30. Oktober 2006
Eine Schule für alle?
Sicher auch, weil durch die Geburt meiner Tochter das Thema näher an mich heranrückt, denke ich inzwischen häufiger über die deutsche Bildungslandschaft nach.
Als jemand, der bis zum Abitur in Schulen gelernt hat, die mit den im Westen weitgehend unbekannten Kürzeln POS und EOS bezeichnet wurden, ist die Trennung des deutschen Schulsystems in verschiedene Schularten, in die Schüler zu einem frühen Zeitpunkt einsortiert werden, bis heute fremd geblieben.
Ich halte eine solche Regelung für nicht liberal zu begründen.
Entweder, man überlässt das Schulsystem komplett der Privatinitiative.
Oder man muss die Einheitsschule schaffen.
Einheitsschule bedeutet, dass alle Schüler bis zu dem Zeitpunkt gemeinsam lernen, an dem sich die Wege hinsichtlich des zukünftigen Berufsweges trennen müssen.
Und es erkläre mir keiner, dass ein Schüler der vierten Klasse eine feste Vorstellung über sein zukünftiges Berufsleben haben müsse.
Einheitsschule bedeutet, dass das, was in der Wirtschaft Wettbewerb ist und in der Schule das Miteinander- und Aneinander-Lernen (was Wettbewerb in der Form einschließt, dass man sich am Besseren messen kann), ohne künstliche Schranken geschehen kann.
So, wie Liberale Nischen für Unternehmen mit staatlichem Schutz vor Wettbewerb ablehnen, sollten sie auch Bildungsnischen ablehnen, in die Kinder frühzeitig einsortiert und dadurch aus dem gemeinsamen Wettbewerb um Bildung herausgenommen werden.
Die Forderung nach mehr “Durchlässigkeit” der Schulformen reicht da nicht aus. Sie ist ebenso wenig liberal wie die Forderung, Handelsschranken flexibler oder Subventionen intelligenter zu gestalten. Nein, Bildungs- wie Handelsschranken gehören grundsätzlich abgeschafft!
Dass sich Lehrer der höheren Schulen davor grausen könnten, zukünftig ein breiteres Spektrum an Schülern bedienen können zu müssen, sollte als Gegenargument ebenfalls nicht gelten. Die Schule ist für die Schüler da und nicht für die Lehrer. Wer als Lehrer nicht mit der Vielfalt der Kinder unserer Gesellschaft umgehen kann, hat den Beruf sicher verfehlt.
Die liberale Forderung sollte meiner Meinung nach also sein:
Eine Schule für alle Schüler, bis zur Abiturreife oder bis zur Lehre.
Verfasst von Boche um 15:49 Uhr in der Kategorie Bildungspolitik, Innenpolitik, Politik (Trackback)
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