20. November 2006
Ökoreligion
Man muss nicht gleich den ganzen Klimawandel in Frage stellen, um festzustellen, dass der Gedanke des Umweltschutzes politisch den Charakter einer Religion angenommen hat.
Gerade was das Klima angeht, so scheint sich eine Mehrheit der Forscher zwar darauf einigen zu können, dass die Erde sich erwärmt und dass auch die Menschen zu dieser Erwärmung beigetragen haben, aber niemand weiß genug, um viel Genaueres sagen zu können. Es ist auch eine berechtigte Frage, ob das bei der Komplexität, die das Klima ausmacht, je anders wird sein können.
Deswegen verblüfft es, wenn zwar über generelle Aussagen hinaus nichts zu belegen ist, aber dennoch genau feststehen soll, was jetzt als Gegenmaßnahme unbedingt zu geschehen habe. Uns fehlt nicht nur ein Beleg darüber, wie die Gegenmaßnahme wirkt und ob ihre Durchsetzung überhaupt realistisch ist, sondern man beschränkt sich auch auf Maßnahmen, die das mehr oder weniger wahrscheinlich Eintretende verhindern sollen, statt sich zu überlegen, ob eine Bewältigung der Folgen nicht die sinnvollere Variante wäre.
Ich will mir jetzt keine wissenschaftliche Kompetenz in der Klimaforschung anmaßen, aber was in unserem und benachbarten Blogs alles an Gegenpositionen auf den Tisch kommt, sollte ausreichen, um sich wenigstens jenseits der oben formulierten generellen Aussage (die selbst ja auch nicht frei von Kritik ist, aber hier mal gegeben akzeptiert werden soll) eingestehen zu müssen, dass man weder genaue Aussagen über die Zukunft treffen noch eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehungen sinnvoll festlegen kann. Anscheinend haben wir hier alle Zutaten einer höchst komplexen Welt.
Die typisch menschliche Reaktion darauf scheint die Zuflucht ins Metaphysische zu sein, die dann uns allzu bekannte Rituale wieder in neuem Gewand erscheinen lässt.
Da haben wir den Ruf nach einer Heiligen Inquisition (Strafbarkeit der Leugnung), das Ausstoßen von Verwünschungen gegen Abtrünnige, die Angst vor dem Leibhaftigen (Kernspaltung und –Kernfusion), die Auferlegung von eher symbolischen Bußetaten (wozu man beim aktuellen Stand der Forschung die Abfalltrennung oder die Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes zählen muss) und generell eine Haltung der Entsagung und Selbstkasteiung („Fenster zu und Licht aus!“) – alles aus Furcht vor dem Klima-Rachegott. Weil wir nicht ausschließen können, dass die Szenarien der Untergangspropheten wahr werden, wollen wir wohl irgendwie handeln und denken, dass sich die Güte der Handlung daran ablesen lässt, wie sehr sie uns weh tut. Mit einem Wort: Wir bringen Opfer dar.
Religionsfreiheit ist eine gute Sache. Nur überrascht es ein wenig, dass auch sehr junge Religionen wie diese zunächst mal mit reichlich archaischen und von der Aufklärung unberührten Institutionen aufwarten. Deswegen wäre auch hier darauf zu achten, dass der Staat von diesen frei bleibt.
Verfasst von Rayson um 22:36 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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