22. Oktober 2006
Lupenreine Demokratie
Der lupenreine Demokrat Gerhard Schröder, der sogar sein politisches Ende nicht durch Rücktritt, sondern durch eine demokratische Wahl einleitete, veröffentlicht bekanntlich gerade seine Memoiren. Vielleicht wird er sein Buch eines Tages auch noch neben dem lupenreinen Demokraten Putin in die Luft halten. In solchen Momenten denke ich, dass wir es hier doch nicht so schlecht haben: immerhin dürfen wir noch unsere Meinung sagen und uns in Interessengruppen organisieren.
In Russland sieht das etwas anders aus. Dort geht es gerade den NGOs an den Kragen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins SPIEGEL wurde im Zuge der stalinistischen putinistischen Zwangsmaßnahmen auch der Leiter der FDP-nahen Naumann-Stiftung aus Russland ausgewiesen. Die russischen Behörden haben der Naumann-Stiftung keine neue Lizenz erteilt und Falk Bomsdorf erhielt kein neues Visum mehr. Da stellt man sich doch die Frage: was war an der Naumann-Stiftung so gefährlich, dass die russische Regierung auf diese Weise reagieren musste? Oder: was ist das für ein Land, in dem man als ausländische NGO noch nicht einmal gemäßigt liberal-demokratische Werte vertreten darf?
Was wüssten wir ohne NGOs über die Zustände in Tschetschenien, über die Brutalität in der russischen Armee und über die Umweltskandale in den abgelegenen Gebieten Russlands?
Im Moskauer Justizministerium gibt es nun eine eigene Abteilung für die »Verwaltung, Organisation und Kontrolle« von NGOs. Das muss man sich auch zweimal durchlesen, um es in seiner ganzen Tragweite zu erfassen. Aber wozu braucht Russland überhaupt NGOs, wenn sich der Präsident schon persönlich um die genaue Zusammensetzung der Opposition kümmert?
Verfasst von stefanolix um 21:05 Uhr in der Kategorie International, Politik (Trackback)
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