”. Das zeigt doch woher der Wind auch bei sogenannten Linken so weht!!

  57. dointime
    26.03.2007 | 12:45

    @Karsten
    na ja die, die dieses wort mit den vorstellungen wirtschaftlicher regulierung von attac verknüpfen. ;-) Es ist halt in diesem Zusammenhang nicht angebracht und das sollte jeder anerkennen, der sich mal ernsthaft mit der Ära Stalin beschäftigt hat. Mit diesem Wort fahrlässig umzugehen ist kein besonders fairer Umgang mit dem politischen Gegner. Ich mag es ja auch nicht, wenn gewisse Linke alles und jeden als faschistisch bezeichnen…

    “Das zeigt doch woher der Wind auch bei sogenannten Linken so weht!!”
    Ja, oder es zeigt, dass man mit der wirtschaftlichen Regulierung zum erreichen sozialer Ziele auf irgendeiner Ebene ansetzen muss. Der Nationalgedanke ist soweit ich weiß in Verbindung mit liberalen Ideen entstanden und schließlich verkündet ja auch die FDP, dass ihr Programm sozial sei, weil es Arbeit schaffe. Ist Westerwelle deswegen ein Nazi? Auch wenn ich ihn nicht besonders sympathsch finde, muss ich doch sagen: Nö.

  58. 26.03.2007 | 12:57

    @dointime

    Mancher mag es ja gern verdrängen – aber es waren ähnliche Ideen zur Umgestaltung des Wirtschaftssystems, die nun einmal zu Stalin geführt haben.
    Wer dem einzelnen Menschen die Freiheit nehmen möchte, zentrale Entscheidungen seines Lebens selbst zu treffen, wird zwangsläufig bei der Frage landen: Wie gehe ich mit Abweichlern um?
    Man kann attac jetzt einen Vertrauensvorschuss geben und sagen: Im Zweifel verzichten sie, anders als die Kommunisten früherer Zeiten auf Gewalt und Terror.
    Aber warum sollte man? Erfahrungen sind dazu da, daraus zu lernen und nicht jeden Scheiß immer wieder zu versuchen.

  59. der_gute_don
    26.03.2007 | 18:44

    Der Nationalgedanke ist soweit ich weiß in Verbindung mit liberalen Ideen entstanden und schließlich verkündet ja auch die FDP,

    Wenn die Geschichtschreibung für Dich in der Weimarer Republik beginnt mag das wohl stimmen.

    Liberalismus wie ich ihn verstehe hat wenig mit Nationalismus oder seinem kleinen Bruder Protektionismus zu tun. Dafür sind heute wohl die verschiedenfarbigen Sozialisten zuständig, die wiederum wenig mit Begriffen wie Eigenständigkeit und -verantwortung, grenzunabhängigen Warenverkehr etc.pp. anfangen können.

    > Wie gehe ich mit Abweichlern um?
    guter und wichtiger Punkt von Boche!

  60. 26.03.2007 | 18:47

    @Boche:

    Naja, ähnliche Ideen des Wirtschaftens haben ja auch die Wirtschaftstheorie des Faschismus und des Nationalsozialismus beeinflusst. Ich möchte den Attacies hier noch zugestehen, dass sie ihre Vorstellungen schon über eine Bewusstseinsänderung in der Öffentlichkeit erreichen wollen – und nicht über eine Machtergreifung via Roter Armee oder SS. Denn die meisten, die da aktiv sind, sind glücklicherweise Träumer, jedenfalls, soweit ich sie kennengelernt habe. Diktatorische Realpolitiker, die sich diese Träume zunutze machen, findet man wohl eher in den kooperierenden Parteien weltweit – also etwa in der PDS, die aber vielen Attacies auch unheimlich ist.

    @dointime:
    Ja, Nationalismus ist in Verbindung mit dem Liberalismus entstanden – damals aber als Abgrenzung zu den monarchischen Vorstellungen der deutschen Kleinstaaten. Später hat sich ein eher internationalistisch orientierter Liberalismus entwickelt, der heute wohl den Mainstream darstellt. Das galt lange auch für die Sozialdemokratie und den gemäßigten Sozialismus, die aber in letzter Zeit mehr und mehr in nationalen Kategorien denken – eine (nicht nur) für mich unheimliche Diskussion.

  61. 26.03.2007 | 18:51

    @der_gute_don:

    Möglicherweise beginnt sein Geschichtsverständnis auch mit den Ursprüngen des Liberalismus, etwa dem Hambacher Fest. Dann hat er nicht so ganz unrecht.

  62. der_gute_don
    26.03.2007 | 19:51

    @karsten: beim Hambacher Fest entstand die vehemente Forderung nach einer Nation und für uns damit Ihre Begrifflichkeit, soweit korrekt, allerdings war es die Forderung nach einer übergeordneten (vom freien Warenverkehr gekennzeichneten) Institution und zahlreichen anderen heute selbstverständlichen Rechten. Hier liegt meines Erachtens keine Form des Nationalismus vor, sondern gegenteilig die Forderung nach einer größeren Gemeinschaft. Oder nenn es Befreiung vom bayrischen Königreich ;-)

  63. 26.03.2007 | 20:44

    Wer den nationalen Rahmen als Reichweite der Selbstbestimmung der darin organisierten Bürger definiert und wer ihn – anders als die attacis in ihrem Papier – nicht als seine Bürger ein- und fremde Bürger aussperrende Grenze versteht, kann sich in meinen Augen durchaus auch liberal nennen.

  64. 26.03.2007 | 22:54

    @der_gute_don:
    Ich würde da keine solche Abgrenzung sehen. Was damals entstand, war schon der gleiche Nationalismus, der später, in einer stark übersteigerten Form, zu einer schrecklichen Katastrophe nach der anderen führte. Damals war es eben nur einerseits etwas neues, noch nicht so starkes – und hatte andererseits ein starkes Korrektiv in Form des existenten Gesellschaftsaufbaus.

    Meiner Auffassung nach ist auch eine gewisse Hinwendung zur eigenen Nation nichts schlechtes – sie muss nur Grenzen haben. Etwa so, wie Boche das anspricht.

  65. 9.04.2007 | 23:40

    [...] Attac fährt nach Heiligendamm, um den anwesenden Politikern den Spiegel vorzuhalten und ihre bessere Welt vorzustellen. Erdacht wurde diese Welt von Menschen, die entgegen des attac Selbstverständnisses nicht aus der Geschichte lernten um die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten zu können. Wenn doch, würden solche Wahnsinnsforderungen nicht vertreten werden: Alle Völker können für ihre eigenen Zwecke frei über ihre natürlichen Reichtümer und Mittel verfügen, […] In keinem Fall darf ein Volk seiner eigenen Existenzmittel beraubt werden. Was ist das Volk, ein Kollektivwesen? Es gibt kein Volk, es gibt Warlords und Stammeshäuptlinge, die Kommunistische Partei und religiöse Eliten und die verfügen für ihre eigenen Zwecke frei über ihre natürlichen Reichtümer und Mittel. An dieser Stelle könnte nun lang und breit erklärt werden, warum die attac Forderungen für eine bessere Welt in einem Fiasko enden würde deren erstes Opfer die Menschenrechte wären, doch diese Aufgabe wurde glücklicherweise vor kurzem schon von einem Kollegen erledigt. Darum kann hier noch der ultimativen attac-Forderung Platz geboten werden. Wer oder was sollte denn den Neoliberalismus – der so bösartig ist, dass er gar nicht definiert werden kann – beerben? Das hier: [...]

  66. Hardcore Linker Spießer
    12.04.2007 | 11:53

    Hast ja recht, ABER bei Sätzen wie:

    “Das bedeutet natürlich, dass ausländische Unternehmen Deutschland den Rücken kehren werden.”

    fühle ich mich wie Sonntag Abends nach dem Tatort bei Sabine und ich schalte ab!

    Gäähn…

  67. 12.04.2007 | 12:42

    und ich schalte ab!

    Das ist ja dein gutes Recht.
    Und du darfst hinterher auch schimpfen, dass man keine Arbeit findet, wenn man sie sucht und dass daran der Kapitalismus schuld ist.

  68. Simon
    16.04.2007 | 1:08

    Im Grund finde ich ja Kritik immer sehr hilfreich. Ich vermisse aber bei dir, lieber Boche, die konstruktiven Vorschläge, wie du die derzeitigen Probleme der Weltwirtschaft und der transnationalen Konzerne in den Griff bekommen willst.

    Übrigens wundert es mich doch sehr, wie lange die Mittagsstunden eines Liberalen zu sein scheinen. Ein 77 Seiten langes Dokument in dieser Zeit ernsthaft studieren zu können, halte ich nicht für glaubhaft.

  69. 16.04.2007 | 9:34

    @Simon

    Dass du Kritik hilfreich findest, zeichnet dich als toleranten, offenen und lernwilligen Menschen aus. Mein Herz macht einen kleinen Sprung, dass dir auch meine Kritik unter Umständen Hilfe sein könnte.

    Allerdings überforderst du mich dann doch ein wenig mit dem Wunsch, ich möge Lösungsvorschläge für die Probleme der Weltwirtschaft oder die transnationaler Konzerne präsentieren.
    Für erstere habe ich nur grundsätzliche Empfehlungen parat, die du schon kennen und schätzen wirst: Freihandel, Abbau der Subventionen, Förderung von Demokratie und Selbstbestimmung in der Welt.
    Für die Probleme transnationaler Konzerne fühle ich mich dagegen einfach nicht zuständig. Die haben Manager und Unternehmensberater, die sie teuer dafür bezahlen, ihre Probleme zu lösen. Was geht das mich, unbezahlten Außenstehenden, an?

    Übrigens wundert es mich doch sehr, wie lange die Mittagsstunden eines Liberalen zu sein scheinen.

    Die armselige Existenz als Knecht des Neoliberalismus hat auch seine Sonnenseiten…

  70. 16.04.2007 | 10:05

    @Simon: Bissige Liberale (»Knechte des Neoliberalismus«) lesen eben schnell und effektiv. Die Kernpunkte eines solchen Dokuments kann man in einer Viertelstunde erfassen, auch wenn es schlecht gesetzt und an einigen Stellen unverständlich formuliert ist.

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