Der neoliberale Herr Chavez

For Venezuela, as Distaste for U.S. Grows, So Does Trade. By Simon Romero, The New York Times. (via Daniel Drezner: The Neoliberal Hugo Chavez; Hervorhebungen hinzugefügt) 

[T]he trade numbers illustrate a widening gulf between Mr. Chávez’s increasingly anti-American speeches, aimed at revving his political base, and the needs of Venezuela’s otherwise freewheeling economy.

For instance, non-oil exports to the United States climbed 116 percent in the first three months of the year, according to the National Statistics Institute. Venezuela also maintains close ties to Wall Street banks, with Morgan Stanley and Credit Suisse advising the governments of Venezuela and Argentina on their coming sale of $2 billion of bonds.

(…)

Regulatory filings show that Venezuela’s economy, which grew 9.6 percent in the first half of the year, is lifting profits for many American companies.

Most delicately, oil services companies like Halliburton, an emblem of the Venezuelan government’s distaste with American foreign policy, are at the forefront of the deepening interdependence.

There’s rhetoric and there’s business,” said an official with the United States Commerce Department who closely follows trade with Venezuela, and asked not to be identified because of the sensitivity of relations between the countries. “The Venezuelans can’t produce their oil without our equipment. It’s as simple as that.

With 10 offices and 1,000 employees in Venezuela, Halliburton recently won a contract to assist Petrozuata, a venture between Venezuela’s national oil company and ConocoPhillips, in extracting oil from fields in eastern Venezuela.

Angesichts dieser erschütternden Entwicklung kann natürlich die Kritik von links nicht ausbleiben – und wenn die Kritik von links kommt, dann darf selbstverständlich eine Vokabel nicht fehlen:

The resilient ties with the United States are too much for some of Mr. Chávez’s critics on the left, including Douglas Bravo, a former Marxist guerrilla commander who was once close to Mr. Chávez, but who has broken with him over Venezuela’s heavy reliance on energy companies from rich industrial countries.

“If you look at its speech and discourse, this is a revolutionary government,” Mr. Bravo said in a recent interview with the newspaper El Nacional. “But if you look at what it has accomplished, it is a neoliberal government.”

Wie sich das für einen Neoliberalen gehört, hat Chávez die ihm unterstehende Verwaltung per Dekret angewiesen, von Microsoft auf Linux umzustellen.  

Siehe auch Thomas P.M. Barnett: Easier to connect than disconnect.

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5 Kommentare zu “Der neoliberale Herr Chavez”

  1. SteffenH
    17.08.2006 | 9:43

    Eigenartig, dass es in Deutschland eher die Linke ist, die alles vom Großrechner bis zur öffentlichen Klobürste auf Linux umstellen will. Auf jeden Fall bin ich erleichtert, dass ich in Zukunft dem üblichen Vorwurf ein “Neoliberaler” zu sein, mit dem Verweis auf Windows XP auf meinem privaten Notebook begegnen kann. So einfach ist die Welt…

  2. 17.08.2006 | 11:43

    @SteffenH: Das stimmt so nicht. Auch im schwarzen Bayern wird in einigen Bereichen auf Landesebene Linux eingesetzt. Und als damals die Entscheidung im Bundestag anstand, ging die “Front” quer durch die Parteien.

    Schließlich sind ja auch hier zwei OpenSource-Anwender vertreten, die keineswegs zur “Linken” gehören ;-)

  3. Libero
    17.08.2006 | 13:01

    > die keineswegs zur “Linken” gehören

    Bei diesen outings und den ständigen Seitenwechsel, glaube ich davon kein Wort. Das sind nur getarnte Schläfer.

  4. 17.08.2006 | 13:11

    @SteffenH

    Ich weiß ja nicht, welchen Linken du so begegnest, aber die Einzigen, die mir bisher vorschreiben wollen, welches Betriebssystem ich zu verwenden hätte, sind diverse Anbieter von Hard- und Software.

    Du meinst also wahrscheinlich das Umstellen bei den Rechnern der öffentlichen Verwaltung und der staatlichen Bildungseinrichtungen. Da finde ich es auch verwunderlich, dass zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung (stefanolix’ Koreekturen mal so auffangend) der Einsatz für Open Source und Free Software eine linke Domäne zu sein geworden scheint. Das tut der Sache leider nicht gut, weil die MS-Lobbyisten damit antilinke Reflexe auf der bürgerlichen Seite für ihre Sache ausnutzen können, wie schon bei der Debatte um Softwarepatente erfolgreich angewendet.

    @Libero

    Alles eine Frage des Standpunktes.

  5. SteffenH
    18.08.2006 | 0:55

    Ja, anders als ihr verwechselt die Linke Open Source immer mit einem Free Lunch. Dank euch werden es aber die “MS-Lobbyisten” selbst im liberalen Lager nicht mehr lange einfach haben. Bislang hat man sich dort ja auf einen Nachtwächterstaat einigen können. Jetzt wird der Nachtwächter in Zukunft auch kontrollieren, ob Bettdecke, Laken und Schlafanzüge seiner Bürger ja nicht vom selben Hersteller sind.

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