Deutsche Normalität

Zum Wochenende machen mir zwei Artikel der FTD noch einmal klar, wie Deutschland zur Zeit gestrickt ist.

Fall 1: Die GröKaZ gibt Hochämter in Auftrag, um einen “wichtigen Durchbruch” bei der Reform der Krankenversicherung zu feiern. Was sind die neuen Segnungen?

Die PKV hatte Sorgen, dass zu viele ihrer Bestandskunden in den geplanten “Billig-Tarif” (also quasi eine Abbildung der GKV in der PKV) wechseln würden.

Was übrigens die Propaganda, Privatpatienten würden sich “auf Kosten der Solidargemeinschaft” mit niedrigen Beiträgen eine Mallorca-Reise mehr im Jahr gönnen können (womit so ziemlich das Maximum an in Deutschland vorstellbarer sozialer Grausamkeit erreicht wäre) als kompletten Blödsinn entlarvt, aber das nur am Rande…

Das hätte, wie man sich denken kann, das Geschäftsmodell der PKV, nämlich Beiträge risikoäquivalent mit dem Alter steigen zu lassen, kräftig durcheinandergebracht. Also sind wieder die Experten der Koalition, die eine MBA-Ausbildung bei armenischen Teppichhändlern hinter sich haben, zusammengetroffen und haben gefeilscht, bis der Arzt kamum die beste Lösung gerungen. Die Lösung war vorhersehbar: Die Union tauschte, wie schon beim Antidiskriminierungsgesetz, den Schutz der eigenen Klientel gegen eine allgemeine Freiheitseinschränkung. Der Wechsel von Bestandskunden der PKV in den neuen Tarif wird erschwert, aber dafür wird in Deutschland eine Versicherungspflicht für alle eingeführt. Die Freiheitseinschränkung kann man dann auch gleich entweder schön fürsorglich oder gleich obrigkeitsstaatlich (“Schutz gegen Missbrauch”) begründen.

Ansonsten noch etwas mehr vom üblichen Gefrickel:

Die für die Apotheker vorgesehenen Rabatte seien verringert worden, dafür aber Einsparungen an anderer Stelle vereinbart. Zum Umfang der geplanten Kürzungen bei Krankenhäusern sowie bei Rettungsfahrten und Krankentransporten wollen die Koalitionsexperten noch das Gespräch mit den Ländern suchen.

Nachdem wir unser Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen…

Fall 2: Wo ich schon bei Hochämtern war, kann ich dann gleich auch zu Bischof Huber kommen (ok, wacklige Überleitung…).

Man muss Herrn Ackermann ja geradezu dankbar für die Millionen sein, die er bezieht. Sein Verdienst als Hersteller des in Deutschland so geliebten partei- und gesellschaftsübergreifenden Konsenses ist gar nicht groß genug einzuschätzen: Alle sind sich schnell einig, dass der so viel Geld nicht verdienen dürfen soll.

Ich kritisiere an Huber nicht, dass er es für ungerecht hält, wenn einer 20 Millionen und der Durchschnitt 40.000 verdient (nach Steuern dürfte der Gegensatz allerdings etwas weniger krass ausfallen…), denn Gerechtigkeitsfragen sind Glaubensfragen, und da ist mir der Mann überlegen, auch wenn er bei den Ketzern ist.

Was ich kritisiere, ist die weit verbreitete Klein-Fritzchen-Sicht auf die Zusammenhänge einer Volkswirtschaft, die er propagiert. Zu den notorischen Ackermann-Millionen zitiert ihn die FTD:

Zu Recht werde die Frage gestellt, wie viele Jobs sich von einem solchen Gehalt sichern ließen.

Und später:

Huber appellierte an die Wirtschaft: “Die verbesserte Rendite sollte in Arbeitsplätze investiert und nicht nur abgeschöpft werden.”

Der Bischof verwechselt hier ganz eklatant Ursache und Wirkung, Einkommensentstehung und Einkommensverwendung. Abgesehen davon, dass man eine Relation nicht investieren kann (5 Euro in die Korinthenkasse): Unternehmen stellen nicht ein, weil sie gut verdient haben, sondern weil sie gut verdienen wollen. Jedes Unternehmen im Wettbewerb, das sich anders verhält, macht irgendwann mal denen Platz, die diese Regel beherzigen.

Wenn der Aufsichtsrat der Deutschen Bank also irgendwann zu dem Ergebnis kommen sollte, dass ein einzelner Mensch unmöglich diese Produktivität aufweisen kann (was ich für keine so fern liegende Überlegung hielte), ist nicht zu erwarten, dass mit dem eingesparten Geld irgendwo Leute eingestellt werden, die man im Unternehmen nicht zu brauchen meint. Es erhöht dann einfach den Gewinn (und verschlechtert die Lohnquote – würde es einen Aufschrei der Gewerkschaften geben?). Und auch der hohe Gewinn sagt dann eigentlich nichts weiter aus, als dass die Deutsche Bank mit den Mitarbeitern, die sie hat, bestens auskommt.

Wenn Bischof Huber und alle anderen, die ähnlich argumentieren wie er, tatsächlich wollen, dass in Deutschland Arbeitsplätze entstehen, dann sollten sie sich lieber Gedanken über Arbeitsmarktregulierungen, Bildungspolitik und Abgabenlast machen, statt völlig sinnfreie Appelle in die Welt zu setzen.

Montag geht der Wahnsinn weiter.

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29 Kommentare zu “Deutsche Normalität”

  1. nobody
    12.01.2007 | 19:16

    … auch wenn der bei den Ketzern ist. ROFL

    Guter Beitrag, Ursache und Wirkung in diesem Zusammenhang so zu verwechseln, ist in D allerdings der durch die Medien durchgängig veröffentlichte Sachverhalt.

  2. 12.01.2007 | 20:17

    Das Geschäftsmodell der PKV besteht darin, ledige Leute mit kleinen Beiträgen in ihrer Jugend zu ködern und sie durch überbezahltes Vertreterpack mit vorgetäuschten Vorteilen dicht zu lullern, um sie dann im Alter, wenn sie die steigenden Beiträge für sich und ihre Lieben endgültig nicht mehr zahlen können, wieder rauszuschmeißen, damit sie der Allgemeinheit zur Last fallen. Während man geruhsam angebliche Altersrückstellungen verfrühstückt. Aber ich mag mich ja täuschen …

  3. 14.01.2007 | 14:44

    Erstens: Du täuscht Dich.
    Zweitens: Falscher Beitrag.
    Drittens: :-D

  4. Michael
    14.01.2007 | 23:01

    Natürlich täuscht er sich. Aber beim endlosen Gefrickel kann auch niemand durchsehen.

  5. AM
    16.01.2007 | 16:32

    Er täuscht sich nicht. Das ist ganz sicher ein wichtiger Teilaspekt des Geschäftsmodells der PKV. Die PKV löst keine Probleme, die es in der GKV gibt. Allerdings dürfte auch die Abschaffung der PKV diese Probleme kaum lösen.

  6. R.A.
    16.01.2007 | 16:35

    @AM:
    > Das ist ganz sicher
    > ein wichtiger
    > Teilaspekt des
    > Geschäftsmodells
    > der PKV.
    Dann hätte ich gerne mal Zahlen, wie groß der Anteil der Privatversicherten ist, die im Alter rausgeschmissen werden.

    Ich halte das für eine seltene Ausnahme, auf die man bestimmt kein Geschäftsmodell aufbauen kann …

  7. 16.01.2007 | 16:35

    Die PKV löst keine Probleme, die es in der GKV gibt.

    Vielleicht ist die GKV das Problem, das nur durch deren Abschaffung gelöst werden kann?

  8. 16.01.2007 | 18:24

    Die PKV kann an den “kostensteigernden” Tendenzen des Gesundheitswesens auch nichts ändern.

    Kluge Versicherungsmakler raten jungen Privatversicherten dann auch, die im Vergleich zur GKV zunächst eingesparten Beiträge als Altersvorsorge zurückzulegen. Durch die Verpflichtung, Altersrückstellungen zu bilden, hat sich diese Kurve allerdings wohl etwas abgeflacht.

    Aber im Alter rausgeschmissen wird da, soweit ich weiß (und ich bin sozusagen ein “Kind der GKV”), keiner – wozu auch: Die Beiträge sind ja so kalkuliert, dass ein Gewinn dabei herauskommt.

  9. AM
    16.01.2007 | 18:32

    @ Boche
    Haben Sie schon mal etwas von Stornogewinnen gehört? Rausgeschmissen wird (nach einigen Versicherungsjahren) niemand aus der PKV, wenn er korrekte Angaben gemacht hat. Er geht einfach, weil er die Beiträge nicht mehr bezahlen kann oder will. Seine Altersrückstellungen bleiben aber, und mindern die Beiträge für diejenigen Versicherten, die auch bleiben. Nur deshalb sind die Beiträge trotz der oft hohen Abschluss- und Verwaltungskosten noch akzeptabel.
    Die Abschaffung der GKV löst kein reales, nur buchhalterische Probleme, wie man in anderen Ländern beobachten kann. Das sehen auch diejenigen so, die für radikale Änderungen der GKV (z.B. Kopfpauschale) plädieren.
    Ich bin übrigens privat versichert, aber weit davon entfernt, die PKV für ein Erfolgsmodell zu halten, das alle Probleme löst. Ein bisschen weniger Heilsglauben würde auch Ihnen gut tun.

  10. 16.01.2007 | 18:40

    @AM

    Es gibt schon jetzt einen Basistarif, in den Ältere bei der PKV wechseln können und der dem der GKV entspricht.

    Dass Gewinne durch das Einkassieren von Altersrückstellungen entstanden sind, glaube ich nicht. Dazu gibt es die noch nicht lange genug.

    Und wir befürworten die PKV als Modell nicht, weil wir uns Wunder erwarten. Sondern nur mehr Freiheit.

  11. AM
    16.01.2007 | 19:14

    “Dass Gewinne durch das Einkassieren von Altersrückstellungen entstanden sind, glaube ich nicht”
    Stornogewinne sind seit Jahrzehnten Grundlage der Kalkulation der Beiträge in der PKV. Selbst in einer eintägigen Einführung in die Lebensversicherungsgmathematik können Ihnen diese begegnen. Typisch, da kennt man sich mal in einem Thema (ein kleines Bisschen!) aus und schon weiss man auch, was Sie tatsächlich antreibt: Glaube.

  12. 16.01.2007 | 19:23

    @AM

    Vielleicht erklärst du mir Unwissendem (“ich glaube” ist übrigens für alle, die noch nicht gänzlich Anglizismen verfallen sind, die deutsche Entsprechung von “I think” und daher nicht mit religiösem Glauben zu verwechseln – das nur mal so als Einführung in die deutsche Sprache) mal, wieso Altersrückstellungen, die erst seit wenigen Jahren gebildet werden müssen, schon jetzt zu Gewinnen führen können, wenn Ältere die PKV verlassen.

    PKV und Lebensversicherung sind, nebenbei bemerkt, übrigens nicht identisch.

  13. AM
    16.01.2007 | 19:34

    Seit wenigen Jahren sind die PKV verpflichtet, bei neuen Verträgen ZUSÄTZLICHE Altersrückstellungen zu bilden, aber natürlich wurden schon immer welche gebildet. (Genau so viel, dass die Anfangsbeiträge nicht abschreckend wurden).
    Tatsächlich sind die GRUNDLAGEN der Krankenversicherungs- und Lebensversicherungsmathematik fast identisch und man kann sie gemeinsam behandeln. Was in der PKV die Behandlungskosten, sind in der LV die Sterblichkeiten. Und auch in der Lebensversicherung gibt es Stornogewinne: wenn Sie heute eine Risikolebensversicherung abschließen, hängt der (über die Versicherungszeit in erster Näherung konstante) Beitrag stark von der Versicherungsdauer ab (Je länger, desto höher). Daraus folgt unmittelbar, dass jeder, der die Versicherung vorzeitig kündigt, draufgelegt hat und der Versichertengemeinschaft einen Obolus zurückläßt. Das ist der Stornogewinn.

  14. AM
    16.01.2007 | 19:41

    Tschuldigung übrigens für die gewisse Schärfe beim Thema ‘ich glaube’.
    Noch ein Nachtrag: die Beiträge steigen in der LV deshalb mit der Versicherungsdauer, weil die Sterblichkeit in den späteren Jahren steigt. Der entscheidende Trick besteht darin, das Ganze auf einen (für den einmal geschlossenen Vertrag) zeitlich stabilen Beitrag umzulegen. Wie gesagt ist das Prinzip bei der PKV dasselbe.

  15. 16.01.2007 | 19:41

    @AM

    Ok, danke für die Infos. Kann ich nachvollziehen. Wobei die vor der gesetzlichen Verpflichtung gebildeten Altersrückstellungen eben nicht gerade erheblich sein können – die Anfangsbeiträge unterboten das, was abschreckend wirken könnte, wirklich massiv. Sage ich als jemand, der mal in der PKV war, weil im Ausland beschäftigt. Insgesamt habe ich damals nur die Hälfte gezahlt.

    Und um die Frage von R.A. aufzugreifen: Wieviele Menschen kündigen im Alter die PKV? Die Zahl müsste sehr hoch sein, um als Geschäftsmodell durchzugehen.

  16. 16.01.2007 | 19:42

    @AM

    Wir hier können Schärfe vertragen. Wir bleiben ja auch nichts schuldig ;-)

  17. AM
    16.01.2007 | 20:08

    @ Rayson
    Die Stornogewinne sind wirklich groß. Obwohl noch nicht so alt, reduzieren die Altersrückstellungen schon meinen Beitrag um ca. 20%. Trotzdem sind die Beiträge für Junge sehr niedrig, weil das “Schadens”risiko wirklich DRASTISCH mit dem Alter anwächst. Umso lukrativer sind Leute, die frühzeitig kündigen. Leider habe ich keine konkreten Zahlen, aber Folgendes ist sehr interessant: die Verschlechterung in der GKV hat u.a. zur Folge, dass die Stornoquote in der PKV seit einigen Jahren sinkt. Das ist einer der Gründe, warum auch die PKV in den letzten Jahren gezwungen war, die Beiträge stark zu erhöhen! Ergo: die PKV hat lange sehr davon profitiert, dass die GKV so schlecht nicht war, und doch recht viele wieder in die GKV wechseln wollten (und durften!). Das hat sich geändert, zum Nachteil auch der PKV-Versicherten. Es ist also irrig, beide Systeme völlig getrennt zu bewerten. Jedes System hat Probleme, und viele haben sie gemeinsam.

  18. 16.01.2007 | 20:17

    @AM

    Umso lukrativer sind Leute, die frühzeitig kündigen.

    Eben das hätte ich jetzt auch angenommen. Raucher sind die besten Kunden einer Krankenversicherung und müssten einen Bonus bekommen. Aber sind denn die Beiträge für Ältere tatsächlich mit Verlust kalkuliert?

    Es ist also irrig, beide Systeme völlig getrennt zu bewerten.

    Was die deutsche Wirklichkeit betrifft, ganz sicher. Und nicht nur auf der Ebene der Beiträge, sondern auch bei den Einkommen der Leistungserbringer. Wie schon gesagt, glaube(!) ich nicht, dass die PKV zu ingesamt geringeren Ausgaben(!) für Gesundheit führen wird. Allerdings enthalten die Modelle, die auf einer “PKV für alle” aufbauen (wie z.B. das der FDP) auch Komponenten, die die Ausgangslage deutlich verändern, wie z.B. einen Kontrahierungszwang zu einer gegebenen Pauschale.

  19. AM
    17.01.2007 | 8:50

    @ Rayson
    Die PKV bietet keine allgemeine Lösung für das Problem der Krankenversicherung. Es handelt sich da um eine optische Täuschung. Viele Befürworter werden schlicht und einfach gut bezahlt für ihre Dienste.

  20. 17.01.2007 | 9:06

    Wie oben erwähnt bietet eine private Organisation der Krankenversicherung eben mehr Freiheit für jeden, sich so zu versichern, wie er es für richtig hält.

    Die GKV dürfte zahlreiche Kosten auch nur unter dem Deckmantel der Arbeitgeberanteile und Staatsinterventionen verstecken.

  21. AM
    17.01.2007 | 11:04

    @ Boche
    Stimmt. Diese Freiheit der PKV nutze ich auch, um Kosten zu sparen.
    Es ist aber Tatsache, dass immer mehr Leute sich gar nicht versichern. Wollen wir Leute an einem Blinddarm sterben lassen, weil sie so unvernünftig waren, sich statt einem Versicherungsbeitrag lieber ein Auto zu leisten? Genau vor dieser Frage werden wir stehen, und solche Kosten werden dann wieder bei der Allgemeinheit landen. Das ist auch die Art und Weise, wie die PKV in den USA “funktioniert”. Mit Gesamtkosten, die drastisch über den unsrigen liegen (selbst in % des BIP), und mit einer Lebenserwartung, die trotzdem nicht höher liegt als hier. Effizient ist das nicht.

  22. 17.01.2007 | 11:23

    @AM

    Im Zweifel schätze ich Freiheit höher als Effizienz.

    Eine von der Allgemeinheit getragene Grundsicherung und eine Versicherungspflicht halte ich persönlich für notwendig.

  23. AM
    17.01.2007 | 12:59

    @ Boche
    “Eine von der Allgemeinheit getragene Grundsicherung und eine Versicherungspflicht halte ich persönlich für notwendig.”
    Ich denke, das ist die Richtung, in der es gehen wird.

  24. R.A.
    17.01.2007 | 15:09

    @Boche:
    > Eine von der
    > Allgemeinheit
    > getragene
    > Grundsicherung
    > und eine
    > Versicherungspflicht
    > halte ich
    > persönlich
    > für notwendig.
    Das ist jetzt aber so vage, da kann man fast jede Lösung drunterpacken.

    Da hat AM schon recht: Selbst die Richtung von Ullas maostischer Staatsmedizin läßt sich so etikettieren.

    Und deswegen behaupte ich mal provokativ das Gegenteil:
    Wir brauchen keine spezielle auf Gesundheit bezogene Grundversorgung.
    Wir brauchen nur einige Regelungen, in welcher Höhe das Sozialamt einspringt, wenn jemand Hilfe braucht und pleite ist.

    Und wir brauchen auf jeden Fall keine Versicherungspflicht. Jeder vernünftige Mensch wird sich versichern, und wer unvernünftig ist, der hat dann Pech gehabt bzw. das Sozialamt springt ein.

    Und vernünftig versichern heißt eben nicht wie jetzt, daß man fast alle Gesundheitsleistungen kompliziert über die Kassen abrechnet – die Verwaltung ist doch der Hauptkostenfaktor.

    Wie im sonstigen Leben sind Versicherungen nur für die seltenen Fälle notwendig, wo ein Schadensfall die normalen Finanzmöglichkeiten sprengen würde.

    Man versichert sich nicht dagegen, alle paar Jahre neu zu tapezieren – man versichert sich dagegen, falls das Haus abbrennt.

    Und entsprechend kann und sollte jeder Bürger die normalen Arztbesuche und Medikamentenkäufe etc. ganz schlicht selber zahlen.
    Und sich versichern nur gegen das Risiko, mit einer schweren Sache ins Krankenhaus zu kommen etc.

  25. 17.01.2007 | 15:18

    @R.A.

    Das ist jetzt aber so vage, da kann man fast jede Lösung drunterpacken.

    Stimmt. Sonst wäre ich mit AM vielleicht nicht handelseinig geworden. ;-)

    Wir brauchen keine spezielle auf Gesundheit bezogene Grundversorgung.
    Wir brauchen nur einige Regelungen, in welcher Höhe das Sozialamt einspringt, wenn jemand Hilfe braucht und pleite ist.

    Letzteres ist aber eigentlich nicht unbedingt etwas anderes als das Erstgenannte.

    Und wir brauchen auf jeden Fall keine Versicherungspflicht. Jeder vernünftige Mensch wird sich versichern, und wer unvernünftig ist, der hat dann Pech gehabt bzw. das Sozialamt springt ein.

    Dann versichere ich keine großen Risiken mehr. Weil die im Zweifel ja in der Grundsicherung übers Sozialamt drin sind.

    Wie im sonstigen Leben sind Versicherungen nur für die seltenen Fälle notwendig, wo ein Schadensfall die normalen Finanzmöglichkeiten sprengen würde.

    Diese Fälle sind aber wohl mit wachsendem Alter überhaupt nicht mehr selten.

  26. R.A.
    17.01.2007 | 15:33

    @Boche:
    Zur Grundsicherung.
    Das Sozialamt ist derzeit fürs Geld zuständig. Aber nicht für die Verwaltung von Leistungsabrechnungen.

    Man bekommt Geld, um sich Essen zu kaufen, der Staat mischt sich aber nicht in die Verwaltung der Bäckereien rein.

    In diesem Sinne möchte ich, daß auch Gesundheitsvorsorge bezahlt wird, aber viel mehr halt nicht.

    > Dann versichere
    > ich keine großen
    > Risiken mehr.
    Klar wird es solche Trittbrettfahrer geben.
    Das sind aber fast nur Leute, die über keinerlei Vermögen, Ersparnisse oder Altersvorsorge verfügen (die wären sie nämlich sonst los, wenn sie nicht versichert sind).

    Und das sind weitgehend sowieso die Leute, deren Gesundheitskosten heute schon ohnehin von der Allgemeinheit bezahlt werden.

    Man kriegt einige Trittbrettfahrer, erspart sich aber die kostspielige Zwangsverwaltung von 80-90% der Bürger.

    > Diese Fälle sind
    > aber wohl mit
    > wachsendem Alter
    > überhaupt nicht
    > mehr selten.
    Sicher – und dann werden die Versicherungsprämien teurer, wie halt heute schon in der PKV.

  27. 17.01.2007 | 15:45

    Es sieht überzeugend aus, was du schreibst.

  28. AM
    17.01.2007 | 17:07

    @ Boche
    Ganz schön schwierig, sobald es ins Detail geht, nicht wahr? Die ganz großen einfachen Würfe sehen da ruckzuck so aus wie die Gesundheitsreform der Großen Koalition:-)

  29. 17.01.2007 | 17:09

    @AM

    Wohl wahr. Wohl deswegen ist Polemisieren so schlecht bezahlt. ;-)

    Allerdings ist R.A.s Modell doch bestechend einfach und trotzdem überzeugend, oder?

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