Es wird Zeit

Wir kennen sie doch alle, diese Freilichtmuseen, wo uns vorgeführt wird, wie Menschen mal gelebt und gearbeitet haben. Da können wir dann auch immer Leute beobachten, die irgendwelche Tätigkeiten ausführen, z.B. als Hufschmied oder Besenbinder, bei denen es nicht so sehr darauf ankommt, mit dem Produkt eine Nachfrage zu befriedigen, sondern die Art und Weise der Arbeit als solche das eigentliche Produkt ist.

Irgendsoetwas muss den Leuten vorschweben, die sich darüber empören, dass das VW-Gesetz wohl kippen wird. Für den Betriebsrat und die IG Metall scheint die Aufgabe des Unternehmens nicht darin zu bestehen, Autos zu bauen, sondern Mitarbeiter zu beschäftigen. Und weil das die bösen “anonymen Anleger” (Peters), denen der Konzern immerhin mehr als die Hälfte seines Kapitals verdankt und die übrigens auch gar nicht so anonym sind, vielleicht nicht unbedingt auch so sehen, braucht’s dann das Land Niedersachsen als nützlichen Idioten, der verhindert, dass andere Kapitalgeber die margenfressende Symbiose von mächtiger Gewerkschaft, billig sich der Konzernressourcen bedienendem Großaktionär und einem mitten im Geflecht steckenden Großimporteur und technikverliebten Manager stören könnten.

Diese Interessenlage kann ich individuell gut nachvollziehen. Das ändert aber nichts daran, dass hier dem Steuerzahler zustehende Mittel für ein Luxusprojekt mit unsicheren Zukunftsaussichten zweckgebunden werden. Als gäbe es keine besseren alternativen Verwendungsmöglichkeiten im Land Niedersachsen. Wenn ein Privataktionär dem Herrn Piech Geld zu geben bereit ist, damit dieser weiter mit Managern und selbstentwickelten Luxuslimousinen spielen kann, dann ist das dessen Sache. Rendite allein macht ja nicht glücklich. Aber die bitte sehr, sehr knappen Steuermittel sollten dann vielleicht doch lieber den wirkich dringenden Aufgaben des Landes Niedersachsen zugeführt werden. Das Betreiben von Freilichtmuseen, die Vermögensmehrung von reichen Familien zählt wohl nicht dazu.

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13 Kommentare zu “Es wird Zeit”

  1. 14.02.2007 | 23:11

    Du kannst Dir hier in Dresden ein solches Freilichtmuseum ansehen: die Gläserne Manufaktur von VW, in der der VW Phaeton gebaut wird — das Gebäude ist noch kein Museum, aber Licht fällt genug hinein ;-)

  2. 15.02.2007 | 0:47

    Also, für mich als gebürtigen Ruhrpottler sind solche Museen nix ungewöhnliches. Gut, die Zechen als Freilichtmuseum zu bezeichnen, wäre etwas lächerlich, aber etwas museales haben die schon seit 20 Jahren – was auch kaum ein Kumpel bestreitet, wenn man ihn mal in einem ernsthaften Gespräch ohne Polemik erwischt.

    Andererseits: Auch die Mitarbeiter von Museen hängen an ihrer Arbeit, vor allem, wenn sie ihnen das “täglich Brot” gibt…

  3. 15.02.2007 | 9:01

    Unbestritten. Aber was soll man dazu sagen, wenn die Arbeit z.B. darin besteht, Dinosaurier-Autos zu bauen? Der Phaeton macht einfach von keiner Seite einen modernen Eindruck und er basiert auch nicht auf moderner Technik. Das ist quasi ein dicker Passat, der mit viel Luxus und leistungsstarken Mororen ausgerüstet wurde. Ein Phaeton mit Hybridtechnik wäre heute in dieser Klasse einzigartig. Aber das haben Piech & Co. eben erfolgreich verhindert.

  4. 15.02.2007 | 9:31

    @stefanolix:

    mit einem phaeton mit hybridtechnik würde er wohl eher dem umweltministerium und der grünen presse als den kunden oder aktionären einen gefallen tun. so hat jeder seinen fetisch. wenn das so eine gute idee ist, warum baust du ihn nicht? ;-)

  5. 15.02.2007 | 10:09

    Ich bin davon ausgegangen, dass es der aktuell verfügbare Phaeton am Markt offenbar nicht wirklich gefragt ist. Und ich habe mich dann gefragt, ob er sich mit Hybridantrieb [oder wenigstens mit dem »super-sparsamsten« Motor seiner Klasse] nicht besser verkaufen könnte. Zurzeit müssen sich viele Behörden oder gewählte Politiker am Kohlendioxyd-Ausstoß ihrer Wagen messen lassen. Warum bietet unsere eigene Autoindustrie keine Alternativen an?

  6. 15.02.2007 | 10:20

    Weil es vielleicht letztlich und hinter all dem Klimatheaterdonner doch egal ist, wieviel CO2 ein Wagen ausstößt?
    ;-)

  7. 15.02.2007 | 10:47

    Das ist nicht relevant, wenn man mit dem Thema Wählerstimmen gewinnen oder verlieren kann :-) Außerdem wächst AFAIK der Markt für sparsame Autos gerade in den USA. Und wenn das so ist, dann ist es mir doch lieber, wenn die Alternativen aus unserer eigenen Produktion kommen.

  8. 15.02.2007 | 11:11

    Kann man denn mit dem Thema tatsächlich oder nur vermeintlich Wählerstimmen gewinnen oder verlieren? Ich zweifle.

    Und woher ein sparsames Auto kommt, das ich vielleicht irgendwann mal kaufe (wenn die Kosten-Nutzen-Rechnung zwischen Preis und Verbrauch das sinnvoll erscheinen lassen sollte), ist mir, ehrlich gesagt, ziemlich egal.

  9. 15.02.2007 | 12:27

    @stefanolix:

    So wie es total wichtig ist, ob der Sonntagskuchen von Muttern oder vom Bäcker an der Ecke kommt. Während allerdings Muttern den Kuchen meistens besser macht als der Bäcker (ich habs allerdings auch schon anders erlebt), ist nicht garantiert, dass die eigene Produktion Qualität und Preis am besten in Übereinstimmung bringt. Und das ist es doch was zählt bei Autos, oder hab ich da was vergessen.

    Wenn man sich die Frage stellt, ob es besser ist inländische oder ausländische Produkte zu kaufen, sollte man sich danach immer gleich die Frage stellen, was die Ausländer mit dem Geld machen, was sie von uns für die Importe bekommen haben. Sie werden es auch wieder bei uns ausgeben, denn wir leben in einer TAUSCHWIRTSCHAFT.

  10. 15.02.2007 | 13:22

    Steffen und Boche: ich wollte das doch alles nicht in Frage stellen. Es ging mir einzig um die Auslastung oder Nichtauslastung der Gläsernen Manufaktur. Das jetzige Produkt ist ein Flop. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, ob ein betont umweltfreundlicher Wagen in dieser hohen Qualität bessere Marktchancen hätte. Das war auch nicht nationalistisch gedacht, sondern nur lokalpatriotisch ;-)

  11. 15.02.2007 | 13:42

    Immer diese Sachsen mit ihrer Heimatliebe …!
    ;-)

  12. R.A.
    15.02.2007 | 14:26

    Hier geistert immer noch der grüne Irrglaube herum, ein Hybrid-Motor wäre HEUTE schon umweltschonend.

    Das ist noch lange nicht der Fall.

    Der Prius verbraucht zwar angeblich nur 4,9 Liter, aber um die zu erreichen muß man nicht nur ganz zurückhaltend fahren (und dann werden auch konventionelle Diesel sehr sparsam), sondern Stadt- und Landfahrten immer schön abwechselnd im richtigen Verhältnis treffen.

    Nur dann geht das Konzept der gegenseitigen Versorgung von Elekro- und Dieselmotor auf.

    In der Praxis kann man so einen Zyklus aber nicht durchhalten – und dann steigt der Verbrauch deutlich an, man schleppt schließlich die doppelte Motorausrüstung durch die Gegend.

  13. 15.02.2007 | 15:24

    Aber es gibt angeblich auch für Verbrennungsmotoren schon Lösungen, die den Treibstoffverbrauch noch mal deutlich reduzieren könnten. Ich habe von Zusatzkosten von weniger als 5.000 Euro gelesen — die Quelle habe ich leider nicht parat, aber ich lese eigentlich keine unseriösen Zeitungen ; -)
    Bei einem Phaeton würden 5.000 Euro ja nicht so sehr ins Gewicht fallen und es wäre IMHO ein Verkaufsargument.

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