Demokratische Interessensvertretung

Was der FDP die Apotheker sind, sind den Grünen die Ökobauern. Die müssen in Zukunft anscheinend mit weniger Steuergeld auskommen als bisher. Und das bringt die Verteidiger der Umwelt natürlich auf die Palme.

Schuld daran ist die Verhandlungsführung von Bundeskanzlerin Merkel bei der finanziellen Vorausschau der EU, dank der Deutschland jährlich fast 700 Millionen Euro weniger für die ländliche Entwicklung und somit auch für die Förderung des Öko-Landbaus zur Verfügung stehen. Anstatt nun die fehlenden Gelder für die 2. Säule über eine Aufstockung der Mittel für die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) auszugleichen, kürzte die Bundesregierung in 2006 diesen Haushaltsposten um 50 Mio. Euro.

(Quelle)

Auf Deutsch: Die Grünen jammern darüber, dass die deutsche Regierung aus dem absurd aufgeblähten EU-Agrarhaushalt nicht mehr für ihre eigene, grüne Klientel herausgeholt hat und dies nicht durch nationales Steuergeldveruntreuung ausgleicht.

Aber gut – man kann der Ansicht sein, dass genau dies Aufgabe einer Partei im heutigen Parlamentarismus ist: Aus dem zwangsweise eingetriebenen Geld der Bürger ein möglichst großes Kuchenstück für diejenigen heraus zu schneiden, deren wirtschaftliche Interessen man vertritt.
Auch wenn schlichtere Gemüter heute noch zu meinen scheinen, etwas “für die Umwelt” zu tun, wenn sie die Partei wählen, die sich mit der Farbe des Chlorophylls schmückt. Quasi eine moderne, “demokratische” Form des Voodoo, Wahlzettel-Voodoo für Naturliebhaber und Weltuntergangsverängstigte …

Richtig verlogen werden die Ökos aber ein paar Absätze weiter unten. Da wagen sie es tatsächlich, die angebliche oder tatsächliche – was tuts zur Sache? – Begünstigung einer anderen Lobby-Gruppe unter Rückgriff auf den “Verbraucherwillen” zu attackieren:

Es ist eine klare Missachtung des Verbraucherwillens, wenn Gelder vermehrt in die Forschung zur grünen Gentechnik fließen, obwohl nach wie vor 70 % der Konsumenten diese Technik ablehnen, und Forschungsgelder für den Ökolandbau im gleichen Zug vermindert werden.

Statt dem Verbraucher tatsächlich die freie Wahl seiner Kaufentscheidung zu lassen, wird ihm das Geld abgenommen und im Kampf von Lobbyvereinen wie den Grünen an die jeweilige Klientel verteilt.
Mit dem Willen des Verbrauchers haben die Grünen nichts am Hut. Sie sind schlicht genauso verlogene Heuchler im Spiel der schwarzen, roten und (wollte man es leugnen?) gelben Verteiler des vom Bürger erpressten Schutzgeldes namens “Steuer”.
Das Spiel nennen sie übrigens Demokratie.

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10 Kommentare zu “Demokratische Interessensvertretung”

  1. R.A.
    12.10.2006 | 16:55

    Du hast ja völlig recht, auch mit dem kritischen Seitenhieb auf die FDP.

    Aber:
    “Was der FDP die Apotheker sind, sind den Grünen die Ökobauern.”
    ist doch ziemlich übertrieben – selbst die fragwürdigsten FDP-Vertreter fordern nicht, die Apotheker mit Steuermilliarden zu subventionieren.

  2. 12.10.2006 | 16:58

    Mir ging es mehr ums Grundsätzliche als um Schattierungen oder Einstufungen in “besonders verteilungswütig” oder “weniger verteilungswütig”.

    So soll z.B. nach FDP-Willen mit Steuer- bzw. Abgabenmillionen ja weiter bestimmtes Fernsehen subventioniert werden.

  3. 12.10.2006 | 17:00

    Aber du hast natürlich Recht, dass der Vergleich zu Beginn meines Beitrags etwas schief ist.

  4. 12.10.2006 | 17:56

    Was mich (als Ex-Grüner, wenn auch lange her) wundert: woher wissen die bloß oß immer “was der Verbraucher will”? Aus Umfragen usw. ist lediglich ein großen Interesse der meisten Verbraucher an gesunden, nicht mit Rückständen aus Pflanzenschutzmittel und ähnlichem belasteten Lebensmitteln abzulesen. Gegen bestimmte Formen der Tierhaltung und für einen “umweltgerechten” Landbau bekommt man sicherlich auch eine “breite Front” zusammen. Die zitierten 70% Gegner der “grünen Gentechnik” beruhen auf Angaben von Greenpeace, wobei die Fragestellungen und die vorab gegebenen “Informationen” deutlich suggestiv sind. (Abgesehen davon ist “grüne Gentechnik” nicht gleich “grüne Gentechnik”. Ich bin übrigens Skeptiker hinsichtlich dieser Technologie.) Der Forschungsbedarf für den weitgehend etablierten Ökolandbau dürfte eher gering sein – und für solche Projekte wie die anthroposophische “Forschung” zum biologisch-dynamischen Landbau ist meiner Ansicht nach jeder Cent aus Steuermitteln zu Schade: Ökologische Agrarforschung braucht keinen Aberglauben.
    Nichts gegen Naturmystik und ein wenig praktizierte Magie gehört ja zur bäuerlichen Tradition, aber wenn “astralischen Kräfte des Rindermistes bei der Vergärung aus dem Mist herausgetrieben werden” ist das Rindermist auf amerikanisch (”Bullshit”).

  5. R.A.
    12.10.2006 | 17:57

    @Boche:
    > So soll z.B. nach
    > FDP-Willen mit
    > Steuer- bzw.
    > Abgabenmillionen
    > ja weiter
    > bestimmtes
    > Fernsehen
    > subventioniert
    > werden.
    Jammer, gemein, gleich das nächste peinliche Beispiel, immer auf Schlimme …

    Und der Gipfel ist ja: Ausgerechnet die FDP will dafür noch eine neue Steuer erfinden!

  6. 13.10.2006 | 1:37

    “Und der Gipfel ist ja: Ausgerechnet die FDP will dafür noch eine neue Steuer erfinden!”

    Ich verstehe den Schmerz. Einer Steuer muß man allerdings (die derzeitigen Bedingungen als gegeben vorausgesetzt) lassen, daß sie wenigstens konsequent wäre.

  7. 13.10.2006 | 1:39

    Aber ich glaube, das führt eigentlich vom Thema weg.

  8. 13.10.2006 | 12:19

    …die Grünen wissen nicht was der Verbraucher will, sondern sie wissen was ihre Wähler wollen. Und ihre Wähler wollen, was der Verbraucher gefälligst zu wollen hat. Da ist es egal, was der Verbraucher unter Berücksichtigung seiner Präferenzen und seines Haushaltsbudgets im Alltag tatsächlich will. Was der will, kann man wohl sehr leicht am Umsatzanteil der Öko-Branche am Lebensmitteleinzelhandel ablesen: Das waren 2005 ganze 3 %.

  9. 13.10.2006 | 12:21
  10. 13.10.2006 | 20:35

    3%? Das heißt, nicht mal alle “Grün”-Wähler essen konsequent “Öko” ;) – Ich bezweifle übrigens, dass die Förderung von Esoterik-Landbau selbst innerhalb der “Grünen” auch nur annähernd mehrheitsfähig ist – wenn hinreichend viele wüßten, was sich hinter der schicken Bezeichnung “biologisch-dynamisch auf antroposophischer Grundlage” verbirgt. Die Antrophosophen haben schlechte Argumente, aber eine gute und diskrete Lobby.

    Es lebe die Intransparenz! ;)

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