30. September 2006
Disziplin: Das alte neue Wundermittel der Erziehung
In dem Feuilleton-Artikel “Weniger Disziplin bitte!” in der Online-Ausgabe der Zeit wird der “neueste Katastrophenmanager” des deutschen Bildungssystems Bernhard Bueb kritisiert. Der ehemaliger Leiter einer Internatsschule fordert eine strenge Disziplin in Schule.
Bueb fordert »Strenge, Härte, Disziplin«. Mehr noch: »die vorbehaltlose Anerkennung von Autorität und Disziplin«. Denn: »Erziehung bedeutet immer Führung.« Und: »Wer führt, erwartet Gefolgschaft.« Natürlich will auch er nur das Beste für unsere Kinder: »Die Fürsorge gebietet manchmal Disziplin ohne Debatte.«
In dem Artikel wird ein Zusammenhang dieser “Pädagogik” und den Ideologien der NPD hergestellt. Ein Zusammenhang, der gar nicht so weit hergeholt scheint, wenn man dies liest:
Wenn er [Bueb] schreibt: »Die Nationalsozialisten waren Meister der Gemeinschaftserziehung, das darf man nicht verschweigen.« Oder wenn er sagt: »Gehorsam verlor in den letzten vierzig Jahren jedes Ansehen in der Pädagogik, aber nicht in der Armee.« Und man bekommt mehr als eine Ahnung, wofür er seine Schüler fit machen will, wenn er feststellt: »Soziale Tugenden, die Menschen für Extremsituationen qualifizieren, wie sie der Krieg mit sich bringt, bedürfen der Übung wie andere Tugenden auch.«
Der Zeit-Autor sieht den “Salto mortale in die Erziehungsprinzipien der fünfziger Jahre” als einen Ausdruck einer “wachsenden Demokratiemüdigkeit”
Ob Eva Hermans Selbsterniedrigungsprogramm, Udo di Fabios Ruf nach einer neuen, alten Bürgerlichkeit oder Dr. Buebs Salto mortale in die Erziehungsprinzipien der fünfziger Jahre, sie alle machen Vorschläge für eine Welt, die es nicht mehr gibt und nie mehr geben wird.
So exterm wie von Dr. Bueb gefordert, findet es wohl keinen Rückhalt in der Bevölkerung (hoffe ich zumindest). Aber große Teile der Bevölkerung wünschen sich doch dass die alten deutschen Tugenden in der Schule wieder eine stärkere Rolle spielen sollen. Dies kann man an der Wiedereinführung von Kopfnoten in NRW (verbunden mit anderen Maßnahmen, die Lehrern mehr Mittel zur Disziplinierung geben) und den Zustimmungsquoten unter Eltern und Lehrern dazu erkennen.
Es soll zumindest einige Probleme des Bildungssystems lösen und (da sie auch auf den Abgangszeugnissen stehen) unwillige Schüler disziplieren und für die ruhigen Schüler einen Bonus bei Bewerbungen in der Wirtschaft bieten. Die offenen Fragen sind allerdings, ob Kopfnoten schulunwilligen Schülern einen wirksamen Anreiz bieten, nicht zu stören.
Verfasst von dirkmeister um 09:53 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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