24. September 2006
Der Teufel fährt Rolls-Royce
Da hatte ich doch allen Ernstes gedacht, für die FDP sei ich möglicherweise (zumindest ökonomisch) zu “links” eingestellt, zu sehr auf sozialen Ausgleich bedacht und zu wenig ein Befürworter kapitalistischer Strukturen und Vorgehensweisen. Als ich gestern Nachmittag zum ersten Mal eine JuLi-Veranstaltung auf Kreisebene besuchte, habe ich mir daher vorsorglich mein “Enjoy Capitalism”-T-Shirt angezogen, um nicht unangenehm aufzufallen.
Doch was ich dort feststellen musste, hat mich ehrlich überrascht: Zumindest für die Jungen Liberalen bin ich nämlich ein viel zu knallharter Wirtschaftsliberaler. Am Anfang fühlte ich mich ja sehr wohl, auch die ersten programmatischen Entscheidungen konnte ich gut mittragen. Aber dann kam der letzte Antrag, und dieser hat mich wirklich überrascht. Die Jungen Liberalen Rhein-Erft, so forderte dieser Antrag, sollten die Erhöhung von Vorstandsgehältern verurteilen, wenn gleichzeitig Arbeitsplätze im entsprechenden Unternehmen abgebaut werden. Die folgende Diskussion brachte unerwartete Vokabeln zutage: Sowohl der “Neoliberalismus” als auch die “Heuschrecken” spielten eine Rolle; ich war – gelinde gesagt – überrascht.
Mein Einwand, dass sich die Vergütungen des Vorstandes nach seinen Leistungen richten, und dass die Entlassung von Mitarbeitern durchaus eine kaufmännisch richtige Entscheidung sein kann, wurde mit Verweis auf die Sozialbindung des Eigentums beiseite gewischt. Und schließlich wurde der Antrag, der auch forderte, dass JuLis und FDP insgesamt sich dieser Kritik anschließen sollen, bei einer Enthaltung (ratet mal…) einstimmig angenommen. Wer hätte so etwas bei der Jugendorganisation der FDP erwartet? Ich jedenfalls nicht.
Und während ich auf der Heimfahrt noch über diese seltsame Wendung der Ereignisse sinnierte, entdeckte ich vor mir dieses Fahrzeug (man beachte Marke und Nummernschild):
Das brachte mich nun wirklich zum Grübeln. Ob das ein Zeichen des Himmels war? Und wenn ja, was wollte er mir damit sagen? Dass ich auf dem Weg des Großkapitals, und damit auf dem Pfad des Teufels, wandle?
Verfasst von Karsten um 21:05 Uhr in der Kategorie Allgemein, Politik (Trackback)
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