Umweltpolitik, Abgase und Nebel

Komplexe Themen eignen sich für Ideologen besonders gut. Das ist beim Thema Volkswirtschaft nicht anders als beim Klimawandel.

Wenn man sich anschaut, wie zur Zeit über die Grenzwerte für den durchschnittlichen Kohlendioxid-Ausstoß von Fahrzeugflotten eines Herstellers diskutiert wird, kann man sich nur an den Kopf greifen. Auch heute in der “tagesschau” wurde kräftig schwarz-weiß gemalt: auf der einen Seite die Umweltschützer, die einen solchen Grenzwert befürworten (und gleich noch einmal, wie bei eigentlich fast jeder Gelegenheit, für ein allgemeines Tempolimit plädieren), auf der anderen Seite die Industrie-Lobby, die mit dem Verlust von Arbeitsplätzen droht.

Schauen wir es uns etwas genauer an. Ist ein niedrigerer Flottendurchschnittsverbrauch (bzw. Kohlendioxidausstoß) der deutschen Automobilindustrie gleichbedeutend mit einer Verringerung der Umweltbelastung? Vielleicht. Immerhin ließe sich dieses Ziel auch durch eine geschickte Fusionspolitik erreichen. Porsche könnte z.B. diesen Wert deutlich senken, wenn es Volkswagen übernehmen würde.

Als sinnvolle Konsequenz der internationalen Arbeitsteilung und der hierzulande hohen Löhne hat sich die inländische Fertigung auf höherklassige Fahrzeuge spezialisiert. Die enstprechenden Modelle sind internationale Verkaufsschlager. Wir können davon ausgehen, dass die deutsche Automobilindustrie ihre Absatzerfolge weder durch subtile Gehirnwäsche noch durch die Anwendung unmittelbaren Zwanges erzielt. Anscheinend bedient sie mit ihrem Angebot Kundenbedürfnisse.

In anderen Ländern tut man sich historisch eher schwer mit der Oberklasse, bringt aber immer wieder pfiffige Kleinwagen heraus, die dann auch in Deutschland gerne gekauft werden. Die Umweltbelastung Deutschlands hängt also nicht davon ab, wie die Flotten deutscher Hersteller gestaltet sind. Sie hängt davon ab, was die Kunden, also die Autofahrer, nachfragen und wie sie ihre Fahrzeuge nutzen.

Schlägt die Kommission hier also auf den Sack Hersteller und meint den Esel Verbraucher? Wenn man es sehr gutwillig auslegt. Mich würde allerdings nicht wundern, wenn der EU-Ansatz besonders große Freunde in Frankreich und Italien hätte und damit auch ganz andere als hehre Umweltziele verfolgt werden sollten. Und natürlich geht es da auch um Arbeitsplätze.

Wenn es wirklich nur um die Verringerung des Verbrauchs oder des Kohlendioxid-Ausstoßes ginge, gäbe es andere, direkt an das Ziel anknüpfende und daher bessere Wege. Die Verengung der DIskussion auf den Flottendurchschnittsverbrauch sollte uns daher sehr skeptisch stimmen – eine Verkürzung der Problematik im Comic-Stil, wie von den “seriösen” Nachrichten der ARD betrieben, ist nichts weiter als eine Verdummung des Zuschauers.

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9 Kommentare zu “Umweltpolitik, Abgase und Nebel”

  1. Chinaski
    5.02.2007 | 23:04

    Also Pigou-Steuer FTW?

  2. 5.02.2007 | 23:07

    Zum Bleistift. Oder Zertifikate.

  3. 5.02.2007 | 23:30

    Emissionszertifikate sind noch die beste Lösung, wenn überhaupt keine Intervention nicht als Option vorgesehen ist.

    Übrigens (habe ich letztens schon auf meinem Blog geschrieben): Der Durchschnittsverbrauch der Bundes-Dienstwagen liegt bei 12l/100km.

  4. 5.02.2007 | 23:52

    Mir kommt es gar nicht mal so sehr darauf an, was jetzt die “beste” Lösung ist. Da sind sicher nicht nur wohlfahrtstheoretische Maßstäbe anzulegen. Wichtig ist mir aber, dass die jetzt als quasi einzig seligmachendes Mittel angepriesene Flottendurchschnittsgrenzen wahrscheinlich nicht die sinnvollste, auf jeden Fall aber nicht die einzige zu diskutierende Alternative sind.

    Die Sache mit den Bundes-Dienstwagen ist ebenso eine nette Anekdote wie das Beharken der EU-Kommissare untereinander wegen ihrer Dienstfahrzeuge, wo dann auch mal der eifrigste Umweltschützer plötzlich seine industriepolitische Gesinnung offenbart. Wenn wir uns aber nur über Symbole streiten, kann das Problem so wichtig ja nicht sein…

  5. Chinaski
    6.02.2007 | 0:34

    Für mich ist eine Institution sowieso absolut unglaubwürdig und inkompetent in Umweltfragen, welche total sinnlos zwischen verschiedenen Parlamentsstandorten hin- und herpendelt.

    Des weiteren hilft die massive Subventions- und Zollpolitik der EU nicht unbedingt dabei, Lebensmittel dort zu produzieren, wo es mit dem geringsten Einsatz von Produktionsmitteln möglich ist. Dass europäische Bauern dadurch eine nicht unerhebliche Menge für die Müllhalde produzieren, macht die EU-Öko-KOmpetenz auch nicht viel glaubwürdiger.

  6. R.A.
    6.02.2007 | 12:09

    Mal abgesehen von der Unsinnigkeit solcher Maßnahmen: In der ganzen EU gibt es nur einen Staat, in dem nennenswert Firmen Probleme durch diese “Flottenverbrauch”s-Idee bekämen – Deutschland.

    Das möchte ich mal erleben, daß die Kommission sich traut, einen anderen EU-Staat zu einem solchen Sonderopfer aufzufordern …

  7. Spruance
    6.02.2007 | 16:49

    Wieso ist denn eigentlich so klar, daß die CO2-Emissionen verringert werden müssen? Das wir in diesen ganzen Diskussionen immer ganz einfach vorausgesetzt!

  8. 7.02.2007 | 22:39

    [...] In der Halbzeitpause des Länderspiels Deutschland-Schweiz gab es wieder eine Sternstunde des Journalismus zu besichtigen. Das “heute-journal” berichtete über die Vorgaben der EU zum Kohlendioxid-Vebrauch der Herstellerflotten. Und es war wirklich bewundernswert, wie man in Deutschland den Kakao, durch den man gezogen wird, geradezu gierig zu trinken bereit ist. [...]

  9. 6.03.2007 | 13:33

    [...] Ein Kommentar im Online-Angebot der FTD illustriert sehr schön die Art und Weise, wie bei uns über die Kohlendioxid-Grenzwerte diskutiert wird, die uns die EU auferlegen will. Da werden die Bosse der deutschen Automobilhersteller dafür gescholten, dass sie Kundenwünschen nachgeben, während der “HyHy”, der Hybrid-Hype, zwar in Politik und Medien um sich greift, als Nachfrage aber nicht sichtbar wird. Das haben wir schon thematisiert. Aus eigener Erfahrung als potenzieller Neuwagenkäufer kann ich jetzt auch nur bestätigen: Die Fahrzeuge, die mich interessieren, überschreiten die ominösen 140 g/km zum Teil recht deutlich, und dabei handelt es sich keinesfalls um “tonnenschwere PS-Protze”, wie uns der Kommentator suggerieren will, sondern nur um gewöhnliche Autos der “Golf-Klasse” (zugegebenermaßen aber nicht mit den kleinsten Motoren). [...]

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