Nur zwei Alternativen?

Ulrich Speck, dessen Beiträge zum Libanon-Krieg ich hier nochmals empfehle, stellt zwei Sichtweisen einander gegenüber, die viele sicherlich genau so einschätzen.

Ich sehe das etwas anders. Zum einen stört mich, dass der Nahost-Konflikt so 1:1 im islamistischen Terror aufgeht. Zwar gibt es dort ganz sicher Verflechtungen, aber der Nahost-Konflikt ist älter als der Islamismus, und er würde – so wenigstens meine Meinung – auch ohne Islamismus existieren. Vielleicht nicht ganz so extrem, ok.

Zum anderen glaube ich, dass es einen Mittelweg zwischen denen von Ulrich Speck skizzierten Positionen gibt. Und zwar auf den Nahost-Konflikt bezogen, nicht aber auf den Islamismus.

Die erste, sozusagen “gutmenschliche” Position geht nach Speck davon aus, dass “die andere Seite gerechtfertigte Beschwerden gegen den Westen (USA, Israel, Europa) hat”. Ich würde das deutlich abschwächen in Richtung “aus ihrer Sicht gerechtfertige Beschwerden”.

Die zweite, eher den “Falken” entsprechende Position meint, dass “der radikale Islam a) eine aggressive und expansive Strategie der Vorherrschaft verfolgt, dass b) seine Hauptbeschwerde nicht das Handeln des Westens, sondern seine freiheitlichen und emanzipatorischen Werte sind”.

Speck schließt aus Position 1 die Bereitschaft zu Verhandlungen, aus Position 2 deren Ablehnung. Ich glaube, dass im Nahost-Konflikt ein ganzes Motivbündel zum Tragen kommt, das sogar dazu führt, dass sich gegensätzliche Positionen verbünden. Zum Beispiel ist es sicher nicht im Sinne eines der Hauptakteure im Libanon- und Nahost-Konflikt, also Syriens, islamistische Bewegungen zu stärken. Deren Dominanz in Syrien wäre das Ende Assads und der Alawiten-Vorherrschaft. Auf der anderen Seite müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die arabische Seite im Nahost-Konflikt eine ganz andere Vorstellung von Gerechtigkeit hat.

Wir im Westen können natürlich alles in einen Topf werfen. Dann müssten wir, da es unzweifelhaft islamistischen Terror sowohl gegen die westlichen Staaten als auch gegen Israel gibt, Verhandlungen grundsätzlich ablehnen. Ulrich Speck spricht hier von “entschlossener Gegenwehr”, aber wissen auch wirklich alle, was das konkret bedeutet? Im Westen, und in Nahost?

Oder sollten wir nicht lieber alle Chancen nutzen, den Islamisten das Geschäft zu verderben? Statt ihnen den Triumph zu gönnen, sich als eigentliche Widersacher Israels in Nahost zu profilieren, könnte man auch versuchen, mit den Arabern zu verhandeln, die nun wirklich gar kein Interesse an einem Erstarken der Islamisten haben, aber trotzdem Interessen verfolgen, die mit denen Israels nicht von vornherein zu vereinbaren sind. Da hätten beide Seiten plötzlich das Interesse an einer Einigung.

Ich behaupte nicht, dass dieser Weg zwingend gangbar ist. Aber ihn von vornherein auszuschließen, hielte ich für fahrlässig.

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35 Kommentare zu “Nur zwei Alternativen?”

  1. 14.08.2006 | 9:43

    Zustimmen können – teilweise…

    Na, angesichts des sonstigen Hickhacks und der Teilzeit-Argumentationsverweigerung von Seiten mancher liberaler Diskussionsteilzeitfreunde, kann man, ja muß man ja zwischendurch mal wieder zustimmen. Teilweise. Dem hier z.B.. Es ist reichlich krude, e…

  2. 14.08.2006 | 10:15

    … könnte man auch versuchen, mit den Arabern zu verhandeln, die nun wirklich gar kein Interesse an einem Erstarken der Islamisten haben, aber trotzdem Interessen verfolgen, die mit denen Israels nicht von vornherein zu vereinbaren sind.

    Das erscheint mir etwas nebulös. Was meinst du mit arabischen Interessen, die “nicht von vornherein” mit israelischen zu vereinbaren wären?

  3. Libero
    14.08.2006 | 10:57

    Das Nichtwollen des Erstarken des islamischen Fundamentalismus ist zwar eine Gemeinsamkeit zwischen Israel und der durch die Militanten in den Hintergrund gedrängten Reformströmung der arabischen Welt, aber als Motiv für ein Ruhen der Waffen auf beiden Seiten einfach zu wenig.

    Wo entsteht und besteht die treibende Kraft der Militanz und des Terrors?

    In der muslemischen Diaspora.

    Wo lebt die muslemische Diaspora?

    Wer also muss mit wem ins Gespräch kommen?

    Gespräch heißt nicht immer Händchenhalten oder Appeasement, um das klarzustellen.

  4. 14.08.2006 | 12:29

    @Boche

    Die von Syrien zum Beispiel.

  5. 14.08.2006 | 12:39

    @Rayson

    Aha. Du meinst also Analogien zu den Friedensschlüssen Israels mit Ägypten oder Jordanien?
    So im Sinne “Golanhöhen gegen Friedensvertrag”?

    Das wäre wohl sicher erstrebenswert. Aber dafür müsste Syrien Frieden wollen.

  6. 14.08.2006 | 12:51

    @Boche

    Die Analogie stimmt. Obwohl die Golanhöhen sicherheitstechnisch eine ganz andere Angelegenheit sind als z.B. der Sinai.

    Was Syrien will, müsste man eben mal in Verhandlungen ausloten. Die Vernichtung Israels scheint für Assad & Co. jedenfalls kein programmatisches Ziel zu sein.

    Die Alternative, nämlich auch wirklich gegen alle dort anzutreten, gegen Islamisten und gegen eher weltliche Machtpolitiker, und sich so die Allianz der Feinde erst selbst zu basteln, wäre jedenfalls strategisch eine gewaltige Dummheit.

  7. 14.08.2006 | 12:57

    Die Alternative, nämlich auch wirklich gegen alle dort anzutreten, gegen Islamisten und gegen eher weltliche Machtpolitiker, und sich so die Allianz der Feinde erst selbst zu basteln, wäre jedenfalls strategisch eine gewaltige Dummheit.

    Sicher. Mindestens genauso dumm wäre es aber, eventuell doch bestehende Allianzen zu übersehen.

    Aber ich sehe auch nicht, dass Israel grundsätzlich keine Verhandlungen mit Syrien will.

  8. 14.08.2006 | 13:00

    Die bestehende Allianz, von der du sprichst, hat eine Sollbruchstelle. Man muss sollte sie mal nutzen.

    Verhandelt Israel mit Syrien? Verhandeln die USA mit Syrien? Auf die USA kommt es übrigens an. Ein Frieden mit Syrien würde Gegenleistungen erfordern, die Israel allein nicht erbringen kann.

  9. 14.08.2006 | 13:11

    Ich hab da oben übrigens ein “muss” preisgünstig abzugeben.

  10. 14.08.2006 | 13:32

    Zu einer Verhandlung gehören (mindestens) immer zwei. Und selbst das reicht nicht: Es braucht auch ein von allen Seiten als sinnvoll gesehenes Verhandlungsziel.

    Aber wenn das gegeben ist: Warum nicht mit Diktatoren verhandeln, um zeitweilig Positives zu bewirken? Damit habe ich kein Problem. Und Israel und die USA nach allen Erfahrungen zu urteilen auch nicht.

  11. 14.08.2006 | 13:39

    Es ist doch üblich, dass am Anfang von Verhandlungen gerade gegensätzliche Ziele stehen.

    Und sei froh, dass da noch Diktatoren sind, mit denen man verhandeln kann. Ein demokratisch gewählter syrischer Präsident wäre Islamist.

  12. 14.08.2006 | 14:02

    Es ist doch üblich, dass am Anfang von Verhandlungen gerade gegensätzliche Ziele stehen.

    Klar doch. Aber das allein reicht ja für Verhandlungen nicht aus, nicht wahr?

    Und ob ich froh sein soll, dass da noch Diktatoren und nicht Volkes Wille herrschen? Ich weiß nicht so recht. Das mag ein paar Jahre brüchigen Frieden geben. Aber wenn sich Volkes Wille mal in der von dir (und mir) befürchteten Richtung durchsetzt, könnte Israel vielleicht Zugeständnisse bereuen, die es in heutigen Verhandlungen gemacht hat.
    Dann sitzen die Islamisten auf den Golanhöhen und im Westjordanland und können die Atombömbchen quasi mit der Hand rüberwerfen.

  13. 14.08.2006 | 14:12

    Aber das allein reicht ja für Verhandlungen nicht aus, nicht wahr?

    Man muss auf jeden Fall erstmal miteinander reden, um zu sehen, was geht und was nicht geht. Das meine ich.

    Dann sitzen die Islamisten auf den Golanhöhen und im Westjordanland und können die Atombömbchen quasi mit der Hand rüberwerfen.

    Eben deswegen glaube ich persönlich, dass man zumindest die Golanhöhen nicht so “mir nichts dir nichts” an Syrien übergeben kann. Aber niemand hat gesagt, dass Verhandlungen einfach so flutschen müssen.

  14. 14.08.2006 | 14:24

    Man muss auf jeden Fall erstmal miteinander reden, um zu sehen, was geht und was nicht geht.

    Klar. So etwas läuft bestimmt auf nachgelagerten, nicht in der Öffentlichkeit stehenden Ebenen ständig. Vermute ich mal als Laie der Diplomatie.

    Eben deswegen glaube ich persönlich, dass man zumindest die Golanhöhen nicht so “mir nichts dir nichts” an Syrien übergeben kann.

    Na ja. Wenn man davon ausgeht, dass der Verhandlungspartner mittelfristig verschwunden sein könnte, ist jedes Entgegenkommen ziemlich gefährlich.
    “Nicht flutschen” ist da etwas untertrieben, oder?

  15. 14.08.2006 | 14:49

    Der Punkt ist nun einmal, dass der Staat Israel sich nicht auf diese Gebiete erstreckt. Rückgabe wäre kein “Entgegenkommen”, sondern völkerrechtlich geboten.

    Und ja, der Islamismus ist eine Gefahr. Aber eine, die nicht mit Waffengewalt beendet oder begrenzt werden kann. Deshalb hat Israel keine andere Chance, als sich mit Staaten wie Syrien einzulassen. Es ist denkbar, dass sich in Verhandlungen Wege finden lassen, in denen Israels Sicherheitsinteresse Berücksichtigung findet. Aber nochmal: Dazu muss man miteinander reden, und dazu müssen den USA wirksame Gegenleistungen einfallen.

  16. 14.08.2006 | 15:01

    Rückgabe wäre kein “Entgegenkommen”, sondern völkerrechtlich geboten.

    Rückgabe wäre so lange ein Entgegenkommen, so lange daraus eine Gefährdung für Israel entsteht.
    Das Völkerrecht ist so lange zweitrangig.

    Und ja, der Islamismus ist eine Gefahr. Aber eine, die nicht mit Waffengewalt beendet oder begrenzt werden kann.

    Sicher. Aber er kann Gefahren verursachen, für deren Abwehr es militärische Stärke braucht.

  17. 14.08.2006 | 15:09

    Das Völkerrecht ist so lange zweitrangig.

    Ich glaube nicht, dass solche Freibriefe weiterhelfen. Wer kommt morgen auf die Idee, dass seine Sicherheit bedroht ist und besetzt daraufhin eben mal Gebiete seines Nachbarn? Es ist diese Art von zweierlei Maß, die eine Verständigung mit den Arabern extrem erschwert.

    Aber er kann Gefahren verursachen, für deren Abwehr es militärische Stärke braucht.

    Eine Abwehr, die die Gefahr verstärkt. Aus dieser positiven Rückkopplung muss Israel raus, sonst wird es irgendwann nicht mehr sein.

  18. 14.08.2006 | 15:17

    Es ist diese Art von zweierlei Maß, die eine Verständigung mit den Arabern extrem erschwert.

    Du glaubst nicht, dass Israel von seinen direkten oder indirekten Nachbarn Vernichtung droht?
    Oder glaubst du, das Völkerrecht bietet ausreichend Schutz davor?

    Eine Abwehr, die die Gefahr verstärkt.

    Siehe oben: Wenn die Abwehrmaßnahme zur Selbsterhaltung notwendig ist, ist sie notwendig. Punkt.
    Dass man bis an die äußerste Grenzen der noch möglichen Zugeständnisse gehen sollte, bestreite ich nicht.

  19. 14.08.2006 | 15:25

    Du glaubst nicht, dass Israel von seinen direkten oder indirekten Nachbarn Vernichtung droht?

    Es kommt nicht darauf an, was ich meine. Das eben wäre “zweierlei Maß”.
    Deswegen gibt es so etwas wie Völkerrecht: damit nicht ein einzelner Staat aus welchen subjektiv als richtig empfundenen Motiven heraus auch immer die Rechte eines anderen Staates verletzt. Israel steht da nicht drüber.

  20. 14.08.2006 | 15:29

    Es kommt nicht darauf an, was ich meine. Das eben wäre “zweierlei Maß”.

    Fakten können zweierlei Maß mit sich bringen.

    Mein Vater sagte mir immer als Mahnung:
    Auf seinem Grabstein stand: “Er hat Recht gehabt.”

    Ein Land, das sich dem Völkerrecht beugt und daraufhin vernichtet wird, wird man diesen Grabstein auch setzen.
    Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Regierung eines solchen Landes von seinen Bürgern dafür gewählt wurde.

  21. 14.08.2006 | 15:37

    Ein Land, das sich dem Völkerrecht beugt und daraufhin vernichtet wird, wird man diesen Grabstein auch setzen.

    Ein Land, das zur Sicherung seiner Existenz das Völkerrecht verletzten muss, wird keinen Bestand haben. Und seine Unterstützer brächten sich um jegliche Glaubwürdigkeit.

    Die Alternative ist eine Scheinalternative.

  22. 14.08.2006 | 15:39

    Und, um es noch drastischer zu sagen: Ein solches Land wäre dann wirklich eine Gefahr für den Weltfrieden.

  23. 14.08.2006 | 15:51

    Ein Land, das zur Sicherung seiner Existenz das Völkerrecht verletzten muss, wird keinen Bestand haben.

    Ach, das würde ich etwas lockerer sehen.
    Genauso locker nämlich wie die vernichtungswütigen Nachbarn das Völkerrecht auch sehen.

    Oder: Ein Recht, das den Einzelnen im Zweifelsfall nicht schützt, würde ich nicht so moralisch aufladen wie du es tust.

  24. 14.08.2006 | 16:05

    Das Problem des Völkerrechts ist natürlich, dass es keinen Weltstaat gibt, der es durchsetzt. Das ist nichts Neues.

    Es gibt allerdings eine Weltmacht, die sich hier und da mal als Bewahrer des Rechts aufführt. Wenn diese nun offensichtlich völkerrechtswidrige Zustände bewusst unterstützen würde, bräuchte sie sich nicht zu wundern, wenn man ihr in anderen Fällen jegliche Glaubwürdigkeit abspricht. Und sich eben auch mal selbst das nimmt, was einem vermeintlich zusteht.

    Die Unterstützung der USA in den drei großen Kriegen, die Israel seit seiner Gründung führen musste, hatte dagegen kein großes Legitimitätsproblem. Aber besetzte Gebiete stehen der Besatzungsmacht nicht beliebig zur Verfügung.

    Die Alternative “Krieg oder Vernichtung” allerdings ist auf jeden Fall eine Scheinalternative. Die tatsächliche lautet: “Frieden” oder “Krieg und Vernichtung”.

  25. 14.08.2006 | 16:11

    Aber besetzte Gebiete stehen der Besatzungsmacht nicht beliebig zur Verfügung.

    Deswegen finde ich ja die einseitigen Rückzüge mehr als richtig.
    Ich wollte nur darauf hinweisen, dass deine Logik zu abgehoben und zu fern der Realität sein könnte.

    Die tatsächliche [Alternative] lautet: “Frieden” oder “Krieg und Vernichtung”.

    Da sind wir einer Meinung. Aber das sagt auch nicht wirklich viel aus.
    Spannender ist die Frage nach dem möglichen Weg zum Frieden.

  26. Hardy
    14.08.2006 | 16:19

    Solange das Völkerrecht nicht wirklich konsequent durchgesetzt werden kann, und zwar auch im Sinne Israels, hat man auch im Sinne der Vernunft zu handeln. Und bisher hat das Recht Israel nicht geschützt. Und Vernunft bedeutet für Israel, für jeden Krieg gewappnet zu sein. Zumindestens solange bis die arabischen Staaten ihre Feindseligkeiten aufgeben- und es sieht nicht so aus.

  27. der gute don
    14.08.2006 | 17:41

    Das Völkerrecht ist so lange zweitrangig.

    ich bin ehrlich gesagt entsetzt, daß von Dir zu hören Boche.

    Das Gerechtigkeit und Recht nicht immer kongruent sind, ist eine Sache, das man das zum Anlass nimmt, die bestehende Verpflichtung zur Einhaltung zivilisierter menschlicher Werte zu überwerfen, stellt die Akteure auf eine Stufe.

    Zu Deinem Punkt Profilierung der Islamisten, ist es nicht genau daß, was Israel erreicht hat? Ich meine jetzt neben der Tatsache daß ich meinen Geldbeutel schonmal weit aufmachen kann um die vom israelischen Militär verursachten materiellen Schäden (die kann man wenigstens reparieren) zu bezahlen. Hat Israel irgendwas erreicht, was im Verhältnis zu den vielartigen Schäden steht? Diese reflexartige Absegnung dieser sinnlosen Gewalt der letzten Wochen geht mir einfach nur noch auf den Keks und das lapidare Verwerfen des Völkerrechts ist nun wirklich das Sahnehäubchen.

  28. 14.08.2006 | 21:16

    @der gute don

    Das Gerechtigkeit und Recht nicht immer kongruent sind, ist eine Sache

    Darum ging es hier nicht. Sondern darum, ob ein Recht namens “Völkerrecht” überhaupt in dem Maße durchsetzbar existiert, dass man sich zumindest so weit drauf verlassen kann, dass die eigene staatliche Existenz nicht antastbar ist. Offensichtlich ist dies nicht der Fall.

    das man das zum Anlass nimmt, die bestehende Verpflichtung zur Einhaltung zivilisierter menschlicher Werte zu überwerfen, stellt die Akteure auf eine Stufe.

    “zivilisierte menschliche Werte”? Reden wir von der selben Sache? Reden wir von der Besetzung von Gebieten, aus denen heraus ein Vernichtungskrieg geführt wurde und droht zu werden?
    Oder bist du schon ganz woanders?

    Ich meine jetzt neben der Tatsache daß ich meinen Geldbeutel schonmal weit aufmachen kann um die vom israelischen Militär verursachten materiellen Schäden (die kann man wenigstens reparieren) zu bezahlen.

    Das ist dem Umstand geschuldet, dass deine Steuern anders verwendet werden, als du vielleicht möchtest. Was man aber kaum Israel vorwerfen kann.

    Hat Israel irgendwas erreicht, was im Verhältnis zu den vielartigen Schäden steht?

    Nun, letztlich hat Israel für die Durchsetzung der UN-Resolution gesorgt, die schon vor Jahren beschlossen wurde.
    Und es hat – vielleicht aber nur zeitweilig – eine sichere Nordgrenze und eine Weile lang Schutz vor Angriffen auf sein Territorium.
    Das dir das nicht wichtig ist, ist Israels Bürgern vielleicht nicht wichtig?

    Diese reflexartige Absegnung dieser sinnlosen Gewalt der letzten Wochen geht mir einfach nur noch auf den Keks

    Sinnlos war die Gewalt sicher. Aber es gab einen Angreifer und einen Angegriffenen. Notwehr als sinnlos zu bezeichnen, setzt schon ein geschüttelt Maß wert-loser Neutralität voraus. Die sich dann aber irgendwie nicht mit dem Furor verträgt, den du an den Tag zu legen scheinst.

  29. Hardy
    14.08.2006 | 22:27

    Notwehr ist immer erforderlich und auch sinnvoll. Denn wie sagte doch schon Brecht so schön:”Wer kämpft kann verlieren, wer es jedoch nicht tut, der hat schon verloren!” Bitte um Verzeihung falls das Zitat nicht ganz wortwörtlich gelungen seien sollte, aber es ist schon eine weile her das ich es gelesen habe(mindestens 10 Jahre).

  30. der gute don
    14.08.2006 | 22:33

    Darum ging es hier nicht.

    doch, genau darum geht es hier. Selbstjustiz wenn man mit der exekutiven Verfolgung der judikativ vorgegeben Ziele nicht zufrieden ist, frei nach dem Motto, der Zweck heiligt die Mittel.

    Reden wir von der selben Sache?

    wenn Du mit dem Völkerrecht etwas anderes verbindest vermutlich.


    us denen heraus ein Vernichtungskrieg geführt wurde und droht zu werden?

    Vernichtungskrieg? Darunter verstehe ich offensichtlich etwas anderes. Dazu fehlen der Hisbollah nun wirklich die militärischen Möglichkeiten.

    Was man aber kaum Israel vorwerfen kann.

    Ärgern darf es mich aber trotzdem, oder?

    eine sichere Nordgrenze und eine Weile lang Schutz vor Angriffen auf sein Territorium.

    darüber reden wir wieder in ein paar Wochen, ich glaube nämlich nicht dran.

    Das dir das nicht wichtig ist, ist Israels Bürgern vielleicht nicht wichtig?

    Unterstellung. Was uns unterscheidet ist der Weg.


    Notwehr als sinnlos zu bezeichnen, setzt schon ein geschüttelt Maß wert-loser Neutralität voraus.

    Verhältnismässigkeit. Wenn mich jemand in meinem Haus überfällt, ziehe ich nicht los und lösche den Straßenzug aus, in dem der Angreifer wohnt.

  31. 15.08.2006 | 8:46

    Nur mal vorneweg: In meiner Diskussion mit Rayson war ich, als der Satz zum Völkerrecht fiel, bei der Besetzung von Land durch Israel gelandet. Nicht, dass du hier alles vermengst.

    doch, genau darum geht es hier. Selbstjustiz wenn man mit der exekutiven Verfolgung der judikativ vorgegeben Ziele nicht zufrieden ist

    “nicht zufrieden sein” ist ein etwas eigenartiger Begriff, wenn es darum geht, die Angriffskriege mehrerer Nachbarn abzuwehren.

    frei nach dem Motto, der Zweck heiligt die Mittel.

    Sagen wir besser: Der Zweck der Selbstverteidigung heiligt deutlich mehr Mittel, als eine unfähige UN an Rechtsmitteln zur Verfügung stellt. Dass nicht alle Mittel als geheiligt angesehen werden, haben die Israelis häufig genug bewiesen.

    Vernichtungskrieg? Darunter verstehe ich offensichtlich etwas anderes.

    Wie gesagt: Du bist der Diskussion nicht gefolgt.

    Ärgern darf es mich aber trotzdem, oder?

    Klar doch.

    darüber reden wir wieder in ein paar Wochen, ich glaube nämlich nicht dran.

    Ich bin auch pessimistisch. Israel hätte vermutlich nicht so massiv zurückschlagen dürfen. Dann hätte die Hisbollah aus Nächstenliebe die Waffen von allein gestreckt.

    Wenn mich jemand in meinem Haus überfällt, ziehe ich nicht los und lösche den Straßenzug aus, in dem der Angreifer wohnt.

    Nein. Du erduldest die Angriffe, weil keine Polizei da ist und die Angreifer von den Straßenzugsbewohnern auch nicht zu unterscheiden sind.

  32. der gute don
    15.08.2006 | 12:05

    Nicht, dass du hier alles vermengst.

    Nein, tue ich natürlich nicht. Wenn ich aber aus der Not heraus eine rote Ampel überfahre erkläre ich aber auch nicht das Verkehrsrecht für zweitrangig, sondern höchstens diese spezifische Situation als vorrangig.

    Und dann kann man sich über die spezifische Situation unterhalten. Aber da haben wir ja bekanntermaßen unterschiedliche Ansichten.

  33. 15.08.2006 | 13:16

    Wenn ich aber aus der Not heraus eine rote Ampel überfahre erkläre ich aber auch nicht das Verkehrsrecht für zweitrangig, sondern höchstens diese spezifische Situation als vorrangig.

    Nichts anderes habe ich getan. Nur dass die “Not” (Israels Nachbarschaft zu Staaten und halbstaatlichen Organisationen, die es gern vernichten würden) eben eine noch anhaltende ist.
    Was das “Überfahren der Ampel” (weitere Besatzung der im letzten Verteidigungskrieg gewonnenen Gebiete) ggf. weiterhin sinnvoll sein lassen kann. Um letztere Frage zu entscheiden, müsste man aber Militärexperte sein.

  34. 15.08.2006 | 13:46

    Manichäische Weltsicht allenthalben…

    Vielleicht ist es ein tief in jedem Menschen sitzendes Grundbedürfnis, sich in Konflikten auf eine Seite zu stellen, klare Freund/Feind-Schemata zu haben und die Welt anhand dieser zu ordnen. Das mag vieles einfacher machen, ist aber letztlich intell….

  35. admin
    16.08.2006 | 19:53

    Ich lasse mir ja nur ungern von der FTD zustimmen, aber…

    Kein Land hat so gute Kontakte zur Hisbollah und auch zur palästinensischen Hamas – es wäre also als Zwischenhändler prädestiniert, da weder Israel noch die USA direkt mit den “Terrororganisationen” sprechen wollen. “Syrien hat in der letzten Zeit trotz der anders lautenden Rhetorik durchaus Bereitschaft gezeigt, sich für einen umfassenden Frieden zu engagieren”, sagt Nahost-Experte Meyer. Denn eines der Hauptinteressen des jungen syrischen Präsidenten al-Assad sei es, auf internationaler Ebene wieder akzeptiert zu werden.

    Dazu kommt: Syrien selbst hat auch wirtschaftliche Interessen in der Region und an einem dauerhaften Frieden. Das Land befindet sich offiziell immer noch im Kriegszustand mit Israel, das die Golanhöhen seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 besetzt hält. “Dabei geht es nicht nur um die strategische Bedeutung, die die Golanhöhen auf Grund ihrer Lage haben”, sagt Meyer von der Uni Mainz, “sondern auch um die Wasservorräte, die sich dort befinden. Und auf die weder Israel noch Syrien verzichten wollen.”

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