9. August 2006
Der Medien-Krieg
Bewusst zweideutige Überschrift: Der Nahost-Krieg ist wieder ein Krieg, in dem insbesondere eine Seite bewusst die Medien (bzw. deren übliche Gesetzmäßigkeiten) als potenziellen Verbündeten erkannt hat. Er löst aber auch einen Kleinkrieg aus, den der professionelle Journalismus beginnt, gegen Blogger zu führen.
Ein Zeit-Artikel spricht alle diese Punkte an. Drei Passagen daraus scheinen mir bemerkenswert. Die erste beschäftigt sich mit dem gefälschten Beirut-Bild von Reuters (siehe z.B. hier):
Die vergleichsweise harmlose Fälschung und ihre Enthüllung (die Angriffe hatten ja stattgefunden, nur das Foto war zu langweilig) zeigt eine neue, undurchsichtige Front im Bilderkampf.
Den Begriff “vergleichsweise harmlose Fälschung” sollten wir uns auf der Zunge zergehen lassen. Sogenannte professionelle Journalisten scheinen bei Fälschungen jetzt schon Unterschiede machen zu wollen. Da kommt wohl einiges auf uns zu.
Der Privatmann North löste jedenfalls mit ein paar Einträgen eine weltweite Welle von Verschwörungstheorien aus. Sie haben einen wahren Kern: Journalisten können im Südlibanon oft nur unter der strengen Aufsicht von Hisbollah arbeiten. Wie Fotografen berichten, wird mit Prügel bedroht, wer Fotos von Katjuscha-Raketen oder Hisbollah-Kämpfern macht. Nur das von Israel angerichtete Leid, nicht der Hisbollah-Terror soll sichtbar sein.
Das ist eine interessante Ergänzung hierzu, die zugleich etwas über SPON sagt.
Erst der stern brachte diese Woche den Gegencheck und enthüllt, dass »Green Helmet« kein Hisbollah-Agent sei, sondern seit zehn Jahren beim Katastrophenschutz arbeite. Salam Daher, so sein Name, habe ein totes Kind für die Fotografen hochgehalten, um »endlich in Ruhe nach Überlebenden suchen zu können«.
Fotografen als Marionetten der Hisbollah. Das meinte ich weiter oben mit “Gesetzmäßigkeiten der Medien”.
Verfasst von Rayson um 19:59 Uhr in der Kategorie International, Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)
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