23. Januar 2007
Deutsche Mörder von gestern
Ich gestehe, dass ich bei manchen Themen merke, dass ich in der DDR und nicht in der BRD aufgewachsen bin. Mir fehlt bei gewissen historischen Gegebenheiten die gefühlsmäßige Verbindung, die ich bei Westdeutschen oft zu spüren meine.
Ein solches Thema ist die RAF. Für mich, der dieses Phänomen nur aus der Literatur und der neueren Geschichtsschreibung kennt, sind diese Leute ideologisch motivierte Mörder.
Wenn ich mit Leuten spreche, die in der BRD aufgewachsen sind und die (so ist nun einmal mein Bekanntenkreis) sich selbst eher als links bezeichnen würden, dann klingt neben der vordergründigen Ablehnung der RAF-Morde doch meistens so etwas wie Rechtfertigung und Bewunderung mit. Die BRD sei damals auf dem Weg in einen Faschismus gewesen. Die Staatsmacht habe brutal zugeschlagen. Der RAF-Terrorismus sei so etwas wie Notwehr gewesen.
Ich maße mir kein Urteil an, das historische oder allgemeine Gültigkeit haben könnte. Ich urteile nur für mich persönlich. Wenn ich weiß, dass Leute einen älteren Herrn gefangen halten, demütigen und zum Schluss vor sich niederknien lassen, um ihn in den Kopf zu schießen, dann ist mir die konkrete Historie egal.
Wenn ich weiß, dass Deutsche in einem Flugzeug, das gemeinsam mit Palästinensern entführt wurde, wieder einmal eine Judenselektion vornehmen, dann brauche ich keine weiteren Informationen über mögliche Zustände oder Verfehlungen der Staatsmacht.
Wenn eine inhaftierte Frau Mohnhaupt ihre für Mord vorgesehene Strafe abgebüßt hat, dann kann man sie entlassen und auf Zusatzhärte verzichten, die ihre Tat sonst letztlich, wenn auch auf negative Weise, adeln würde.
Wenn ihr Kumpan Klar die für Mord übliche Haftstrafe noch nicht abgeleistet hat, muss man den Angehörigen seiner Opfer und anderen einsitzenden Mördern gegenüber schon gut begründen, warum man ihn vorzeitig rauslassen sollte.
Zum Thema äußert sich Zettel mal wieder sehr lesenswert.
Verfasst von Boche um 10:29 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik (Trackback)
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