9. Februar 2007
Der Preis ist heiß
Der Drogeriediscounter Rossmann muss 300.000 Euro Strafe zahlen, weil in seinen Läden Produkte “unter Einstandspreis” verkauft wurden. Nach dem Wettbewerbsrecht ist das eine Ordnungswidrigkeit. Mit der Vorschrift sollen angeblich verhindert werden, dass kleinere Wettbewerber aus dem Markt herausgedrängt werden.
Die Lieferanten, die immer wieder zähneknirschend erleben müssen, wie Discounter ihre Preispositionierungen torpedieren, freut die Maßnahme des Kartellamts sicher. Ich hingegen bin etwas verblüfft ob der hellseherischen Leistung unserer Wettbewerbshüter und hoffe deswegen sehr darauf, dass das Ganze vielleicht nach einem Widerspruch von Rossmann mal öffentlich verhandelt wird.
Gut, jeder Hersteller hat einen Listenpreis. Es gibt aber nichts, was die Einzelhandelsketten weniger interessiert. Nach dem Listenpreis kommt nämlich ein buntes Sammelsurium von Rabatten, Boni, Prämien und sogenannten Werbekostenzuschüssen, von denen uns nicht nur nicht alle den Gefallen tun, mengen- oder umsatzabhängig zu sein, man kann sie manchmal auch nicht so einfach zuordnen. Wenn der Hersteller dem Händler einen bestimmten Betrag dafür zahlt, dass dieser sein Produkt besonders positioniert, was ist das dann? Betriebswirtschaftliche Radikalinskis wie ich würden alles als Rabatt sehen, dann aber gleich von allen Vertrieblern dieser Welt mit einem Redeschwall zugeschüttet werden, dass es sich hier eindeutig um eine Werbemaßnahme handelt. Und was ist mit Prämien, die der Händler einfordert, weil es ihm gelungen ist, in Hintertupfingen die zwanzigste Filiale aufzumachen, oder weil sein Sohn volljährig geworden ist? Die meisten Hersteller verkaufen ja mehrere Produkte – soll das auf alle gleichmäßig verteilt werden, oder gibt es in der Produktpalette ein paar schwächelnde Kandidaten, die man dem Discounter so vielleicht noch in seinen knappen Regalplatz quetschen darf?
Ob das Bundeskartellamt sich da wirklich genug über die formaljuristische Sichtweise zugunsten einer wirtschaftlichen Betrachtung erhoben hat? Denn normalerweise ist es so: Die großen Ketten verdrängen die “kleineren Wettbewerber” (ich wüsste wirklich nicht mehr, wer das noch sein sollte…) nicht, weil sie unter Einstandspreis verkaufen, sondern weil sie von vornherein billiger einkaufen. Der Herr vom Markenverband, den die FTD da als Triumphator zitiert, hätte in Wirklichkeit allen Anlass, in Sack und Asche zu gehen, weil das alles nicht funktionieren würde, wenn seine Mitgliedsfirmen nicht mitspielten.
Verfasst von Rayson um 00:46 Uhr in der Kategorie Wirtschaft, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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