Geschäftsschädigung

Eigentlich verdiene ich mein Geld ja damit, Unternehmen zu beraten. Aber da, wo es eklatant wird, braucht man nicht so zu tun, als verfüge man über eine Art Geheimwissen. Und für die Großen braucht man eh bestimmte Namen.

So dürfte die Erhöhung der Gehälter von Siemens-Vorständen um 30 Prozent eine Wirkung entfachen, angesichts derer man sich auch noch 10 Jahre Hochglanzprospekte und Unternehmensgrundsätze hätte sparen könnnen.

Ganz einfach, weil die Mitarbeiter die Leistung dahinter nicht erkennen können. Auch allen anderen dürfte das schwerfallen.

Nun ist es das Recht jedes Eigentümers, seine Manager wie auch immer zu entlohnen. Allerdings gibt es da – wie überraschenderweise überall – schlaue und dumme Wege. Dumme Wege erkannt man übrigens an der Notwendigkeit von Imagekampagnen.

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11 Kommentare zu “Geschäftsschädigung”

  1. 27.09.2006 | 9:23

    Es ist schon eigenartig wie Otto-Normal-Verbraucher denkt. Eigentlich wird Kleinfeld ja gerade dafür bezahlt, dass er durch die Umstrukturierung das Unternehmen (und den damit verbundenen Personalabbau) wieder auf Erfolgskurs bringt. Hier liegt also überhaupt kein Widerspruch vor. Immerhin wird Kleinfeld ja von seinen Aktionären und nicht von den Siemens-Angestellten für eine durch die Aktionäre finanzierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme finanziert. Man könnte jetzt an Kleinfelds Nächstenliebe appelieren und von ihm erwarten, seine Gehaltserhöung an die entlassenen Siemens-Mitarbeiter auszuzahlen. Mit der gleichen Logik aber müsste man dann fordern, dass alle anderen Deutschen, die in irgendeiner Art und Weise von der Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Siemens profitieren (Aktionäre und Konsumenten), den daraus gezogenen Gewinn an die betroffenen rückvergüten. Vor allem die polternden Politiker und Funktionäre, die sich aus dem Skandal vor allem Publicity erhoffen, denken nicht im Traum daran, einen eigenen Beitrag zur Abfederung der sozialen Härten der Siemens-Umstrukturierung zu leisten.

  2. 27.09.2006 | 9:28

    Kleinfeld wird vor allem dafür bezahlt, ein Unternehmen zu führen. Da muss er, so lange er sich keine anderen basteln kann, nun einmal mit den Mitarbeitern und den Kunden leben, die ihm das Leben so bietet. Für alles andere gibt es Wirtschaftssimulationen am PC.

  3. 27.09.2006 | 10:13

    Rayson, Kleinfeld wird von seinen Aktionären für deren Dividenden bezahlt und gedulded und nicht für PR-Aktionen. Es mag sein, dass sein Verhalten nicht bei allen ankommt. Kleinfeld kann auch einen besser bezahlten Job woanders annehmen, um diese unseelige Debatte in Zukunft zu vermeiden. Vielleicht findet sich ja irgendein selbstloser Manager der seinen Job macht. Wenn nicht, dann muß Siemens einen zweitklassigen Mann beschäftigen. Darüber werden sich dann die Siemens-Mitarbeiter langfristig besonders freuen, wenn er aus lauter Nächstenliebe Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und bald nichts mehr finanziert. Die Kleinfelds werden in diesem Lande wohl auch weiterhin nach dem Stakeholder-Value-Konzept herumdümpeln müssen. Nur darf man sich dann nicht wundern, wenn Kapitalanleger ins Ausland gehen und Konsumenten ihre “Binnennachfrage” lieber für billigere Produkte aus Übersee ausgeben. Ich wünschte mir manch einer würde mal eine lehrreiche Wirtschaftssimulation am PC machen, um etwas mehr Einblick in die Konsequenzen unwirtschaftlicher Unternehmensführung zu bekommen. Wenn ich mich deinen bissigen Bemerkungen anschließen darf, dann frage ich mich, warum Unternehmen sich von Leuten wie dir beraten lassen, wo sie doch ihre Betriebsräte haben.

  4. 27.09.2006 | 10:32

    @SteffenH

    Es mag vielleicht verblüffen (und das ist dann gleich meine erste unentgeltliche Beratungsleistung für dich), aber Dividenden entstehen weder durch Powerpoint-Folien noch durch Restrukturierungen. Die meisten Unternehmen brauchen dazu Produkte, Kunden und Mitarbeiter.

    Und wenn diese vermaledeiten Menschen, die dem Geschäft immer noch im Weg stehen, sich partout von dir nicht erzählen lassen wollen, was für ein toller Typ dieser Kleinfeld doch ist und dass er jeden Tausender wert ist, den er in einer Handvoll Stunden verdient, dann hat so ein Unternehmen, das sich mit ihnen noch abgeben muss und nicht zum Glück der Vorstände inzwischen rein virtuell wurde, ein Problem. Darüber kann man jammern und schimpfen, aber ab und an hilft es auch, mit dem zu umzugehen, was ist, statt mit dem, was sein sollte.

    Man nennt das Anpassung an Umweltbedingungen. Umgekehrt ist es sehr, sehr schwierig. Der letzte Versuch ist vor ca. 15 Jahren gründlich in die Hose gegangen.

    Ach übrigens: Vergiss bitte nicht, mir Bescheid zu sagen, wenn der erste deutsche Manager von einem US-Unternehmen abgeworben wurde, weil er in Deutschland unterbezahlt war. Ich bin da altmodisch: Wenn etwas als Begründung dient, sollte es in der Realität doch schon irgendwann mal sichtbar geworden sein. Wie sagte doch ein ehemaliger indischer Kollege: “Seeing is believing”.

  5. 27.09.2006 | 11:07

    …und manche Unternehmen brauchen dazu weniger Produkte, andere Kunden und weniger Mitarbeiter.

    Ich habe übrigens nie eine Lanze für Kleinfeld gebrochen, sondern dafür, dass der Verzicht Kleinfelds auf seine Gehaltserhöhung sinnvollerweise keinen einzigen Arbeitsplatz gerettet hätte, weil er die auch ohne Bonus auf die Straße setzen würde. Und wenn nicht, wem wäre da langfristig geholfen. Falls du den Masterplan in der Tasche hast, kannst du dich ja auf seinen Job bewerben.

    Entlassungen und Gehaltserhöhungen von Managern haben, außer unserer verkorksten Moralvorstellungen, nichts miteinander zu tun und ich bin der Meinung, dass Kleinfeld nicht gieriger als alle anderen ist, die von den Kostenreduzierungen profitieren (wenn sie denn eintreten und gleichzeitig die Erlösseite stimmt). Aber vielleicht liegen hierin ja auch unsere Differenzen bezüglich liberalen Denkens. Ich halte nichts von dieser vergifteten Atmosphäre in diesem Lande, die sich vor allem in Neiddebatten ergeht. Mir ist Kleinfeld egal. Wenn der sich unverdiente Kohle genehmigt, dann ist es das Geld seiner Aktionäre, nicht das der Belegschaft. Die hat irgendwann mal den Arbeitsverträgen mit allem Drum und Dran zugestimmt. Und da stand sicherlich nichts von Mitspracherecht bei der Managervergütung und Schutz vor betriebsbedingter Kündigung drin.

  6. R.A.
    27.09.2006 | 11:17

    Ihr habt natürlich beide irgendwo recht ;-)

    Es wäre auf jeden Fall geschickter gewesen, wenn Kleinfeld und Kollegen nicht 4 Jahre Nullrunden gedreht hätten, um sich dann satte 30% abzuholen.
    Jedes Jahr 7% hätte ihnen mehr gebracht und keiner hätte gemeckert …

    Wobei m. W. der Siemens-Vorstand immer noch deutlich weniger kriegt als Kollegen bei vergleichbaren Unternehmen.

    Woraus man aber auch schließen kann, diese Kollegen wären noch krasser überbezahlt.
    Und da hat Rayson mein Lieblingsargument schon gebracht: Vom “Arbeitsmarkt” her gesehen gibt es keinerlei Anzeichen, daß man die Vorstände besser bezahlen müßte.
    Selbst bei deutlich niedrigerem Niveau wäre der Abstand zu den nächsten Führungsebenen immer noch so deutlich, daß
    man Vorstände beliebig unter guten Bewerbern rekrutieren könnte und auch keine Abwerbegefahr bestünde.

    Da sind wir dann also wieder beim Thema Aufsichtsräte und Filz …

  7. 27.09.2006 | 11:26

    @SteffenH

    Du scheinst den Kern meiner Kritik nicht zu verstehen. Sie ist eine rein betriebswirtschaftliche und keine normative.

    Richtig: Sein Job ist es, Gewinn zu machen. Dazu braucht er aber Kunden und Mitarbeiter. Wenn seine Gehaltserhöhungsaktion jetzt dazu führt, dass Mitarbeiter demotiviert werden (und bei Siemens gehört wirklich nicht mehr viel dazu nach der die geistige Windstille nur unzureichend verdeckenden operativen Hektik, die da ausgebrochen ist) und Kunden abwandern, dann schädigt das direkt die Aktionäre und er hat einen schlechten Job gemacht. Denn, jetzt kommt die nächste verblüffende Botschaft: Durch Personalabbau kann man kein Geld verdienen. Dazu braucht’s dann schon noch derer, die übrig geblieben sind. Und eigentlich noch viel mehr als vorher.

    Wer selbst in der Führungsverantwortung steht oder mal stand, weiß, dass es nicht genügt, vollständig davon überzeugt zu sein, dass man selbst im Recht ist. Man muss das auch überzeugend kommunizieren können. Wer damit nicht umgehen kann, im Wirtschaftsleben von Menschen abhängig zu sein, die frecherweise zum großen Teil alles keine liberalen Ökonomen sind, der sollte sich vielleicht doch lieber weiter am PC vergnügen.

  8. 27.09.2006 | 12:08

    Offenbar vergnügen wir beide uns am PC ;-) . Ich verstehe auch deinen Denkansatz sehr gut. Aber der basiert auf einer faulen Logik, die irgendwie zwischen Marx Arbeitswertlehre und Auffassung von Ökonomie als Nullsummenspiel pendelt. Das ist keine Kritik an dir, du durchschaust das, sondern mein Ärger an dieser Bigoterie der öffentlichen Debatte. Wie also soll man es kommunizieren, dass Nullrunden, Entlassungen und Gehaltserhöhungen in einem Unternehmen zur selben Zeit kein zwangsläufiger Widerspruch sind?

  9. 27.09.2006 | 14:01

    Am besten gefiel mir der Kommentar: „Ich habe von unserer eigenen Personalabteilung stets gelernt, dass nur Verweise auf eigene Leistungen das Gehalt rechtfertigen.“
    :-D

    Wenn mit Abwanderungssorgen argumentiert wird, würde ich diese Herren doch einfach mal ziehen lassen. Ich glaube der Brain-Drain hält sich in Grenzen. Denn meines Wissens arbeitet ein deutscher Manager bei einem Top-Unternehmen in den USA.

    Und generell habe ich was gegen Nachhol-Argumente. Nur weil ich beim letzten “Wer will Kuchen” nicht wollte, bekomme ich jetzt nicht zwei Stücke. Meiner Meinung nach muss man da regelmäßig am Ball bleiben, wenn man mehr will. Macht halt Arbeit.

    Ansonsten ist es natürlich Sache der Aktionäre, wieviel ihre Manager bekommen sollen. Wenn man damit unzufrieden ist, dürfte man eigentlich nicht für eine AG arbeiten.

    Wobei R.A. ein paar Blogeinträge vorher auch eingeschränkten Möglichkeiten auf Aktionärsversammlungen beschrieben hat.

  10. R.A.
    27.09.2006 | 14:02

    @SteffenH:
    Wenn es nur um das Kommunizieren ginge, habe ich eine Möglichkeit schon genannt: Mehrere kleine Erhöhungen schaden dem Image weniger als ein Klotz.

    Die andere Frage ist aber: Hätte es der Firma Siemens geschadet, wenn der Vorstand nur 3% mehr bekommen hätte?
    Hätte die Gefahr bestanden, daß Kleinfeld und Co. von der Konkurrenz mit höheren Gehältern abgeworben werden?
    Oder wäre der Vorstand frustriert in die inneren Kündigung gegangen?

    Ich sehe da keine Gefahr.

    Die beste Lösung wäre also gewesen, auf die Erhöhung zu verzichten. Dann wäre der Firma am besten gedient (auch mit einem noch etwas höheren Gewinn) und kein Kommunikationsschaden wäre entstanden.

  11. 29.09.2006 | 18:24

    BenQ macht für Siemens die Drecksarbeit…

    Das war jedenfalls mein Gedanke, als ich von der Insolvenz von BenQ hörte. BenQ hatte ja erst vor kurzem von Siemens die Handysparte übernommen. Bei SPIEGEL ONLINE gibt es dazu den passenden Kommentar BenQ macht für Siemens den Drecksjob…

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