5. September 2006
Bevölkerungsentwicklung in China im Zeichen der Globalisierung
Die Ein-Kind-Politik ist offenbar das China-Thema, welches im deutschsprachigen Raum die größte Faszination entfaltet. Das geht schon in der Schule los, setzt sich natürlich an der Uni fort, und es vergeht keine Woche, in der nicht ein neuer Artikel, ein neues Radio-Feature oder eine neue Fernseh-Reportage über die demographischen Entwicklungen in China erscheint. Eigentlich reicht es, eine Arbeit zu dem Thema zu kennen. Und eigentlich erübrigt es sich, dass in deutschen Politik-Foren Fragen wie diese gestellt und fleißig beantwortet werden: Ein-Kind-Politik in China, sind Sie dafür oder dagegen? und warum? (sic!).
Dass die Folgen der Ein-Kind-Politik und insbesondere das Geschlechterungleichgewicht vielleicht sogar weniger für China als vielmehr für seine Nachbarn ein Problem werden könnte, veranschaulicht dieser Artikel, den ich gerade im taz-Archiv entdeckt habe:
Reicher Mann gesucht In Vietnam hoffen Frauen aus armen Regionen, mit einer Heirat nach China ihre Familien zu unterstützen. Von Marina Mai, die tageszeitung
“Lan ist 19 Jahre alt und kann selbstständig einen Haushalt führen”, heißt es in der Anzeige im Internet. Darin lächelt ein hübsches vietnamesisches Mädchen. “Lan ist gut erzogen und wird auch ihrem Sohn eine gute Erzieherin sein.” Das Mädchen sucht einen Mann, und zwar nicht in ihrem Heimatdorf zwischen Hanoi und chinesischer Grenze, sondern in “Taiwan oder China”. Die Chancen der Vietnamesin sind wegen des Männerüberschusses in China ausgezeichnet. Der Frauenhandel aus Vietnam, Kambodscha und Birma in das Reich der Mitte blüht. Nach vietnamesischem Recht ist die Anzeige im Internet zwar ebenso illegal wie die Organisation, die sie dorthin stellte. Aber wen kümmert das schon?
(…)
[Kleine Anmerkung einer beleidigten neoliberalen Leberwurst: Im Gegensatz zu Rayson bin ich in Bezug auf die Frage: "Finden Sie das in Ordnung?" mittlerweile stocktaub. Und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich Rayson ob seiner Redudanztoleranz bedauern oder bewundern soll.]
Falls jemand noch Literaturhinweise zum Thema der demographischen Entwicklung Chinas haben möchte, bitteschön:
Ein-Kind-Politik – Überbevölkerung (China2Day)
Der größte Luxus ist das zweite Kind. Von Petra Kolonko, Frankfurter Allgemeine Zeitung
China wird immer männlicher Die Ein-Kind-Politik führt in die Sackgasse, nun wird sie langsam abgeschafft. Von Kirstin Wenk, Die Welt
Bevölkerungspolitik und demographische Entwicklung in China. Von Prof. Dr. Thomas Scharping, Universität zu Köln.
Imbalanced sex ratio in China not owed to family planning: official. Xinhua
Why China stands to grow old before it gets rich. By David Willetts, Financial Times (kostenpflichtig)
China’s Underpopulation Crisis. By Ian Bremmer, Slate
Verfasst von Marian Wirth um 09:25 Uhr in der Kategorie International, Politik (Trackback)
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