FDP – unverzichtbar

Vorab der warnende Disclaimer: Ich bin parteiisch. Als FDP-Mitglied habe ich, wie jeder politisch informierte Blogger sofort wissen wird, meine Seele an das Thomas-Dehler-Haus verkauft, auf dessen Instruktionen ich seitdem jeden Tag warte. Woher die Zentrale meiner geliebten Partei, die selbstverständlich immer Recht hat, die ihrigen bezieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich von Gesamtmetall oder der Bertelsmann-Stiftung. Oder den Illuminaten.

Nun sind aber auf der anderen Seite des Flusses interessante Bewegungen zu erkennen. Der eine, der sich so gerne als Mustermitglied einer traditionsreichen deutschen Partei sieht, hat die FDP als Zentrale der Antideutschen entlarvt. Welch Fortschritt – zu Zeiten des Fallschirmspringers war sie noch die der Antisemiten. Der andere, einer selbst auferlegten Enthaltsamkeit offenbar überdrüssig, vergießt Krokodilstränen über die mangelnde Präsenz der FDP in der Öffentlichkeit. Worauf ihn ein jeglicher Sympathie zur blau-gelben Partei gänzlich unverdächtiger Blogger meint korrigieren zu müssen: Schließlich positioniere sich die FDP gegen sämtliche Vorhaben der schwarz-roten Regierung, obwohl – es lebe die Dialektik – sie natürlich in Wirklichkeit genau so handeln würde wie diese.

Wir lernen: Es ist nicht wichtig, warum du eine Anti-FDP-Haltung wie eine Monstranz vor dir herträgst. Es ist wichtig, dass du es tust. Zumindest, wenn du dich irgendwie “links” fühlst. Uns kaltherzigen Neoliberalen und spinnerten Libertären verschafft das eine ganz neue Erkenntnis: Es gibt ihn doch noch, den real existierenden Stachel im Fleisch der Etatisten. Auch wenn wir ihn aus unserer Sicht gar nicht als solchen wahrzunehmen wagen, so erbärmlich erscheint uns dessen Haltung, so von sozialistischen Ideen durchdrungen seine Politik.

Wir sind tatsächlich schlechte Werber für diese Partei. Da sind uns die Linken weit voraus.

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16 Kommentare zu “FDP – unverzichtbar”

  1. 20.12.2006 | 9:12

    Ist es Weihnachten, das dich kryptisch werden lässt? Weihnachtskryptizismus? ;-)

    Irgendwie verstehe ich deine letzten Beiträge nämlich nicht mehr so gut. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu uninformiert über die Zusammenhänge und allen anderen Lesern ist klar, wovon bzw. von wem du schreibst.

  2. 20.12.2006 | 9:54

    > Weihnachtskryptizismus?:
    Oder Rayson hat einfach die Links vergessen.

  3. 20.12.2006 | 10:24

    Ich ahne nach kurzem Stöbern bei den “linken Rebellen”, was Rayson meint. Auch wenn ich mich an der Diskussion nicht beteiligen möchte, spüre ich doch in letzter Zeit ein wachsendes Unbehagen. Eigentlich sollte in der parlamentarische Demokratie ein Wettstreit um die besten Lösungen stattfinden, aber in der Phase einer großen Koalition ist davon nicht viel zu spüren.

    Irgendwo habe ich in dieser Woche gelesen, dass man die “Gesundheitsreform” unmöglich 2008 umsetzen könne, weil da für die CDU/CSU wichtige Landtagswahlen in Hessen und Bayern anstehen. Nun überlegt man wohl, ob nicht 2009 als Bundestagswahljahr auch ziemlich ungünstig ist … Das ist doch alles ziemlich erbärmlich. Man kann einiges gegen die erste große Koalition in der “alten” BRD ins Feld führen, aber wenigstens haben sie damals im wesentlichen für das Land gearbeitet.

  4. 20.12.2006 | 10:32

    Übrigens denke ich, dass man dieses Thema nicht noch unterhalb der Stammtischplatte diskutieren sollte, so wie es dort praktiziert wird.

  5. 20.12.2006 | 10:40

    Was heißt denn “dort”?

  6. 20.12.2006 | 10:52

    Soll ich es jetzt wirklich verlinken? Auf “rebellmarkt.de”, Datum: 19. Dezember 2006, Artikel: “Scheintot, oh Baby, Baby, scheintot”, Thema: FDP.

  7. 20.12.2006 | 10:57

    Ach da…?!
    Tss, tss, was bzw. wo der Rayson so alles liest… ;-)

  8. nils2
    20.12.2006 | 11:17

    Wenn ich mir die Haltung der FDP zu verschiedenen Fragen in letzter Zeit anschaue, dann frage ich mich aber auch ob die Partei noch gebraucht wird. Ablehnung der Rente mit 67. Kein Einsatz von Soldaten in Angola.
    Einzig vernuenftig: Totalopposition gegen die Gesundheitsreform

  9. googlehupf
    20.12.2006 | 12:24

    Na wenn schon solch wortgewandte Menschen es nötig haben mit diffuser Begriffsassoziation (“Neocon-Geseiere” – ist das dass neue “neoliberal”?) die FDP in die Bedeutungslosigkeit schreiben zu wollen dann könnte Rayson Recht haben mit dem Stachel.

  10. 20.12.2006 | 12:32

    Dass man diese Gesundheitsreform nicht will, ist klar. Dass es aber eine “große” Koalition nicht schafft, wirkliche Sozialreformen einzuleiten, ist einfach erbärmlich. Die demographischen Daten liegen auf dem Tisch und sie werden sich kaum wesentlich ändern. Ich will mir nicht ausreden lassen, dass man auch in der Demokratie eine solche Reform schaffen könnte. Oder brauchen wir Deutsche dafür einen Kaiser und einen Bismarck?

    Leider gleitet die FDP manchmal in Populismus ab und das ist auch dann nicht akzeptabel, wenn es die einzige Parteil ist, die für den Liberalismus steht. Die Ablehnung der Rente mit 67 durch die FDP ist mir bisher nicht aufgefallen. Meiner Meinung nach müssen Modelle geschaffen werden, um die arbeitsfähigen Menschen in dieser Altersgruppe weiterzubeschäftigen.

    Was den wortgewandten rebellmarkt-Gastgeber betrifft: in diesem Beitrag stellt er es jedenfalls nicht unter Beweis. Aber vielleicht ist das auch nur seine Art, eine Diskussion zu eröffnen ;-)

  11. 20.12.2006 | 12:52
  12. der gute don
    20.12.2006 | 15:00

    Bei der Suche nach dem link erhellendes aus dem gleichnamigen Buchlink bei amazon:

    Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:
    68er ( Achtundsechziger )
    Achtundsechziger – 68er
    Politikwissenschaft
    Populäre Darst.
    Populärkultur
    Soziologie
    Trivialkultur

    ^^ na denn ..

  13. 20.12.2006 | 20:54

    Kleine Gebrauchsanweisung für den Text:

    Die Links fehlen, weil der Beitrag nicht als Entgegnung auf die zitierten Meinungen gedacht ist – ich wollte vermeiden, dass welche sich zur eigenen Rechtfertigung berufen fühlen, wieder mal alle Mängel der FDP aufzulisten, obwohl wir die doch eh schon kennen.

    Es war wirklich mehr für die geschrieben, denen die FDP nicht liberal bzw. libertär genug ist. Und nicht allzu ernst gemeint, wie man vielleicht auch erkennen kann.

  14. 20.12.2006 | 20:57

    @Bodo

    Und was machen Leute wie ich, die gerne libertär denken, aber dann doch lieber ordoliberale Handlungsempfehlungen abgeben, wenn es um wirkliche Politik geht?

  15. 21.12.2006 | 9:41

    … oder um es mit einem Modewort zu sagen: Liberale Realos? ;-)

  16. DDH
    22.12.2006 | 17:19

    Drum bleibe ich bei aller Kritik, die ich oft auch grundsätzlich habe, ja trotzdem ein Partei-Liberaler. Kann ja nie schaden, positiv zu wirken. So zum Beispiel am 13. Januar in Höchberg bei Würzburg zu unserem erzliberalen Neujahrsempfang mit Carlos A. Gebauer und Blogger-Kollegen Martin Hagen:

    http://fdp-hoechberg.blogspot.com/2006/12/liberaler-neujahrsempfang-in-markt.html

    Ihr seid ebenfalls alle ganz herzlich eingeladen!

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