Kernkompetenzen

Ob Begnadigung eines Mörders, Klimawandel oder Kinderbetreuung: In den letzten Tagen sind die Mechanismen der Unpolitik besonders gut zu beobachten. Über die Medien wird eine Sau durchs Dorf getrieben, deren Rücken dann in kurzer Zeit mit jeder Menge Politiker besetzt ist. Das Bild hat etwas Amüsantes, insbesondere wenn man sich den Bundesumweltminister auf einer Sau reitend vorstellt (Bildkommentar: Die Sau ist unten), aber leider sind die Folgen für uns Untertanen weniger lustig.

Denn es sind zwei Dinge, welche die Kernkompetenz der Politik ausmachen:

  1. das verlustbehaftete Umverteilen von Eigentum der Bürger
  2. das Verbieten, Vorschreiben und Strafen

Jedes medial in Bewegung gesetze Borstenvieh löst unweigerlich den Ruf nach einer der beiden Handlungen aus. Die einen wollen etwas besteuern, die anderen lieber gleich verbieten. In ihren Reflexen gleichen sie sich so sehr, dass ein Schwachsinnvorschlag wie der des CSU-Söderleins bei den anderen Parteien wahrscheinlich mehr Neid als Entsetzen ausgelöst haben dürfte, wie an den weiteren Vorschlägen abzulesen ist, die jetzt im Stundentakt auf sich einprasseln. Wichtig sind immer sakrosankte Ziele, mit denen sich politisches Handeln adeln lässt und die Kritiker zu Inkarnationen des Bösen werden lassen. Sei es der Schutz vor Terror und Kinderschändern oder die Rettung der Welt: Wer hier kleinkrämerische Kritik an der Eignung der eilig vorgeschlagenen Maßnahmen übt, entlarvt sich als übler Egoist, Lobbyist oder einfach nur Unmensch, der das Erreichen der Ziele verhindern will.

Es ist für die Politik wichtig, ein solches Umfeld vorzufinden, denn angesichts ihrer tatsächlichen Ohmacht, per Mikromanagement in das Leben jedes einzelnen Menschen auf diesem Planeten einzugreifen, müssen sie ihr Heil in einem Aktionismus suchen, der die Tat wichtiger nimmt als den Erfolg. Allmählich muss man sich wie Dirk vom Liblog die Frage stellen, ob wir uns solche Politik eigentlich noch leisten können.

Ähnliche Beiträge


56 Kommentare zu “Kernkompetenzen”

  1. 5.03.2007 | 12:40

    Hallo Rayson,

    Allmählich muss man sich wie Dirk vom Liblog die Frage stellen, ob wir uns solche Politik eigentlich noch leisten können.

    Leisten vielleicht – wollen: Ganz bestimmt nicht. Da gehe ich mit dir d’accord. Aber das habe ich ein paar von denen schon persönlich gesagt, und sie haben nicht gehört. Was tun?

    Schönen Gruß, Steve

  2. 5.03.2007 | 12:41

    Die Bürger selbst sind ja offensichtlich geneigt, sich von Unpolitikern zur Schlachtbank führen zu lassen. Die Wahlergebnisse lassen das vermuten.
    Aber zumindest der Rechtsstaat übernimmt manchmal noch die Verteidigung der letzten Reste Vernunft gegen Merkel, Söder, Beck und Co.

  3. FAB.
    5.03.2007 | 13:08

    Ein Hoch auf das Niedersächsische Finanzgericht. Wollen wir hoffen, daß das BVerfG die Frage genauso sieht (und möglichst noch dieses Jahr).
    Äußerst amüsant aus Sicht des gebeutelten Normalsteuerzahlers auch der Tritt des Bundesfinanzhofs vor das Schienbein des Gesetzgebers – auf die Antworten des BMF bin ich gespannt.

  4. R.A.
    5.03.2007 | 14:13

    Keine journalistische Sternstunde für das Handelsblatt:
    Da wird getitelt “Pendlerpauschale verfassungwidrig”, obwohl das Gericht genau entgegengesetzt entschieden hat.

    In der Sache fühle ich mich vom Gericht sehr bestätigt.
    Selbst bei Liberalen muß man leider immer wieder gegen die Idee andiskutieren, der Weg zur Arbeitsstätte wäre “private Lebensführung” und damit der Fahrtkostenabzug eine “Subvention”.

  5. 5.03.2007 | 14:22

    Bisher hielt ich das für plausibel. Habe mir aber auch nie ernsthaft Gedanken darum gemacht. Was spricht dagegen?

  6. 5.03.2007 | 14:29

    Was spricht dagegen?

    Aus meiner Sicht sind Aufwände für Fahrten zur Arbeit vergleichbar mit den Einkäufen, die man als Selbstständiger bzw. Unternehmer tätigt, um eine Leistung zu erbringen. Beides sollte logischerweise steuerliche Berücksichtigung finden.

    Aber das ist jetzt mein Laienverständnis…

  7. 5.03.2007 | 14:32

    Das klingt für mich aber auch nach Subvention.

  8. 5.03.2007 | 14:36

    @Leisten vielleicht – wollen: Ganz bestimmt nicht.

    Ich meine genau umgekehrt. Fakt ist, dass wir in einem der freiesten Staaten leben, die es je gegeben hat. Wenn diese Politik und die mit ihr einhergehenden Freiheitseinschränkungen, die zwar für einen Liberalen erheblich sind, aber aus historischer Perspektive doch marginal, der Preis der Freiheit ist, bin ich bereit ihn zu bezahlen. Nicht gerne, aber notgedrungen.

    Mittlerweile wird aber ein solches Theater aufgeführt (in England scheint es ja genauso zu sein), dass die Politiker am besten abschneiden, wenn man sie gar nicht ernst nimmt und ihnen “Alaaf” hinterherbrüllt. Ob diese Muppetshow aber ein stabiles Gleichgewicht in relativer Freiheit bildet, kann ernsthaft bezweifelt werden. Zumal die Politiker nicht davor zurückschrecken, ihr Spielzeug “Staatsgewalt” so zu gebrauchen, als wäre es ihr Eigentum. Können wir uns das wirklich noch leisten, oder müssen wir uns Sorgen machen?

  9. 5.03.2007 | 14:36

    Das wäre es doch nur dann wirklich, wenn es keine Steuer gäbe.

    So ist es Abmilderung der Steuerlast, weil der Lehnsherr sieht, dass der Leibeigene auch ein paar Sack Korn für den Eigenbedarf benötigt.

  10. 5.03.2007 | 14:37

    Wir hatten das schon mal bei dol, auch da kann ich mich an eine Auseinandersetzung mit R.A. erinnern…

    Deshalb nur mal eben für die anderen mein Standardeinwand: Höhere Mietaufwendungen bzw. Grundstückspreise in der Stadt (wohin normalerweise gependelt wird) werden auch nicht als berufsbedingt anerkannt. Dabei ist die Überlegung, ob man lieber in die Stadt zieht oder doch raus aufs Land, durchaus auch ein Kostenkalkül. In das der Staat mit der Pendlerpauschale recht einseitig eingreift.

  11. 5.03.2007 | 14:37

    Meine letzte Einlassung ist Antwort auf Davids letzten Kommentar.

  12. R.A.
    5.03.2007 | 15:00

    @Rayson:
    > Höhere
    > Mietaufwendungen
    > bzw. Grundstückspreise
    > in der Stadt (wohin
    > normalerweise
    > gependelt wird)
    > werden auch nicht
    > als berufsbedingt
    > anerkannt.
    Natürlich nicht: Privatwohnung bleibt Privatsache, egal wo und wie teuer.

    Entscheidend ist: Die Fahrt zum Arbeitsplatz ist nötig, um dort Einkommen zu erwirtschaften.
    Das ist völlig äquivalent zur Fahrt eines Selbständigen zu einem Kunden.
    Oder die Fahrt eines Firmenfahrzeugs dorthin, wo es gebraucht wird.

    Wenn der thüringische Dachdeckermeister in Gotha ein billiges Grundstück hat, und die meisten Kunden in Frankfurt/Main, dann kann er zu Recht jede Fahrt seiner Leute zu einem Einsatzort dort als Unkosten ansetzen.

    Daß der Staat mit seiner neuen Gesetzgebung Angestellte anders behandelt als andere Wirtschaftsfahrten, das ist ja der Punkt, an dem das Urteil ansetzt.

    Und nebenbei: Ich bin davon überzeugt, daß wir klassische “Angestellte” irgendwann nicht mehr haben werden, sondern nur noch “Selbständige”, auch wenn diese viele Jahre bei einem Kunden arbeiten.

    Auch wenn die Gewerkschaften das zurückdrehen wollen – die ganze Logik der flexiblen Arbeitswelt geht in diese Richtung, auch die Umstellung der Sozialversicherung auf Kopfpauschale oder die Kombination mehrerer Tätigkeiten paßt dazu.

  13. R.A.
    5.03.2007 | 15:04

    @Dirk:
    > Fakt ist, dass wir
    > in einem der
    > freiesten Staaten
    > leben, die es je
    > gegeben hat.
    Im großen historischen Bogen – ja.
    Aber das Argument nutzt sich zusehends ab – vor 20/30 Jahren haben wir wohl mehr Freiheit gehabt als heute, und die Tendenz ist abnehmend.

    > Wenn diese Politik …
    > der Preis der
    > Freiheit ist, bin
    > ich bereit ihn zu
    > bezahlen.
    Wenn – dann vielleicht.

    Ich sehe aber nicht im mindesten, daß die aktuelle Politik hilft, unsere Freiheit zu schützen – eher im Gegenteil.
    Daher bin ich überhaupt nicht bereit, für die Verschlechterung auch noch einen Preis zu bezahlen.

  14. 5.03.2007 | 15:08

    @R.A.

    Privatwohnung bleibt Privatsache, egal wo und wie teuer.

    Durch Definition “entschieden”. Kann ich auch: Du hast Recht – wenn jemand raus aufs Land zieht, ist das Privatsache; eine längere Fahrt zur Arbeit ist dann eben nicht dienstlich, sondern privat veranlasst. Das hilft nicht weiter.

    Entscheidend ist vielmehr: Da “billigere Wohnung plus Fahrtkosten” und “teurere Wohnung plus keine/weniger Fahrtkosten” ein realistisches Entscheidungskalkül darstellt, ist die Privatwohnung eben mindestens oder höchstens so privat wie die Fahrt zur Arbeit.

  15. 5.03.2007 | 15:15

    @Rayson

    Das klingt ja fast so, als würde der Staat die Fahrtkosten erstatten.
    Und nicht nur – wie ja auch im genannten Beispiel von unternehmerischer Aufwändung – steuerlich berücksichtigen.

  16. FAB.
    5.03.2007 | 15:20

    @ Rayson
    Dein Standardeinwand greift hier nicht wirklich. Im vom FG entschiedenen Fall wohnen die Eheleute in der Mitte zwischen beiden Arbeitsstätten und pendeln in beide Richtungen. Würden sie zwei getrennte Wohnungen an den jeweiligen Arbeitsorten einrichten, wäre eine von beiden Wohnungen nebst wöchentlicher Familienheimfahrt zur anderen steuerlich voll zu berücksichtigen.

  17. 5.03.2007 | 15:21

    @Boche

    Nein. Vom Staat habe ich oben noch gar nicht geredet, sondern nur von einer individuellen Entscheidungssituation. Tatsache ist allerdings, dass die eine Entscheidung steuerlich “berücksichtigt” wird, die andere aber nicht.

  18. 5.03.2007 | 15:22

    @FAB

    Ich beziehe mich nicht auf den konkreten Fall, sondern auf die einseitige Begünstigung von Fahrtkosten.

  19. Llarian
    5.03.2007 | 15:32

    @Dirk:

    Fakt ist, dass wir in einem der freiesten Staaten leben, die es je gegeben hat.

    Jein. Wir leben in einem der fortgeschrittensten Staaten, die es je gegeben hat. Weil wir technisch besser geworden sind. Aber Freiheit ist doch ziemlich relativ. Ich fühle mich nicht so frei, wenn ich 55% von dem, was ich verdiene, verteilen darf. Das war mal besser. Und meine Meinungs- und Handlungsfreiheit habe ich vor 20 Jahren nicht derart in Gefahr gesehen wie heute in Zeiten von Antidiskriminierungsgesetz und political correctness.
    Bei realer Betrachtung nimmt die Freiheit seit 20-30 Jahren kontinuierlich ab, erst auf wirtschaftlicher Ebene, in letzter Zeit mehr und mehr auch auf persönlicher Ebene.

  20. Llarian
    5.03.2007 | 15:39

    @R.A.:
    Nehmen wir an, der Arbeiter X wohne 100 Kilometer von seiner Arbeitsstelle. Er arbeitet dort 5 Tage die Woche und fährt damit 200 Kilometer pro Tag. Jetzt hat er die Möglichkeit ein Zimmer zu mieten, wodurch er nur noch am Wochenende nach Hause fährt und 800 Kilometer die Woche spart. Sollen die Kosten für dieses Zimmer auch Privatsache sein ?

  21. R.A.
    5.03.2007 | 16:22

    @Rayson:
    > Durch Definition
    > “entschieden”.
    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob Du diese Definition wirklich anzweifeln willst.

    Nach allen Grundsätzen unseres Rechtssystems ist die Privatwohnung in der Tat Privatsache. Man kann zur Miete wohnen oder im Eigentum, im Wohnwagen oder unter der Brücke, hochfeudal oder ganz schlicht, im Hochhaus oder auf der Almhütte – das ist eine reine Privatentscheidung und steuerlich erst einmal uninteressant.

    Das Finanzamt kommt erst ins Spiel, wenn Einnahmen erzielt werden.
    Da gibt es beliebig viele Varianten. Aber grundsätzlich gilt: Die für die Erzielung der Einnahmen nötigen Unkosten sind abzugsfähig.
    Ob das nun Telephonkosten sind oder Fahrtkosten, ob ein Büro angemietet wird oder ein Computer gekauft – grundsätzlich alles voll abzugsfähig.

    Warum also sollte man so unsystematisch sein und nur bei angestellten Arbeitnehmern ausgerechnet die Fahrtkosten rausnehmen?

  22. R.A.
    5.03.2007 | 16:25

    @Llarian:
    > Sollen die Kosten für
    > dieses Zimmer auch
    > Privatsache sein ?
    Wohl nicht – und das wird m. W. auch steuerlich so geregelt.

    Es ist z. B. ganz typisch, daß man für Projekte unter der Woche beim Kunden im Hotel wohnt, um Fahrtzeit und -kosten zu sparen.
    Das ist steuerlich voll abzugsfähig.
    Und das gilt auch für ei gemietetes Zimmer.

    Macht das nicht unser Freund VolkerD genauso?

  23. 5.03.2007 | 16:30

    @R.A.

    Es geht mir ja gerade nicht um eine rechtliche, sondern um eine ökonomische Betrachtungsweise. Und da bleibt es eben dabei: In einem Entscheidungskalkül wird eine Alternative steuerlich begünstigt.

  24. Llarian
    5.03.2007 | 17:01

    Das Problem ist, dass die Definition halt Ärger macht. Wo fängt das private an ? Ich habe mir meine Wohnung gezielt in 2 KM Umkreis zur Uni gesucht, weil ich das für sinnvoll hielt und ökonomisch. Vermutlich ist die Wohnung damit ein bischen teurer als die, die sich jemand in 20 KM Umkreis sucht. Warum krieg ich das jetzt weniger ersetzt als eine Fahrt. Schliesslich gebe ich Geld für meine Anstellung aus.
    Wie übrigens jeder, der eine Wohnung direkt neben seiner Arbeit sucht. Diese Kosten sind nur im Unterschied zu Fahrtkosten nicht externalisierbar.

  25. 5.03.2007 | 17:31

    @R.A., Llarian

    Ich möchte die jetzige Situation keinstenfalls schönreden und finde mich mit ihr auch nicht ab. Im Gegenteil, ich mache mir die Sorge, dass die bis heute erkämpften Freiheiten in Gefahr sind und wir hinter den Status Quo zurückfallen. Die Relativierung der jetzigen Situation in meiner Aussage ergibt sich nur vor dem Hintergrund, dass das, was bisher erreicht haben, auch auf dem Spiel steht.

  26. Parker8
    5.03.2007 | 18:17

    Aber das Argument nutzt sich zusehends ab – vor 20/30 Jahren haben wir wohl mehr Freiheit gehabt als heute, und die Tendenz ist abnehmend.
    Es ist so schön, dass die Sozialstaatler genau das auch sagen, nur eben in Bezug auf Sozialleistungen.

  27. Llarian
    5.03.2007 | 18:29

    Ja, sagen können die viel, das dumme ist nur, das kann man im Unterschied anhand der einschlägigen Zahlenbasis wiederlegen. Und die Wahrheit nutzt sich niemals an, auch wenn einige Sozialstaatler das gerne hätten.

  28. Parker8
    5.03.2007 | 18:42

    Die Zahlenbasis sieht für die ganz anders aus.

    Ich denke, dass in einer älter werdenden Gesellschaft die Nostalgie im politischen Diskurs an Bedeutung gewinnt.

  29. 5.03.2007 | 18:52

    Hallo Larian,

    Ja, sagen können die viel, das dumme ist nur, das kann man im Unterschied anhand der einschlägigen Zahlenbasis wiederlegen. Und die Wahrheit nutzt sich niemals an, auch wenn einige Sozialstaatler das gerne hätten.

    Das kommt drauf an, wie du das komplexe Gebilde Sozialstaat auf eine einzige Dimension abbildest. Das kann man über den Anteil der Sozialausgaben am Bruttosozialprodukt oder gar inflationsbereinigte Sozialausgaben machen, fair enough – aber fuer mich waere z.B. ein Sozialstaat, der _nur_ ein bedingungslose Grundeinkommen in Hoehe von, sagen wir, 600 Euro ausgaebe und sonst nichts, ein erheblich sozialerer Sozialstaat als der, den wir heute haben. Nur ist der, den wir heute haben, teurer als dieses Grundeinkommen, also waere nach der Zahlenbasis, die du wahrscheinlich meinst, der Sozialstaat nach Einfuehrung des BGE abnehmend, fuer mich als Befuerworter eines Sozialstaates aber zunehmend.

    Schönen Gruß, Steve

  30. 5.03.2007 | 19:16

    Ich denke, dass in einer älter werdenden Gesellschaft die Nostalgie im politischen Diskurs an Bedeutung gewinnt.

    Das ist trockener Humor.

  31. Llarian
    5.03.2007 | 21:36

    Hi Steve,

    wir sind schon wieder dabei eine Kommentarsektion zu hijacken :)
    Die Frage ist meines Erachtens nicht ob Sozialstaat oder nicht. Die Frage ist ob Sozialleviathan oder nicht. Wie man das im Endeffekt durchführt ist noch eine ganz andere Frage. Und so schön sich das mit dem Grundeinkommen erst einmal anhört (wie die meisten Dinge, die man nicht getestet hat), man muss erst einmal über grundsätzliche Dinge Einigkeit erzielen. Heute ist der Anteil der Sozialausgaben nahezu ein Drittel der Staatsausgaben, weit höher als der der Investitionen. Die Last dieses Sozialstaates wird von einer Minderheit der Bevölkerung getragen. Immer weniger tragen immer mehr Last. Und das macht beide sehr ziemlich unfrei.
    Man muss sich meines Erachtens erst einmal darüber unterhalten, was man erreichen will, was man als fair betrachtet und wo man Grenzen zieht. Dann erst kann man sich über die Ausgestaltung unterhalten. Mir ist ein Grundeinkommen von 300 Euro, 600 Euro oder auch 6000 Euro erst einmal egal, die Frage ist wer und wie man sowas finanziert.
    Übrigens, selbst wenn ichs nicht im Details diskutieren möchte, wenn eine vierköpfige Familie vom Staat 2400 Euro einfach so bekommt, sind die bescheuert, wenn die noch arbeiten gehen.

  32. 6.03.2007 | 1:52

    Hi Llarian,

    stimmt, arme Kommentarsektion ;-) .

    Die Frage ist meines Erachtens nicht ob Sozialstaat oder nicht. Die Frage ist ob Sozialleviathan oder nicht.

    Tut mir leid, die Unterscheidung sagt mir gar nix, und ich kann nur fundiert raten. Der Sozialstaat wird zum Sozialleviathan, wenn ihn niemand mehr zügeln kann? Wenn also die politische Kontrolle verloren geht?

    Immer weniger tragen immer mehr Last. Und das macht beide sehr ziemlich unfrei.

    Das kommt drauf an, wie du Freiheit definierst. Ich würde Freiheit als die Möglichkeit definieren, sein Leben und seine Umwelt nach seinem freien Willen zu gestalten.

    Der, der viel hat, verliert nicht viel Freiheit, wenn er wenig (ja, was wenig ist, muss verhandelt werden) abgibt. Was aber jeder, der wirtschaftlich Tätige wie der sonstwie Tätige wie der Faule, durch einen Sozialstaat gewinnen, ist die Möglichkeit, ihr Leben gestalten zu können, ohne sich sorgen zu müssen, ob sie morgen unter der Brücke schlafen. Wirtschaftliche Eigenständigkeit für alle.

    Ja, ich weiß, du siehst das mit der wirtschaftlichen Eigenständigkeit anders, wenn ich diesen Satz richtig interpretiert habe. Aber – ist das wirklich so ein fundamentaler Unterschied, ob du dein Einkommen beziehst, weil du deines Vaters Erbe, deines Kunden Friseur oder deines Staates Bürger bist? Unter der Prämisse, dass du arbeitest – sei es bezahlt oder unbezahlt?

    Man muss sich meines Erachtens erst einmal darüber unterhalten, was man erreichen will, was man als fair betrachtet und wo man Grenzen zieht.

    D’accord. Nur sehe ich es halt nicht so, dass man das Pferd von der Kostenseite her (”ein Drittel der Staatsausgaben”) aufzäumen sollte, sondern auch von der Nutzenseite, und dann gucken muss, ob das zu finanzieren ist. In der Praxis wird man sicherlich beides gleichzeitig tun müssen, um zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen, aber man sollte eben nicht einen Sozialstaat nur über seine Kosten definieren. Das war der ganze Punkt, den ich versucht habe, anzubringen. Umverteilung ist eben nicht per se sozial.

    Übrigens, selbst wenn ichs nicht im Details diskutieren möchte, wenn eine vierköpfige Familie vom Staat 2400 Euro einfach so bekommt, sind die bescheuert, wenn die noch arbeiten gehen.

    Jeder Mensch geht nur zur Arbeit, weil er dort Geld bekommt? Ach komm, da gibt es doch mehr Motivation. Was meinst du, wieso Ackermann noch arbeitet? Oder ein Lottogewinner? Die hätten für den Rest ihres Lebens ausgesorgt.

    Doch ein jeder Mensch will teilhaben an der Gemeinschaft, und die Gemeinschaft arbeitet nun mal. Jeder Mensch will Selbstbewusstsein, und Selbstbewusstsein kommt zum Großteil aus dem, was man tut. Klar, jeder von uns träumt manchmal davon, morgen alles hinzuschmei�en und zu gehen – aber zeig mir den, der das lange durchhält.

    Und, davon abgesehen, ist zusätzliches Geld ja nun nicht zu verachten. 2400 Euro klingt ja erstmal viel; aber wenn da erstmal Essen, Kleidung, Miete, Versicherung, Telefon und Internet, ein paar Bücher, ein Auto oder ein Monatsticket, eine Runde Eis für alle, ein Theaterbesuch, die Reise zu den Verwandten und die Klassenfahrt abgezogen werden, dann behaupte ich, dass selbst die 519.60 Euro, die eine Halbtagsstelle zu 8 Euro in der Stunde bei 25% Steuern im Monat bringt, willkommen sind. Und wenn niemand für das Geld Müll abholen will – well, dann sollten wir uns überlegen, ob wir Menschen durch Existenznot dazu zwingen wollen.

    So, das Thema kann man noch lang und breit auswalzen, und ich werde das auch eines Tages mal tun, aber für eine Gegendarstellung muss das reichen.

    Schönen Gruß, Steve

  33. 6.03.2007 | 2:05

    arme Kommentarsektion

    Big Brother is watching you, guys… ;-)

  34. 6.03.2007 | 4:38

    [...] B.L.O.G. – Bissige Liberale ohne Gnade » Kernkompetenzen Politiker und was sie so können (tags: bissige-liberale politik politiker kompetenz) [...]

  35. R.A.
    6.03.2007 | 10:33

    @Rayson:
    > In einem
    > Entscheidungskalkül
    > wird eine Alternative
    > steuerlich begünstigt.
    Der Staat begünstigt keine spezielle Alternative.
    Aber wenn der Steuerzahler eine Variante mit mehr Unkosten wählt, dann bleibt halt weniger versteuerbares Einkommen.

    Beispiel: Du kannst Deinen Geschäftsbetrieb mit handgeschriebenen Briefen abwickeln (kostet vielleicht 30-40 Euro Porto im Monat) oder Dir extra dafür einen PC mit Internet-Zugang anschaffen, um Emails zu verschicken (dann bist Du schnell beim Doppelten/Dreifachen dieser Kosten).

    Dann kannst Du auch nicht wirklich sagen, “der Staat begünstigt die PC-Anschaffung”, nur weil er die höheren Kosten anerkennt.

  36. R.A.
    6.03.2007 | 10:53

    @Llarian:
    > Das Problem ist,
    > dass die Definition
    > halt Ärger macht.
    > Wo fängt das private
    > an ?
    Ich wüßte wirklich nicht, was an der Definition von “Privatwohnung” schwierig sein sollte.
    Das hat ja auch Jahrzehnte prima und problemlos funktioniert, incl. Sonderfälle mit mehreren Wohnsitzen.

    Es hat in diesem Bereich auch nie besondere Probleme gegeben, bevor die Grünen den Fahrtkostenabzug als Hebel in ihrem Feldzug gegen das Auto gefunden haben.

    > Ich habe mir meine
    > Wohnung gezielt in
    > 2 KM Umkreis zur
    > Uni gesucht, weil
    > ich das für
    > sinnvoll hielt
    > und ökonomisch.
    Wunderbar. Ein sinnvolles Kriterium, es ist legitim, und viele Leute wenden es an.
    Aber es ist nicht das einzige Kriterium, es gibt viele andere, und die Abwägung ist alleine Sache des Individuums, das geht das Finanzamt nichts an.

    > Vermutlich ist die
    > Wohnung damit ein
    > bischen teurer als
    > die, die sich
    > jemand in 20 KM
    > Umkreis sucht.
    Vielleicht – aber auch für den Wohnungspreis gibt es viele Kriterien.
    Die teuren Wohnlagen sind meist NICHT die, die dicht an irgendwelchen Arbeitsplätzen liegen.

    Umgekehrt sind die Wohnlagen in der Pampa nicht deswegen billig, weil man damit mehr Fahrtkosten generieren kann.
    Nein, die Wohnungen weit draußen sind deswegen billig, weil eine Wohnlage weitab von städtischer Infrastruktur unattraktiv ist.

    Es ist eine zutiefst private Entscheidung, wieviel man für bessere Wohnqualität bezahlen will.

    > Warum krieg ich das
    > jetzt weniger ersetzt
    > als eine Fahrt.
    “Ersetzt” kriegst Du sowieso nichts.
    Schließlich bleiben die Kosten selber ja am Betreffenden hängen, er muß sie bei Absetzbarkeit nur nicht noch zusätzlich versteuern.

    Und wenn Du keine Kosten hast, kannst Du sie auch nicht absetzen.

  37. R.A.
    6.03.2007 | 10:57

    @Steve:
    Ich will hier nicht die Generaldiskussion über Grundeinkommen führen.

    Nur eine Anmerkung:
    > aber fuer mich waere
    > z.B. ein Sozialstaat,
    > der _nur_ ein … 600
    > Euro ausgaebe und
    > sonst nichts, ein
    > erheblich sozialerer
    > Sozialstaat als der,
    > den wir heute haben.
    Das ist m. E. DEUTLICH falsch.

    Für nur 600 Euro pro Kopf und Monat wäre das kein Sozialstaat mehr.

    Da würden nicht nur die rechtschaffen erworbenen Rentenansprüche von Millionen auf ein Minimum gekürzt, da würden Behinderte keine Hilfe mehr bekommen, Pflegebedürftige armselig dahinvegetieren, Waisenkinder und andere Problemfälle ohne Betreuung bleiben – alle die wirklich die Hilfe eines Sozialstaats brauchen, würden bei so einem Modell völlig auf der Strecke bleiben.

  38. Llarian
    6.03.2007 | 11:28

    Hi Steve,

    da der grosse Bruder admin über uns wacht, versuche ich mich kurz zu fassen und nur ein paar Kleinigkeiten zu sagen:
    - Ich würde den Leviathan nicht alleine an seiner Kontrolle festmachen, sondern an seiner Allmacht und Größe. Es ist eben auch ein Leviathan, wenn 80% dafür sind und ihn kontrollieren. Mir erscheint seine Macht einfach viel zu gross, wenn er mehr als die Hälfte meines Lebens bestimmen kann und will.
    - Bei dem Brückenbeispiel würde ich sagen, dass wirft Freiheit und Sicherheit übereinander. Sicherheit ist auch schön, aber sie macht auch unfrei. Wenn ich Geld vom Staat bekomme, weil ich Bürger bin, und dadurch in ein Abhängigkeitsverhältnis gerate, dann bin ich sicher, aber nicht frei. Ich bin sozusagen vom Wohlwollen des Leviathan abhängig. Deswegen ist es für den freiheitsliebenden Menschen ein erheblicher Unterschied ob er vom Staat lebt oder anderen die Haare schneidet.
    - Der wichtigste Punkt ist mir aber das Pferd. Denn es ist eine Frage der Notwendigkeit es von der Kostenseite aufzuziehen. Denn Geld muss auch verdient werden. Ein Fell zu verteilen, ohne überhaupt einen Bären zu erlegen ist ziemlich dumm. Aber genau das ist Sozialpolitik in Deutschland. Denn diese wird nicht nach dem “was hat man” sondern rein nachdem “was wollen wir” gestaltet. In der Folge entstehen Schulden in absurder Höhe und eine gewürgte Wirtschaft samt einer Landesflucht von mehr als 100.000 Inländern pro Jahr. Viele intelligente Köpfe dabei.

  39. R.A.
    6.03.2007 | 11:36

    @Steve:
    > Der, der viel hat,
    > verliert nicht viel
    > Freiheit, wenn er
    > wenig (ja, was wenig
    > ist, muss verhandelt
    > werden) abgibt.
    Das klingt ja ganz nett – aber was hat das mit der heutigen Realität zu tun?

    Wer etwas über dem Durchschnitt verdient, muß etwa 50-60% davon abgeben.
    Das ist schon heftig weit weg von “wenig” und eine deutliche Freiheitseinschränkung.

    Ich halte es für wirklich zynisch, diese Belastung noch weiter erhöhen zu wollen.

  40. 6.03.2007 | 12:18

    @R.A.

    Quatsch ich eigentlich Chinesisch? Wahrscheinlicher ist aber, dass du dich einfach nur weigerst, deinen Ausgangspunkt auch nur gedanklich zu verlassen. Ein letztes Mal: Es geht nicht um höhere Kosten, sondern um vergleichbare aus der Wahl zwischen Stadtwohnung einerseits und Landwohnung plus Fahrtkosten andererseits. Bei der Standortwahl begünstigt der Staat die zweite Alternative durch teilweise steuerliche Absetzbarkeit.

  41. R.A.
    6.03.2007 | 15:00

    @Rayson:
    > dass du dich einfach
    > nur weigerst, deinen
    > Ausgangspunkt auch
    > nur gedanklich zu
    > verlassen.
    Ich weigere mich, die allgemeine Systematiks des Steuerrechts an einer willkürlich gewählten Stelle zu verlassen, ohne daß dafür ein Argument geboten wird.
    Genau das macht das Gericht hier auch – es geht um Gleichbehandlung gleicher Tatbestände.

    Du packst hier zwei Pakete: (Stadtwohnung) und (Landwohnung plus Fahrtkosten).

    Und natürlich – beim zweiten Paket ist eine abzugsfähige Komponente dabei und beim ersten nicht. Es ist aber gewagt deswegen zu behaupten, der Staat würde das zweite Paket begünstigen.

    Denn der Staat packt die Pakete nicht, das ist Deine eigene freie Entscheidung, und Du kannst da auch noch andere abzugsfähige Kosten reinpacken (Internet-PC-Beispiel) um dann zu “schließen”, der Staat würde PCs gegenüber der Bummelpost bevorzugen.

    Der logische Fehler dabei liegt m. E. darin, daß man immer nur pro Komponente einzeln entscheiden kann, ob sie abzugsfähig sind oder nicht. Was bei Fahrtkosten m. E. immer der Fall ist.

    Die Komponente “Wohnung” mit ihren Kosten aber ist auf jeden Fall reine Privatsache, da ist nichts von steuerlich abzugsfähig, die gehört nie in ein Vergleichspaket.

    Oder noch ein anderer Versuch der Veranschaulichung:

    Du gehst im Prinzip von einem Bild aus, bei der der konkrete Job im Zentrum der Steuererhebung steht. Da ist der Arbeitsplatz, dort entsteht Einkommen, dort wird es versteuert, egal von welchem privaten Wohnort der Arbeitnehmer kommt.
    Bei dieser Sicht paßt die Pendlerpauschale tatsächlich nicht rein.

    Dieses Bild funktioniert aber nur, wenn eine Person auch nur einen Job als Einkommensquelle hat.

    Das Steuerrecht geht aber von einer ganz anderen Grundvorstellung aus:
    Die Person ist steuerpflichtig. Und die sitzt irgendwo, wo sie halt privat ihre Wohnung genommen hat.

    Und diese Person kann nun alle möglichen Einkommensquellen haben: Halbtagsangestellt hier, freiberuflich tätig dort, und Mieteinnahmen von sonstwo usw.

    Und dann muß man von der Person aus gesehen die Kosten seperat ermitteln, die zu jedem Einkommen gehören: Fahrtkosten hier, Telephonkosten dort usw., die sind immer unterschiedlich.

    Und da kommt man nicht nur wegen GG/Gleichbehandlung, sondern auch mit der Systematik und den Abgrenzungsdefinitionen in Teufels Küche, wenn man plötzlich für eine spezielle Einkommensart und ein spezielle Unkostenart die Abzugsfähigkeit streicht.

  42. 6.03.2007 | 15:15

    @R.A.

    Denn der Staat packt die Pakete nicht, das ist Deine eigene freie Entscheidung, und Du kannst da auch noch andere abzugsfähige Kosten reinpacken (Internet-PC-Beispiel) um dann zu “schließen”, der Staat würde PCs gegenüber der Bummelpost bevorzugen.

    Wir wollen doch nicht den Bereich der effizienten Alternativen verlassen.

    Die Person ist steuerpflichtig. Und die sitzt irgendwo, wo sie halt privat ihre Wohnung genommen hat.

    Was in vielen Fällen ein unrealistisches Szenario ist, zum Beispiel, wenn man versetzt wird oder sich einen neuen Job gesucht hat. Dann begünstigt die steuerliche Behandlung die Wahl einer Wohnung außerhalb der Stadt.
    Im Übrigen verweise ich auf §5a EStG…

  43. R.A.
    6.03.2007 | 16:27

    @Rayson:
    > Wir wollen doch
    > nicht den Bereich
    > der effizienten
    > Alternativen
    > verlassen.
    Es geht doch nicht darum, ob jetzt mein Beispiel besonders geschickt gewählt ist.
    Es geht doch um das damit illustrierte Grundprinzip.

    > … wenn man
    > versetzt wird oder
    > sich einen neuen
    > Job gesucht hat.
    So what?
    Natürlich gibt es Fälle, wo man die Wohnung passend zum Job sucht.
    Aber wegen der Existenz solcher Fälle kann man doch nicht die ganze Logik des Steuersystems auf den Kopf stellen.

    > Dann begünstigt die
    > steuerliche
    > Behandlung die Wahl
    > einer Wohnung
    > außerhalb der Stadt.
    Nein.
    Du gehst hier von einem (durchaus häufigen) Einzelfall aus: Billiges Haus im Dorf, Job in der Stadt.
    Die Steuergesetze gelten aber genauso für viele andere Fälle, wo z. B. die Wohnung billig und in der Stadt ist oder die Leute in der Stadt wohnen und aufs Land pendeln.
    Ob sich da irgendein Fall “günstiger” rechnet als ein anderer ist jedesmal anders.

    Grundsätzlich gilt, daß die Privatwohnung und ihre Kosten in der Steuererklärung nichts zu suchen haben. Habe ich oben schon geschrieben, und dieses Grundprinzip hast Du auch nicht bestritten (sonst müßten wir erst über eine andere Prämisse reden).

    Und grundsätzlich gilt, daß alle zu einem konkreten Einkommen gehörenden Kosten dort abgezogen werden. Auch hier gilt: Wenn wir diese Prämisse über Bord werfen, machen wir ein ganz großes Faß auf, und müssen erst einmal diese Grundsatzentscheidung mit Folgen diskutieren.

    Solange aber diese beiden Grundsätze gelten, wird die Rechtsprechung auch die Folgerungen logisch ableiten, auch wenn diverse Politiker gerne eine Einnahmequelle mehr hätten.

    > Im Übrigen verweise
    > ich auf §5a EStG…
    ???

  44. 6.03.2007 | 16:48

    Es geht doch um das damit illustrierte Grundprinzip.

    Eben. Und deswegen geht es nicht um höhere oder niedrigere Kosten, sondern um die grundsätzliche steuerliche Berücksichtigung von Entscheidungsalternativen. Die Alternative “Internt-PC vs. Snail Mail” ist vollständig, die Alternative “Fahrtkosten oder keine Fahrtkosten” ist es nicht.

    Ob sich da irgendein Fall “günstiger” rechnet als ein anderer ist jedesmal anders.

    Wir können jedenfalls davon ausgehen, dass die aufzuwendenden Fahrtkosten in die Stadt sich in den dortigen Mietpreisen wiederfinden (siehe Ricardos Betrachtung zu den Grundrenten).

    Grundsätzlich gilt, daß die Privatwohnung und ihre Kosten in der Steuererklärung nichts zu suchen haben.

    Und die Kosten von Privatfahrten eben auch nicht. Siehe §4 Abs. 5a EStG (so ist es richtig ;-) ):

    Keine Betriebsausgaben sind die Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und Betriebsstätte und für Familienheimfahrten.

  45. R.A.
    6.03.2007 | 17:28

    @Rayson:
    > sondern um die
    > grundsätzliche
    > steuerliche
    > Berücksichtigung von
    > Entscheidungs-
    > alternativen.
    M.E. kümmert sich das Steuerrecht grundsätzlich nie um Alternativen.

    Die Entscheidung zwischen diversen Varianten trifft immer der Betreffende selber, das Finanzamt kümmert sich ganz blind nur um die daraus entstandenen Einnahmen und Kosten.

    Und wenn keine Kosten anfallen, dann werden eben keine abgesetzt.

    > Wir können
    > jedenfalls davon
    > ausgehen, dass die
    > aufzuwendenden
    > Fahrtkosten in die
    > Stadt sich in den
    > dortigen Mietpreisen
    > wiederfinden
    Mal abgesehen davon, daß ich davon auch inhaltlich nicht ausgehe: Sie wären auf jeden Fall nur ein Faktor unter mehreren.

    Du kannst auch über Hintertüren nicht reindiskutieren, daß die privaten Wohnkosten bei der Steuererklärung etwas zu suchen hätten. Auch nicht als “im Mietpreis enthaltene gesparte Fahrtkosten”.

    Nicht einordnen kann ich Dein Gesetzeszitat. Ist das jetzt der neue Paragraph, der vor Gericht gekippt wurde?

    Ansonsten wäre das ja ein klarer Widerspruch zur gängigen Praxis bei der Besteuerung von Firmen und Selbständigen.

  46. Llarian
    6.03.2007 | 23:49

    @R.A.:
    Sorry, ich muss da nochma nachschmeissen. Nehmen wir an, ein Mensch X wohne in Stadt Y in einer Wohnung für Z Euro. Ist aber arbeitslos. Jetzt bekommt er in Stadt Y2 eine Arbeit angeboten. Er muss dafür entweder mit seiner Familie umziehen oder er fährt mit dem Auto. Wenn seine neue Miete jetzt bedeutend höher ist, dann bezahlt er das, um diese Arbeit zu bekommen, genauso wie den Sprit, wenn er gefahren wäre. Diese Kosten entstehen nicht aus privaten Motiven, sondern rein um der Arbeit willen. Das doofe ist, man kann sie nicht wirklich berechnen, aber sie fallen an.
    Man könnte sich vielleicht darauf einigen, dass man aus rein pragmatischen Gründen diese nicht aufschlüsseln kann und damit ein geringes Ungleichgewicht akzeptiert (was ja jedes Steuerrecht irgendwo tut und tun muss). Aber Du scheinst mir eher argumentieren zu wollen, dass das Ungleichgewicht gar nicht da ist. Das ist aber da. Die Kosten entstehen ganz real. Und sie wären nicht entstanden, wenn der X die Arbeit nicht angenommen hätte.
    Ganz ähnlich wird ja mit Arbeitszimmern argumentiert, und die sind abzugsfähig. Sie sind Teil der Privatwohnung, fallen aber nur aufgrund der beruflichen Tätigkeit an.

  47. 7.03.2007 | 0:25

    Hallo R.A.,

    da ich auch die Diskussion nicht hier führen will, nur eine kurze Richtigstellung:

    1. Das BGE würde die Steuerbelastung _senken_.
    2. Kranken-/Pflege-/Unfallversicherung wie heute und BGE mit 600 Euro/Monat für 80 Millionen Menschen 12 Monate im Jahr würde 750 Milliarden Euro im Jahr kosten und dir 600 steuerfreie Euros im Monat einbringen. Alle Sozialausgaben zusammen. Das sind 32% des BIP von 2006. Jetzt erklär mir bitte, wofür die restlichen 20-30% deiner Belastung ausgegeben werden.
    Wenn du die Zahlen prüfen willst, go ahead: http://www.destatis.de
    Ist dir das zu viel? Kann man drüber reden. Ich finde auch 500 Euro im Monat zum Leben und Überleben ausreichend. 100 Millionen Euro gespart, dann sind wir runter auf 28%. Alles zusammen, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, der Unterhalt deiner Kinder, die Rente deiner Eltern. Und das ist dir zu viel?

    Schönen Gruß, Steve

  48. 7.03.2007 | 11:15

    @Steve:

    Ich finde auch 500 Euro im Monat zum Leben und Überleben ausreichend.

    Wo wohnst Du? In Hamm, einer verfallenden Industriestadt im östlichen Ruhrgebet, hätte ich mit dieser Summe nach Miete, Strom und Gas immerhin noch 4€ am Tag zum Leben gehabt. Hier in der Umgebung von Köln wäre es eher so etwas wie ein Fehlbetrag von 4€ am Tag…

  49. 7.03.2007 | 12:02

    Hallo Karsten,

    Wo wohnst Du?

    Bielefeld. WG-Zimmer gibt es en masse zwischen 200 und 250 Euro warm.

    Schönen Gruß, Steve

  50. 7.03.2007 | 12:12

    @Steve:
    In einer Stadt, die es gar nicht gibt, kann es folglich auch keine WG-Zimmer geben… ;)

  51. R.A.
    7.03.2007 | 12:33

    @Steve:
    > 1. Das BGE würde
    > die Steuerbelastung
    > _senken_.
    Das ist eine absurde Behauptung.
    Ohne in Details einzusteigen: BGE bedeutet auf jeden Fall, daß Leute Geld vom Staat bekommen, die das heute nicht bekommen.
    Und dieses Geld schafft der Staat nicht durch Alchemie, sondern holt es sich bei den Steuerzahlern.

    Egal wie man es rechnet (es gibt da sehr viele Modelle) – JEDES BGE führt zu Steuererhöhungen.

    > 2. Kranken-/Pflege-
    > /Unfallversicherung
    > wie heute …
    lassen sich nicht mit 100 Euro pro Kopf finanzieren.

    > Alle Sozialausgaben
    > zusammen.
    Du vergißt, daß ein großer Teil der Sozialausgaben NICHT für Transfers ausgegeben wird, die man durch BGE ersetzen kann.
    Siehe oben meine Beispiele.
    Die eigentliche Aufgabe des Sozialstaats ist die Versorgung Hilfsbedürftiger – Behinderte, Drogensüchtige, Kinder aus schlechten Verhältnissen usw.
    Das hat mit BGE nichts zu tun.

    > Jetzt erklär mir
    > bitte, wofür die
    > restlichen 20-30%
    > deiner Belastung
    > ausgegeben werden.
    Für alle möglichen Staatsaufgaben und andere Dummheiten.
    Da werden Straßen gebaut und Schulen unterhalten, der fette Gabriel macht Dienstreisen zum Klimaschutz und die Bundeswehr verteidigt den Hindukusch usw.

    Ein guter Teil davon ist auch wirklich sinnvoll und notwendig.

    Aber insgesamt ist die Belastung heute deutlich überhöht.

  52. 7.03.2007 | 21:50

    Hallo R.A.,

    Das ist eine absurde Behauptung.

    Erst rechnen, dann vom Tisch wischen. Wir sind hier nicht in der VWL-Fakultät.

    Ohne in Details einzusteigen: BGE bedeutet auf jeden Fall, daß Leute Geld vom Staat bekommen, die das heute nicht bekommen.

    Ja. Und dass Leute weniger bekommen, die heute zu viel bekommen. Stichwort Rentenkasse. In Summe kostet das weniger, kannst du dir trivial ausrechnen. Selbst, wenn du die Steuersätze gar nicht veränderst (also allen Verdienenden ein steuerfreies Grundeinkommen zurückgibst, also eine Entlastung um 546.87 Euro pro Monat!) liegt der Break-Even für 2005 bei 546 Euro und 87 Cent im Monat (http://www.destatis.de/basis/d/solei/soleiq23.php). BTW, uns dreckigen Studierenden billigt man 585 Euro als Höchstsatz zu, alles (also auch KV, die für uns bei 50 Euro im Monat liegt) inklusive.

    lassen sich nicht mit 100 Euro pro Kopf finanzieren.

    Hab ich auch nie gesagt. Oder kannst du das belegen?
    Sind übrigens 1.7E11 / 8E7 = 2.1E3 Euro im Jahr, also 175 Euro im Monat.

    Du vergißt, daß ein großer Teil der Sozialausgaben NICHT für Transfers ausgegeben wird, die man durch BGE ersetzen kann. Siehe oben meine Beispiele.

    Die waren Kranken-/Pflege-/Unfall (habe ich eingerechnet) und Rente (da erkenne ich einen höheren Anspruch dessen, der nicht mehr arbeitet, gegenüber dem, der noch nicht arbeitet, einfach nicht an. Aber die Diskussion würde wohl auch ausufern).

    Schönen Gruß, Steve

  53. 7.03.2007 | 22:00

    @Steve

    Um genau zu rechnen, reichen die aktuellen Rentenzahlungen nicht aus. Du müsstest die Rentenansprüche der Baby-Boomer berücksichtigen.

  54. R.A.
    8.03.2007 | 11:50

    @Steve:
    > Erst rechnen, dann
    > vom Tisch wischen.
    Sorry, ich habe schon genügend BGE-Entwürfe nachgerechnet, die waren seriöser als Dein lockerer Überschlag – da aber auch von denen keiner über geheime Geldquellen verfügt, läuft es am Ende immer auf massive Steuererhöhungen hinaus.

    > Und dass Leute
    > weniger bekommen,
    > die heute zu viel
    > bekommen. Stichwort
    > Rentenkasse.
    Selbst wenn Du alle Rentenansprüche streichst, die über dem BGE liegen (was illegal und illegitim wäre), finanziert das nicht annähernd die Summen, die Du neu ausschütten willst.

    Im übrigen sind die oben zitierten Beispiele für Hilfsbedürftige überwiegend NICHT von den Sozialversicherungen abgedeckt, sondern werden steuerfinanziert.

  55. 9.03.2007 | 20:49

    Hallo Rayson,

    Um genau zu rechnen, reichen die aktuellen Rentenzahlungen nicht aus. Du müsstest die Rentenansprüche der Baby-Boomer berücksichtigen.

    Nee, eben nicht, das ist ja eine Stärke der BGE-Ansätze. Die deutsche Bevölkerungsgröße ist seit langem konstant, 80 Millionen, und wird durch die Verrentung garantiert nicht steigen. Gut, viele von den Rentnern werden nicht mehr arbeiten – aber die Arbeitskraftreserve ist ja schließlich groß, da sehe ich kein Problem.

    Du hast natürlich recht, dass die Kosten des derzeitigen Rentensystems in Zukunft steigen werden.

    Schönen Gruß, Steve

    Und zu dir, R.A.,

    Sorry, ich habe schon genügend BGE-Entwürfe nachgerechnet, die waren seriöser als Dein lockerer Überschlag – da aber auch von denen keiner über geheime Geldquellen verfügt, läuft es am Ende immer auf massive Steuererhöhungen hinaus.

    Dann rechne bitte einfach mal präzise. Noch mal ganz langsam für Wiwis und diesmal gar auf die Milliarde genau, mit den aktuellen Zahlen (2005):
    696 Milliarden Euro werden pro Jahr, laut statistischem Bundesamt, für Sozialleistungen ausgegeben, davon 143 Milliarden für KV, 17 für PV, 11 für UV, also in Summe 171 Milliarden. Jetzt subtrahieren wir, das ist das Minusrechnen: 525 Milliarden werden für den ganzen Rest ausgegeben. Wir haben 82 Millionen Deutsche. Teilt man dieses Geld gleichmäßig auf alle Bürger auf (das nennt man Dividieren oder Geteiltrechnen), dann ergibt sich ein Betrag von 6.400 Euro im Jahr pro Bürger. Dividiert man den durch die Anzahl der Monate in einem Jahr (12, darfst du gerne selbst nachzählen), hat man 534 Euro pro Monat. Die Differenz zum vorher genannten Betrag ergibt sich daraus, dass ich vorher mit 700, 170 und 80 gerechnet hatte, gerundete Beträge eben. Und wie gesagt, wenn man so verfährt, hat der Steuern zahlende (also keine Sozialleistungen erhaltende) Mensch hinterher netto eine Entlastung von 534 Euro.

    was illegal und illegitim wäre

    Ach. Dir ist schon bewusst, dass der “Generationenvertrag” für eine stabile Bevölkerung mit 16-20 Jahren Restlebenserwartung im (nominellen, nicht frühverrenteten!) Rentenalter nie gedeckt war, oder? Will heißen: Die heutigen Rentner haben sich ihre Rente verdammt billig erkaufen können. Und dass meine Mitbewohnerin von ihren in der Fabrik erschufteten 400 Euro Geld abgeben soll, damit Altherren ihre 1000 Euro abgreifen können – das soll legitim sein? Und doch passiert mit den Studiengebühren genau das.

    Sehr verwunderten Gruß, Steve

  56. 11.03.2007 | 11:53

    @Steve

    Mit einem Wort, du willst die Faulenprämie durch Enteignung der Rentner finanzieren? Würde ich dann aber auch so sagen.

Bad Behavior has blocked 1456 access attempts in the last 7 days.