Zum Mindestlohn

Zur allgemeinen Kritik meiner Parteifreunde und Blogkollegen am Mindestlohn muss ich doch einmal ein paar ketzerische Gedanken loswerden, denn sie machen es sich da doch etwas einfach.

Die Logik, mit der dieser abgelehnt wird, ist folgende:

Wenn ein Mindestlohn kommt, dann werden einfach alle Jobs wegfallen, die bisher schlechter bezahlt werden als das Niveau dieses Mindestlohnes. Weil sie dann nicht mehr rentabel sind.

Mal ehrlich, Freunde, das ist doch Quatsch – oder?

Nehmen wir mal einen Mindestlohn von 7,50€ an. In der Branche, in der ich zwischenzeitlich zu meinem Studium hinzuverdient habe – nämlich der der privaten Sicherheit – sind Stundenlöhne zwischen 3,50€ und 6€ üblich. Also alle weit unter dem imaginierten Mindestlohn.

Einfaches Ergebnis nach der oben angegebenen Logik: Fortan wird es keine Nachtwächter mehr in Museen geben, alle Spiele der Fußball-Bundesliga finden ohne Ordner statt – und es wird auch niemanden mehr geben, der des Nachts durch die Gegend fährt, um auf Firmengeländen nach dem Rechten zu sehen.

Um zu erkennen, dass diese Logik irgendwie hakt, muss man kein Sozialist sein, sondern lediglich Realist. Denn natürlich werden die Museen weiterhin Nachtwächter beschäftigen, natürlich werden die Vereine der Bundesliga auch weiterhin Ordner beschäftigen, und natürlich wird niemand sein Firmengelände organisierten Banden überlassen, die das Kupfer aus den Lagerräumen wegschleppen und nach China verkaufen.

Aber das Schlaraffenland werden die Mindestlöhne natürlich auch nicht erschaffen – die Preise, die die Unternehmer für die Dienstleistungen ihrer (nun mindestlohnbezahlten) Mitarbeiter verlangen, werden steigen. Die Eintrittskarten für Museen und Fußballspiele werden teurer, aber auch die Materialrechnung des Elektrikers, der die Kupferkabel ja irgendwo kaufen muss. Also haben wir eine Art von Inflation, da dieser Effekt ja nicht nur in der Sicherheitsbranche gilt (ich hoffe, die Wirtschaftsweisen von B.L.O.G. stimmen mir da zu).

Und wer merkt das am deutlichsten? Natürlich der Facharbeiter, dessen Stundenlohn von 17,50€ nun nur noch die Kaufkraft von (sagen wir jetzt einfach mal) 14,50€ vor dem Mindestlohn haben wird. Das sollte man ihm sagen, und er sollte darüber nachdenken, ob er bereit ist (zusammen mit denjenigen, die reicher sind als er, also auch den Unternehmern) auf einen Teil seines Wohlstandes zu verzichten, damit die wirklich schlecht bezahlten Leute ein ordentliches Auskommen durch Arbeit erwirtschaften können. Vielleicht will er das nicht, und stemmt sich deswegen gegen den Mindestlohn. Aber das Argument mit den vernichteten Arbeitsplätzen ist eine Nebelgranate, die niemanden voran bringt und die Diskussion nur ins Unsachliche führt.

Und bevor jetzt jemand die Stundenlöhne in Rumänien oder China ins Spiel bringt: Die Bereiche der Wirtschaft, in denen die so genannten “Hungerlöhne” von 3 bis 5 Euro gezahlt werden, sind vor allem die Dienstleistungsbranchen, die nichts, aber auch gar nichts mit internationalem Handel zu tun haben. Die Billigproduktion haben wir schon lange an diese Länder verloren, da lässt sich für uns nichts mehr retten – und wir sollten es m. A. auch gar nicht versuchen.

P.S.: Um übrigens leidende Unternehmer zu retten, hätte man in Zeiten der Vollbeschäftigung auch mal über Maximallöhne sprechen können… diese hätten den kleinen Unternehmern dabei geholfen, sich auch gegen die überlegenen Finanzmöglichkeiten von Großunternehmen die Arbeitskraft fähiger Mitarbeiter zu sichern. Nur mal so als absurder Nebengedanke. :)

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27 Kommentare zu “Zum Mindestlohn”

  1. 5.02.2007 | 2:41

    Lieber Karsten,

    für viele Bereiche hast du Recht. Aber in vielen anderen Bereichen kann man auch, wenn menschliche Arbeit zu teuer wird, entweder ganz auf die betreffende Leistung verzichten oder einen Automaten hinsetzen.

    Bei unserem Marktkauf werden die Einkaufswagen noch von Menschen zusammengeschoben. Man kann auch ein Pfandsystem einführen und das den Kunden machen lassen.

    Im Hotel wird zumindest der Kaffe beim Frühstück meist noch von einem Menschen gebracht. Man kann aber auch dafür einen Automaten einsetzen. Kürzlich habe ich das in einem Hotel erlebt, dem vom Hotel Reservation Service drei Sterne gegeben worden waren.

    Was spricht deiner Ansicht nach gegen den Kombilohn? Er macht aber nur Sinn ohne Mindestlohn.

    Herzlich, Zettel

  2. Chinaski
    5.02.2007 | 4:34

    Ein weiteres Problem bei Mindestlöhnen ist, dass es einen geringeren Anreiz gibt für Fortbildungen.

    Falls ein Arbeiter, dessen Arbeit lediglich 6,50 € “wert” wäre zwangsmäßig 7,50 € bezahlt bekommt, gibt es für ihn keinen Grund sich so weiterzuqualifizieren, dass er eine Arbeit im Wert von 7,50€ abliefern kann.

    Viele Grüße
    Chinaski

  3. stp
    5.02.2007 | 8:09

    Die Grundfrage ist, ob die Nachfrage nach Arbeit preiselastisch ist, oder nicht.
    Ich meine, daß man das nicht endgültig und für alle Branchen und Berufe beantworten kann.

    Es wird sicher Jobs geben, die dann halt um einen höheren Preis ausgeführt werden, andere werden vielleicht eratzlos gestrichen, bei wieder anderen geht der Weg in Richtung “Schwarzarbeit”.

    Prinzipiell kann man aber sagen, daß eine Erhöhung des Preises der Arbeit die – ohnehin zu geringe – Nachfrage eher nicht heben wird.

    LG
    stp

  4. Llarian
    5.02.2007 | 11:05

    Naja, einen speziellen Bereich mit ganz speziellen Eigenschaften als Kronzeugen für ein Prinzip anzuführen ist schon reichlich fragwürdig. Die allermeisten Arbeitsplätze sind immernoch in einfachen Dienstleistungen und Produktion. Und da ist es eben tatsächlich so, dass solche Arbeit schlicht ab einem gewissen Preis nicht mehr nachgefragt wird, respektive im Ausland landet.
    Und selbst das Beispiel des Sicherheitsdienstes hat Löcher. Museen werden in der Tat noch Sicherheitsleute einsetzen. Aber eben deutlich weniger. Stattdessen werden sie mehr Kameras, Lichtschranken, Bewegungsmelder und Roboter einsetzen, im Endeffekt entstehen hochtechnisierte, autonome Sicherheitssysteme wo eigentlich nur noch jemand zur Kontrolle mal auf den Monitor schaut (was dann übrigens wohl eher ein Techniker als ein Wachmann sein wird). Stadien können auch mehr videoüberwacht werden als heute, mit automatischer Gesichtserkennung und allem Zip und Zap. Nach meinem Dafürhalten ist die allergrösste Dummheit eines jeden Menschen der arbeitet zu glauben, man sei unersetzbar. Die meisten Menschen sind es, es ist eine Frage des Preises. Wenn ich 100 Euro verlange, es aber 150 kostet mich zu substituieren, dann bin ich ziemlich safe, wenn ich aber 10 Euro verlange und heute für 11 substituiert werden kann, dann wird es Zeit nervös zu werden. Und wenn meine Gewerkschaft demnächst 12 für mich erzwingt, dann werde ich demnächst eins sein: arbeitslos.

  5. 5.02.2007 | 11:29

    @Zettel:
    Ich habe nichts gegen den Kombilohn, halte ihn für ein sehr vernünftiges Modell. Aber ich bin nicht einverstanden mit Deiner Ansicht, dass er nur ohne Mindestlöhne sinnvoll wäre; im Gegenteil haben doch viele Länder sowohl ein Kombi- als auch ein Mindestlohnsystem, so etwa die USA, Neuseeland und England.

    @Chinaski:
    Interessanter Punkt, den ich auf jeden Fall in mein Argumentationsrepertoire aufnehmen werde. :)

    @alle:
    Der überwiegende Teil der schlecht bezahlten Jobs liegt in den Bereichen Gastronomie und eben Sicherheit (was übrigens auch Leute umfasst, die man nicht so einfach durch Kameras und Lichtschranken ersetzen kann, weil ihre wesentliche Aufgabe die Präsenz als “menschlicher Faktor” ist). Selbst einfache Helferjobs in der Produktion fallen sehr, sehr selten in den Bereich der “Hungerlöhne” unter 4,50€.
    Natürlich kann man das nicht allgemeingültig und abschließend sagen, und sicher würde ein Mindestlohn einige Jobs kosten – insgesamt aber denke ich, dass die Elastizität der Nachfrage höher ist, als viele liberale Diskutanten es darstellen.
    Natürlich aber auch nicht beliebig hoch… man muss schon aufpassen, wie hoch ein eventueller Mindestlohn angesetzt wäre. Viele Linke scheinen mir von Mindestlohn zu reden und an Wunschlohn zu denken…

  6. 5.02.2007 | 11:37

    Ach, und bevor mir jetzt bei der Gastronomie einer mit den Trinkgeldern kommt: Die kriegt man in der Küche nicht. Und als Reinigungskraft auch nicht. Ich habe nämlich bei meiner Aufzählung die Reinigungsbranche vergessen.

  7. R.A.
    5.02.2007 | 11:54

    @Karsten:
    > Wenn ein Mindestlohn
    > kommt, dann werden
    > einfach alle Jobs
    > wegfallen, die bisher
    > schlechter bezahlt
    > werden als das Niveau
    > dieses Mindestlohnes.
    Der Knackpunkt liegt hier auf dem Wort “alle”.

    Ich weiß nicht, ob Mindestlohn-Gegner das wirklich so rigoros behaupten – auch ohne Dein Gegenbeispiel hätte ich so einer Generalbehauptung nicht zugestimmt.

    Umgekehrt ändert das Gegenbeispiel nichts daran, daß eine ganze Reihe Jobs wegfallen würden, wenn der Mindestlohn (zu hoch) kommt.

    Das reicht mir persönlich, Mindestlöhne abzulehnen – das “alle” habe ich nie behauptet und den Verlust auch nur ein Teil dieser Arbeitplätze fände ich schlimm genug.

  8. 5.02.2007 | 12:46

    @Karsten

    insgesamt aber denke ich, dass die Elastizität der Nachfrage höher ist, als viele liberale Diskutanten es darstellen.

    Wäre schon interessant, worauf diese Erkenntnis beruht. Einfach mal nur so heuristisch angenommen? Davor kann ich nur warnen: Das geht volkswirtschaftlich meist in die Hose, weil wir es nicht gewohnt sind, in Regelkreisen zu denken.

    Während R.A. sich nicht zu Unrecht am Wort “alle” stört, wäre es bei mir ein Wort, das im Beitrag selbst gar nicht steht, der Argumentation aber implizit zu Grunde liegt, nämlich “sofort”.

    Dass Mitarbeiter dauerhaft zu Löhnen über ihrer Produktivität beschäftigt werden, ist in einer Wettbewerbswirtschaft grundsätzlich unmöglich. Das heißt nicht, dass es im Einzelfall nicht doch so sein kann. Es taugt nur nicht als generelle Regel, auch nicht nur auf eine Branche bezogen. Denn das wäre nur eine Umschreibung dafür, dass das entsprechende Unternehmen Verlust macht. Lohn und Produktivität müssen also in Einklang gebracht werden. Wie das geschieht, dafür gibt es verschiedene Wege.

    Fangen wir mal gesamtwirtschaftlich an:

    Einer wäre Inflation. Die Löhne werden auf breiter Ebene um einen bestimmten Prozentsatz angehoben, die Unternehmen können die Kostensteigerung aber vollständig überwälzen. Dann war die Lohnerhöhung nur nominell – real hätte sich nichts geändert.

    Ein anderer ist Produktivitätssteigerung. Dazu setze ich vielleicht mehr Kapital ein, ändere Abläufe im Unternehmen, verlängere die Arbeitszeiten oder halse dem einzelnen Mitarbeiter mehr Arbeit auf. Oder, was wahrscheinlicher ist: Die Unternehmen mit einer ungünstigeren Kapitalausstattung, ineffizienteren Abläufen, kürzeren Arbeitszeiten und geringerem Einsatz je Mitarbeiter verschwinden nach und nach vom Markt (es ist meist ein Fehler, sich Anpassungsprozesse auf Märkten vor allem innerhalb von Betrieben vorzustellen), weil die Preise ihre jetzt höheren Kosten nicht mehr decken. Das ist die berühmte “Produktivitätspeitsche” und ein ab und an auch ein beliebtes Argument für hohe Lohnkosten: Nur die wirklich “Fittesten”, d.h. Produktivsten, überleben. Der Nachteil dieser Strategie wird monatlich in Nürnberg verkündet: Unsere Volkswirtschaft ist produktiv, weil sie die Arbeitnehmer, die nur weniger produktiv eingesetzt werden können, nicht mehr mitmachen lässt (und mit Transfers, die dem Rest abgenommen werden, abspeist). Es ginge natürlich auch anders, aber dazu bräuchten wir flexiblere Märkte allenthalben.

    Und ein dritter, nicht ganz so systematischer, aber um so praktischerer Weg: Lohnkosten bestehen nicht nur aus Bruttolöhnen. Vielleicht finden die Unternehmen Aufwendungen, die sie für ihre Mitarbeiter getätigt haben, weil sie sich einen Nutzen davon versprachen (freien Kaffee, Kantine im Haus, Fitness-Studio, Betriebspension etc.), durch die jetzt aber die Kosten die Produktivität übertreffen würden.

    Irgendwo eine Mischung aus allem würde es wohl werden. Ergebnis: Mehr Arbeitslosigkeit als vorher. Natürlich ceteris paribus und erst allmählich einsetzend, denn Anpassungsprozesse werden nicht sofort initiiert und brauchen Zeit (woraus ja z.B. auch die Keynesianer ihren Lobpreis der Inflation ableiten, aber das ist eine andere Geschichte…).

    Jetzt soll es aber gerade nicht gesamtwirtschaftlich zu Mindestlöhnen kommen, sondern nur in den “schlechtbezahlten” Branchen, die auch noch den zweifelhaften Vorteil einer starren Kombination von Produktionsfaktoren und einer preisunelastischen Nachfrage aufweisen sollen. Da gilt aber wieder dasselbe: Die Produktivität muss mindestens so hoch sein wie der Lohn. Wenn nun in einer Branche durch die höheren Löhne auf breiter Front die Preise angehoben würden, wäre das keine Inflation, sondern führte zu einer Veränderung der relativen Preise. Ist die Nachfrage dann preisunelastisch, kann der höhere Anteil am Budget der Konsumenten nur durch eine Verringerung der Ausgaben für andere Güter kompensiert werden. Andere Branchen würden es also zu spüren bekommen.

    Aber Nachfrage ist preiselastischer als man denkt. Ich kann weniger oft in Restaurants und Kneipen gehen, wenn mir das zu teuer wird. Ich kann den Friseurbesuch ein bis zwei Wochen hinausschieben oder mir einen so praktischen Haarschnitt zulegen, dass auch weniger geübte Leute das hinkriegen. Ich kann mich des reichhaltigen Angebots an Schwarzarbeit bedienen. Und, um zum Beispiel der Sicherungsleute zu kommen: Ich kann ein geringeres Überwachungsniveau vereinbaren, mehr auf bauliche Maßnahmen setzen, Kameras installieren, den billigeren Anbieter nehmen (s.o. unter “Produktivitätspeitsche”), zähneknirschend mehr Versicherungsprämie zahlen etc.

    Nach Einführung eines Mindestlohns werden nicht gleich Tausende auf der Straße stehen. Aber höchstwahrscheinlich werden die Branchen, wo ein solcher eingeführt wird, produktiver werden müssen. Dann kann man nur hoffen, dass die so freiwerdende Arbeitskraft sinnvoll genutzt wird. In den USA wäre ich da zuversichtlicher als hier.

  9. 5.02.2007 | 12:59

    @Rayson:
    Ja, einfach mal nur so heuristisch angenommen. :)
    Danke für Deine ausführlichen Anmerkungen. Werde mal versuchen, das durchzudenken…

  10. 5.02.2007 | 13:07

    @Rayson:
    Kann es übrigens sein, dass ich die Elastizität der Nachfrage nicht etwa für höher, sondern vielmehr für geringer hielt? *hüstel*

  11. 5.02.2007 | 13:10

    Stimmt ;-) Aber das Schöne an meiner Antwort darauf ist, dass sie auch dann gilt…

  12. 5.02.2007 | 14:45

    Rayson hat es m.E. sehr schön zusammengefasst.

    Grundsätzlich ist es aber sicher so, dass der Grund für die relativ tiefen Einkommen gewisser Leute nicht bei zu wenig Regulierungen liegt, wie scheinbar Karsten den Eindruck hat, sondern bei zu viel Regulierungen. Somit wäre der Mindestlohn, wenn überhaupt, eine lediglich eine Symptombekämpfung.

    Des Weiteren ist “Was man sieht und was man nicht sieht” von Bastiat zu empfehlen. Ich glaube, wer die Parabel der zerbrochenen Scheiben begriffen hat, hat schon viel begriffen. Anwenden kann man sie auf viele staatliche Interventionen.

  13. 5.02.2007 | 15:02

    @Matt:
    Broken Window Fallacy ist hier bekannt, leider konnte ich das ganze Buch von Bastiat aber noch nicht lesen. Man hat ja nicht soviel Zeit…

    Ich bin übrigens auch kein Verfechter von Mindestlöhnen, glaube nicht, dass sie zwingend nötig sind. Aber ich will in Diskussionen schon etwas besser auftreten als mit so platten Sprüchen wie dem von mir zitierten – denn jeder Trottel kann darauf antworten, indem er einfach darauf hinweist, dass dann eben die Preise steigen können, und schon fallen die Jobs nicht weg.

    Dass die Hungerlöhner ihre Löhne übrigens aufgrund zu vieler staatlicher Regulierungen haben, bezweifle ich dann doch.

  14. 5.02.2007 | 15:06

    “denn jeder Trottel kann darauf antworten, indem er einfach darauf hinweist, dass dann eben die Preise steigen können, und schon fallen die Jobs nicht weg.”

    Ja, und diesem Trottel kannst Du dann mit Verweis auf Bastiat sagen, was andererorts geschieht, wenn die Preise steigen.

    “Dass die Hungerlöhner ihre Löhne übrigens aufgrund zu vieler staatlicher Regulierungen haben, bezweifle ich dann doch.”

    Solange die Markteintrittshürden von staatlichen Regulierungen künstlich gehoben werden, kann ein Arbeitgeber den Arbeitnehmer sogar unter seiner Produktivität bezahlen.
    Ausserdem haben dank diesen erhöhten Markeintrittshürden die Hungerlöhner ihre Jobs mit Hungerlönen, da sie sich nicht selbstsändig machen können.
    Und zu alledem kommen natürlich noch die Einkommens- und Mehrwertssteuern hinzu.

  15. 5.02.2007 | 15:16

    @ Karsten

    Neuseeland und die USA habe keinen “Mindeslohn”, es ist allenfalls ein unechter Mindestlohn, der den Mißbrauch des Kombilohn Systems beschränken soll und so auch ganz gut funktioniert. (Wenn der Staat den Ausgleich zu fehlendem Lohn zahlt, dann sollen die Unternehmen auch für geringst qualifizierte zumindest einen gewissen Lohn zahlen, damit man sie nicht nur für 1 € respektieve $ einstellt und der Staat den ganzen Rest dazu zahlen muss. Insofern nicht zu vergleichen mit der momentan besprochenen Version einen Mindestlohns, der eine untere Lohngrenzen überhalb des “Armuts-Lohns” darstellen soll.)

    Ob es in GB ein echter oder unechter Mindestlohn ist, weiß ich gerade nicht, werde ich aber mal recherchieren.

  16. 5.02.2007 | 15:21

    @Matt:
    Was du aufzählst, sind sicherlich Faktoren. Aber dass da ein Faktor existiert, der sich “geringe Marktmacht” nennt, kannst Du doch auch nicht bestreiten, oder? Wenn meine Kunden zwar eigentlich bereit wären, auch das Dreifache für meine Dienstleistung zu bezahlen, ich diese Summe aber gar nicht nehmen muss, weil meine Angestellten aufgrund ihrer eigenen Lage nur einen sehr geringen Lohn erhalten, dann werde ich meine eigene Marktsituation ja wohl nicht dadurch schwächen, dass ich besser bezahle und ans Maximum der Preise gehe, die der Markt hergibt.
    Liege ich denn völlig falsch, wenn ich sage, dass die Hungerlöhne vor allem eine Folge der Arbeitslosigkeit sind, die Arbeitnehmer in ein für sie sehr ungünstiges Angebot-Nachfrage-Verhältnis bringt?

    @Hauptstadtstudent:
    Du formulierst genau das aus, was ich Zettel mit meinem Kommentar sagen wollte…

  17. 5.02.2007 | 15:32

    Na dann wunderbar :D @ Karsten

  18. 5.02.2007 | 15:52

    @Karsten:

    Wenn deine Kunden bereit wären, das dreifache zu zahlen, dann würde der dreifache Preis deine Marktposition auch nicht schwächen, denn die Kunden würden ja zahlen. Es müßte also gerade so sein, daß Deine Kunden eben nicht bereit wären, das Dreifache zu zahlen, weil die Konkurrenz billiger wäre. Damit wäre also das Maximum dessen, was der Markt hergibt, schon überschritten. Wenn jetzt der Staat einschreitet und die Preise über Mindestlöhne indirekt erhöht, dann greifen die Bastiatschen Argumente wieder.

    Gerade die Hürden, sich selbständig zu machen, die Matt anspricht, scheinen mir da auch nicht ganz belanglos. Nochmal angenommen: Ich arbeite in einem Unternehmen, dessen Chef zu einem Drittel des denkbaren Preises produziert, nur um der allerbilligste zu sein und vor allem die Belgeschaft zu quälen – warum bleibe ich in dem Drecksladen? Warum mache ich nicht selbst einen auf?

    Im Übrigen ist auch die Annahme, daß ein Unternehmer die Löhne auf Teufel komm raus immer auf das Minimum drücken würde, nicht besonders überzeugend. Denn der Lohn hängt nicht ausschließlich von der Produktivität ab, zu einem gewissen Maß ist auch die Umkehrung der Fall. Ein denkender Unternehmer würde das berücksichtigen. Und wenn es einer nicht tut, dann betrachtet man schon wieder einen Einzelfall dessen Angestellte sich wahrscheinlich bald selbständig machen würden (jedenfalls in anderen Ländern) oder bei der vernünftigeren Konkurrenz anheuern würden.

  19. 5.02.2007 | 15:54

    Wenn deine Kunden bereit wären, das dreifache zu zahlen, dann würde der dreifache Preis deine Marktposition auch nicht schwächen, denn die Kunden würden ja zahlen.

    Nö, denn es gibt ja auch andere Anbieter. :P

  20. 5.02.2007 | 15:56

    Dann wären sie also nicht bereit, das dreifache zu zahlen. Genau das, was ich geschrieben habe.

  21. 5.02.2007 | 16:06

    @Karsten

    Nein, “Hungerlöhne” sind ein Zeichen dafür, dass sich diese Arbeit nicht mehr lohnt. Jedenfalls nicht da, wo sie als “Hungerlöhne” wahrgenommen werden.

    Und wenn schon Marktmacht, dann nicht die der Arbeitgeber, sondern die ihrer Kunden. Es gibt da einen einfachen Test: Sind die Gewinne in den Branchen mit den niedrigsten Löhnen am höchsten?

  22. 5.02.2007 | 16:18

    Danke Karsten :-)

    Das Einzige was wirklich gegen Mindestlöhne spricht, ist die Tatsache, dass man diesen gelegentlich anpassen müsste. Ein zu verlockende Sache für Populisten im Wahlkampf.

  23. 5.02.2007 | 16:27

    Wie glaubensstark Atheisten doch sein können, wenn nur das Heilsversprechen stimmt…

  24. Michael
    5.02.2007 | 18:32

    Ich bin für einen Mindestlohn von 20 Euro die Stude in jeder Branche. Dann ist niemand mehr arm und soziale Gerechtigkeit ist verwirklicht.

  25. 5.02.2007 | 20:54

    Ich bin leider ein bisschen spät dran, aber David hat eigentlich alles gesagt.

  26. 6.02.2007 | 23:04

    [...] In einem Beitrag bei den Bissigen Liberalen ohne Gnade argumentiert Karsten für einen Mindestlohn und behauptet, die Nachfrage nach Arbeit hängt nicht vom Preis derselben ab, dieselbe Logik mit der auch Politiker aller Couleur für einen Mindestlohn plädieren. Wenn man keine grundlegenden moralischen Einwende gegen Markteingriffe und gegen Einschränkungen der individuellen Freiheit (Vertragsfreiheit) hat, so mag das zuerst wie ein plausibles Argument erscheinen. [...]

  27. jpj
    9.02.2007 | 14:17

    Hallo Karsten,

    Sie schrieben:

    “Die Logik, mit der (eine gesetzlich aufgezwungene Mindestforderung) abgelehnt wird, ist folgende:

    Wenn ein Mindestlohn kommt, dann werden einfach alle Jobs wegfallen, die bisher schlechter bezahlt werden als das Niveau dieses Mindestlohnes. Weil sie dann nicht mehr rentabel sind.

    Mal ehrlich, Freunde, das ist doch Quatsch – oder?”

    Ja das ist Quatsch. Aber wer behauptet so etwas eigentlich?

    Ökonomen sind sich selten über etwas einig. Einige der Dinge über die sich Ökonomen einig sind wie sonst selten ist der Weg, wie man ein künstliches Überangebot an einem Gut erzeugt: indem man einen künstlichen Mindestpreis dafür einführt. Ein künstlicher Mindestpreis für das Gut “Nachtwächterdienst” bedeutet nichts anderes, als daß weniger Nachtwächter nachgefragt werden. Nicht null, sondern weniger.
    Das gleiche gilt für Putzhilfen usw.

    Niedriglohnjobs, die sich leicht auslagern lassen werden dagegen verschwinden. Hotline-Jobs — oft die einzige Möglichkeit ganzer Ortschaften in den den NeBuLae, ehrlich Geld zu verdienen — werden über die Grenzen wandern.

    Die so “dem Arbeitsmarkt zurückgeführten Arbeitnehmer” werden in Branchen streben, für die (noch) keine Mindestforderungen erzwungen werden. Auf solche Stellen kommt dann an ein Überangebot an Bewerbern zu, was hier die Löhne drückt. Etliche werden trotzdem auf der Strecke bleiben.

    Fazit: Die betreffenden Jobs werden nur dort verschwinden, wo sie ausgelagert oder ersetzt werden können. In den Branchen, in denen das nicht möglich ist, wird die Zahl der Beschäftigten fallen. In den Branchen, wo keine Mindestforderungen erzwungen werden, werden die Löhne fallen. Insgesamt wird die Arbeitslosigkeit unter wenig Produktiven (Ausbildungsabbrecher, Minderheiten usw.) weiter steigen.

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