Wahl(computer)geheimnis

Wer die Vorgänge um den Einsatz von Wahlcomputern in Holland verfolgt hat, wird sicher auch von der Affäre um das »Abhören« der SDU-Geräte gehört haben. Mit einem geeigneten Scanner konnte man praktisch die Stimmabgabe der Wähler kontrollieren. Nun stellt sich heraus, dass auch die Geräte des Konkurrenten Nedap gescannt werden können. Der Informationsdienst heise.de schreibt:

Genauso wie die SDU-Wahlcomputer sollen die Nedap-Geräte jedoch – wenn auch aufgrund eines weniger starken Signals nur in einem Umkreis von fünf Metern – mithilfe geeigneter Scanner auf Abstand ausgelesen werden können und damit das Wahlgeheimnis, wie es im niederländischen Grundgesetz verankert ist, aushebeln.

Warum ist das wichtig? Nedap will diese Geräte auch hier in Deutschland flächendeckend zum Einsatz bringen. Bei der OB-Wahl in Cottbus wurden sie schon getestet. Momentan will Holland die Nedap-Wahlcomputer noch einsetzen, aber wenn jemand mit einem geeineten Scanner nachweist, dass man sie auch aus größerer Entfernung auslesen kann, dann wird das hoffentlich noch gekippt.

Im Artikel 38 des Grundgesetzes heißt es:

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.

Zumindest die geheime Wahl sehe ich durch Wahlmaschinen als gefährdet an. Ob die Wahl noch frei und gleich wäre, mag man angesichts der Manipulationsmöglichkeiten bezweifeln. Verstöße gegen das Wahlrecht werden jedenfalls eher von »Innentätern« oder »Innenmittätern« als von Außenstehenden begangen. Und Wahlmaschinen machen es ihnen deutlich leichter!


Unsere Serie wird in dieser Woche fortgesetzt. Bisher haben 18.461 Bürger die Petition gegen Wahlcomputer unterschrieben.


Was wir bisher zu diesem Thema geschrieben haben:
MartinM über die Petition gegen Wahlcomputer (am 28. Oktober).
Stefanolix über die Begriffe Wahlcomputer und Wahlmaschine (am 29. Oktober).

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3 Kommentare zu “Wahl(computer)geheimnis”

  1. 1.11.2006 | 20:32

    [...] Ehre wem Ehre gebührt: Die hier verwendeten Informationen wurden weitgehend einem Interview zwischen Markus Beckedahl und dem CCC-Aktivist Andreas Bogk entnommen. Das Interview ist hier verfügbar. Im Moment gibt es bei dem Thema einige interessante Entwicklungen, die ebenfalls auf netzpolitik.org dargestellt werden. Unsere Serie wird in dieser Woche fortgesetzt. Bisher haben 20.147 Bürger die Petition gegen Wahlcomputer unterschrieben. Was wir bisher zu diesem Thema geschrieben haben: MartinM über die Petition gegen Wahlcomputer (am 28. Oktober). Stefanolix über die Begriffe Wahlcomputer und Wahlmaschine (am 29. Oktober) und das Wahl(computer)geheimnis (am 31. Oktober). [...]

  2. 1.11.2006 | 22:17

    Ich finde es erschreckend wie technikgläubig viele Leute sind, die so etwas wie Wahl-PCs unterstützen.

    Die haben wohl noch nie an einem Windows-Rechner gesessen um zu wissen, wie buggy das ganze sein kann.

  3. 8.11.2006 | 13:52

    [...] MartinM über die Petition gegen Wahlcomputer (am 28. Oktober) und Wahlmaschinen mit Macken (am 4. November). Stefanolix über die Begriffe Wahlcomputer und Wahlmaschine (am 29. Oktober) und das Wahl(computer)geheimnis (am 31. Oktober). Dirk Meister über Wahlcomputer: Sicherheitsmerkmale und -lücken (am 1. November) Rayson über den Nutzen von Wahlcomputern (am 6. November) [...]

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