“Süddeutsche”r Antisemitismus?

Muss man das, was hinter diesem tendenziösen SZ-Artikel durchschimmert und was hier bei den Kollegen vom Spirit of Entebbe dankenswerter Weise analysiert wird, nicht dann doch Antisemitismus nennen?

Oder würde ein Thorsten Schmitz genauso verzerrend über – sagen wir mal – die Schweiz schreiben und würde man ihn dafür bei der SZ auch noch bezahlen?

Ähnliche Beiträge


20 Kommentare zu ““Süddeutsche”r Antisemitismus?”

  1. der gute don
    15.11.2006 | 15:52

    “Süddeutsche”r Antisemitismus?

    Hmm, evtl. sollten wir jeden, der uns als Deutsche in irgendeiner Form ungerechtfertigt für irgendwas beschuldigt oder aktuelle Themen verzerrt wiedergibt als Antdeutschisten entlarven. Überhaupt jeder, der etwas verzerrt wiedergibt oder überhaupt irgendjemanden beschuldigt, muss als Antihumanist enttarnt werden.

    Jetzt mal im Ernst, das ist doch an den Haaren herbeigezogen, in meinem Umfeld haben die meisten (ich lasse mich im Anschluß aber gleich gerne nach Schema A anderweitig beleidigen!) ein normales Bild von Israel, von Menschen die leben, arbeiten, feiern und lieben wie wir, ein deratiger Bericht wird mit Sicherheit kein Bild wackeln lassen und das sexuelle Nötigung in der Armee ein Thema ist, hängt nunmal damit zusammen, daß sich diese Armee gerade im Krieg befindet, da verrohen die Sitten, daß ist in jeder Armee der Welt gleich. Ich kann keinen Antisemitismus in diesem Artikel sehen, daß muß man wohl sehen wollen um es zu finden.

  2. 15.11.2006 | 16:02

    Hmm, evtl. sollten wir jeden, der uns als Deutsche in irgendeiner Form ungerechtfertigt für irgendwas beschuldigt oder aktuelle Themen verzerrt wiedergibt als Antdeutschisten entlarven.

    Im Wiederholungsfall wäre das sicher nicht unbegründet. Aber was gehe ich eigentlich auf dein ins Lächerliche-Ziehen ein?

    Ich kann keinen Antisemitismus in diesem Artikel sehen, daß muß man wohl sehen wollen um es zu finden.

    Sicher doch.

  3. der gute don
    15.11.2006 | 16:28

    Im Wiederholungsfall wäre das sicher nicht unbegründet.

    vielleicht habe ich für so etwas einfach ein zu dickes Fell, es interessiert mich eigentlich ziemlich wenig wenn irgendein Hinz oder Kunz mich als Deutschen, Christen, Menschen oder anderweitig beleidigt oder ein verzerrtes Bild von mir wiedergibt. Wenn es mich in meinen Grundrechten nicht einschränkt.

    Und ein solcher Artikel mag zwar sehr subjektiv und boulevardaufbereitet sein, aber wayne interessierts? Kein Israeli wird nach Lesen des Artikels schlechter als vorher, die Realität in Deutschland ist, auch hier gibt es Probleme mit sexueller Nötigung.

    Mir würde im Leben nicht einfallen, einen solchen Artikel so zu gewichten, daß ich mich drüber aufregen müßte.

  4. 15.11.2006 | 16:34

    Sicher, man kann man Vorurteile gegen Juden genauso unwichtig finden wie Vorurteile gegen BMW-Fahrer oder blonde Friseusen.

  5. der gute don
    15.11.2006 | 16:45

    Sicher, man kann man Vorurteile gegen Juden genauso unwichtig

    wir leben in einer Welt voller Vorurteile und evtl. wird Cohen demnächst in Kasachstan als Volkverhetzer vor Gericht gestellt.

    BMW-Fahrer oder blonde Friseusen

    sind höchstens Untergruppen von Deutschen, Christen, Menschen.

    Es gibt im Empfängerbewußtsein eines jeden eine Reizschwelle auf die das Signal auslöst, die mag stark differieren. Der genannte Bericht lässt mich ehrlich gesagt ziemlich kalt. Aber das ist nur meine Meinung.

  6. 15.11.2006 | 16:51

    wir leben in einer Welt voller Vorurteile

    Tja, da gibt es eben aber einige, die regelmäßig deutlich unschönere Konsequenzen haben als andere.

    Der genannte Bericht lässt mich ehrlich gesagt ziemlich kalt. Aber das ist nur meine Meinung.

    Ich verlange doch von dir keine Empörung.

  7. Llarian
    15.11.2006 | 17:27

    Tja, da gibt es eben aber einige, die regelmäßig deutlich unschönere Konsequenzen haben als andere.

    Aber ich bitte Dich, lieber Boche, wenn in Deutschland ein wilder Mob von Bekloppten Friedensbewegten auf ein paar Demonstranten losgehen, deren Fehler es war, eine Israelflagge zu schwenken, so wie erst vor einiger Zeit in Saarbrücken passiert, dann hat das doch nichts mit dem Bild von Israel zu tun, dass öffentlich kolportiert wird. Auch das in Deutschland ein gutes Viertel der Bevölkerung inzwischen meint, Juden hätten zuviel Einfluss in Deutschland, kann doch wirklich kein Indikator für Konsequenzen sein. Nein, ich bin ganz sicher, Du bist da auf dem Holzweg. Synagogen werden nur deshalb von Polizisten geschützt, weil die sowieso gerade Zeit hatten, jüdische Friedhöfe schänden sich selbst und wenn halt unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund (sic) die Bezeichnung “Du Jude” eine der übelsten Beleidigungen darstellt, dann hat das nichts, aber nun wirklich gar nichts mit Vorurteilen zu tun, die ohnehin unwichtig sind.

  8. der gute don
    15.11.2006 | 17:35

    @llarian: Du findest den benannten Artikel also antisemtisch?

  9. Llarian
    15.11.2006 | 17:57

    @Don:
    Aber warum denn ? Sollte Israel etwas nicht die “chauvinistischste Armee der Welt” haben ? In der Vergewaltigungen gar so “alltäglich” sind wie in der “zivilen israelischen Gesellschaft” ? Und die Schlussforlgerung Israelis (in der Mehrzahl wohl Juden) seien deshalb alle Vergewaltiger (naja, bei 20% vergewaltigen Frauen muss man ja von grossen Zahlen ausgehen), weil sie ja ihre Macht schon durch die “Besatzung” gelernt haben ? Nein, warum sollte das denn antisemitisch sein ? Nein, antisemitisch ist zum einen grundsätzlich rechts und zum anderen in Deutschland verpönt. Folglich kann in Deutschland nichts antisemitisches veröffentlicht werden und wenn doch, dann ist es unwichtig, weil Vorurteile ja ohnehin niemanden kümmern müssen.

  10. libero
    15.11.2006 | 18:20

    @llarian
    Die antisemitischen Deutschen werden durch diesen Artikel auch nicht antisemitischer. Selbst wenn alle Israelis engelsgleich wären, hätte das nicht den geringsten Einfluß auf Antisemiten.

    Die nicht antisemitischen Deutschen lesen in diesem Artikel, daß auch Israelis keine Engel, sondern fehlbare Menschen sind. Das sie Machos sind, was bei Südländern nun wirklich nichts neues ist.

    Die Deutschen die anders reagieren werden, weil sie zum Beispiel Fremdenfeindlich sind reagieren bei Artikeln über Türken, Araber, Italiener, Polen, Russen genauso.

  11. der gute don
    15.11.2006 | 18:26

    @Llarian

    danke, Du hast mir die Augen geöffnet, jetzt wird mir klar wie antisemitisch der Artikel ist und ich -durch das “Nichterkennen” desselbigen- natürlich auch bin.

    Was kann ich tun um das abzustellen?

  12. libero
    15.11.2006 | 18:27

    @llarian

    erwartest du, daß in Deutschland es 0 % Antisemiten oder wenigstens nur Antisemiten gäbe, die nur passiv wären. Das ist leider sehr unrealistisch, trotz des Holocausts. Das Rassisten und Antisemiten meschugge sind, weiß ich auch. Falls du eine Impfung gegen diese Geisteshaltung weisst, teile sie mit.

    Man machte zu lange den Fehler, Nazis gleich Antisemiten zu setzen. Das war natürlich falsch. Diese Haltung ist in fast jeder politischen Partei zu finden. Auch, wenn auch seltener, bei den Liberalen

  13. 15.11.2006 | 20:19

    @Libero

    Ess tut mir ja fast leid, das sagen zu müssen, aber hier hast du Recht.

  14. libero
    15.11.2006 | 20:28

    @Rayson
    Ja leider. Solche Denkeinstellungen zu vermeiden, setzt ein Ausmaß an sozialen Miteinander voraus, daß wir nicht mehr haben.

    Aber selbst dann

    Was sollst du machen, wenn ein pubertierender Jugendlicher sich von seinem Elternhaus absondert, sich ganz anders als seine Geschwister entwickelt und Zugang zu diesen Gruppen findet. Da kannst due argumentieren, bis dir der Mund fusselig ist. Wenn du Glück hast, beginnen Jahre später die Selbstheilungskräfte und es war nur eine Form von geistiger Infektion.

    Dummerweise ersetzen diese Gruppen Menschen vieles, was sie von der Familie nicht bekommen. Zugehörigkeit, die sie für Geborgenheit und Anerkennung halten. Dabei zählen nur die Alphatiere, nicht das lenkbare Fußvolk. Aber sie sind glücklich, halten es dafür, weil sie jemand ernst nimmt. Glauben sie.

    Gut, man kann argumentieren, gib ihnen das, was sie brauchen, mit, also Bildung, die Fähigkeit, in einer Partnerschaft glücklich zu werden, und einen Beruf, der sie ausfühlt und anspornt.

    Dann vielleicht

  15. libero
    15.11.2006 | 20:40

    Ergänzung

    Durch den morgenrötlichen, der dort, natürlich negativ zitiert wurde, fand ich ein Forum dieser Herren. Es ging um das Thema Menschenrassen. Logo. Einige verstehen es da sehr gut, ihre Argumente ein seriöses Äußere zu geben. Sie dozieren. Wie soll einer, der geistig nicht so gewandt ist, erkennen, daß es eine wissenschaftlicher Scharlatan ist. Gefährlich sind diese Leitwölfe.

  16. Llarian
    15.11.2006 | 20:50

    Der Antisemitismus, den wir heute erleben, kommt eher seltener von Nazis, weil Nazis in dieser Gesellschaft ziemlich marginalisiert sind und in den Medien nahezu kein Gewicht haben. Es sind nicht die Nazis, die dafür sorgen, dass in Deutschland mehr Leute Israel als Gefahr für den Weltfrieden sehen als den Durchgeknallten aus Teheran. Sie sind es allenfalls indirekt, weil sie natürlich ein prima Feigenblatt für die sind, die ihn tatsächlich in Menge verbreiten, zum Beispiel eben die Medien wie hier an einem besonders widerlichen Beispiel die Süddeutsche.
    Ob Jugendliche jetzt zu den Nazis abdriften oder zur rotlakierten Fraktion des selben Denkweise, ist sicher ein Thema, aber passt hier nur sehr entfernt. Was hier von Claudio Casula aufgegriffen wird ist der alltägliche Antisemitismus, der in unsere Gesellschaft wie ein Krebsgeschwür gewachsen ist. Der Mehrheiten hat. Der von ebensolchen Mehrheiten negiert oder als unwichtig abgetan wird, egal ob wieder jüdische Friedhöfe geschändet werden, ob in Stadien Lieder von Bahnstrecken nach Ausschwitz gesungen werden oder ob eben das Schwenken einer Israelflagge einen Angriff auf Leib und Leben provoziert. Antisemitismus ist schon lange nicht mehr braun, er ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
    In der Tat glaube ich auch, dass Antisemiten durch solche Artikel nicht antisemitischer werden, allenfalls werden sie in ihrer Haltung bestärkt. Das Gift schleicht in der Form, dass die Positionen von Antisemiten gesellschaftsfähig geworden sind. Das ist auch nichts was man damit abstellen könnte, indem man Nazis oder Jugendliche aus diesen angelehnten Bereichen, mehr Perspektiven bietet, was an sich nicht schlecht ist, aber hier nicht hift. Das schlimme ist, dass antisemitische Denkmuster und Argumente längst in der Mitte der Gesellschaft zu finden sind, vom Facharbeiter bis zum Universitätsprofessor. Und das ist bei weitem schlimmer als eine Bande von kahlköpfigen Trotteln, die glauben, sie wären was besonderes, weil sie sich blonde Haare abrasiert haben.

  17. 15.11.2006 | 20:59

    Antisemitismus ist schon lange nicht mehr braun, er ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

    Letzten Endes wäre es ja auch ein Rätsel, wieso der deutsche bzw. europäische Antisemitismus mit Kriegsende so plötzlich verschwunden sein sollte.
    Ich vermute deshalb, da ist nichts in der Mitte “angekommen”, da ist etwas in der Mitte, das da schon seit Jahrhunderten wuchert, mal mehr mal weniger stark, mal mehr, mal weniger offenherzig.

  18. Libero
    15.11.2006 | 23:36

    @llarian

    wie auch bei Herrn Morgenrote hat der Artikel bei mir keine antisemitische Reaktion ausgelöst. Mir ist klar, daß eine Gesellschaft, in der das Militär eine große Rolle spielen muß, besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Ebenso ist mir klar, daß mit einer Einwanderung aus dem Orient und Russland auch andere gesellschaftliche Vorstellungen importiert werden.

    Wer nach Lektüre dieses Artikels Israelis etwas anhängt, liest Artikel, um Vorurteile zu bestätigen. Vorurteile gegen Menschen bestehen in fast allen Staaten. Manchmal sind es kulturelle Mißverständnisse, so zwischen Amerikaner und Deutschen. Oft muß man das mißverständliche Verhalten nur erklärt bekommen. Das wird im Englischunterricht versäumt. Aber es gibt ja http://usaerklaert.wordpress.com/
    Ich kenne nur wenige Menschen, die unanfechtbar und frei von Vorurteilen sind.

    Artikel so zu lesen, daß sie Vorurteile bestätigen, ist keineswegs ein Privileg von Nazis, Antisemiten und Menschen, die von anderen für Antisemiten gehalten werden.

    Diese Eigenschaft haben auch Menschen, die jeden Anlaß suchen, andere Menschen für Antisemiten zu halten.

    Ich denke eher, diese Menschen haben Vorurteile, die sie nicht nur gegenüber Israelis empfinden. Auch gegenüber Menschen anderen Nationen, z.B. Afrikaner oder gegenüber Menschen mit Handikap, z.B. Behinderte. Menschen, die solche Vorurteile auf sich ziehen, habe ich in meiner Familie.

    Die gewaltätigen Reaktionen auf eine Flagge kenne ich als Reaktionen auf Menschen in meiner Begleitung.

  19. Llarian
    16.11.2006 | 18:00

    Letzten Endes wäre es ja auch ein Rätsel, wieso der deutsche bzw. europäische Antisemitismus mit Kriegsende so plötzlich verschwunden sein sollte.

    Naja, Erklärungen gäbe es dafür schon einige. Ich kenne noch einige Fernsehausschnitte von Menschenmengen, die nach dem Krieg nach Ausschwitz zum Besichtigen gefahren wurden. Auf der Hinfahrt herschte da noch ziemlich gute Feiertagslaune, das sah auf der Rückfahrt anders aus. Auch das konsequente Wiederholen im Geschichtsunterricht oder in der Glotze sollte eigentlich eine Menge gefruchtet haben. Und irgendwie bilde ich mir auf ein, dass das früher nicht so schlimm war, aber das mag auf meinen begrenzten Erfahrungshorizont zurückgehen. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, dass man in den 80er Jahren von Bombenlegern als Freiheitskämpfern schwadroniert hätte oder dass man ohne Konsequenzen die Fahnen von Terroristen schwenken konnte.
    Ich kann nicht sagen, wer letzten Endes recht hat (also ob es immer da war, oder erst wieder neu erfunden wird), in der Konsequenz ist es aber wohl ziemlich egal. Antisemitismus ist wieder problemlos gesellschaftsfähig geworden. Und nach meinem Dafürhalten wird es schlimmer werden.

  20. 17.11.2006 | 18:50

    Nun ja, als Rothbardianer bin ich gegen JEDE Armee ich lehne das Prinzip auf dem Militär beruht grundsätzlich ab. Ich glaube auch nicht, daß_alles_was in dem Bericht steht, frei erfunden ist und ob man immer gleich Antisemitismus-Alarm geben muß, da bin ich auch ehher zur Zurückhaltung geneigt. ABER: Dieses SZ-typische, selbstgerechte Die-Backen-aufblasen und Mit-dem-Finger-Zeigen ist mir schon suspekt (zumal man weiß, daß an den Zwischenfällen an der Levante nicht die Israelis alleine schuld waren, sondern es offenbar von deutscher Seite Provokationen gegeben hat). Gerade in einer Zeit, in der sich häßliche Züge auch bei unserer schnuckligen, kleinen, bislang so biederen “Bürger-in-Uniform”-Heilsarmee herausmendeln, die zeigen, daß auch unsere Jungs keine allzuweiße Weste haben und man von Vergewaltigungen, Mißhandlungen und ganze Aktenberge füllenden Beschwerden beim Wehrbeauftragten wegen Quälereien und Erniedrigungen bei der Bundeswehr schon so einiges hat hören und lesen müssen. Also ein gewisser Hautgout bleibt bei dieser selektiven Wahrnehmung fraglos zurück.

Bad Behavior has blocked 1045 access attempts in the last 7 days.