Moralischer Bankrott

David Harnasch hat sich die Mühe gemacht, einen Artikel des gedruckten Spiegel auszugsweise in seinem Blog zu zitieren.
Es geht um den UN-Menschenrechtsrat.

UN-Menschenrechtsrat? War das nicht der, der Israel stante pede für Verletzung des Menschenrechts verurteilte, als es sich militärisch gegen die angreifende Hisbollah wandte?
Im Vergleich sind die Massenmorde im Sudan und Folter im Iran oder Usbekistan natürlich vernachlässigenswert.

Die UNO ist dafür verantwortlich, dass der Begriff der Menschenrechte vergewaltigt wird. Die UNO ist damit moralisch bankrott.

Mein Vorschlag: Betrachten wir die UNO fürderhin lediglich als existierende und daher zu nutzende Plattform für Verhandlungen.
Entziehen wir ihr aber jegliche moralische Definitionshoheit.
Unterwerfen wir uns ihrem Diktat nur, wenn es uns zum Vorteil gereicht oder von uns unterstützte Prinzipien auf eine Weise verfolgt werden, die wir für richtig halten.

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5 Kommentare zu “Moralischer Bankrott”

  1. Zodac
    24.10.2006 | 10:57

    Ich kann mich Harnaschs Buchempfehlung (Die UN-Gang von Pedro. A. Sanjuan) nur anschließen. Ein lesenswerter Schmöker, welcher den doch etwas naiven Glauben an diese Institution beschädigt.

  2. Spruance
    24.10.2006 | 11:17

    Ich habe nie recht begreifen können, warum ausgerechnet die UNO hierzulande so ein Prestige besitzt. Beste Vermutung: Indem wir sie so aufwerten verschaffen wir uns die beruhigende Gewissheit, daß schließlich “etwas getan” wird, und das auch noch moralisch legitimiert – auch wenn es noch so ein ineffektiver Scheiß ist.

  3. 24.10.2006 | 11:57

    @Spruance

    Ich vermute, dass die Beliebtheit der UNO auch auf einen den Deutschen eigenen Internationalismus zurückzuführen sein könnte.
    Ein Internationalismus, der sich einerseits aus linken Traditionen speist und andererseits vielleicht eine allgemeine Reaktion der Deutschen auf ihr desaströses Scheitern mit dem Experiment Nationalismus darstellt.
    Die UNO erscheint da vielen wohl als eine die nationalen Grenzen (und auch die nationale Verantwortung) vergessen machende Patentlösung.

  4. 24.10.2006 | 23:41

    Dass die Einrichtung des Menschenrechtsrats nicht gelungen ist – eher misslungen bis jetzt – macht also die ganze UNO/UNESCO/UNHCF/FAO etc. etc. zunichte?

  5. 25.10.2006 | 9:47

    Erst einmal finde ich die Bezeichnung “misslungen” nicht ganz dem Umstand angemessen, dass einige der schlimmsten Menschenrechtsverbrecher über Menschenrechte urteile sollen.

    Dann gibt es ja auch noch andere Indizien. Ein Mugabe, der zur FAO-Feier als Redner eingeladen wird, während sein Volk dank seiner Diktatur hungert.
    Oder ein UNICEF-Preis für Chavez, unter dem politisch Missliebige verschwinden oder gleich umkommen.

    Ganz grundsätzlich kann man aber auch konstatieren, dass sich die UNO für mehr als eine Verhandlungsplattform nicht wirklich eignen kann.
    Sitzen in ihr doch Diktatoren und Demokraten gleichberechtigt Seit an Seit. Was soll Gutes herauskommen, wenn ich mit einer Bande von Verbrechern über hehre Ziele abstimme?

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