ZDF-Meinung

Wenn ARD und ZDF tatsächlich Meinungen manipulieren, dann tun sie das sehr ungeschickt. Heute sah ich auf Frontal21 (ZDF) einen Beitrag über in Deutschland lebende Libanesen, der mit Kritik an deren Haltung wirklich nicht sparte.

Übrigens lautet ein Vorwurf der Deutsch-Libanesen und der in Deutschland lebenden Libanesen, dass die normale deutsche Berichterstattung von Israel gesteuert sei…

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15 Kommentare zu “ZDF-Meinung”

  1. Marian Wirth
    9.08.2006 | 0:15

    Also, ich bin jedes Mal, wenn ich aus Versehen in die Nähe eines Fernsehers komme (zum Beispiel, wenn ich meine Eltern besuche), entsetzt über die Nachrichtenformate von ARD und ZDF – und zwar in allen Bereichen: oberflächlich, fehlinformiert, fehlinformierend.

    Beim letzten Mal (Mitte Juli) hatte ich schon genug, als Claus Kleiber (oder wie der Mann heißt) den Nahost-Aufmacher mit den Worten “Es sieht so aus, als habe Israel nur darauf gewartet” anmoderierte. Und Karin Storch ist auch immer wieder einen Brechreiz wert.

    Dass es auch anders (nämlich ausgewogen, nüchtern und an Tatsachenwiedergabe orientiert) geht, zeigen für mich aber die Berichte von Richard Chaim Schneider einerseits und Patrick Leclerq andererseits. Beide führen vor, dass die meisten Auslandskorrespondenten ja schon eine grundsätzliche Sympathie gegenüber dem Land mitbringen, aus dem sie berichten – und dass es trotzdem möglich ist, sich selbst in Krisensituationen nicht von der Stimmung im Land mitreißen zu lassen, sondern diese reflektiert zu schildern (bestes Gegenbeispiel: Bettina Marx).

    Und was die Behauptung angeht, “die” deutschen Medien würden einseitig israelfreundlich berichten: Ist mir auch schon aufgefallen; diese Behauptung wird aber – in deutschen Medien, wohlgemerkt! – nicht nur von Libanesen, sondern auch von Palästinensern, Iranern und anderen aus dem Nahen Osten stammenden Personen erhoben, verbunden mit dem Hinweis, dass in “den” deutschen Medien nie darauf hingewiesen werde, dass Hisbollah “eigentlich” eine Wohlfahrtsorganisation sei.

    Um nachzuweisen, dass diese Behauptungen totaler Quark sind, brauche ich keine Medien-Analayse (von wem auch immer); meine Lesezeichen reichen da völlig aus.

  2. Marian Wirth
    9.08.2006 | 0:24

    Das Manuskript des Frontal21-Beitrags gibt es übrigens als PDF beim ZDF: Hass statt Verständigung

  3. 9.08.2006 | 0:27

    Halten wir also fest, dass wir nicht von einer gesteuerten Kampagne ausgehen können, sondern besser die Einstellungen einzelner Journalisten ins Augen fassen sollten.

    Interessant finde ich auf jeden Fall, wo überall das Vorurteil der einseitigen Berichterstattung dominiert. Vielleicht doch mal ein Anlass, einen Schlag weniger schnell zu Verschwörungstheorien zu greifen.

    In Erweiterung meiner alten Regel: Suche nie nach böser Absicht, wo Dummheit und Faulheit als Erklärung ausreichen.

  4. 9.08.2006 | 0:27

    Danke für den Link. Hatte ich vorhin nicht gefunden.

  5. Marian Wirth
    9.08.2006 | 0:37

    Gut, dann ersetze ich “übrigens” durch “jetzt auch”. Ich will Dir nämlich weder böse Absicht noch Inkompetenz unterstellen ;-) .

  6. 9.08.2006 | 0:48

    Ersteres kann man bei mir immer ausschließen.

  7. 9.08.2006 | 7:39

    “Frontal 21″ ist keine Nachrichtensendung und sauber im Sinne der Abklage. :-)

  8. 9.08.2006 | 10:55

    Es gibt eine alte Faustregel für schwierige Entscheidung, vor allem vor Gericht: Wenn sich anschließend alle beschweren, sind die Lasten vermutlich gerecht verteilt worden. Und da sich alle Seiten über die “Einseitigkeit” der deutschen Medien in die jeweils andere Richtung beklagen, habe ich ein wenig das Gefühl, dass diese vielleicht doch ganz ausgewogen berichten…

    @Marian:
    Ich habe – offenbar im Gegensatz zu dir – überhaupt keine Probleme damit, zu glauben, dass die Hisbollah eine Wohlfahrtsorganisation ist. Wenn man sich einfach nur als waffenstarrender Haufen gewalttätiger Irrer präsentiert, dann kann man nicht die Zustimmungsraten erreichen, die die Hisbollah im südlichen Libanon ja nun einmal hat. Außerdem ist die karitative Arbeit eine übliche Nebenbeschäftigung islamistischer Parteien und Organisationen.

    @frühere Disney-Leser unter euch:
    “Hier ist das heute-journal mit Klaas Klever und Gundula Gaukeley…” ;)

  9. Llarian
    9.08.2006 | 13:47

    Das Argumentationsmuster ist alt wie falsch. Hier haben wir einen Beitrag, der wirklich journalistisch mal was sauberer ist und er wird zum Kronzeugen der Ausgeglichenheit der Medien. Das dumme ist nur, dass man den vorher mit der Lupe suchen muss, während man für den umgekehrten Vorwurf nur mal die Tagesschau oder das heute-journal anschalten muss und dafür keine Lupe braucht (da wird ja heute noch von 50 Toten in Quana gesprochen und von Reutersbildern hat man da noch nicht gehört, sehr aufschlussreich dazu zum Beispiel dies ).
    Aber bilderfälschendes und stellendes Hisbollywood passt nicht in die deutsche Presselandschaft, schon gar nicht in die Hauptnachrichtensendung.

  10. 9.08.2006 | 15:50

    Immerhin muss man mal positiv festhalten, dass es ein breites Spektrum an Meinungen in den deutschen Medien zum Nahostkonflikt gibt. Zumindest in den Qualitätszeitungen findet man viele informierte Kommentare.

    Das Problem ist in meinen Augen der Bereich Nachrichten – Agenturen, Nachrichtenredaktionen. Hier herrscht eine gewisse Einseitigkeit, die wohl auch damit zu tun hat, dass die entsprechenden Redakteure wenig Ahnung von der Lage in der Region haben und eher aus dem Bauch heraus agieren.

    Eher schwach auch insgesamt die eigene Berichterstattung der deutschen Medien, (eine positive Ausnahme Yassin Musharbash für Spiegel online).

    Die beste Berichterstattung derzeit, so weit ich sehe: die Stücke von Steven Erlanger in der New York Times.

    Insgesamt ist es eben so, dass fast jeder eine Meinung zum Nahostkonflikt hat. Kenntnisse dagegen sind nicht so verbreitet. Das gilt auch für breite Teile der Medienleute.

    Das Einzige, was dagegen hilft, ist bessere Information. Da sind wir in Deutschland, wo wir immer noch sehr stark nach innen blicken (Rente, Gesundheit, Gesundheit, Rente) noch nicht sehr weit – Außenpolitik ist immer noch ein Bereich für Exoten.

  11. Marian Wirth
    9.08.2006 | 19:35

    Karsten,

    Ich habe – offenbar im Gegensatz zu dir – überhaupt keine Probleme damit, zu glauben, dass die Hisbollah eine Wohlfahrtsorganisation ist.

    Deine Prämisse, ich hielte die Hisbollah nicht (auch) für eine Wohlfahrtsorganisation, ist falsch. Aber ich erläutere meine Thesen gerne noch einmal:

    1. Sowohl von deutschen sog. Nahost-Experten (insbesondere Udo Steinbach und Volker Perthes fallen mir da auf Anhieb ein), als auch von in Deutschland lebenden Menschen mit nahöstlichem Migrationshintergrund wird sehr häufig die Behauptung aufgestellt, “den” Westlern fehle es an einem Grundverständnis der Hisbollah, weil “der” Westler in seiner Bewertung des Libanon-Krieges die Tatsache vergesse oder (absichtlich bzw. aufgrund fehlender Kenntnis) außer Acht lasse, dass es sich bei der Hisbollah in erster Linie um eine Wohltätigkeitsorganisation handele.

    2. In jedem, absolut jedem Bericht, den ich in den letzten Jahren in deutschen Medien über die Hisbollah gehört, gelesen oder gesehen habe, wurde dem Umstand, dass es sich bei der Hisbollah auch um eine Wohltätigkeitsorganisation handele, breiter Raum eingeräumt; in den meisten Fällen wurde sogar mehr Sendezeit bzw. wurden mehr Zeilen darauf verwendet, als z.B. auf die Frage, woher Hisbollah das Recht nimmt, von Israel die Rückgabe der Scheba’a Farmen zu fordern und die Weigerung Israels, diese an den Libanon zurückzugeben, mit Raketenbeschuss zu beantworten.

    3. Aus meiner unter 2.) geschilderten eigenen Wahrnehmung kann ich also die unter 1.) geschilderte These als schlicht und einfach falsch bezeichnen. Nichts anderes habe ich zu tun beabsichtigt. Deine Ausführungen zeigen mir allerdings, dass ich damit nicht erfolgreich war.

  12. 9.08.2006 | 22:08

    Huh, ganz schön förmlich.

    Da habe ich dich wohl missverstanden – und muss sehen, dass wir uns da doch eigentlich völlig einig sind, wie? :)

  13. Marian Wirth
    9.08.2006 | 22:32

    Ganz unförmlich: Na, dann isses ja gut ;-) .

    Und eben weil ich vermutet habe, dass wir in diesem Punkt zumindest nicht weit auseinander sind, habe ich’s extra steif formuliert. Lieber steif formulieren und verstanden werden als herumflachsend aneinander vorbeiposten.

  14. Stefan Eich
    9.08.2006 | 22:33

    @Rayson
    Suche nie nach böser Absicht, wo Dummheit und Faulheit als Erklärung ausreichen.

    Man ist nicht bösartig, weil man dumm ist, sondern man ist dumm damit man bösartig sein kann.
    Also kein Grund zum relativieren.

  15. 9.08.2006 | 22:39

    @Stefan Eich

    Interessant. Ich dachte bisher, Bosheit und Dummheit korrelierten nicht.

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