Die Jamaika-Formel

Etwas Bemerkenswertes ist passiert: Da geben drei junge Nachwuchspolitiker von CDU, FDP und Grünen ein Interview, in dem sie die Bundeskanzlerin dazu auffordern, die Voraussetzungen für eine “Jamaika-Koalition” zu schaffen. Gut, das ist auch Unpolitik at its best und die Adressatin eh die falsche (als Kanzlerin hat sie die Aufgabe, die aktuelle Regierung voranzubringen), aber spannend genug erscheinen mir die drei Prinzipien zu sein, die diese Gemeinsamkeit herstellen sollen:

Die Basis für eine solche Koalition könnten das Prinzip der Nachhaltigkeit, das der sozialen Grundsicherung und Schritte zu mehr Eigenverantwortlichkeit sein.

Wow! Gibt es Liberale, Christdemokraten und Grüne, die dem widersprechen? Ok, zugegeben, Grüne aus der linken Ecke werden mit dem dritten Punkt, der Eigenverantwortlichkeit, ihre Probleme haben. Aber sonst – das nenne ich mal “Jamaika” auf eine Formel gebracht. Oder?

Gut, der Teufel steckt im Detail, und wir alle neigen dazu, Ziele nach Maßnahmen zu bewerten statt umgekehrt. Aber ich könnte mich unter diesem Dach wiederfinden.

Den Hinweis verdanke ich übrigens Zettel. Wie immer lesenswert sind seine Bemerkungen zum Thema “links oder rechts”, und das meine ich ganz unabhängig von der mir naturgemäß sympathischen Folgerung. An dieser Stelle muss natürlich Jandl kommen – es ist die einzige Schwäche (oder gar eine besondere Stärke?) von Zettels Beitrag, dass er den nicht zitiert hat:

lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

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3 Kommentare zu “Die Jamaika-Formel”

  1. der_gute_don
    26.11.2006 | 0:07

    Wäre es folglich nicht an der Zeit, an die Stelle der politischen Grunddimension “Links-Rechts” die Grunddimension “Liberal-Etatistisch” zu setzen?

    Diese Frage bringt es wirklich auf den Punkt.

    Ich bezweifle allerdings stark die liberalen Kräfte bei den Grünen, die werden schnell gejagt (siehe Metzger). Momentan passt es wohl eher zufällig in die Oppositionsarbeit gegen Etaismus zu protestieren. Die rot-grüne Regierungsarbeit (dokumentiert z.B. in der von der FDP aufgestellte grüne Giftliste) stößt mir noch bitter auf, dort haben sich Grüne als Freiheitsrauber und Etaisten bewiesen. Warum soll ein paar Monate später grundlegend anders sein?

  2. Spruance
    26.11.2006 | 11:53

    Ja, wirklich schön, wenn dieser Gegensatz die Diskussionen der Zukunft bestimmen würde. Nur, allein, mir fehlt der Glaube! Denn eigentlich ist “liberaler Politiker” schon ein Oxymoron, oder? An den Schalthebeln (und den Fleischtöpfen) der Macht angekommen, bedarf es fester innerer Überzeugungen und großer Standhaftigkeit, den Versuchungen der Apparates zu widerstehen. Wenn etwa ein David Cameron eine Polly Toynbee zur Parteiikone ausruft, dann ist mir klar, daß er so etwas wie eine innere Überzeugung nicht besitzt. (Immerhin kann er sie dann auch nicht verraten.) Ich könnte allerdings im Moment auch keinen deutschen Politiker nennen, dem ich in dieser Beziehung trauen könnte, für die Freiheit verläßlich einzutreten!

  3. 26.11.2006 | 17:32

    Aus rein taktischen Gründen müssen sich die drei Parteinen gegenseitig koalitionsfähig machen. Zum einen würde es für die Bundestagsmehrheit reichen. Zum anderen müssen sich Grüne und CDU aus der Koalitionspartnergefangenschaft befreien. Denn aktuell hat die SPD die größte Auswahl.

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