Friedensnobelpreis für den Kapitalismus

Ok, die Überschrift ist etwas überspitzt.
Aber dass eine Institution den Friedensnobelpreis erhält, die Armut dadurch bekämpft, dass sie Armen mit Hilfe marktwirtschaftlicher Mittel (Kredite) wohlstandsschaffendes wirtschaftliches Handeln ermöglicht, ist irgendwie auch ein Punktsieg für den Kapitalismus. Oder?

Jedenfalls finde ich es besser, konkrete und handfeste Helfer zu würdigen als Almosensammler für ihre Gutmenschlichkeit zu ehren.
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UPDATE:
Hier und hier (dank an den Kommentator Matt Jenny) gibt es auch Kritik an der Grameen-Bank, die nachdenklich stimmt.

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15 Kommentare zu “Friedensnobelpreis für den Kapitalismus”

  1. 13.10.2006 | 12:17

    Unabhängig davon bietet die Entscheidung eine Möglichkeit den Kapitalismus besser zu verstehen. Was ist Kapital, wozu ist es wichtig, wie wirkt es und warum ist es gut für den Wohlstand? Welche Rolle spielen Eigentumsrechte?

    Und vor allem ist es eine Enscthediung für Verbesserung “von unten”. Die Bürger, die Individuuen, helfen sich selber anstatt auf große Lösungen durch die Weltpolitik zu warten.

    Eine sympathische Entscheidung.

  2. 13.10.2006 | 12:41

    Ich glaube, du tust Bono zumindst zum Teil Unrecht.
    Ich erinnere mich daran, dass das Buch “Ende der Armut” deine Sicht zur Entwicklungshilfe etwas erweitert hat. Bone schrieb bekanntlich das Vorwort dazu und arbeitet auch sonst mit Jeffrey Sachs zusammen.
    Es gibt defintiv schlimmere als Bono. Spontan fallen mir die Leute von Attac ein.

    Ansonsten hast du vollkommen Recht. Es ist wohl wirklich ein Punktsieg. Schön wäre es, wenn die Massenmedien dies auch so darstellen würden.

  3. 13.10.2006 | 12:44

    @Dirk

    Ein Vorwort in einem guten Buch ist aber nicht Grund genug, den Nobelpreis zu erhalten, oder?
    ;-)

  4. 13.10.2006 | 12:45

    Es hat eine überraschend sinnvolle Institution getroffen. Aber wenn man sich das Schicksal bisheriger Friedensnobelpreisträger so anschaut, scheint auf der Auszeichnung auch so eine Art Fluch zu liegen. Ich hoffe mal, der trifft die nicht.

  5. 13.10.2006 | 13:14

    @Boche: Das habe ich auch nicht gemeint. Aber “Almosensammler” ist doch etwas “polemisch vereinfacht”. ;-)

  6. 13.10.2006 | 13:17

    @Dirk

    “Almosensammler” ist doch etwas “polemisch vereinfacht”.

    Ich habe einen Ruf zu verteidigen! ;-)

  7. 13.10.2006 | 15:11

    @ Rayson: Schade eigentlich, dass es so ein Preisträger geworden ist. Ich hatte schon Popcorn geholt, in Erwartungs des Gegeifers über den aktuellen Preisträger in den Blogs der üblichen Verdächtigen.
    ;-)

    Ich meine nicht dieses hier.

  8. 13.10.2006 | 18:01

    Ja, es scheint wirklich ein Fluch auf dem Friedensnobelpreis zu liegen.
    Letztes Jahr erhielt z. B. die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)in Wien und ihr Direktor Mohamed El Baradei den Preis für ihren Einsatz gegen die Verbreitung von Atomwaffen. Im Moment kann man gerade in Nordkorea bewundern, was passiert, wenn die IAEA-Kontrolleure hochkant ´rausgeworfen werden (wenig bis nichts) und was passiert, wenn die lästigen Kontrolleure erst mal weg sind. Was nichts daran ändert, dass die IAEA sich wirklich um den Frieden verdient macht. Sie könnte es aber besser mit “robusten Mandat”.

  9. 13.10.2006 | 19:01

    Punktsieg für den Kapitalismus? So wie ich das bei SpOn lese, war Kapitalismus auch die Ursache, die Herrn Yunus dazu brachte sich was zu überlegen:

    Eine Korbflechterin baute Stühle und Hocker. Doch die Weiden dafür konnte sie nicht bezahlen – diese musste sie sich von einem Händler besorgen, der dafür später ihre Produkte vertrieb. Den Großteil des Gewinns sackte er ein.

    (Und die Binse verkneife ich mir jetzt. :-)

  10. 14.10.2006 | 20:37
  11. 16.10.2006 | 9:09

    @marcc

    Yunus hat bewiesen, dass die Lösung der Probleme, die man dem Kapitalismus zuzuschreiben geneigt ist, in ihm selbst liegen kann.

  12. 16.10.2006 | 9:59

    @Matt

    Die Zwangsmaßnahme der sozialen Kontrolle durch eine Kreditnehmergemeinschaft würde ich nicht als solche sehen – funktioniert nicht jede Aktiengesellschaft mit solchen “Zwangsmaßnahmen”?

    Den Umstand der geforderten Paradengesänge finde ich dann allerdings doch irritierend.

    Hast du Quellen zu weiteren Hinweisen auf den Sektencharakter der Grameen-Bank?

  13. 16.10.2006 | 14:38

    Dieser Link, den Du ja oben bereits ergänzt hast, geht detaillierter darauf ein. Ansonsten kann man sich auf der Website der Grameen Bank direkt über die “16 Decisions” und das credit delivery system informieren.

    Zu den Zwangsmassnahmen: Diese werden dadurch bestärkt, dass die Grameen Bank für ihre Kunden der einzige Ausweg darstellt. Dies ist ja grundsätzlich nichts schlimmes. Wenn die Grameen Bank jedoch von der “internationalen Gemeinschaft” massiv subventioniert wird, könnte man sich fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, direkt bei der Ursache der Armut anzusetzen. Denn bei der Regierung liegt noch immer sehr viel im argen. Oder in anderen Worten: Die bangladeschische Bevölkerung wird von der Regieurng arm gehalten, während sie von der Grameen Bank, mit westlicher Unterstützung, geformt wird. Das mag paranoid klingen, die Erfahrung zeigt aber, dass Kontrolle von oben viele ungewollte Nebenwirkungen produziert und sich somit die arme Bevölkerung selber von unten entwickeln muss. Dies kann natürlich auch mit Hilfe von aussen passieren. Dabei muss aber sichergestellt werden, dass die Grenze zwischen “Hilfe zur Selbsthilfe” und einem autoritären Paternalismus nicht überschritten wird.

  14. 16.10.2006 | 15:02

    Die “16 decisions” erscheinen mir irgendwie wie die schriftliche Niederlegung des protestantischen Arbeitsethos. Vielleicht ist es ja eine kulturelle Entsprechung solcher Arbeits- und Lebensmoral?
    Und deren Verkündigung ist ja nicht wirklich kritikwürdig, kritikwürdig wäre es m.E. nur, wenn die Einhaltung dieser Maßgaben in freiheitsbeschneidender Weise durchgesetzt würde.

    Dass die Regierung Bangladeshs versagt, kann man der Grameen-Bank vielleicht nicht vorwerfen. Auch nicht, dass sie die einzige Institution zu sein scheint, die das Mittel der Mikrokredite anwendet.
    Aber der Umstand, dass es keine weiteren Anbieter in diesem Bereich gibt, wäre tatsächlich verdächtig.

  15. R.A.
    16.10.2006 | 17:48

    Einige Methoden der Grameen-Bank sind wirklich merkwürdig oder kommen uns so vor.

    Und die können auch langfristig zu Risiken und Kollektivismus führen, da hat Matt schon recht.

    Aber die Maßnahmen scheinen nötig und sinnvoll zu sein, um den Leuten weiterzuhelfen, und bessere Alternativen fallen mir auch nicht ein.

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