Freimütigkeit von Freiheit bedroht!

Der Titel klingt absurd? Das finde ich auch. Aber gleichzeitig spiegelt dies gut die Absurdität wider, die in manchen christlichen Köpfen zu herrschen scheint und Meinungsäußerungen wie diese nach sich zieht:

Die Verführung durch Wohlstand, Liberalismus und Pluralismus sei ein größeres Hindernis für ein freimütiges Glaubensbekenntnis als die Verfolgung durch staatliche Gewalt

(Quelle)

Nebenbei: “Hindernis”? Ist das nicht etwas, was man beiseite räumt oder überwindet? Sollten wir die zitierten Evangelischen besser dem Verfassungsschutz melden?

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9 Kommentare zu “Freimütigkeit von Freiheit bedroht!”

  1. 18.10.2006 | 13:13

    @Boche: Lies das mal unter der Maxime einer strikten Trennung von Staat und Kirche. Die beiden Begriffe Pluralismus und Liberalismus sind ganz sicher nicht politisch gemeint, sondern es geht um die Auswirkungen gesellschaftlicher Entwicklungen auf die Entwicklung der Kirche und der einzelnen Christen.

    Zu den Hindernissen: Den Begriff “überwinden” gibt es in diesem Zusammenhang wirklich. Aber damit ist nicht gemeint, dass unsere pluralistische Demokratie überwunden werden soll, sondern das ist ein innerer Prozess der Weiterentwicklung und Stärkung des Glaubens.

    Natürlich können gläubige Christen in Bezug auf die Religion nicht zuerst pluralistisch denken, denn sie bekennen sich ja zu einer Religion. Das muss sie aber nicht daran hindern, mit den Mitgliedern der anderen Religionen ein friedliches Zusammenleben anzustreben. Also lass den Verfassungsschutz besser aus dem Spiel ;-)

  2. 18.10.2006 | 13:19

    @stefanolix

    Den Verfassungsschutz lasse ich als Liberaler sowieso gern aus dem Spiel. ;-)

    Deine Deutung verstehe ich aber nicht so ganz. In wieweit ist denn die Freiheit, glauben zu können, was man möchte (und den Wohlstand zu genießen, Zeit zu haben, sich darüber Gedanken zu machen) ein Hindernis für das “freimütige Glaubensbekenntnis”?

    Ich kann mir vorstellen, dass aus Sicht der besagten Evangelischen die Freiheit dazu verführt, das aus ihrer Sicht falsche zu glauben.
    Aber die Freiheit zu Glaubensbekenntnissen selbst wird doch nicht eingeschränkt.

  3. 18.10.2006 | 13:19

    Oh, wie abstrus!
    Der Titel des Artikels ist ohne jeden Bezug zur Realität: “Christenverfolgung in Deutschland?”.

    Wenn Kritik (ob berechtigt oder unberechtigt) an der christilichen Kirche und auch an der christilichen Religion geäußert wird, ist das noch keine Christenverfolgung. Unfassbar.

  4. 18.10.2006 | 13:25

    @dirk

    Ich vermute, dass diese Bekenntnis-Leute irgendeine christliche Sekte darstellen und entsprechend etwas abstrus-alarmistisch die Werbetrommel rühren.

  5. 18.10.2006 | 13:39

    @Dirk: Die “Verfolgung” bezieht sich wohl eher auf die Bedrohung, die Christen aus einem entsprechend ausgelegten Islam drohen könnte (bzw. in einigen Ländern beklemmende Realität ist).

    @Boche: Aus Sicht strenggläubiger Christen sind die “Versuchungen” durch eine liberale und pluralistische Welt immer eine Gefahr für die Stabilität des Glaubens. Der Christ muss gegen diese Versuchungen ankämpfen. Das bezieht sich aber alles auf einen inneren Konflikt, ähnlich wie bei anderen moralischen Konflikten (z.B. der innere Konflikt um die Treue in einer festen Partnerschaft: da ist die Versuchung in einer freien Gesellschaft auch viel größer als die Versuchung in einer sehr beengten Gesellschaft). Man muss das Zitat in diesem Zusammenhang verstehen.

    PS: Den Rest der Diskussion müssten wir leider am (späten) Abend führen, ich muss heute noch ein Manuskript fertigbekommen …

  6. 18.10.2006 | 13:42

    @stefanolix

    Ich verstehe, was du meinst, vermute aber, dass die Zitierten den Konflikt nicht innen sondern außen sehen. Darauf weist zumindest der Zusammenhang (Titel des Beitrags und Verweis auf Gefahr durch den Islam) hin.

  7. Parker8
    18.10.2006 | 14:52

    Aus Sicht strenggläubiger Christen sind die “Versuchungen” durch eine liberale und pluralistische Welt immer eine Gefahr für die Stabilität des Glaubens. Der Christ muss gegen diese Versuchungen ankämpfen. Das bezieht sich aber alles auf einen inneren Konflikt, ähnlich wie bei anderen moralischen Konflikten

    Das ist eine ziemlich genaue Wiedergabe der Charakterisierung, die Moslems oft dem Wort Dschihad beilegen, wenn sie es gegen den Terrorismus-Vorwurf meinen verteidigen zu müssen. Das wäre eine interessante Parallele.

  8. 18.10.2006 | 15:55

    Diese Erklärung ist in ihrer Kürze nicht geeignet, zwei so unterschiedliche Dinge wie die Bedrohung durch militante Islamisten und die Beeinflussung durch die liberale/pluralistische Gesellschaft zu behandeln. Wir wissen nicht, wie diese Verknappung zustandegekommen ist, aber sie muss natürlich zu Missverständnissen führen. Der zweite Teil (ab: “Der Vorsitzende …”) hat nach meinem Verständnis mit dem ersten Teil (ab: “Als Bedrohung …”) nichts weiter zu tun.

  9. 18.10.2006 | 16:01

    @stefanolix

    Dies wäre eine mögliche Erklärung, ja.

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