20. Oktober 2006
“nation building” zwischen Anspruch und Wirklichkeit
(…) Zum Thema “nation building”: Das halte ich für ein ganz dummes (sorry!) und inhaltsleeres Buzzword. Nationen werden nicht von außen errichtet, sondern entstehen durch kulturelle, religiöse, gesellschaftliche und politische Kohärenz der Einwohner. Großbritannien etwa hat in Afrika und im Nahen und Mittleren Osten lange Zeit “nation building” betrieben. Am Beispiel des Iraks kann man zur Zeit sehr schön sehen, was mit solchen Staaten dann passieren kann (nicht muss): Sie brechen auseinander, wenn die vereinigende Klammer (ein Diktator, ein gemeinsamer Feind, …) wegfällt.
Aus meiner Sicht gehört “nation building” nicht zu den Aufgaben der internationalen Gemeinschaft. (…)
schrieb Martin Eisenhardt in der Diskussion über Streubomben.
Aus dem Umstand, dass ich Bundeswehr und “nation building” immer zusammendenke, folgt noch nicht, dass ich “nation building” für sinnvoll, erstrebenswert und durchführbar halte. Dass dieser Begriff inhaltsleer ist, bestreite ich allerdings. Dahinter steht tatsächlich ein Konzept. Dieses geht davon aus, dass ein Staat von außen aufgebaut werden kann, um es mal sehr verkürzt zu sagen.
Ich halte es für sehr bezeichnend, dass es zu diesem Begriff Wikipedia-Einträge in genau vier Sprachen gibt: Englisch, Norwegisch, Esperanto und – Deutsch.
Ich habe in den letzten Monaten keine Diskussion erlebt, in der der Begriff nicht fiel und in der das damit verbundene Vorgehen zumindest von einigen nicht vehement verteidigt wurde. Demnach würde ich es nicht als inhaltsleeres Buzzword bezeichnen.
Verfasst von Marian Wirth um 15:28 Uhr in der Kategorie International, Sprache (Trackback)
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