29. Juli 2006
Doping: Ein Fall für den Staat?
Nach dem Zynismus jetzt das Nachdenken: Wie kriegt man das Doping aus dem Sport? Brauchen wir neue Gesetze wie in Spanien oder in Italien?
Eine Alternative ist tatsächlich die Freigabe. Da die Sportler die Mittel ja freiwillig zu sich nehmen (alles andere wäre strafrechtlich relevante Körperverletzung und mehr) und eine physische Abhängigkeit wohl nicht vorliegt, gäbe es prinzipiell keine Gründe, warum der Staat sich dann mit Anti-Doping-Gesetzen einmischen sollte. Allein, aus Sicht der Verantstalter, Teams und Sponsoren wäre das wohl keine weise Entscheidung: Doping “funktioniert” nur unter der Illusion eines “sauberen Sports”. Wenn die Zuschauer wissen, dass die Protagonisten ihre Leistung der Pharmaindustrie verdanken, werden sie das Interesse verlieren. Wir wollen menschliche Helden und keine Frankenstein-Geschöpfe.
Eine andere Alternative wäre die aus meiner Sicht wünschenswerte: Freiwillige Umkehr der Beweislast. Ein Gremium aus fachlich ausgezeichneten Wissenschaftlern ermittelt dazu die Bedingungen, die aus seiner Sicht die Einschätzung rechtfertigen, ein Sportler sei mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gedopt. Das umfasst z.B. Art und Zeitpunkt von Kontrollen und Untersuchungen oder auch Schadenersatzregelungen. Der Nachteil besteht in einem hochgradigen Verlust an Privatsphäre bei den Sportlern, die sich einem solchen Regime unterwerfen. Man könnte ihn unter Umständen dadurch auffangen, dass der Zugriff zu den Informationen über die Sportler besonders geregelt wäre. Die Aktiven hätten dann die Wahl, ob sie sich diesem Regime unterwerfen oder nicht. Den Rest würde ich dem Markt überlassen. Lassen wir uns überraschen, wen die Zuschauer sehen und wen die Sponsoren für sich werben lassen wollen: den, der jeden Nachweis zu erbringen bereit ist, dass er nicht gedopt ist, oder den, der sich nur Minimalanforderungen unterwirft, die offensichtlich nicht ausreichend sind, einen Verdacht zu widerlegen.
In beiden Fällen bleibt mir die Frage: Was hat der Staat da zu suchen? Ist er Erfüllungsgehilfe von Sportveranstaltern oder Sponsoren? Oder meint er, Menschen vor sich selbst schützen zu müssen? Beides wäre ebenso denkbar wie abzulehnen.
Die dritte Alternative: Alles bleibt, wie es ist, garniert mit schärferen Gesetzen. Das hieße, der Wettlauf zwischen Analyse und Anwendung bliebe uns erhalten und wir könnten weiter nicht sicher sein, ob unfaire Methoden im Spiel waren oder nicht. Wir wüssten nur, dass man diejenigen, die zu leichtsinnig sind, hart bestrafen würde. Also käme ein weiteres Wettbewerbselement ins Spiel: Die cleveren Doper setzen sich gegenüber den naiven durch. Ist das ein Ergebnis, dass staatliches Eingreifen erforderlich macht? Kaum.
Verfasst von Rayson um 19:25 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik (Trackback)
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