Das ist wohl der Grund

Seit Geburt meiner Tochter interessieren mich Fragen der Bildungspolitik immer mehr.
Wenn ich das hier lese (gefunden bei Alan Posener), wird mir allerdings nicht nur Angst und Bange vor den Nachhilfe-Stunden, die ich wohl zu leisten habe, wenn die Umstände gleich bleiben sollten.
Nein, ich verstehe auch Phänomene wie verbreitete sozialistisch-pessimistische Auffassungen oder linke Mehrheiten bei Wahlen besser.

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12 Kommentare zu “Das ist wohl der Grund”

  1. spruance
    25.08.2006 | 14:15

    Ja, auch wir wurden auf die Welt losgelassen (Gymnasium, 70er), ohne zu wissen, was ein Girokonto, Bausparvertrag oder gar eine Lebensversicherung ist. Von Teufelszeug wie Aktion, Anleihen usw wurden wir sorgfältig ferngehalten. Immerhin befähigte eine sorgfältige Ausbildung in Mathe, mit solchen Dingen später als Autodidakt halbwegs klarzukommen.
    Auch kannten wir unsere Unternehmer wenn wir sie sahen: Dick, schwarzer Anzug, Zigarre und so ein komischer Bowler…

  2. 25.08.2006 | 15:19

    Vielleicht tröstet es Dich etwas, daß mir Marx unter anderem dadurch vergällt wurde, daß ein Lehrer mit rotem Vollbart einst – war in den 80ern im Westen – den historisch-dialektischen Materialismus uns als reine Sachwahrheit lehrte. Hatte dann um die 15 Jahre eine schwere Marx-Blockade und fing erst durch berufliche Erfahrungen an, einiges an ihm plausibel zu finden.

    Der Text nennt übrigens bezeichnenderweise keine Quelle, wer weiß, wer den schon wieder hat schreiben lassen.

    Und, noch eins drauf von mir elendem Sozialisten: Wir hatten damals eine Projektgruppe, in der wir eine AG gründen sollten. Wir haben damals mit einem fetten Plus abgeschlossen – ‘ne Schülerzeitung haben wir gegründet, und weil ich als Chefredakteur und andere in ihren Funktionen sich so viel Mühe gab, haben einige den Hauptschulabschluß geschafft, den sie sonst nicht erhalten hätten (wenigstens noch ‘ne 4 in Arbeitslehre). Klarer Vorteil einer IGS zudem.

    Pointe: Wir haben lernen können, daß selbst im Kapitalismus Solidarität möglich ist – wenn man nur will und nicht auf Liberale hört ;-) . Meine Schülerpraktikanten, die hier durchlaufen, erzählen regelmäßig von ähnlichen Projekten. So einseitig kann’s also nicht sein … Probleme haben wir hier eher mit Konsumsucht, ohne Scheiß. Schülerpraktikanten, die keine Stunde mit irgendwas beschäftigt sein können – dann müssen sie zu ihrem i-pod greifen, weil sie’s sonst nicht aushalten. Dieses Konsum-Schema trägt mit sicherheit ungleich mehr zur allgemeinen Passivität bei als die falschen Schulbücher …

  3. 25.08.2006 | 15:57

    Nachdem Schulbücher und Lehrmethoden immer ein paar Jahre hinterher hinken, könnte deine Tochter vielleicht ja noch Glück haben.

    Wenn ich das aber mal als Anlass nehme, wie ich während meiner Schulzeit auf das Thema vorbereitet wurde, fällt das Urteil schon ein wenig zwiespältig aus. Was vor allem daran liegt, dass ich eigentlich eine gute wirtschaftliche Bildung hätte mitbekommen müssen, trug der Zweig doch “Wirtschaft” im Namen. Aber letztlich war es nur so etwas wie eine Schmallspur BWL, von der nichts hängen geblieben ist. Zur Verteidigung einer bayrischen FOS muss ich aber noch sagen, dass ich den Lehrer auch als äußerst langweilig in Erinnerung habe.

    Letztlich kann die Schule aber auch nicht alles machen. Auf den Bericht bezogen, das der Mann ein Jungunternehmer geworden ist, hat nur beiläufig etwas mit seiner Schul- und Hochschulbildung zu tun, sondern mit seiner persönlichen Fähigkeit ein Wagnis einzugehen. Menschen die so etwas haben, kann auch nicht das schlechteste Schulbuch davon abhalten.

  4. 25.08.2006 | 15:58

    Der Text nennt übrigens bezeichnenderweise keine Quelle, wer weiß, wer den schon wieder hat schreiben lassen.

    Na ja, das ist Feuilleton und keine wissenschaftliche Abhandlung.
    Der Autor steht drunter, oder?
    Und der bezieht sich, wenn ich das richtig deute, auf eine Studie (die ich leider nicht finde) dieser Organisation hier.
    Neoliberales Teufelswerk, zugegeben.

    Pointe: Wir haben lernen können, daß selbst im Kapitalismus Solidarität möglich ist

    Solidarität ist immer möglich, oder?
    Wer sich mit Umständen herausredet, tut eben genau dies: sich herausreden.

    So einseitig kann’s also nicht sein …

    Das hoffe ich auch.

    Probleme haben wir hier eher mit Konsumsucht, ohne Scheiß.

    Dieses Konsum-Schema trägt mit sicherheit ungleich mehr zur allgemeinen Passivität bei als die falschen Schulbücher …

    Sucht oder mangelnde Konzentration ist wohl ein recht altes Problem. Ich kann mich an meine Schulzeit erinnern, selbst da gab es das. Wenn auch in den DDR-Verhältnissen eben entsprechenden und heute lächerlich wirkenden Formen.
    Falsche Schulbücher und falsche Lehrer werden dadurch nicht weniger schädlich.

  5. 25.08.2006 | 16:01

    @Thomas

    Menschen die so etwas haben, kann auch nicht das schlechteste Schulbuch davon abhalten.

    Das ist wohl der Kern dessen, das Hoffnung macht. Kinder sind mehr, als das, was Lehrer aus ihnen machen (können).
    Schließlich haben mir 12 Jahre DDR-Schulbuchlektüre auch nicht dauerhaft geschadet. (Zumindest nicht so, dass ich den Schaden selbst bemerken würde. Was ja auch nichts heißen muss. ;-) )

  6. 25.08.2006 | 16:10

    Na komm, Boche, Dich hat man auch mit Marxismus-Leninismus traktiert, und aus Dir ist trotzdem was geworden. Vielleicht gerade deshalb – nichts prägt doch mehr, als Gegenstandpunkte zu Lehrern zu beziehen.

    Was mir auch eben noch einfiel, war, daß – ist wie gesagt ‘ne Weile her – gerade unsere GEW-Lehrer am meisten Wert darauf legten, daß wir Unternehmensformen und – strukturen etc. kennen lernen, und da nicht nur den Betriebsrat, und z.B. Konjukturzyklen und ähnliches in der Oberstufe in den Mittelpunkt des Gemeinschafstkundeunterrichts stellten. Hat allerdings kaum jemand verstanden – außer Birgit. Das kann – muß nicht – sogar ‘ne positive 68er-Folge sein, daß Ökonomie so hoch bewertet wurde … vielleicht ist das Problem, daß die jetzt alle in Rente sind?

  7. 25.08.2006 | 16:11

    Boche, jetzt haben wir parallel gepostet …

  8. Libero
    25.08.2006 | 17:31

    1. Schön, ich hatte auch so einen Lehrer, ich hatte auch solche Mitschüler? Und, was beweist das?

    NICHTS

    Die eifrigsten Salonkommunisten von damals sind heute erzkapitalistische Liberale. Manchmal habe ich den Eindruck, die lautesten Schreier unter den heutigen Liberalen sind alles ehemalige Linken, die ihres Glaubens beraubt, in den zweiten Glauben flüchten, und sich für ihre Jugendwirrheiten entschuldigen wollen. Ich war als Jugendlicher konservativ, ich bin es immer noch, was nicht heißt, das ich keine liberale Positionen habe. Ich sehe nur die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

    2. Herr Posener und Herr Theil bewundere ich für ihren naiven Glauben, linke Schulbücher halten irgendeinen jungen Menschen davon ab, selbst Unternehmer zu werden?

    Ich bin seit dem Studium selbständig, trotz linker und rechter Lehrer, die den Krieg erlebt haben. 20 % unserer Absolventen haben sich als Freiberufler oder als Unternehmer selbständig gemacht, wenn auch nicht immer in den Zielbranchen. Einer von ihnen ist der Falke in der Fremde, der heute Textilunternehmer ist.

    Die aktiven Jugendliche stehen immer im Widerspruch zu der älteren Generation. Wer willfährig aufnimmt, was ihm Ältere sagen, wird ohnehin nicht Unternehmer. Poseners únd Theils Nachwuchs sind wohl noch nicht im Alter der Pubertät, sonst wüßten sie das.

    3. Auf die unternehmerische Tätigkeit der Herren Posener und Theil warte ich auch vergebens. Beeeindruckt mich nicht sonderlich, was sie studierten. Mit was sollten die sich auch selbständig machen. Mit Politologie? Hää ?Wer braucht diese Leute? Wir nicht. Sie vielleicht.

    4. Vielleicht messen die Herren Posener und Theil dem Lernen eine zu hohe Bedeutung bei. So reift keine Persönlichkeit, sondern nur ein Gewächshauscharakter, mehr nicht. Wer Menschen mit Persönlichkeit will, fördert ihre Erfahrungen. Schülerfirmen mögen amerikanische Tradition sein, Schüler die schulbegleitend praktischen Erfahrungen machen, ist eine Tradition der europäischen Reformpädagogik. Möglicherweise ist die deshalb in Deutschland so wenig beliebt, weil eigenverantwortliches Denken mit einer Eigenart einhergeht, die manche Ältere erst recht nicht verkraften. Sie fördert den Widerspruch der Jugendlichen und die Forderung an die Erwachsenen, zuerst die Normen einhalten, die sie von Jugendlichen fordern.

    5. Natürlich gibt es gegenseitige Hilfe im Kapitalismus. Zwischen Menschen und auch zwischen Institutionen. Ohne die wäre eine nachhaltige wissenschaftliche und technologische Entwicklungen nicht möglich.
    Wettbewerb schliesst nicht Zusammenarbeit aus.

    6. Eine Frage zum Schluß. Wo ist der Anteil der Selbständigen und Unternehmer an der erwerbstätigen Bevölkerung höher? In Deutschland oder in den Staaten? Na, wissen Sie es?

    Self-employment: more may not be better
    http://www.dartmouth.edu/~blnchflr/papers/Swedenfinal.pdf
    Mit mehr Zeit würde ich auch Daten bis 2005 finden.

    Übrigens, um Fehlinterpretationen gleich vorzubeugen, auch in den Staaten sind die meisten Neugründungen von Selbständigen wie in Deutschland im low level business tätig. Es sind also keine hochqualifizierten Menschen, also genau die Menschen, die laut Posener von linken Lehrer erfolgreich daran gehindert werden, sich im selbständig zu machen.

    Sie kennen sicherlich
    Entrepreneurship: A Weak Link in the Welfare State
    http://swopec.hhs.se/hastef/papers/hastef0518.pdf

    Siehe Figur 1

    Die USA ist unerreicht in dem Anteil der Beschäftigten in Unternehmen, die jünger als 1 Jahr sind. Das sind aber nicht alles Unternehmer, sondern auch Mitarbeiter.

    Es ist also eher ein Keimwachstum-, denn ein Keimbildungsproblem. Die wachstums- und überlebensfähigen Keime sind außerhalb Amerikas geringer. Das sieht man auch an der anderen Größe: Percentag of adults, which owing a operation business less than 48 months. Die geringe Werte sind ein Hinweis auf eine hohe “Kindersterblichkeit” der Unternehmen. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Es kann einerseits an den externen Möglichkeiten liegen, die der Unternehmer zum Wachstum findet, zum Beispiel Kapital und Mitarbeiter. Sicherlich gibt es auch interne Gründe. Mangelhafte Eignung und Vorbereitung für die Unternehmerische Tätigkeit.

  9. 25.08.2006 | 17:38

    Boche,

    vielen Dank für den Link! Hier ein paar Hoffnungsfunken aus derselben Quelle:

    Lehrer im Blaumann – Betriebspraktika für Pädagogen (Deutschlandfunk, PISAPLUS, 25.02.2006)

    Aus der Wirtschaft ins Klassenzimmer – Seiteneinsteiger als Berufsschullehrer gefragt (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 23.03.2006)

    Lehrer im Chefsessel – Im Unternehmen lernen, was Schüler wirklich brauchen (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 14.07.2006)

  10. 25.08.2006 | 18:03

    Die in der Kolumne angesprochene wirtschaftsfeindliche Einstellung vieler Lehrer und Lehrbücher kann ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen (Gymnasium NRW 1981-90) nur bestätigen.

    Und dass die Unterrichtsmaterialien in Deutschland sich dem Thema “Globalisierung” vor allem unter dem Motto “Globalisierung ist scheiße. Weitersagen.” nähern, ist mir übel aufgestoßen, als ich nach Definitionen des Begriffes “Globalisierung” gesucht habe.

    An vorderster Front: die von Boche heiß und innig geliebte Bundeszentrale für politische Bildung. Man braucht sich nur mal die Einleitung des Hefes 280 der “Informationen zur politischen Bildung” anzuschauen (Grundzüge der Globalisierung). Dort findet sich gleich im zweiten Absatz eine 719 Worte umfassende Lobeshymne auf “attac – ein globalisierungskritisches Netzwerk”. Alles, was bei dieser kostenlosen Werbung für attac fehlt, ist das Beitrittsformular.

    Ein weiteres abschreckendes Beispiel findet sich hier: TIPPS für den Unterricht zum Schlagwort “Globalisierung”

  11. 25.08.2006 | 18:19

    Ich bin da gar nicht so anspruchsvoll. Mir würde reichen, wenn das hier verlinkte Gequatsche etwas weniger einseitig präsentiert würde. Gegenpositionen des Nachwuchses schön und gut, aber erstens rafft sich auch immer nur eine Minderheit dazu auf, und zweitens gehörte es zur Fairness, wenn diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer das Geseier für den Unsinn halten, der es ist, wenigstens auf Quellen für Gegenmeinungen hingewiesen würden.

    Für die eigene Teilnahme am Wirtschaftsleben ist ein guter, praxisnaher Mathematikunterricht übrigens die beste Vorbereitung.

  12. R. A.
    25.08.2006 | 18:56

    @Momo:
    > Wir haben lernen können, daß selbst im
    > Kapitalismus Solidarität möglich ist
    Solidarität ist NUR in einer freien Gesellschaft, also im Kapitalismus möglich.

    Im Sozialismus gibt es nur von oben verordneten Gruppendruck.

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