Jüdisch-Amerikanische Weltverschwörung?

Wie SPON berichtet, gibt es einen neuen Aufreger vom amerikanischen Enthüllungsjournalisten Hersh: Israel und die USA hätten den gerade beendeten Krieg lang vorher geplant.

Ich als Laie stelle mir da die Frage, ob es nicht ganz normal ist, dass Israel die militärischen Option gegen die Hisbollah schon länger in seinen Planungen hatte. Wo doch die Agressionen seitens der Hisbollah schon einige Jahre andauern und jeder verantwortliche Stratege mit einer jederzeitigen Verschärfung rechnen musste.

Brian J. Dunn wiederum nimmt Hersh’s Argumente auseinander (Der Krieg sei eine doppelte Vorbereitung auf einen folgenden Angriff der USA gegen den Iran gewesen: Ausschalten der Reaktionsmöglichkeit Hisbollah + Testen bunkerbrechender Waffen).

Er zieht den Schluss, dass das israelische Vorgehen zu offensichtlich den den jeweils aktuellen Gegebenheiten folgte, als dass eine längere Planung plausibel erschiene (was, zugegeben, meinem Argument teilweise widerspräche).
Und dass das Argument, die Möglichkeit der Zerstörung unterirdischer Anlagen hätte getestet werden sollen, wohl Quatsch ist. Schließlich würden sich die Ziele ziemlich stark unterscheiden.

Sein Fazit:

Rather than ascribing deep reasons for this campaign, why not go with the apparent: Israel had a couple soldiers kidnapped by Hizbollah.

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17 Kommentare zu “Jüdisch-Amerikanische Weltverschwörung?”

  1. 15.08.2006 | 16:43
    1. Weltverschwörung hin, Weltverschwörung her: Es wäre naiv anzunehmen, die USA und Israel handelten unabgestimmt.
    2. Hätten die israelischen Militärs keine Pläne für ein Vorgehen gegen die Hisbollah in den Schubläden gehabt, hätte es sich bei ihnen um eine unfähige Bande gehandelt.
    3. Natürlich war die Entführung Anlass und nicht Grund.

    Soweit kann ich Hersh folgen. Weiter nicht. Zugegeben, ich bin nicht gerade ein Militärexperte, aber dass sich der Hisbollah-Feldzug wie auch immer als Muster für einen Angriff auf den Iran eignen sollte, das halte ich für extrem unwahrscheinlich. Dazu wären die Ziele zu unterschiedlich.

    Natürlich gibt es noch die Möglichkeit, dass die anonymen Zitate von Idioten in hohen Positionen stammen…

  2. 15.08.2006 | 16:46

    Einen Artikel in dieser Art wollte ich schon gestern schreiben, aber dann war mir das Thema doch ein bisschen zu abseitig. Da ich es allerdings unerträglich finde, auf den SpOn zu verweisen (bzw. – wie Brian – auf eine AFP-Meldung), wenn doch das Original kostenfrei im Netz verfügbar ist, möchte ich die Quelle hiermit ergänzen:

    WATCHING LEBANON – Washington’s interests in Israel’s war. By Seymour M. Hersh, The New Yorker

    Eine deutsche (noch abgedrehtere) Version dieser These von Hersh gibt es übrigens hier:

    Was steckt hinter dem Libanonkrieg? – Ein Versuch, den Libanon-Krieg rational zu erklären. Von Georg Meggle, Telepolis

    In folgendem Artikel wird das Thema noch im Hinblick auf die Zukunft betrachtet:

    Krieg mit dem Iran unausweichlich? Von Michael Kreutz, Transatlantic Forum

  3. 15.08.2006 | 16:49

    Danke Marian, für die Ergänzungen!

    Und @Rayson: Schön, dass wir auch mal wieder einer Meinung zu sein scheinen. ;-)

  4. 15.08.2006 | 16:53

    Okay, nachdem mein voriger Kommentar im Spam-Filter hängengeblieben oder im Nirvana verschwunden ist, kommentiere ich halt den Kommentar von Rayson, der in der Zwischenzeit hinzu gekommen ist.:

    ad 1) Militärisch haben sich die Israelis ganz sicher nicht mit den USA abgestimmt. Die Kritik aus den USA am militärischen Vorgehen der IDF war eindeutig und zwar von Anfang an. Die Einlassungen von Mr. Dunn sind da nur ein Beispiel.

    ad 2) Dass die Israelis Pläne in der Schublade hatten, glaube ich wohl. Aber dass diese Pläne irgendetwas mit der Realität zu tun hatten, glaube ich nicht.

  5. 15.08.2006 | 17:02

    Oh, da ist ja mein Kommentar doch noch aufgetaucht.

    Schön, dass wir auch mal wieder einer Meinung zu sein scheinen.

    Ja, das scheint mir auch so zu sein. Warum ich dezidiert anderer Meinung bin und warum das ganz, ganz sicher nichts damit zu tun hat, dass ich hier der Quoten-Soze bin, muss ich dann wohl doch in einem eigenen Eintrag erläutern.

    Ich bin zwar alles andere als ein Militär-Experte (bei der Bundeswehr wollten sie mich noch nichtmal, obwohl der Vorsitzende der Musterungskommission Kriegesmann hieß), aber ich kann lesen. Und was ich bisher von Offizieren aus der Schweiz, den USA, Israel und Deutschland gelesen habe, stellt sowohl der israelischen Regierung als auch der israelischen Militärführung ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Und zwar einhellig.

  6. 15.08.2006 | 17:21

    @Marian

    Mit “abgestimmt” meine ich nicht “im Detail abgestimmt”, wie es zu Hershs These passen müsste, sondern eher in der Richtung von “Hör zu, George, wir haben die Nase voll – morgen schlagen wir los! Hast du was dagegen?”.

    Dass die Israelis stolz genug sind, ihre genauen Pläne vorher nicht den Amis zur Revision vorzulegen, davon gehe ich mal aus. Andererseits sollten sich vielleicht US-Militärs angesichts der eigenen jüngsten “Erfolge” mit Bewertungen von Anderen vielleicht auch eher zurückhalten…

  7. Libero
    15.08.2006 | 17:29

    @Rayson
    die bunkerbrechenden Waffen, die Hersh meint, sind die GBU 28 Bomben. 2005 hatte Bush eine Lieferung von 100 Bomben dieses Typs zugestimmt. Eine Teillieferung traf erst Ende Juli in Israel ein.

    Logisch, das Planung und Realität voneinander abwichen und die USA von Anfang an kritisierten. Der Einwand von Dunn ist damit nicht stichhaltig.

    Ob sich die entscheidenden Ziele so stark unterscheiden, wissen wir nicht. Wir wissen nicht, warum in Bint Jbail und anderen heftig umkämpften Orten so ein Widerstand geleistet werden konnte. Möglich, daß nur die oberirdische Infrastruktur der Hisbollah zerstört wurde.

  8. 15.08.2006 | 17:40

    @Libero

    Und? Deutschland liefert U-Boote an Israel. Welche Seemacht wollen wir attackieren?

  9. der gute don
    15.08.2006 | 18:03

    Und? Deutschland liefert U-Boote an Israel. Welche Seemacht wollen wir attackieren?

    ist das nicht eine wundervolle schwer entdeck- und sabotierbare Atomraketenabschussbasis? Weiß jetzt allerdings nicht, welcher U-Boot Typ geliefert wurde?

  10. 15.08.2006 | 18:34

    Naja, dass aus militärischer Sicht der Libanonkrieg ein Probelauf war, ist nicht von der Hand zu weisen. Immerhin wurde die eine Seite von Achmadinedschads Revolutionären Garden ausgebildet und bewaffnet, und die Seite von Washington ausgerüstet. Die Bunkersysteme und die bunkerbrechenden Bomben spielen in einem Iran-Kriegs-Szenario eine wichtige Rolle.

    Nur – und das ist der verschwörungstheoretische Unsinn: das war nicht der Grund für den Krieg. Der Grund für den Krieg sind permanenten Angriffe der Hisbollah, die Israel klar gemacht haben, dass es mit der Hisbollah-Guerilla keinen Frieden gibt.

    Klar, dass nicht der rationale Kern, sondern der verschwörungstheoretische Unsinn Schlagzeilen macht.

  11. Libero
    15.08.2006 | 18:40

    @Rayson
    zu welchem Zweck liefert die USA bunkerbrechende Bomben an Israel? Wenn man vermutet, daß ein Gegner Israels ein Bunkersystem aufgebaut hat, das man nur mit solchen Bomben zerstören kann. Solche Bunker baut man nicht von heute auf morgen und bei der heutigen Satellitentechnik schon gar unbemerkt. Ich kritisiere nicht die Lieferung an sich, sondern nur die verspätete Lieferung
    @der gute Don
    So richtig interessant sind erst die U-Boote mit Brennstoffzellenantrieb. Die sind wohl so eine Art Roter Oktober.
    @rayson
    Mit den U-Booten greift man eine Seemacht an? Die sind nicht für die bunkerbrechende Bomben geeignet. Deren Reichweite ist mit knapp 10 km nicht so hoch.

  12. Libero
    15.08.2006 | 18:52

    @Ulrich Speck
    Der aktuelle Anlaß und der Grund sind die Angriffe der Hisbollah, das ist unstrittig.
    vielleicht kommen wir zu einer Einigung, wenn wir nicht dem Begriff Kriegsgrund, sondern Kriegsziel verwenden. Da sehe ich auch eher die Argumentation von Hersh. Übereinstimmung in den Kriegszielen

    “The big question for our Air Force was how to hit a series of hard targets in Iran successfully,” the former senior intelligence official said. “Who is the closest ally of the U.S. Air Force in its planning? It’s not Congo—it’s Israel. Everybody knows that Iranian engineers have been advising Hezbollah on tunnels and underground gun emplacements. And so the Air Force went to the Israelis with some new tactics and said to them, ‘Let’s concentrate on the bombing and share what we have on Iran and what you have on Lebanon.’ ” The discussions reached the Joint Chiefs of Staff and Secretary of Defense Donald Rumsfeld, he said.

    “The Israelis told us it would be a cheap war with many benefits,” a U.S. government consultant with close ties to Israel said. “Why oppose it? We’ll be able to hunt down and bomb missiles, tunnels, and bunkers from the air. It would be a demo for Iran.”

    Erstens wundert es mich nicht und zweitens sehe ich nichts Verwerfliches in dieser Zusammenarbeit. Wenn die Hisbollah solche Bunkersysteme besitzt, sind die wahrscheinlich noch intakt.

    Dann ist der Hersh Artikel auch ein Signal, die Ziele sind nicht erreicht, die Hisbollah ist eine viel größere Gefahr, wir müssen ihr das Gefühl nehmen, in den Bunkern vor jedem Angriff sicher zu sein.

    Ich weiss nicht, was daran Verschwörung sein soll?

  13. Libero
    15.08.2006 | 19:07

    @Rayson
    Wie wäre folgende Erklärung. Die Hisbollah wußte seit 2005, daß Israel die GBU 28 Bomben erhalten sollte, aber das sie noch nicht ausgeliefert waren. Wenn Israel sie einsetzen kann, ist es mit dem Schutz der Hisbollah-Bunker vorbei.

    Wie reagiert die Hisbollah darauf?

    Sie provoziert Israel so sehr, daß es ohne die GBU 28 Bomben den Krieg beginnt. Dabei wird zwar die oberirdische Waffenlogistik der Hisbollah zerstört, aber das unterirdische Bunkersystem weitgehend bleibt intakt.

    Israel kann nicht erneut einen Krieg beginnen und der Iran ist auch erst mal aussen vor.

  14. 15.08.2006 | 19:28

    Na, da sind wir uns ja doch einig. Folgerungen und Erkenntnisse aus einem Krieg sind das eine, sein Grund das andere.

  15. Libero
    15.08.2006 | 21:53

    @Rayson
    bis auf eine Kleinigkeit.

    Ich glaube nicht, daß Hersh eine Verschwörungstheorie schildert. Ich glaube eher, das er Aussagen von Strategen der US Navy widerspiegelt, die eine andere Militärdoktrin im irregulären Krieg fordern. Der letzte Name, den er nennt, ist sehr aufschlußreich. John Arquilla von der Naval Postgraduate School/The Center on Terrorism & Irregular Warfare. (vieles free download)

    Etwas anders sieht die Konzeption der Strategen des Marine Corps für den irregulären Krieg aus.

  16. Stefan Eich
    16.08.2006 | 12:21

    Je mehr Informationen zur Verfügung stehen, scheint eine Positionierung immer unmöglicher, und nur noch zur Glaubensfrage der persönlich freien oder ideologischen Beurteilung zu werden.

    Was aber denke ich bei der Beurteilung der Waffensysteme nicht fehlen darf:
    http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2006/nr-32-vom-782006/du-munition-verseucht-unseren-planeten-fuer-45-milliarden-jahre/

  17. Libero
    16.08.2006 | 14:57

    Die Verwendung von depleted Uranium ist ein heißes Thema in der Umweltmedizin. 2006 sind schon 100, 2005 fast 300 Artikel erschienen. Es ist also mitnichten ein Randthema. Die Untersuchungen beziehen sich auch auf die Folgen bei den Soldaten und deren Familien. Diese Munition durchschlägt innerhalb von Sekundenbruchteilen einen Bunker. Für die Schädigung der Landschaften, der Organe und der Nachkommen der kontaminierten Menschen braucht sie länger.

    Ich denke, daß ist mit ein Grund, warum die Staaten solange zögerten, Israel diese Bomben zu liefern. Die Auswirkungen dieser Bomben lassen sich nicht auf den Libanon begrenzen.

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