Krieg der Bilder

Da ging kürzlich ein Bild durch die Blogs, ein Bild von israelischen Kindern, die etwas auf Geschosse schreiben. Die Reaktion war einmütig: Israel hetzt seine Kinder gegen die Libanesen auf. Antisemiten und “Neutrale” sahen sich erneut in der Schuldfrage bestätigt: Die einen wissen, dass Israel der Übeltäter ist, die anderen bemühen sich darum, die Schuld für Krieg, Terror und Tote möglichst gleich auf “Konfliktparteien” zu verteilen. Palästinensische Kinder mit Kalaschnikows kennen wir schon, jetzt wissen wir also auch, wie israelische Kinder zum Hass erzogen werden. Ein Bild sagt schließlich mehr als tausend Worte, oder?

Nein, sagt es eben nicht. Ein Krieg hat mehrere Fronten, und Öffentlichkeitsarbeit ist eine davon, wie man übrigens auch in einem ausgezeichneten Beitrag bei Euroneuzeit, auf den ich sehr gerne hinweise, nachlesen kann.

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6 Kommentare zu “Krieg der Bilder”

  1. der gute don
    20.07.2006 | 18:20

    Nein, sagt es eben nicht.

    In dem Beitrag wird viel erklärt wie es dazu kam, daß Kinder auf Geschoße Flaggen und anderes kritzeln. Das alles ändert aber an der Tatsache an sich nichts. Auch wenn Geschosse bemalen nicht Teil des Lehrplans ist und die Menschen dort jeden Tag leiden, es ändert nichts an der Tatsache, daß Grüße auf Waffen geschrieben werden. Ja, die israelischen Kinder haben ein ungesundes Verhältnis zu Tot, Krieg und Leiden. Aber haben gewehrschwingende Kinder im Libanon das nicht auch?

    Ich erinnere mich auch gut, wie nach dem 11. September im Fernsehen uralte Bilder von fanataischen bewaffneten palästinesichen Kindern und Ihren Familien gezeigt wurden, Kommentar: man würde dort den Anschlag feiern.

    Ausnahmslos alle versuchen Stimmung zu machen, Bilder sind in jedem Krieg eine Waffe.

  2. 20.07.2006 | 18:58

    Ja, die israelischen Kinder haben ein ungesundes Verhältnis zu Tot, Krieg und Leiden.

    Gerade das wird von Lisa verneint. Diese Kinder haben nur ein Verhältnis zu dem Gefühl, beschossen zu werden, und ein sehr gesundes Verhältnis zum Leid. Die Menschen, von denen sie konkret mit dem Tod bedroht werden, ohne zu wissen warum, zeigen ihr Gesicht nicht. Ihr Feind ist abstrakt oder trägt den Namen einer ganz bestimmten Person, die sie verantwortlich machen.

    Das ist nicht vergleichbar mit der Erziehung zum Hass gegen ein ganzes Volk.

    Aber generell hast du natürlich Recht, und ich habe es auch bewusst allgemein ausgedrückt. Bilder aus dem Krieg sind spätestens seit Vietnam immer Teil des Kriegs.

  3. 21.07.2006 | 6:51

    Ja, die israelischen Kinder haben ein ungesundes Verhältnis zu Tot, Krieg und Leiden.

    ???? Wie viele Kinder in Israel kennen Sie, guter Don???

    Seit Jahren sehen wir auf pro-palästinensischen Demos Kinder in Sprenggürteln, und ja, wir sehen sie auch an unseren Checkpoints, in echt sozusagen. Verhetzte Kinder, Kinder mit Waffen, Kinder, die vor Haß zittern und jubeln. Als Mutter muß ich sagen, da dreht sich mir das Herz um, diese Kinder werden als Propagandaschleudern mißbraucht und sind emotional verdreht, vielleicht ein Leben lang.

    Aber das vergleichen mit einem Fall, wo Kinder, von ausländischen Journalisten ermuntert, leichtsinnig und dumm auf Raketen kritzeln, ohne nachzudenken und ohne Haß? Ich kenne mehr israelische Kinder als der gute Don, da lege ich meine Hand aber für ins Feuer, und ich kenne keines, das waffenfuchtelnd oder Hetzparolen schnaubend durch die Welt läuft. Wir erziehen nicht zu Haß, auch wenn im Moment bestimmt viele Leute einen ziemlichen Hals haben – wer läßt sich schon gelassenen Sinnes seit Jahren mit Raketen beschießen? Aber meine Kinder lernen Arabisch in der Schule, lernen die arabische Kultur als wertvoll und reich schätzen und ich kenne keinen Lehrer, der dummes, vorurteilbeladenes Gerede arabischen Mitschülern gegenüber durchgehen ließe.

    Das kann man nicht vergleichen, aber doch entlastet es das Gewissen der deutschen Beobachter. Wenn man die Haßgefühle der Israelis und die der Palästinenser gleichsetzt, dann muß man sich mit der wahren Lage nicht auseinandersetzen, dann hat man eine bequeme Erklärung für die Lage, dann kann man sagen, “das sind zwei tolle Hunde, die sich ineinander verbissen haben, wen interesiert es schon, wer angefangen hat”.

    Dabei ist das nciht so einfach. Ich lebe seit fast 20 Jahren hier und kann versichern, daß ich hier keine vier Kinder auziehen würde, wenn irgendwo Haß gepredigt würde.

    Die ganze Gesichcte ist hier abgedruckt. http://ontheface.blogware.com/blog

    Lisa ist eine ehrliche Kritikerin ihres Landes, und wenn an der Geschichte was dran wäre, würde sie es sagen. Ich kenne Lisa, sie ist Journalistin und Bloggerin, hat ausgzeichnete Kontakte zu arabischen Kollegen (sie war es, die vor ein paar Monaten den iranischen Blogger Hoder nach Israel brachte, was auch durch deutsche Medein ging).

    Es ist aber interessant, wie hämisch und entzückt die Welt auf diese Bilder reagiert. Ein Vorfall, zugegebenermaßen keine intellektuelle Glanzleistung der MÄdchen, und schon wird es von allen als Beweis für etwas gesehen, was zwar nicht stimmt, aber bequem in die Stereotypwelt paßt.

    Irgendwo sitzt jetzt ein Journalist und kichert, wenn er an diese photo opportunity denkt.

    Und um meine Glaubwürdigkeit ganz aufs Spiel zu setzen, guter Don (denn ich erwarte nicht, daß Du mir glaubst, einfach so, aus Resignation und Traurigkeit) – ich weiß nicht mal, ob meine Mädchen bei sowas nciht mitgemacht hätten. Sie sind so naiv und geschützt aufgewachsen, daß sie gar nicht begreifen würden, was sie da tun. Sie wissen nicht, wie todbringend diese Geschosse sind. Ich schütze sie auch vor diesem Wissen.

    Ich habe es schon oft wiederholt: hier in Israel werden keine Süßigkeiten verteilt, wenn unsere “Feinde” sterben (sie sind Feinde, weil sie es gewählt haben und sich so verhalten, nicht weil wir sie dazu erklärt haben, bedeuten die Anführungszeichen) – wir jubeln nicht, wir ziehen nicht durch die Straßen.

    Vergleich doch mal die Demos in Israel mit den Demos gegen Israel. In Tel Aviv war eine friedliche Demo für Frieden, gegen Krieg, auch den unseren. Keine Haßpropaganda gegen irgendwen, einfach eine pro-Frieden-Demo. Dagegen die anti-israelischen Demos auf der ganzen Welt! Tod dem Zionismus, und der ganze andere Mist. Uns gehen Haßparolen nun mal nicht so leicht über die Lippen (obwohl ein Journalist, der darauf aus ist, wohl die üblichen Trottel finden wird, die dummes Zeug von sich geben).

    Nein, diese Gleichsetzung ist unfair, sie ist tendenziös und sie ist einfach nicht wahr.

    Und noch einmal zum Ausgangssatz:
    Ja, die israelischen Kinder haben ein ungesundes Verhältnis zu Tot, Krieg und Leiden.

    Wenn Du damit meinst, daß sie wissen, jemand will sie töten, daß sie wissen, Busse sind gefährlich, daß sie wissen, viele Kinder sind schon in Anschlägen gestorben, daß sie wissen, es kann ihnen jederzeit eine Rakete auf den Kopf fallen… dann hast Du natürlich recht. Die Kinder hier wissen trotz unserer Bemühungen, sie zu schützen, mehr über Tod, Krieg und Leid, als sie sollten. Jede Famiie ist von Tod, Krieg und Leid schwer überschattet.

    Wenn Du das gemeint hast, guter Don, dann hast Du vollkommen recht, und danke, daß Du es gesagt hast.

  4. der gute don
    21.07.2006 | 10:23

    Wenn Du das gemeint hast, guter Don, dann hast Du vollkommen recht, und danke, daß Du es gesagt hast.

    Ich denke ich habe festgestellt, was jeder vernünftige Mensch sieht und versteht. Du brauchst nicht bei jeden Sarkasmus zu wittern. Es ist nicht richtig, wenn Kinder in solchen Umständen wie im Nahen Osten aufwachsen müssen und wir sollten alles Mögliche tun, um den Menschen, insbesondere den jungen, zu helfen in friedlichen Verhältnissen zu leben. Die Kinder heute besiegeln nunmal das Schicksal der Region in 20-30 Jahren.

    … ich weiß nicht mal, ob meine Mädchen bei sowas nciht mitgemacht hätten. Sie sind so naiv und geschützt aufgewachsen, daß sie gar nicht begreifen würden, was sie da tun. Sie wissen nicht, wie todbringend diese Geschosse sind.

    Ich bin ganz bei Dir. Meine Frage: Hätten die Erwachsenen hier nicht eingreifen müssen? Es mutet mir etwas merkwürdig an, daß arabische Kinder alle aufgehetzt werden, israelische Kinder aber nicht wissen was sie tun.

    Ich denke auf beiden Seiten verstehen die Kinder nicht was sie tun. Sie entwickeln erst Ihre Persönlichkeit unter den Vorgaben des sie umgebenden Wertesystems. Ich will auf keinen Fall bestreiten, daß israelische Kinder hierbei in vielerlei Hinsicht bessere Chancen haben, gerade deswegen habe ich eigentlich noch mehr Mitleid mit den arabischstämmigen Kindern, ihr Weg ist fast chancenlos vorgezeichnet.

    Uns gehen Haßparolen nun mal nicht so leicht über die Lippen

    Man muß Haß nicht “hören” um seine Existenz aufzuzeigen. Erwachsene, die Grüße auf Panzer schreiben und Ihre Kinder nicht davon abhalten auf Geschosse zu kritzeln empfinden offensichtlich auch Hass. Mit Sicherheit wird er nicht so fanatisch geäußert wie im Umland, aber das macht es auch nicht besser. Da kann man 3 Seiten drüber schreiben wie gerechtfertigt der Hass und die Wut sein mögen, es ändert nichts an seiner Existenz.

  5. 22.07.2006 | 15:16

    [...] Hintergrundinformationen gibt es hier, hier, hier und hier. [...]

  6. 22.07.2006 | 23:36

    Ach Don, danke fuer Deine nette Antwort, schoen, dass wir nicht in eine dieser vollkommen sinnlosen Pingpongdiskussionen gerutscht sind.

    Du wirst es vielleicht nicht glauben. Die Kinder in Israel werden nicht zu Hass erzogen. Es mag Dir irrelevant vorkommen, aber im Judentum gilt das Wort, dass man nicht ueber den Fall seines Feindes jubeln sollte, sehr viel. So wird z.B. in der Gedenkfeier an die Flucht aus Aegypten immer auch der Feinde gedacht, die ja ihre Erstgeborenen verlieren und ihre Streitmacht. Das ist zwar laut Aggadah Gottes Walten, aber die Juden jubeln nicht, als ihre Feinde im Wasser versinken, sondern gedenken ihrer noch nach tausenden von Jahren. (Nein, ich bin nicht juedisch, nur so eine Art Zaungast.)

    Aber die Vorstellung von der Symmetrie des Hasses ist so tief verwurzelt, dass ich manchmal selbst nicht weiss, warum ich dagegen ueberhaupt anschreibe. Vielleicht weil fuer mich Hass die schlimmste Suende ueberhaupt ist, Wurzel aller Uebeltaten. Einer der Gruende dafuer, dass ich hier lebe, ist die lockere Atmosphaere und das Bemuehen um Menschlichkeit und Unvorgenommenheit, von der auch ich als Deutsche hier profitiere.

    Na ja, das ist nun mal mein persoenlicher musikalischer Ellenbogen, diese Sache mit dem Hass, ich hoer schon auf ;-)

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