Milton Friedman ist gestorben

Milton Friedman, einer der einflussreichsten Liberalen des letzten Jahrhunderts, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Das berichtet die Online-Ausgabe der FAZ.

Der am 31. Juli 1912 in New York geborene Friedman lehrte von 1946 bis 1976 an der Universität von Chicago. 1976 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. Friedmans Vorstellungen vom freien Markt ohne größere staatliche Eingriffe prägten in großem Maße die Wirtschaftspolitik des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan, als dessen Berater er auch fungierte, und der britischen Premierministerin Margaret Thatcher.

Er galt als Wortführer der „Monetaristen“, die für die Kontrolle der Inflation durch die Geldmenge eintraten.
Seine radikalen Positionen und die Veröffentlichung mehrerer Bücher machten Friedman weltweit bekannt.

Die Tagesschau schreibt:

Friedmans Vorstellungen vom freien Markt ohne größere staatliche Eingriffe prägten in großem Maße die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Ronald Reagan, als dessen Berater er auch fungierte, sowie der britischen Premierministerin Margaret Thatcher.

In Erinnerung verlinke ich dieses Video. Ein Interview mit Milton Friedman aus dem Jahr 1975. Es ist immer noch aktuell.Mein Lieblingszitat von ihm ist: “Ich bin nicht wirtschaftsfreundlich, ich bin für freie Marktwirtschaft, was etwas ganz anderes ist.”

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9 Kommentare zu “Milton Friedman ist gestorben”

  1. 17.11.2006 | 15:49

    Immerhin läßt sich nun sagen, dass seine Theorien ihn überlebt haben. Was man wirklich nicht von jedem Wirtschaftswissenschaftler behaupten kann.

    Friedman – sein Bekenntnis zur persönlichen Freiheit, bis hin zu seiner gern skandalisierten Forderung nach Aufhebung aller Drogenverbote war im immer sehr sympatisch. Seine extreme “Marktgläubigkeit” – vielleicht sollte man besser wie MomoRules von “Marktexistenzialismus” sprechen – konnte ich hingegen nie nachvollziehen. Zugegeben, ich habe, halbgebildeter Halblinke, der ich bin, seine Bücher nie gelesen. Vielleicht steckt da irgendwo mehr drin, denn für so naiv, stets auf die “Selbstheilungskräfte des Marktes” zu vertrauen, halte ich ihn nicht. Sonst wäre er wahrscheinlich Politiker geworden.

  2. 17.11.2006 | 18:04

    Wo Du Friedmans Thesen zur Drogenlegalisierung ansprichst, verlinke ich hier nochmal auf das Video, auf das Zodac auf diesem Blog freundlicherweise einst hinwies:
    http://www.youtube.com/watch?v=Se_TJzB9-z0

    Ich fand dabei wenig konkrete Gründe zum Widerspruch und überlasse es findigeren Geistern, solche zu finden.

  3. 17.11.2006 | 21:21

    @MartinM

    Für den Glauben an “Selbstheilungskräfte” ist Friedman relativ unergiebig. Aber wen es interessiert, wie Liberale verschiedene Probleme kompromisslos unter der Maxime der Freiheit des Einzelnen und ökonomischer Rationalität angehen, der wird “Kapitalismus und Freiheit” mit Gewinn lesen.

  4. 18.11.2006 | 15:37

    @MartinM
    Wenn man von Selbstheilungskräften spricht, dann muss muss ja bereits eine Krankheit vorliegen. Richtig? Kannst Du ein Beispiel für einen solchen Missstand nennen?

    Im nächsten Schritt können wir uns dann die Frage stellen, ob ein es überhaupt wünschenswert ist diesen Missstand zu beheben (Stichwort Freiheit), und/oder ob es einem Staat oder ähnlichem überhaupt möglich (Stichwort heilsamer Staat).

    Ist weder das eine das andere der Fall, so kann man wohl kaum von einer Krankheit des Marktes sprechen können. Ich garantiere Dir, Du wirst im Friedmannschem Minimalstaat kein Beispiel von einer Marktkrankheit finden, die vom Staat geheilt werden kann. Du kannst es aber gerne versuchen. Also: Was passt Dir an der Marktwirtschaft nicht?

  5. 18.11.2006 | 15:39

    Oh Gott, verzeiht bitte die sprachlichen Mängel meines Kommentars.

  6. 18.11.2006 | 19:14

    Ich kann dir eine ganze Menge Missstände oder Krankheiten nennen. Ich will die Krankheiten mal als das bezeichnen, was eigentlich gemeint ist: Marktversagen.
    Nehmen wir mal das Beispiel: Diskriminierung.
    Gibt es Diskriminierung? Ja
    Sollte es Diskriminierung in einem Markt geben? Nein. Wie Friedman in “Kapitalismus und Freiheit” argumentiert, ist es aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten unsinnig zu diskriminieren. Ich glaube auch, dass er damit Recht hat, aber es gibt trotzdem Diskriminierung.

    Der Markt hat das Problem nicht gelöst, obwohl einen Unternehmen dadurch z.B. Umsätze oder bessere Mitarbeiter entgehen. Es wurde auch nicht in einem “Friedmannschem Minimalstaat” funktionieren.
    Der Ordoliberalismus existiert doch nur, aus der Erkenntnis heraus, dass der Markt einen festen Ordnungsrahmen braucht. Der Markt löst die Probleme halt nicht (immer) alleine. Er tut dies oft, aber auf keinen Fall immer.

    Es gibt in einigen Punkten zweifelsohne Marktversagen (s.o.)
    Aber kann und soll der Staat ein Marktversagen in jedem Fall korrigieren und verhindern? Ich halte diese Frage für die viel interessantere.

    Derzeit versucht man ja mit dem Gleichbehandlungsgesetz (früher Antidiskrimierungsgesetz) das oben genannte Problem zu lösen. Ich erzählte vermutlich nichts Neues, wenn ich sage, dass das Gesetz weder zu weniger Diskrimierung führen wird und evtl. sogar zu Nachteil der Betroffenen geht, weil zum Beispiel Hürden für Einstellungen geschaffen werden. Ein Grund dafür ist die Haftung des Arbeitnehmers für Belästigungen durch Kunden.
    Ich sehe keine andere Möglichkeit wie der Staat das Problem lösen könnte.

    Die andere interessante Frage ist auch, sollte der Staat das Problem lösen oder ist es das Recht von jedem Einzelnen andere Leute zu diskriminieren? Ich glaube, dass der Staat sich bei diesem Problem zurückhalten sollte. Nur wenn durch die Diskriminierung die Chancen “auf Basis der eigenen Leistung einer Vorstellung von Glück nachzugehen” (Marco Buschmann,j&l) zu stark eingeschränkt werden, so sollte der Staat eingreifen. Diese Grundchancen (aber keine Chancengleichkeit) schuldet die Gesellschaft jedem Individuum.

    Andere Formen von Marktversagen wiederum sind durch den Staat zumindest teilweise behandelbar und er sollte es auch tun. Beispiel Schulpflicht. Wiederum meinte Friedman die Schulpflicht wäre nicht notwendig. In einer perfekten Welt wäre sie es auch nicht, da dort alle Eltern den Sinn von Bildung sehen würden und die Kinder entsprechend fördern würden. Die Welt ist allerdings nicht perfekt und wäre es (um dem Einwand gleich zuvor zu kommen) wohl auch einem Friedmannschem Minimalstaat nicht. Aber 1) was können die Kinder für die Fehler der Eltern, wenn die Eltern den Sinn von Bildung verkannt haben (Schutzpflicht des Staates) und 2) will ich lieber Kinder zu einem Minimalgrad an Bildung zwingen, wenn die Alternative ist, dass sonst zu viele Kinder ganz ohne Bildung aufwachsen würden. Das hat leicht erkennbare Probleme für die notwendigen Sozialsysteme und die politische Stabilität.
    Zum Glück gibt aber es in Deutschland und so gut wie überall Schulpflicht (oder zumindest Bildungspflicht). Marco Buschmann hat interessante Dinge in der neuen j&l geschrieben. Dem möchte aber hinzufügen, dass die Schulpflicht alleine zur Sicherstellung von Grundchancen nicht ausreicht.

    Was passt dir an der Marktwirtschaft nicht? Ich glaube es gibt gute Gründe, warum wir eine soziale Marktwirtschaft haben.
    Der Markt in den meisten Fällen ein sehr brauchbares Mittel ist, aber nicht wie von dir gesagt in allen Fällen.

    Ich glaube man kann aus den Schriften von Friedman viele sehr interessante Dinge herausziehen, sonst hätte ich ja den Artikel nicht geschrieben. Im Moment fällt mir zum Beispiel das Konzept der Bildungsgutscheine ein, dass nicht umsonst noch aktuell ist. Aber oft sind die Thesen (nur) mit Einschränkungen geniesbar.

  7. 18.11.2006 | 19:21

    Der Vollständigkeit halber: Der angesprochende Artikel von Marco Buschmann “Die Gerechtigkeit und die Liberalen” in der aktuellen j&l. (pdf, Seite10)

  8. 19.11.2006 | 0:01

    Ich will die Krankheiten mal als das bezeichnen, was eigentlich gemeint ist: Marktversagen.

    Den Begriff habe ich bewusst vermieden. Ich mag ihn nicht, weil ein Urteil (Versagen) gefällt wird, das immer aufgrund eines angelegten Masstabes gefällt wird. Niemand käme auf die Idee, dem Markt Versagen vorzuwerfen, weil er nicht dafür sorgt, dass sich jeder einen Porsche oder eine Villa leisten kann. Oder das es Morde und Diebstahl gibt. Das wäre einfach ein unfairer Massstab um die Leistung des Marktes zu beurteilen, trotzdem wird ein solcher oft, m.E. sogar immer wenn von Marktversagen die Rede ist, verwendet.

    Nehmen wir mal das Beispiel: Diskriminierung.

    So jetzt wird es interessant.

    Sollte es Diskriminierung in einem Markt geben? Nein. Gut hier bin ich anderer Meinung, das wäre aber jetzt ein Nebenkriegsschauplatz.

    Ich glaube auch, dass er damit Recht hat, aber es gibt trotzdem Diskriminierung. Es gibt sie, weil entweder der Unternehmer bereit ist die Kosten dafür zu tragen (Das betrifft vor allem kleine Unternehmen), oder weil seine Kunden eine Diskriminierung wünschen. Das primitivste Beispiel wäre ein Restaurant mit “Whites Only” Türsteher Politik. Wenn die weissen Kunden das wünschen, setzt gibt es ein solches auch in einer Marktwirtschaft. Hier versagt nicht der marktwirtschaftliche Mechanismus der Profitmaximierung. Das Restaurant maximiert seinen Nutzen. Nun kann man beklagen, dass das Resultat nicht wünschenswert ist. So richtig das ist, aber handelt es sich hier um Marktversagen? Liegt ein Defizit des Marktes vor? Könnte der Staat das besser machen, könnte er es verhindern? Du schreibst ja selber über die Folgen des Antidiskriminierungsgesetztes. Es ist keine Krankheit des Marktes wenn einige Menschen andere unbedingt beleidigen möchten. Damit ist es kein “Marktversagen” im populärem Verständnis. Im ökonomischen Verständnis handelt es sich ohnehin nicht um Marktversagen, sondern einfach um eine effiziente Ressurcenallkation, die das “Gut” Diskriminierung beinhaltet.

    Der Markt hat das Problem nicht gelöst, obwohl einen Unternehmen dadurch z.B. Umsätze oder bessere Mitarbeiter entgehen. Siehe oben. Diskriminierung gibt es nur, wenn sie im Interesse des Unternehmens (d.h. seiner Kunden) liegt.

    Der Ordoliberalismus existiert doch nur, aus der Erkenntnis heraus, dass der Markt einen festen Ordnungsrahmen braucht. Verträge müssen eingehalten werden, das ist ja unstrittig. Ein solcher Minimalstaat kann im übrigen konsistent einfach als Marktteilnehmer mit einem natürlichen Monopol interpretiert werden.

    Andere Formen von Marktversagen wiederum sind durch den Staat zumindest teilweise behandelbar und er sollte es auch tun. Beispiel Schulpflicht. Auch das ist kein Marktversagen. Der Markt würde ohne Zweifel jede Menge gute Schulen zur Verfüfung stellen. Wenn nicht alle Menschen dieses Angebot für ihre Kinder wahrnehmen, kann man das nicht dem Markt anlasten. Sicherlich muss hier der Staat seine Bürger ein wenig bevormunden, oder besser die Kinder vor den Eltern schützen. Und genau das wollte auch Freidmann. Er war für Schulpflicht. Das Schulwesen sollte sich allerdings in privater statt öffentlicher Hand befinden. Stichwort Biuldungsgutscheine.

    Was passt dir an der Marktwirtschaft nicht? Ich glaube es gibt gute Gründe, warum wir eine soziale Marktwirtschaft haben.

    Genau mit solchen Einwänden habe eigentlich gerechnet. Ich kenne allerdings kein Beispiel, in dem der Markt hier ein schlechtes Ergebnis produziert. Keines, in dem ein staatliche Eingriff in die Vertragsfreiheit seiner Bürger, das Los der Gesellschaft verbessern würde.

  9. DDH
    19.11.2006 | 18:35

    “I believe a relative free economy is necessary condition for freedom. But there is evidence that a democratic society, once established, destroys a free economy.” Milton Friedman vor der Mont Pèlerin Society 1990

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