So geht’s natürlich auch

Einmal kurz über www.abgeordnetenwatch.de gesurft, und schon entdeckt man wieder interessante Scheinlogik aus der Welt der Politik. Oder wusste jemand schon, dass die Senkung von Steuern zu einer Steuermehrbelastung der Bürger führt? Doch, das ist so. Jedenfalls, wenn man Gabriele Frechen (SPD) zum Thema der Mehrwertsteuer auf Medikamente befragt. Auf die Frage eines Bürgers nach der Möglichkeit, Medikamente in Zukunft nur mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz zu besteuern, da es sich bei diesen ja um Dinge des täglichen Bedarfs für jedermann handelt, antwortete sie so:

Eine nachträgliche Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Arzneimittel steht vor dem Problem, dass dies überwiegend zu einer Verschiebung vom Sozialversicherungstopf in den Steuertopf führen könnte. Ob die Preissenkung, die möglich wäre, bei den Patienten ankäme oder aber beim Pharmaunternehmen den Gewinn erhöhen würde, bleibt zweifelhaft. Wenn die Pharmaunternehmen nicht dauerhaft die Preissenkung an die Patienten weitergegeben, würden die Beitragszahler den Pharmaunternehmen eine Gewinnerhöhung finanzieren und gleichzeitig auch noch nach den Berechnungen des Bundesfinanzministeriums Steuermindereinnahmen bis zu einer Höhe von 3,7 Mrd. Euro ausgleichen müssen. Das kann wohl kaum in Ihrer Absicht liegen.

Zu gut Deutsch: “Sollten wir die Steuern senken, nutzt das eh nur den Unternehmen, selbst wenn es Konsumsteuern sind. Sie werden dann mehr Steuern zahlen müssen, weil wir die nämlich anderswo sofort wieder erhöhen werden”.

Erst habe ich gedacht, das würde in etwa bedeuten, “geben Sie ihr Geld lieber dem Staat als den Firmen”, aber nicht einmal das ist richtig. Es ist ein “Steuern werden niemals gesenkt werden, und wenn wir es doch tun, heißt das nur, dass Sie mehr an Unternehmen zahlen müssen”.

Da ist die kleine Nebelgranate, mit der sie die Schuld der Union zuschiebt, nur noch eine Randnotiz:

Ich sehe jedoch auch ein Problem in der politischen Durchsetzbarkeit: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer war eine Hauptbedingung unseres Koalitionspartners während der Koalitionsverhandlungen.

Dass die anderen nur um 2% erhöhen wollten, man sich dann aber während genau dieser Verhandlungen wundersam auf 3% geeinigt hat, ist da nebensächlich.

So geht’s natürlich auch.

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20 Kommentare zu “So geht’s natürlich auch”

  1. 12.03.2007 | 12:30

    Puhh. Das Argument halte ich für gar nicht so schlecht. Schliesslich handelt es sich bei Arzneimitteln oft um Monopolpreise mit geringer Preiselastizität. Senkt man die Steuern, haben die Firmen wieder Spielraum für Preiserhöhungen.

  2. 12.03.2007 | 12:47

    @Dirk

    Wenn denn Frau Frechen das nächste Mal bei einer Diskussion über Verbrauchsteuern ähnlich auf die Inzidenzen achtete, soll mir das Recht sein. Aber der Kernpunkt von Karstens Beitrag war ja wohl ein anderer, nämlich dass Steuersenkungen, die entsprechend zu einer Verkleinerung des Budgets führen, für die werte Dame offensichtlich undenkbar sind.

  3. 12.03.2007 | 13:07

    Einerseits hat Rayson recht – es ging mir eigentlich mehr um die Tatsache, dass eine Verkleinerung der Staatsquote für Frau Frechen offensichtlich überhaupt nicht in Betracht kommt.

    Allerdings ist es für mich auch eine grundsätzlich sehr interessante Sache, wie hier argumentiert wird – “Wenn der Staat sich zurückzieht, dann kriegen das Geld doch eh nur die Konzerne”. Ja, wenn man die Apotheken dem Markt öffnen würde, könnte sich das vielleicht ändern. Aber das will man ja auch nicht. Unter anderem, weil es einem diese schöne Argumentationslinie eröffnet.

  4. 12.03.2007 | 13:08

    Na ja, das Problem ist doch, dass es auf dem Arzneimittelmarkt so gut wie keinen echten Preiswettbewerb gibt.

  5. 12.03.2007 | 13:10

    Was unter anderem damit zu tun hat, dass schon die Zwischenhändler (Apotheken) dem Markt weitgehend verschlossen sind. Oder?

  6. 12.03.2007 | 13:24

    Auch, aber nicht nur. Die Sache fängt schon damit an, dass nicht der eigentliche Konsument das Produkt aussucht, sondern ein anderer. Hinzu kommt im System der GKV eine Verschleierung der Preise und eine bürokratische Regulierung des Angebots. Es gibt dann, alles zusammen betrachtet, im Grunde keine unmittelbar wirkende Reaktion der Menge auf Preisänderungen, sondern nur Krücken, mit denen so etwas simuliert werden soll (Budgets bei diversen Anbietern, Zuzahlungen), die aber sehr ineffizient sind. Bei patentgeschützten, für das eigene Leben aber sehr wichtigen Medikamenten sind Mengenreaktionen fast schon per se ausgeschlossen – die Opportunitätskosten gehen da gegen unendlich, so dass die Preisobergrenze nahe beim Haushaltsbudget wäre.

  7. R.A.
    12.03.2007 | 14:17

    Aber selbst im starren System des deutschen Gesundheitssystems berechnen die Lieferanten den Apotheken nur Nettopreise.

    Was Krankenkassen oder Verbraucher bezahlen, sind Bruttopreise und würden bei Reduzierung der Mehrwertsteuer automatisch und direkt entsprechend sinken.

    Was dann zu den zitierten Steuermindereinnahmen von 3,7 Milliarden führen würde.

    Und die Frechheit der Genossin MdB liegt in der Tat in der Feststellung, daß solche Mindereinnahmen automatisch von den Bürgern ausgeglichen werden müßten.

  8. 12.03.2007 | 14:31

    @R.A.

    Das ist nur die formale Betrachtung des ersten Schritts vor Anpassung und ohne Berücksichtigung von Inzidenzen.
    Wie Dirk schon sagte: Eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes könnte unter den vorhandenen Marktbedingungen Preiserhöhungsspielräume schaffen.

  9. Llarian
    12.03.2007 | 14:44

    Was Krankenkassen oder Verbraucher bezahlen, sind Bruttopreise und würden bei Reduzierung der Mehrwertsteuer automatisch und direkt entsprechend sinken.

    Jetzt komm nicht mit Fakten, das macht die ganze Argumentation kaputt.

    Und die Frechheit der Genossin MdB liegt in der Tat in der Feststellung, daß solche Mindereinnahmen automatisch von den Bürgern ausgeglichen werden müßten.

    Nun, das ist ja genaugenommen der Teil, wo sie tatsächlich recht hat. Wie soll man denn sonst all die schönen Dinge und Wahlgeschenke bezahlen ? Das sind immerhin mehr als 7 Milliarden Euro bis zur nächsten Bundestagswahl.

  10. 12.03.2007 | 14:50

    Jetzt komm nicht mit Fakten, das macht die ganze Argumentation kaputt.

    Es genügt wohl nicht, keine Ahnung zu haben, man muss sich auch noch borniert damit brüsten.

  11. 12.03.2007 | 15:55

    @Karsten/Rayson

    Sorry, den Punkt habe ich verpasst.

    und gleichzeitig auch noch nach den Berechnungen des Bundesfinanzministeriums Steuermindereinnahmen bis zu einer Höhe von 3,7 Mrd. Euro ausgleichen müssen.

    Ausgabenkürzungen kann sich die Frau wohl in der Tat nicht vorstellen. Und dann formuliert sie auch noch arrogant belehrend:

    Das kann wohl kaum in Ihrer Absicht liegen.

    Ich bleibe aber dabei, dass ihr Argument gar nicht so dumm ist. Jedenfalls in monopolistischen Märkten.

  12. 12.03.2007 | 15:57

    @Llarian @Rayson

    Wer von Euch hat eigentlich wem die Freundin ausgespannt?

  13. Llarian
    12.03.2007 | 16:00

    Rayson, Du hast inzwischen wirklich eindringlich und nachdrücklich demonstriert, dass Du sowohl recht unreif bist, als auch einen Hang zu ziemlich dummen und bisweilen recht langweiligen Phrasen hast. Ich will gerne annehmen, dass das deinem vermutlich noch recht jungen Alter geschuldet ist und Du deinen Agressionstrieb (noch) nicht voll unter Kontrolle hast.
    Aber selbst eine gewisse jugendliche Naivität sollte einen nicht daran hindern zu erkennen, wann man anfängt sich lächerlich zu machen. Ich weiss, dass es für Dich schwer zu ertragen sein muss, wenn jemand deine so mühevoll erarbeitete Welt des Sprüchedreschens nicht allzusehr zu schätzen weiss. Es ist aber trotzdem so. Es kuemmert mich wenig, ob Du mich für borniert, fundamentalistisch oder einfach nur dumm hälst. Weil deine Meinung über meine Person mich nicht interessiert. Ich will gerne meinen Fehler einräumen, dass ich anfangs den Fehler gemacht habe, vielleicht darüber einen falschen Eindruck vermittelt zu haben, sollte dem so sein, will ich den an dieser Stelle korrigieren.

    Vielleicht wirst Du es irgendwann gelernt haben, zwischen einer Debatte und einer AdHominem Argumentation zu unterscheiden. Und vielleicht siehst Du dann auch die Nutzlosigkeit von zweiterem ein. Da ich selber sehr lange (mehrere Jahre, R.A. kann ein Lied davon singen) gebraucht habe, um diesen Unterschied zu verinnerlichen, werfe ich Dir dieses Unvermögen nicht vor. Nur bitte ich darum bis dahin, sinnfreien Phrasen wie die oben stehende für Dich zu behalten, denn abgesehen davon, dass sie mit aller Sicherheit ausser Dir selbst niemanden interessieren, stören sie schlicht und einfach den Gespächsfluss von anderen. Vielen Dank.

  14. R.A.
    12.03.2007 | 16:18

    Kaum Wochenbeginn, und schon so überflüssiger Knatsch.
    Ärgerlich.

  15. 12.03.2007 | 16:20

    Nutzen wir das doch als Gelegenheit, mal wieder auf unsere Plauderecke aufmerksam zu machen. Zurechtweisungen vermeintlich jugendlicher B.L.O.G.-Autoren wären dort jedenfalls besser aufgehoben.

  16. Llarian
    12.03.2007 | 16:35

    Die Plauderecke ist doof, weil da muss man sich ja registrieren, was vermutlich auch dazu geführt hat, dass sie kein Mensch nutzt. Davon ab hab ich eh keine Lust das Thema weiter zu vertiefen als ich das jetzt getan habe (und vermutlich war selbst das zuviel). Mehr habe ich dazu nicht zu bemerken, weder heute noch in Zukunft, also keine Sorge, ich spam nicht weiter.

  17. 12.03.2007 | 16:37

    Davon ab hab ich eh keine Lust das Thema weiter zu vertiefen als ich das jetzt getan habe (und vermutlich war selbst das zuviel).

    Der Vermutung kann ich beim besten Willen nicht widersprechen.

  18. 12.03.2007 | 16:46

    Witzig. Ich habe ja auch keine Ahnung, wie alt Rayson nun eigentlich ist, aber der Gedanke, er könne “jugendlichen Alters” sein, ist mir nun noch nie gekommen. :)

  19. 12.03.2007 | 16:54

    Nicht das einzige Wahrnehmungsdefizit von Llarian.

  20. 13.03.2007 | 6:38

    Dirk:
    Das Argument halte ich für gar nicht so schlecht. Schliesslich handelt es sich bei Arzneimitteln oft um Monopolpreise mit geringer Preiselastizität.

    Dabei hat doch Ulla Schmidt laut Frau Frechen

    den Wettbewerbsgedanken zwischen den Pharmaunternehmen gestärkt.

    ^^ no comment

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