EU-Kinderverblödungspropaganda

Ich kann Propaganda nicht ausstehen. Ich kann eigentlich überhaupt keine PR oder Marketingmaßnahme oder Werbung oder Kampagne ausstehen, die in plumper Art und Weise das Produkt oder die Person, deren Image-Verbesserung sie dienen soll, glorifiziert und/oder dessen bzw. deren Nachteile oder Schwächen komplett ausblendet.

Besonders verwerflich finde ich Propaganda, die sich an Kinder richtet – ob nun auf nationaler Ebene von Regierungsseite (siehe “Kanzlerin für Kinder“) oder von Seiten einer international tätigen Nichtregierungsorganisation (siehe “Kinder passt auf, der Grünfried geht um!“).

Und weil ich Kinder-Propaganda nicht abkann, bitte ich Euch, liebe B.L.O.G.-Rezipienten:

Sagt mir, dass dieser infantile Müll nur ein schlechter Scherz ist. Dass das nicht von der EU finanziert wird. Dass es sich nicht an Kinder richtet. Dass dort nicht die EU beworben wird. Bitte, bitte, sagt mir, dass das alles nicht so ist.

Mad Minerva, bei der ich auf diesen Comic gestossen bin, findet die Kampagne zwar lächerlich, aber trotzdem “hilarious”. Mir geht es da ganz anders.

Tim Blair, bei dem es MM gefunden hat, stellt lediglich mit australischer Gelassenheit fest, dass die Propaganda nicht wirkt.

Und Daniel Hannan, auf den Tim sich bezieht, fasst “Captain Euro” so zusammen (Verlinkungen und zustimmende Hervorhebung hinzugefügt):

Who can forget Let’s Draw Europe Together, in which young readers are invited to colour in such phrases as “Europe – my country”? For older children, there is Captain Euro, a square-jawed superhero whose mission “to uphold the EU’s values” brings him into conflict with the villainous – and for some reason Jewish-lookingDr D. Vider, who plots “to divide Europe and create his own empire”.

Ich habe keine besonders umfangreiche Recherche betrieben (sowas machen “wir Blogger” ja generell nicht) und bis jetzt nur folgendes herausgefunden:

Daniel Hannan (der Name sagte mir bis dato gar nichts) ist offenbar einer der größten lautesten EU-Skeptiker überhaupt; da er selbst nicht erst seit gestern im EU-Parlament sitzt , ist er mir prima vista erstmal unsympathisch. Er hat eine Anti-EU-Kolumne in der Tageszeitung Die Welt - und dort erschien auch eine (m.E. ziemlich lächerliche) Attacke gegen ihn – von der CDU-Europaabgeordneten Ewa Klamt (Wie Brüssel wirklich ist, Die Welt vom 11. Oktober 2005).

Für die Kritik an diesem entsetzlichen Captain Euro-Machwerk ist das alles aber unerheblich: den Comic gibt es, die Agentur gibt es – und sie selbst nennt als Referenzen u.a. “European Parliament” und “European Union”.

Was ich übrigens auch noch interessant fand: Die Google-Suche nach “Let’s Draw Europe Together” ergab 44 Treffer. Davon war nur einer einer staatlichen (tschechischen) Organisation zuzuordnen, ein weiterer war positiv – und alle anderen Treffer verwiesen auf EU-Skeptiker, EU-Kritiker oder EU-Hasser.

Ähnliche Beiträge


21 Kommentare zu “EU-Kinderverblödungspropaganda”

  1. 8.08.2006 | 23:47

    Äh. Marian, und du glaubst, in einem liberalen Blog löst sowas Verwunderung und Entsetzen aus? Eher resignierende Bestätigung.

  2. 8.08.2006 | 23:59

    Rayson,

    das weiß ich auch, dass ich hier Eulen nach Athen, Kohlen nach Newcastle und raubkopierte DVD’s nach Shanghai trage. Aber eine zusätzliche Argumentationsstütze kann nie schaden.

    Im übrigen habe ich gesicherte Erkenntnisse, dass diese Seite hin und wieder auch von nicht dem kalten Hauch des Neoliberalismus Erlegenen aufgesucht wird. Und einige von denen finden die EU vorbehaltlos gut.

  3. 9.08.2006 | 1:41

    “Und einige von denen finden die EU vorbehaltlos gut.”

    Das gibt’s noch?

  4. 9.08.2006 | 2:35

    Captain Euro: EU-Kinderpropaganda…

    Die bissigen Liberalen machen auf “Captain Euro” aufmerksam. Eine Website für Kinder, auf der ein Comic-Superheld ihnen die Europäische Union näher bringen soll. Die Kampagne ist zwar schon älter, aber nicht weniger entlarvend. Captain…

  5. Libero
    9.08.2006 | 6:18

    Soweit ich mich erinnern kann, orientieren sich die positiven wie negativen Charaktere dieses Comics an Serien von Marvel. Bei vergleichbaren negativen Charakteren von Marvel kann ich mich an eine jüdische Assoziationen nicht erinnern. Ob diese Kopie Jugendliche erreicht, wage ich zu bezweifeln.

    Das die Superhelden der Marvel Comics und solcher Endzeitfilme wie Matrix das Weltbild von Heranwachsenden beeinflußen können, wage ich nicht zu bezweifeln. Ich möchte nicht wissen, wieviele jahrelang in einer Scheinwelt leben. Kritisiert ihr das auch?

    Natürlich ist diese Scheinwelt und Traumwelt, ich möchte hier noch Serien wie Deutschland sucht den Superstar erwähnen, nur das Ergebnis kommerzieller Produkte und steht somit völlig außerhalb jeder Kritik. Denn der Markt ist gut und alle Marktteilnehmer sind weltliche Engel.

  6. FAB.
    9.08.2006 | 8:06

    Keinesfalls sind sie das. Aber sie finanzieren die Herstellung ihres Schwachsinns nicht mittels Zwangsabgaben. Und sie spielen sich – bislang zumindest – auch nicht als allwissende, allgütige Obrigkeit auf.

  7. 9.08.2006 | 8:41

    @Libero: Wenn die EU-Behörden einen solchen Auftrag vergeben, hat das nur bedingt etwas mit Marktwirtschaft zu tun: Am Markt wurde (hoffentlich) entschieden, welche Agentur den bereits beschlossenen Unsinn unter die Leute bringen durfte. Ich glaube nicht, dass solche Produkte auf dem freien Markt eine Chance hätten, wenn die Leute dafür Geld bezahlen müssten.

    Wenn die Eltern der Meinung sind, dass ihre Kinder mehr über die EU wissen sollten, dann können sie sich auf dem freien Markt genügend Bücher über Europa besorgen — oder die EU-Staaten im Sommer bereisen.
    Disclaimer: Ich bin kein EU-Hasser. Aber ich bin dagegen, dass das Steuergeld der EU-Bürger für erkennbar sinnlose Ausgaben verwendet wird.

  8. 9.08.2006 | 11:03

    WAAAH!

    (mehr fällt mir dazu leider nicht ein)

  9. spruance
    9.08.2006 | 13:03

    Wer macht die EU-PR? Mad Margot! Das ist alles, was man dazu wissen muß.

  10. Parker8
    9.08.2006 | 18:44

    Warum soll die EU nicht PR-Aktionen für ihre Ziele machen dürfen, meinetwegen auch für Kinder? Über Qualität lässt sich endlos streiten.

    Bei allen staatlichen Aktivitäten gibt es die “Und das von meinem Geld!”-Rufer. Dass mit dem Autokauf auch das Programm von RTL oder Aktivitäten der Industrie-Verbände finanziert werden, ist Manchem vielleicht nicht so präsent.

  11. 9.08.2006 | 18:56

    @Parker8

    Dass dir der Unterschied zwischen Zwangsabgaben und freiwillig ausgegebenem Geld nicht geläufig ist, habe ich schon immer geahnt…

  12. Parker8
    9.08.2006 | 19:06

    @Rayson
    Wie können Sie denn ein (deutsches) Auto erwerben, das RTL und Industrieverbands-Aktivitäten nicht finanziert?

  13. Marian Wirth
    9.08.2006 | 19:17

    Warum soll die EU nicht PR-Aktionen für ihre Ziele machen dürfen, meinetwegen auch für Kinder?

    Ich bin nicht der Ansicht, dass “Captain Euro” den Anspruch erheben kann, irgendetwas mit “den Zielen der EU” zu tun zu haben. Da Sie das offenbar anders sehen, wäre ich Ihnen dankbar für die Erläuterung, an welcher Stelle in den Rechtsgrundlagen der EU ich etwas über die Bekämpfung einer Bedrohung finden kann, die Dr. D. Vider auch nur entfernt ähnlich ist. Vielen Dank im Voraus.

  14. 9.08.2006 | 19:24

    @Parker8

    Indem ich ein gebrauchtes kaufe? Indem ich aufs Auto verzichte?

    Aber diese Art der “Argumentation” führt nicht wirklich weiter, denn als Autokäufer “finanziere” ich natürlich auch Gewerkschaften, wieder den Staat und womöglich auch NPD und PDS (weiß ich, in welchen Parteien Angestellte und Aktionäre Mitglied sind?).

    Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Wenn ich ein Auto kaufe, dann handelt es sich um einen Akt von Leistung und Gegenleistung. Ich gebe Geld hin und bekomme dafür etwas, dessen Wert ich mindestens so hoch einschätze wie das hingegebene Geld. Was der Empfänger mit der Knete macht, kann mir egal sein.

    Die EU scheint hingegen das Ausgeben meines Geldes selbst schon für die eigentliche Gegenleistung zu halten.

  15. Parker8
    9.08.2006 | 19:27

    @Marian Wirth

    Keine Ahnung. Ich hab’s mir gar nicht angesehen. Es mag grottenschlecht sein, unsinnig und alles Mögliche. Aber Sie gehen das auf der anti-etatistischen Schiene an. “Der alte EU-Skeptiker” und so fort. Das ist hipper Elitismus, den ich für verfehlt halte.

  16. Marian Wirth
    9.08.2006 | 19:52

    Ich hab’s mir gar nicht angesehen.

    Und wie spätestens diese Antwort von Ihnen zeigt, haben sie auch meinen Blog-Eintrag oben nicht gelesen, sonst könnten Sie nicht zu diesem Ergebnis kommen:

    Aber Sie gehen das auf der anti-etatistischen Schiene an.

    Das genaue Gegenteil ist richtig. Ich habe die “Captain Euro”-Kampagne nicht deshalb kritisiert, weil sie ein Produkt bewirbt, dass ich für minderwertig halte, sondern weil sie, ohne jeglichen Bezug zur EU, die Figur des Dr. D. Vider einführt, zu dem es in der Realität kein Pendant gibt. Um mich von den anti-etatistischen EU-Gegnern etwas abzugrenzen, habe ich zum Ausdruck gebracht, dass ich den hier in Rede stehenden EU-Parlamentarier für nicht besonders glaubwürdig halte.

    Mit der EU ist es wie mit dem Sozialstaat: Solange die eine wie der andere nicht nur die von ihr bzw. ihm angestrebten Ziele weit verfehlt, sondern sogar vielfach das Gegenteil des vorgeblichen Zieles erreicht, brauche ich mit Liberalen (zu denen ich mich immer noch nicht zähle) in keine Diskussion darüber einzutreten, ob der Staat überhaupt das Recht haben soll, solche Ziele festzulegen und anzustreben.

    (Liebe Liberale, bevor ihr Euch aufregt: Die Art und Weise, wie gerade in letzter Zeit Staatsziele verfehlt werden, lässt mich in der Tat darüber nachdenken, ob ich nicht meine letzte sozialstaatliche Verankerung auch noch über Bord werfen soll.)

  17. Parker8
    9.08.2006 | 22:20

    @Rayson

    denn als Autokäufer “finanziere” ich natürlich auch Gewerkschaften, wieder den Staat und womöglich auch NPD und PDS (weiß ich, in welchen Parteien Angestellte und Aktionäre Mitglied sind?).
    Ja, vielleicht denken Sie das nächste Mal an diese Zusammenhänge, wenn Sie sich wieder über “Zwangsabgaben” aufregen.

    @Marian Wirth

    So richtig habe ich nicht verstanden, worunter Sie leiden. Aber ich denke, ich weiß durch Ihre Erläuterung jetzt wenigstens, was es nicht ist.

  18. 9.08.2006 | 22:35

    @Parker8

    Wenn ich gewusst hätte, dass deine Konzentration keine zwei Absätze überdauert, hätte ich die Reihenfolge in meinem letzten Kommentar verändert.

    Aber Ausweichen ist auch eine Art Antwort.

  19. Marian Wirth
    9.08.2006 | 23:29

    Sehr geehrter parker8,

    wenn ich Ihr Verhalten im Laufe der bisherigen Diskussion nochmal kurz skizzieren darf:

    Zuerst bekennen Sie sich dazu, den Gegenstand dieses Blog-Eintrags ignoriert zu haben. Dann geben Sie, im Wege der Ansprache ad hominem, zu erkennen, dass sie weder meinen Blog-Eintrag noch meine bisherigen Kommentare gelesen haben oder diesen intellektuell nicht gewachsen sind. Und schließlich verkünden Sie, statt auf meine Erwiderung inhaltlich einzugehen, eine kryptische Ausschlussdiagnose.

    Ich bitte vor diesem Hintergrund um Ihr Verständnis, dass ich Ihnen zukünftig nicht mehr als Diskussionspartner zur Verfügung stehen werde.

    Mit Oliver M.H. vom Antibürokratieteam und Rayson, die mir beide in Bezug auf Wissen und Geduld überlegen sind, stehen Ihnen bereits zwei liberale Babysitter zur Verfügung, sodass Sie auf meine Aufmerksamkeit sicher verzichten können.

    Hochachtungsvoll

  20. 9.08.2006 | 23:42

    @Marian

    Sowohl was Wissen als auch was Geduld angeht, überschätzt du mich maßlos. Ein bisschen Provokation mag ja ganz nett sein, aber wenn Kommentare so ganz den Willen zum Dialog vermissen lassen, ist das auch nicht mein Ding. Also bedanken wir beide uns lieber bei Oliver M.H..

  21. Parker8
    10.08.2006 | 18:13

    @Marian Wirth

    Ich glaube, Sie haben sich einfach ein wenig in Ihrer Argumentation und der Vielzahl Ihrer aufgerufenen Zeugen verheddert. In Ihrer Klarstellung beklagen Sie, dass die EU die von ihr angestrebten Ziele weit verfehle – angesichts eines Comics! Sie führen einen ausgewiesenen EU-Hasser ein, erklären ihn für suspekt und berufen sich dann eben auf dessen Urteil. Wenn Sie nach zwei Wortwechseln nicht mehr mit mir sprechen wollen, dann lassen Sie sich wenigstens den Ratschlag mitgeben, Ihre Argumentation in Zukunft zu verklaren.

Bad Behavior has blocked 1043 access attempts in the last 7 days.