Gegenstrom-Journalismus

In einigen Blogs wurde am Freitag über einen vorab veröffentlichten F.A.S.-Artikel zum Thema »Web 2.0« diskutiert. Heute ist der komplette Artikel in der »F.A.S« erschienen. Die vorab veröffentlichten Teile können auch online gelesen werden: Artikel 1 und Artikel 2. In der abgedruckten Version sind handwerkliche und fachliche Fehler enthalten, die F.A.S.-Journalisten in der Rubrik Wissenschaft eigentlich nicht passieren dürften.

Die Kommentare zur Vorveröffentlichung des Artikels auf faz.net werden als Lesermeinungen gekennzeichnet. Die Autoren zitieren in diesem Zusammenhang aber auch das Handelsblatt-Blog von Thomas Knüwer und darunter den Kommentator Felix Deutsch, ohne dass diese drei Rollen unterschieden werden.

Das inzwischen geflügelte Wort von der »Seuche Internet« wird »Journalisten« zugeschrieben, obwohl es eine eindeutige Quelle gibt und der Autor nicht unbekannt ist.

Auf Seite 63 wird dann postuliert:

So wanken nicht nur die ethischen Standards des Journalismus, sondern auch die erprobte Praxis, den Informationsfluss »bottom down« zu halten, also den Leser oder Zuschauer ausschließlich als Endverbraucher zu betrachten.

Es gibt einen Informationsfluss »top-down« und es gibt einen Informationsfluss »bottom-up«. Beide können miteinander kombiniert werden: im Zusammenhang mit Planungsprozessen gibt es beispielsweise den Begriff Gegenstromverfahren. Vielleicht sollten sich Journalisten und Blogger auch auf ein solches Gegenstromverfahren einigen? Die beiden Autoren können davon eigentlich nur profitieren: in den beiden [gedruckten] F.A.S.-Artikeln werden teilweise unzureichend recherchierte Informationen über das Usenet mit Gemeinplätzen über Foren, Blogs, ebay und das WWW vermischt.

Noch eine Bemerkung zu den wankenden ethischen Standards [können Standards eigentlich wanken?]: Wenn die Computerseite meiner Lokalzeitung großenteils mit anscheinend sehr oberflächlich umformulierten Pressemitteilungen und Werbetexten gefüllt wird, dann hat das sicher nichts mit Web 2.0 zu tun. Es könnte aber passieren, dass ich eines Tages mein Abo kündige und mich nur noch im Web informiere …

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8 Kommentare zu “Gegenstrom-Journalismus”

  1. 28.01.2007 | 20:22

    Noch eine Anmerkung: Der »web crawler« hat IMHO nichts mit der Schwimmart »kraulen« zu tun.

  2. 28.01.2007 | 23:39

    Für das, was Jochen Reinecke geschrieben hat, ist der Ausdruck “bottom down” ganz richtig. Am Anfang des Artikels ist das Niveau schon unterirdisch, sinkt aber im Laufe des Artikels noch ab.

    Ich hatte schon überlegt, einen Wettbewerb zu starten, mit dem Ziel, alle Fehler zu finden, die in diesem Artikel versammelt sind.

    Mit dem Satz

    Zu unterschiedlich sind die Qualitätsansprüche von Bloggern und Redakteuren.

    hat er allerdings recht ;-) .

    Leute, die sich ein bisschen mit dem Thema auskennen, werden solche Artikel eher selten zu Ende lesen – und diejenigen, die darüber nicht Bescheid wissen, werden dadurch auf Holzwege geschickt. Das finde ich immer wieder sehr betrüblich.

    Behauptungen wie die, das lawblog sei “ein Musterbeispiel für eine monothematische Präsentation” sind doch haarsträubend – und wer allen Ernstes Blog-Einträge zu einem bestimmten Thema über technorati sucht, weil dort “sämtliche Diskussionen gescannt und indiziert” würden, hat entweder keine Ahnung oder nicht alle Tassen im Schrank.

    Aber was rege ich mich eigentlich schon wieder auf…

  3. 29.01.2007 | 6:31

    Wollen wir in den Kommentaren weitersuchen? Dann verfassen wir einen offenen Brief an die F.A.S. und schicken ihn auch per Post hin [Gegenstromjournalismus in Reinkultur] ;-)

    “Given enough eyeballs, all bugs are shallow.”

  4. 29.01.2007 | 7:15

    Glaubt ihr ernsthaft, dass sich Redakteure (noch dazu welche von der FAZ/FAS) mit den Kommentaren schnöder Blogger befassen ? ;)

  5. 29.01.2007 | 9:20

    stefanolix,

    dazu wäre mir das Porto zu schade; daran, dass Unwissende auf Holzwege geschickt werden, änderte das ohnedies nichts.

    VolkerD,

    wenn es sich bei den schnöden Bloggern um eine bestimmte Sorte handelt, dann nimmt das die FAS zur Kenntnis und veröffentlicht es auch; darum ging es ja letztlich in diesem “Experiment”. Auch wenn die FAS dann die Kommentatoren flugs dem Blog zugeordnet hat, in dem diese ihren Kommentar hinterlassen hatten. Kommentatoren zu Blog-Autoren zu promovieren, schaffen normalerweise nur deutsche Gerichte.

    Wir sind für die FAS zu unwichtig. Und selbstverständlich nicht hip(p) genug.

  6. 29.01.2007 | 10:18

    >Wir sind für die FAS zu unwichtig. Und
    >selbstverständlich nicht hip(p) genug.
    –> stimmt; Aber die Einschätzung Anderer muß einem ja nicht tangieren.

  7. 29.01.2007 | 22:12

    VolkerD,

    na eben. Weil es mich kaum tangiert, rege ich mich hier darüber auf, obwohl ich weiß, dass diese Aufregung von den Verursachern wohl nicht zur Kenntnis genommen wird, geschweige denn eine Verhaltensänderung zur Folge haben wird.

    Auch schön übrigens:

    Kollaborativer Kokolores bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”

  8. 30.01.2007 | 7:50

    »Kollaborativer Kokolores« ist schön. So wird die deutsche Sprache durch diesen Artikel wenigstens um eine neue Wendung bereichert ;-)

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