27. November 2006
Problemlöser
Aus der Rubrik “Wie löse ich Probleme, die mich nichts angehen oder die ich selbst geschaffen habe? Und wie stehe ich hinterher trotzdem als Macher da?” oder, wie Rayson die Rubrik einfacher genannt hat: “Unpolitik“; heute:
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Überlegen wir mal, was das eigentlich ist. Der Unternehmer bietet seinem Angestellten an, dass er einen Teil seiner Entlohnung in Form (wie auch immer gearteter) Unternehmensanteile erhält.
Wenn man das im Lichte der Vernunft betrachtet, ist das ein simples Geschäft zwischen zwei Seiten. Der eine bietet dem anderen für ein geliefertes Produkt (die Arbeitskraft) einen bestimmten Preis. Der andere schlägt ein oder lässt es.
Der brave Bürger Boche sagt sich, das Geschäft zwischen zwei anderen ist etwas, was mich nichts angeht. Da mische ich mich nicht ein. Wenn niemand es eingeht, dann scheint es für niemanden lohnenswert zu sein.
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Die Politik funktioniert nach anderen Regeln. Sie liebt es nämlich, sich einzumischen und solche an sich simplen und wenig nach Einflussnahme Dritter rufenden Dinge künstlich zu verkomplizieren oder gleich ganz zu okkupieren. Sie liebt es zu definieren, was gut ist, und dann die Bürger mittels Zwang in diese Richtung zu drängen.
Folgerichtig fordern die großkoalitionären Sozialdemokraten (gemeinsam mit ihren Brüdern im Sozialkartell) die Einführung des Investivlohns.
Rufen wir uns in Erinnerung:
Das, was die Politik hier “fordert”, war entsprechend der im Lichte der Vernunft angestellten Betrachtung nichts anderes als ein möglicher Vertragsinhalt zwischen zwei Seiten.
Diesen Vertragsinhalt nun “zu fordern” kann nach den Gesetzen der mir geläufigen Logik aber nichts anderes bedeuten, als dass man einen (oder beide) Vertragspartner zum Abschluss eines Vertrages dieses Inhaltes zwingen will.
Denn sonst bräuchte man nichts zu fordern sondern könnte sich schlicht am Ergebnis der Verhandlungen freier Individuen erfreuen, ihnen vielleicht noch dieses oder jenes raten.
Oder man fordert etwas, das einen nichts angeht. Oder man “fordert” es nur, um des öffentlich wirksamen “Forderns” willen.
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Die Wirklichkeit ist natürlich ein wenig (aber eigentlich auch nicht viel) komplexer.
So kann man die “Forderung nach Einführung des Investivlohns” auch so übersetzen, dass damit angekündigt wird, die Behandlung des Investivlohnertrages bei der Besteuerung zu verbessern.
Die Politiker würden sich also selbst dazu auffordern, das selbstgeschaffene Monstrum “deutsches Steuerrecht” so zu modifizieren, dass der benannte Vertragsinhalt für beide Vertragspartner lukrativer werden könnte (nicht, weil die Politik mehr Nutzen hinzufügen würde, sondern weil sie weniger Schaden in Form erhobener Steuern anzurichten bereit wäre).
Sprachlich gesehen ist die “Forderung” hier also höchstens Selbstgespräch.
Die Politik “führt keinen Investivlohn ein”, sie zwingt niemanden per öffentlich verbreiteter “Forderung” dazu, ihn einzuführen, sie kann höchstens versuchen, ihn durch Vereinfachungen oder (was wohl wahrscheinlicher ist:) zielgerichtete Verkomplizierungen des Steuerrechts für beide Vertragspartner lukrativer zu machen. So dass er – so die Hoffnung unserer gewählten Gesetzesbastler – häufiger als heute Inhalt der Vertragsvereinbarungen wird.
(Ökonomen und Volkswirtschaftler können nun nach dem Bastiat’schen “ce qu’on ne voit pas” suchen. Wie bei jeder Sozialklempnerei wird es auch hier – dann lauthals beklagte und per noch mehr Klempnerei zu beseitigende – “Missbrauchs”möglichkeiten und nicht bedachte Nebeneffekte geben.)
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Dabei sollte man natürlich nicht vergessen, wie weit wir heute bei der Wiedereinführung der Kommandowirtschaft durch die sozialdemokratische Hintertür schon sind:
Selbstverständlich gehört es auch zum denkbaren und üblich gewordenen Politikrepertoire, massiv in die Vertragsfreiheit der Bürger einzugreifen. Deshalb kann das Ergebnis durchaus auch sein, dass die Politik den Investivlohn befiehlt. Dann würde es sprachlich wieder stimmen und die Politik hätte den Investivlohn tatsächlich “eingeführt”.
(Sozialismus als Versuch, Sprache und Handeln in Übereinstimmung zu bringen. Koste es, was es wolle. Der Klempner, der sich den Weg zum, seiner Meinung nach, einer Reparatur bedürftigen Heizungsrohr freischießt.)
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Fazit:
Entweder, die Forderung nach Einführung des Investivlohns ist lächerlich, weil sie etwas betrifft, was die Fordernden nichts angeht, oder weil es eine Forderung an sich selbst ist, dem Investivlohn (steuerrechtlich) nicht mehr so sehr im Wege zu stehen.
Oder sie ist Zeichen eines anstehenden Eingriffs in die Vertragsfreiheit und ein weiterer Schritt zur Etablierung des DDR-Wirtschaftsmodell, nun im gesamten Deutschland.
Egal, was nun zutrifft – überrascht wäre ich von keiner der beiden Möglichkeiten.
Verfasst von Boche um 14:45 Uhr in der Kategorie Politik, Sprache, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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