3. August 2006
Zitieren ist Glückssache
Wir hacken hier ja gerne mal auf SPON ein. Aber das Verfälschen von Aussagen beherrschen auch andere Teile der Medien. Man vergleiche folgende Mitteilungen zu einem Interview, das Jürgen Rüttgers kürzlich dem “stern” gegeben hat:
“Die CDU ist keine kapitalistische Partei” (stern)
“Rüttgers: CDU muß sich von „Lebenslügen“ verabschieden” (FAZ)
“CDU ist keine kapitalistische Partei” (Welt)
Wenn ich davon ausgehe, dass die Meldung des “stern” der Wahrheit ziemlich nahe kommt (ich lese diese Zeitschrift nicht), fällt uns ein frappierender Unterschied zu den Meldungen von FAZ und Welt auf. Zitat aus “stern”:
“Arbeitszeitverkürzungen führen nicht zu weniger Arbeitslosigkeit. Auch die Behauptung, dass Steuersenkungen zu mehr Investitionen und damit zu mehr Arbeitsplätzen führen, ist in dieser Einfachheit nicht richtig. Gleiches gilt für die Behauptung, die Löhne in Deutschland seien zu hoch. Wer das vertritt, weiß nicht, wie die Menschen hier leben.”
Der erste Satz wird in FAZ und Welt überhaupt nicht thematisiert. Klar, er passt nicht in das Schema “Rüttgers wird Sozialdemokrat”. Im zweiten Satz unterschlagen FAZ und Welt einen entscheidenden Unterschied, indem sie die Worte “in dieser Einfachheit” einfach unterschlagen und so zu einer komplett anderen Aussage gelangen. Lassen wir mal außer Acht, dass Rüttgers mit diesem Interview wohl tatsächlich einen Imagewechsel der CDU befördern möchte, der zu ihrem bisherigen Regierungshandeln passt und mit den noch im Wahlkampf vertretenen Positionen abschließt (die hier geschilderte Reaktion Westerwelles darauf halte ich übrigens für vernünftig) – ich z.B. kann dem Zitat mit dieser Einschränkung zustimmen und müsste es ohne sie ablehnen.
Was für ein Journalismus ist das, der so manipuliert?
Verfasst von Rayson um 19:54 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik, Presse / SPON- und taz-Blog, Sprache, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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