Sieg? Niederlage? Patt?

Überall wird jetzt darüber spekuliert, wie der Waffenstillstand und die UN-Resolution zu deuten sind. Ein Sieg für die Hisbollah, die den Krieg begonnen hat? Ein Sieg für Israel, das seine verkündeten Kriegsziele (die Vernichtung der Hisbollah) nicht erreichen konnte?

Vielleicht wird man das eigentliche Ergebnis des Krieges erst in späterer Zeit feststellen können. Denn so sehr sich die Hisbollah als Verteidiger Libanons und tapferer Judenmörderverein aufspielt – ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen vergessen werden, was ihnen derlei Kraftmeierei eingebracht hat: Hunderte Tote, zerstörte Dörfer und eine kaputte Infrastruktur.

Vielleicht wird man Mörderbanden wie die Hisbollah in der arabischen Welt noch lange feiern. Aber vielleicht wird man ihnen zukünftig noch lieber von weitem zusehen und sie noch weniger gern im eigenen Land haben wollen?

Das wäre dann doch ein kleiner Sieg für Israel. Gezeigt zu haben, dass der Terror, den man militärisch nicht ganz besiegen kann, doch genug Unheil im Ursprungsland anrichtet.

Lesetipp:
Ägyptischer Außenminister lobt die Hisbollah – und macht sie sogleich veramntwortlich für die Zerstörung des Libanon

Ähnliche Beiträge


14 Kommentare zu “Sieg? Niederlage? Patt?”

  1. 14.08.2006 | 15:05

    Fast wäre ich versucht zu sagen: “Wovon träumst du nachts?” Ich halte es etwas zu viel verlangt von den Libanesen, die Schäden an ihrer Infrastruktur und ihre zivilen Opfer nicht dem anzulasten, der dafür direkt gesorgt hat.

    Ich glaube, dass Hisbollah hier nur gewinnen konnte. Vielleicht wird es ein militärischer Rückschlag, aber der Gewinn an Ansehen ist enorm. Was die Reaktion arabischer Staaten betrifft: Auch deren Regierungen stehen auf der Liste der Islamisten. Wie schon im anderen Faden gesagt: Auch sie haben kein Interesse an einem Erstarken ihrer Gegner.

  2. 14.08.2006 | 15:12

    Ich halte es etwas zu viel verlangt von den Libanesen, die Schäden an ihrer Infrastruktur und ihre zivilen Opfer nicht dem anzulasten, der dafür direkt gesorgt hat.

    Klar wird die direkte Reaktion so sein.
    Indirekt und langfristig werden sie sich aber vielleicht auch mit den Bürgern Jordaniens oder Ägyptens vergleichen und sich fragen, warum können die dort relativ sicher vor israelischen Bomben leben?
    Und bis zur Frage nach der Kosten-Nutzen-Rechnung des antiisraelischen Heroismus ist es von dort auch nicht mehr weit.

    Der gesunde menschliche Egoismus lässt sich m.E. auch mit der mörderischsten Ideologie nicht ewig unterdrücken.
    Oder, um es mit Sting zu sagen:
    I hope Arabs love their children too…

  3. Llarian
    14.08.2006 | 15:15

    Ist doch offensichtlich wer gewonnen hat. Israel hat seine Ziele nicht erreicht, seine Soldaten nicht befreit, über 100 Tote zu beklagen und hat eine weltweite antisemtische Welle erlebt, die seit dem zweiten Weltkrieg wohl erstmalig wieder so deutlich wurde.
    Die Hisbollah hat ein paar Dutzend “Märtyrer” zu befreuen (die sich jetzt ihren 72 Jungrfrauen gegenübersehen), hat ihre Geldgeber zufrieden gemacht und es geschafft die ganze Welt an der Nase herumzuführen. Sie hat eine dankbare Propagandamaschine in Stellung gebracht, den Feind eklatant geschwächt und zur Genüge bewiesen, dass die Taktik sich hinter Zivilisten zu verstecken ausgesprochen erfolgreich ist und in westlichen Ländern gut ankommt.
    Nebenbei hat sie es mit Hilfe der Franzosen geschafft ihre Existenz für die Zukunft quasi garantiert zu bekommen, was sogar noch eine deutliche Steigerung zu vorher darstellt. Der Irre aus Teheran hat es erfolgreich geschafft ein paar Wochen länger an seiner Bombe zu bauen und die Israelis werden ihn jetzt nicht mehr stoppen.
    Nun, ich würde sagen, es ist offensichtlich wer gewonnen hat. Man kann es deutlich daran ablesen wer in diesen Tagen fröhlich grient.

  4. 14.08.2006 | 15:17

    Die pessimistiche Deutung aus israelischer Sicht, rückt dieser Kommentar der TIMES zurecht:
    http://www.timesonline.co.uk/article/0,,6-2311756,00.html

  5. 14.08.2006 | 15:24

    @Llarian

    Mit meinem Beitrag hat dein Kommentar aber nicht allzu viel zu tun, oder?

    @marriex

    Ein guter Artikel! Ich bezweifle zwar etwas, dass die dort erwähnte Rolle der UNO so entscheidend sein wird. Aber vielleicht täusche ich mich ja.

  6. Llarian
    14.08.2006 | 15:44

    @Boche:
    Findest Du ? Du stellst doch die Frage nach Sieg, Niederlage oder Patt, ich gebe eine Antwort. Wenn Du allerdings nur auf die Frage hinauswolltest wie die normalen Libanesen mit dem Krieg umgehen werden, dann hätte ich das Thema wirklich verfehlt (kann ich mit leben :) ). Allerdings würde ich dann Raysons Frage unterstreichen: Wovon träumst Du nachts ?

  7. 14.08.2006 | 15:47

    Allerdings würde ich dann Raysons Frage unterstreichen: Wovon träumst Du nachts ?

    Auf diesem Eingehen auf meine Position bestehe ich. ;-)

  8. 14.08.2006 | 16:03

    Frieden von jetzt auf gleich?!…

    Heute morgen trat die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah in Kraft. Über den Konfilkt wird und wurde viel geschrieben.Ich stelle mir die Situation heute morgen absurd vor. In der Nacht hat man sich noch schwerste Gefechte geliefert und plötz…

  9. der gute don
    14.08.2006 | 17:55

    rofl @marriex und @boche, es gibt nichts schön zu reden, Totalverlust auf allen Seiten.

    1. Imageverlust und Antizionismus in lang nicht mehr gesehenen Ausmaß und damit Verlust zahlreicher Unterstützer

    2. Sieg auf ganzer Linie für die Hisbollah wie @Llarian es treffend zusammengefasst hat.

    Dieser Times Artikel ist ja nun sowas von lächerlich.

    1. Die paar getöteten Hisbollah Kämpfer können dank der Opfer Libanons die nächsten 10 Jahre jederzeit beliebig gefüllt werden.

    2. Eine §6 Resolution. Ich pass auf das ich nicht loskichere.

    3. Der Libanon schickt Soldaten in den Süden. Ja Wahnsinn. Das wird das Problem sicher lösen und wäre ohne diesen Krieg bestimmt nie möglich gewesen.

    Kopfschüttelnd schließe ich mich der tagträumerischen Frage an. Irgendwann muß doch mal Schluß mit Schönreden sein.

  10. Spruance
    14.08.2006 | 20:33

    Hm. Lest doch mal das hier (http://www.debka.com/article.php?aid=1201) und denkt dann nochmal neu nach. Allerdings glaube ich auch, daß in der arabischen Öffentlichkeit die Nichtvernichtung der Hizballah der Sieg schlechthin ist.

  11. 16.08.2006 | 19:46

    Späte Ergänzung (lesen, so lange es noch geht):
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,431915,00.html

    Die Strategen der Miliz, die neben den Kampftruppen eben auch schon immer eine gesellschaftliche Organisation mit Krankenhäusern, Schulen und anderen Einrichtungen ist, werben offen mit ihren Wohltaten. “Die Hisbollah baut mit ihren Körpern die Brücke, auf der ihr wieder laufen lernt”, lautet eine der gewohnt blumigen Botschaften auf riesigen Bannern über den zerbombten Straßen in Kana. “Wir bauen wieder auf, was die mörderischen Juden zerstört haben”, so die nächste Nachricht.

    Auch in Sulimans Dorf ist der Urheber der relativen Ordnung nicht zu übersehen: In der Dorfmitte, an einer Art Kreisverkehr mit einer ausgebombten Telefonzelle, errichteten Sulimans Männer einen wahren Schrein für Nasrallah. Wie im besten Propaganda-Video lächeln neben ihm der einstige iranische Herrscher Chomeini und sein Nachfolger im Geiste, Mahmud Ahmadinedschad, auf jeden herab, der nach Beit Lif zurückkehrt. Kinder schwenken eine Hisbollah-Fahne auf den Trümmern.

  12. 16.08.2006 | 20:36

    Rayson,

    jep, das ist der New York Times auch aufgefallen (und der Link hält ewig :-P ):

    >Hezbollah Leads Work to Rebuild, Gaining Stature. By John Kifner, The New York Times
    Hezbollah is already dominating efforts to rebuild Lebanon with a torrent of money from oil-rich Iran.

  13. 16.08.2006 | 20:41
  14. 17.08.2006 | 8:21

    [...] Nachdem ich noch zwei weitere Artikel zu dem Thema gefunden habe, wie sich die Hisbollah im Libanon als Aufbauhelfer engagiert, ziehe ich mal die beiden Links aus den Kommentaren zu “Sieg? Niederlage? Patt?“ hier hin und präsentiere alle Links auf einen Blick, mit der Bitte, weitere Links zu dem Thema in den Kommentaren zu hinterlassen: [...]

Bad Behavior has blocked 1045 access attempts in the last 7 days.