Journalisten als Richtschützen?

Richtschütze war ein begehrter Job damals bei uns “Muckern” (Infanteriesoldaten, oder wie das hier heißt) in der NVA. Ein Richtschütze richtete die Kanone des Schützenpanzerwagens mittels eines manuell zu bedienenden Drehrades auf den Feind. Er brauchte nicht im Dreck rumkriechen und saß in einem verhältnismäßig weichen Sessel.

Nun wirft man einem al-Dschasira-Journalisten wohl vor, ähnliche Tätigkeiten (gewollt oder ungewollt) für die Hisbollah erledigt zu haben. Und es ist ja tatsächlich zu fragen (und wurde von aufmerksamen Beobachtern schon gefragt), ob es nicht von Nachteil für die Israelis sein kann, wenn die Hisbollah die Einschläge ihrer Raketen am Bildschirm live beobachten, um dann vielleicht nachjustieren zu können.

Diejenigen, die sich nun über die Festnahme des Richtschützen erregen, hätten diesen Hintergrund zumindest in ihre Erwägungungen einbeziehen sollen, oder?

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4 Kommentare zu “Journalisten als Richtschützen?”

  1. 18.07.2006 | 12:13

    auf cnn wurden gestern mittag auch live-bilder aus haifa gesendet, als dort gerade die sirenen heulten. von der verhaftung eines cnn-mitarbeiters im anschluss ist mit nichts bekannt.

    gleichwohl ist weiterhin der große unterschied, dass arabische journalisten aus israel berichten dürfen, israelische reporter aber nicht aus dem libanon.

  2. Boche
    18.07.2006 | 12:45

    Bei diesem CNN-Bericht wäre natürlich die Frage, ob das gezeigte evtl. militärisch weniger aussagekräftig war oder ob die Verhaftung tatsächlich nur aus Scheu vor der Herkunft des Journalisten nicht erfolgte.

    Dass isralische Journalisten nicht aus dem Libanon berichten dürfen, wusste ich nicht. Es ist aber dumm von der libanesischen Regierung, dies zu verhindern. Denn etwaige Kritik an den Fehlern der eigenen Armee dürfte in einer Demokratie wie Israel wohl durchaus auch im Interesse Libanons sein.

  3. 18.07.2006 | 12:53

    Man könnte es ja auch so sehen, daß das kein Richtschütze war, sondern ein Artilleriebeobachter. Und das ist dann doch ein eher undankbarer Job. Denn wie heißt es noch so schön: Die Artillerie kennt nicht Freund noch Feind, nur lohnende Ziele. ;-)

  4. 18.07.2006 | 13:00

    ich denke schon, dass Mitarbeiter israelischer Medien im Libanon arbeiten dürfen, so lange sie keine Staatsbürger des vom Libanon nicht offiziell anerkannten Staates Israel sind.

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