SS-Grass: Bush ist (auch hier mal wieder) schuld!

Denn Grass hatte sein Geständnis schon damals gemacht, als er das dreckige Geschirr der rassistischen Besatzer abwusch.

Wenn hier jemand schuld ist, dass wir jahrelang schnauzbärtige, primitiv-antiamerikanische Moral gepredigt bekamen, dann damit ja wohl der Ami selbst!

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9 Kommentare zu “SS-Grass: Bush ist (auch hier mal wieder) schuld!”

  1. Libero
    15.08.2006 | 17:41

    @Boche

    Die Wertung von Grass ist, gelinde gesagt, fragwürdig.

    Falsch ist, das er das erste Mal mit Rassismus konfrontiert wurde.

    Grass war nach der Terminologie der Nazis kein Reichsdeutscher, sondern wegen seiner kaschubischen Mutter ein Volksdeutscher und das nur bedingt. Als Freiwilligen hätte ihn die SS als Mitglied nicht genommen, jedenfalls nicht in die Division Frundsberg. Die Zeiten waren nicht so, daß ein Jugendlicher das nicht zu spüren bekam. Das scheint er noch zu verdrängen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, daß er während seiner Jugendjahre keine Kriegsgefangenen und den Umgang mit ihnen zu erlebt hat.

    Woher nimmst du eigentlich die Gewissheit, daß es 1945 keine Rassisten unter den amerikanischen Soldaten gab?

  2. 15.08.2006 | 20:01

    Woher nimmst du eigentlich die Gewissheit, daß es 1945 keine Rassisten unter den amerikanischen Soldaten gab?

    Woher nimmst du die Gewissheit, dass ich dessen gewiss bin? ;-)

    Nein, im Ernst: Ich sage ja nicht, dass Grass keine Rassisten gesehen hat. Sondern dass es, gelinde gesagt, merkwürdig anmutet, dass ein im Nazireich und mit den da doch wohl vorhandenen Rassismen (gegen Juden, Zigeuner etc.) Aufgewachsener dieses Phänomen nicht gesehen haben will.

  3. 15.08.2006 | 20:02

    Es gab ohne Zweifel Rassisten unter den US-Soldaten; es wäre erstaunlich gewesen, wenn alle GIs mit Eintritt in die Army plötzlich alle entsprechenden Einstellungen und Vorurteile verloren hätten. Auch die von Grass beobachteten Vorfälle wird es wohl wirklich gegeben haben. Seltsam ist nur, dass er vorher keine Rassismus kennengelernt haben will. Meine Vermutung: die Steine, die man einem “Halbpollaken” in den Weg gelegt hat (und Grass läßt keinen Zweifel daran, dass es solche “Steine” gab), erlebte er, sowiel ich weiß, nicht als “Rassismus”. Es sah sich ja schließlich als loyaler und “rassemäßig einwandfreier” Deutscher. Den “richtigen” Rassismus der Nazi-Zeit wird er wohl – damals oder nachträglich – verdrängt haben. Nichts unübliches, haben ja viele “von all dem nichts gewußt” (weil sie nichts “wissen” wollten).

    Die US-Army wird natürlich herausbekommen haben, in welcher Einheit der Kriegsgefangen Grass vorher gedient hat – vielleicht deshalb die relativ harte Behandlung, die mir schon vorher nicht so recht zur “Flakhelferlegende” passen wollte. Aber die entsprechenden Archive fallen, soweit es sich um noch lebende Personen handelt, unter Datenschutz.

  4. Libero
    15.08.2006 | 21:23

    Mich wundert noch etwas anderes. Er wurde verwundet bei Cottbus und kam ins Lazarett nach Marienbad. Das ist fast bayrische Grenze. Im April 1945? Wie soll er das hingekommen sein. Außer er verblieb bei der Division. In Schönau, im gleichen Kreis wie Marienbad, kapitulierten die letzten Einheiten der Division Frundsberg im April 1945.

    April 1945 in Marienbad. Das ist aber sehr ungünstig.
    “Mariánské LáznÄ›”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mari%C3%A1nsk%C3%A9_L%C3%A1zn%C4%9B
    die beiden letzten links

  5. Hardy
    15.08.2006 | 23:23

    @Libero
    Wirklich äußerst seltsam, sollte man eventuell mal überprüfen.
    Die Behauptung von ihm, er hätte Rassismus erst bei den Amerikanern im Kriegsgefangenenlager kennengelernt entbehrt allerdings auch wirklich nicht einiger Komik. War er vorher blind, so das er die Judensterne nicht sehen konnte? Oder die Schilder mit den Hetzparolen? Aber eventuell litt er vorher auch an Amnesie.

  6. Libero
    16.08.2006 | 18:03

    @Hardy

    es klingt nur aus der Nachsicht unglaubwürdig.

    Langsam klingt alles ziemlich mysteriös.
    Außer diesen zwei Blättern existieren bisher keine Bestätigungen seiner Mitgliedschaft. Ehemalige der SS-Division können sich nicht an ihn erinnern. Ausgerechnet an Grass? 1966 hatte Grass die NPD und Adolf von Thadden attackiert. Dieser antwortete 1968 mit dem Artikel Kulturmaoisten. Da waren die Angehörigen dieser SS-Division 40 Jahre fitter und zahlreicher. Da soll keiner drunter gewesen sein, der sich an einen schon in jungen Jahren so markanten Menschen wie Grass erinnern konnte? Grass als Mitglied der Waffen-SS. Die NPD hätte das nicht verschwiegen, sondern auf jeden Fall benutzt. Spätestens als Willy Brandt Kanzler wurde.

    Ich vermute, das Grass für diese Division gemustert wurde oder es glaubte, auch die Grundausbildung absolvierte, aber dann mit einer der zahlreichen versprengten Einheiten, die nur noch dem Namen nach bestand, in Richtung Spremberg geschickt wurde. Möglicherweise mit Flakgeschützen, die gerade aus Dresden gegen Kriegsende zur Panzerabwehr als Pak eingesetzt wurden. Aus dem Raum Cottbus waren Anfang 1945 Panzerjäger abgezogen wurden und den SS-Panzerdivisionen standen nun mal russische Panzerdivisionen gegenüber. Das würde erklären, warum er erst statt Ladeschütze Flakhelfer angegeben hat.

  7. der gute don
    16.08.2006 | 19:25
  8. 16.08.2006 | 19:32

    In der Erregung über Grass’ Schweigen steckt der Unglaube über uns selbst. Die Bundesrepublik hat sich aus einem sehr kontaminierten Ursprung heraus entwickelt.

    Mit Verlaub: So ein Quatsch. Das eine hat mit dem anderen doch wohl wirklich nichts zu tun. Da versucht einer, das eigentliche Problem, das Verschweigen, mit der verschwiegenen Sache selbst zu vermengen und damit Grass eine Gesellschaft zu verschaffen, die es eben in der wichtigen Frage des offenen Umgangs anders gehalten hat und damit nicht die seine ist.

  9. der gute don
    16.08.2006 | 23:17

    @rayson: der Aspekt des inneren Antriebs und der scharfen Auseinandersetzung aufgrund des Verschweigens oder gerade aus diesem heraus ist für mich eine nachvollziehbare Verhaltensweise wie wir sie in dieser Generation Deutschlands noch häufiger entdecken können bzw. konnten. Diese Erkenntnis hat auch nichts mit Entschuldbarkeit oder den von Dir genannten “eigentlichen Problem” zu tun. Mit der Zeit sind mir viele paradoxe Geschichten untergekommen. Z.B. die Geschichte eines überzeugten Nazis, der aus der Kriegsgefangenschaft kam, weil er während des Krieges Kommunisten vor lebenslanger Haft in Schauprozessen bewahrt hatte. Die beiden Kommunisten hatten sich für seine Rehabilitierung eingesetzt. Der aber erst im hohen Alter und unter Tränen anfing seine jungen Jahre aufzuarbeiten. Menschen die ich einen Leben lang mit viel Kraft und Energie für ein Leben in Demokratie und Freiheit habe einstehen sehen. Zu verstehen, daß Schuld und Gewissen Antrieb in einem lebenslangen Kampf für eben diese Werte, ein Teil deutscher Geschichte sind, sollte es uns leicht machen zu verstehen und zu verzeihen. Und evtl. nicht vorschnell zu urteilen.

    So weit so gut, die letzten beiden Absätze des Artikel werden mir dann etwas zu gewagt.

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