Logisch

Ich hätte auch aufgehört. Warum?

  1. Klinsmann kam als Notnagel ohne Alternative, jetzt aber müsste er damit rechnen, dass bei Misserfolgen einige mit den Hufen scharren werden.
  2. Die WM im eigenen Land war ein so überragendes Ziel, dass viele maßgebliche Akteure ihre Eigeninteressen zurückgestellt haben. Die jetzt alle zwei Jahre folgenden Turniere sind dagegen vergleichsweise grauer Alltag.
  3. Bevor es ernst wurde, hatte man eine lange exklusive Vorbereitung. Die Spiele während der Saison konnten als Testspiele angesehen werden. Im Gegensatz dazu sind zukünftig parallel zum Bundesliga-Alltag wichtige Qualifikationsspiele zu bestreiten.
  4. Das Echo aus DFB und Bundesliga ist heuchlerisch: Da Klinsmann sich noch an ein anderes Spiel gegen Italien erinnern kann, weiß er die wenigen wahren Unterstützer von den vielen Mitläufern zu unterscheiden.
  5. Die Blöd-Zeitung ist gegen ihn, d.h. er muss im schlimmsten Fall mit “Enthüllungen” in seinem Privatleben rechnen.
  6. Mehr Erfolg als jetzt ist unwahrscheinlich. Viele Spieler sind über sich hinausgewachsen, aber an der Grundqualität mangelt es noch immer. Europameisterschaften sind zudem besser besetzt als Weltmeisterschaften.
  7. Jeder Motivator nutzt sich mal ab. Diese Erfahrung machen nicht nur Fußballtrainer immer wieder.

Warten wir ab, wer Nachfolger wird. Löw wäre keine besonders gute Lösung. Sollte er es dennoch werden, folgt an dieser Stelle auch die Begründung für meine Meinung.

Update:

Es sieht so aus, als liefe es auf Löw hinaus. Ich halte das für keine gute Idee, weil Löws bisherige Trainerstationen bei größeren Vereinen (bis auf die erste beim VfB Stuttgart vielleicht) eher als Misserfolge zu bezeichnen sind. Offensichtlich fehlt es ihm an Eigenschaften, die über das Taktische und Trainingskonzeptionelle hinausgehen, für einen Trainer oder “Teammanager” aber unabdinglich sind. Er hat darüber hinaus nicht die Popularität und den Respekt aus aktiver Zeit, die z.B. ein Völler oder ein Klinsmann einbringen konnten, und die zumindest eine Zeitlang vor den Angriffen schützen, die gerade bei einer konsequenten Verfolgung des eben eingeschlagenen Weges unweigerlich kommen werden. Löw ist wie z.B. Holger Osieck ein perfekter zweiter Mann, weil er in genau dieser Position seine Stärken einbringen kann. Als Löwenbändiger von Mannschaft und Öffentlichkeit taugt er nicht.

Die Frage nach den Alternativen ist natürlich berechtigt. Am liebsten wäre mir selbst ein Deutsch sprechender internationaler Toptrainer mit ähnlicher Philosophie, also z.B. einer vom Kaliber eines Arsène Wenger, aber das ist wohl unrealistisch. Daum ist verbrannt, Hitzfeld eher ein Rückschritt, Matthäus eine Katastrophe und Klopp oder Doll zu grün. Bierhoff ist zu kühl, Sammer zu problematisch. Vielleicht sollten wir uns wieder einen von Berti empfehlen lassen?

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8 Kommentare zu “Logisch”

  1. 12.07.2006 | 11:19

    Zustimmung zu den sieben Punkten. Ich kann die Entscheidung Klinsmanns sehr gut verstehen. Aber könnte Löw nicht in Kombination mit Bierhoff und Sammer funktionieren?

    Welche Alternativen gäbe es denn? Einen ausländischen Trainer werden sie beim DFB sicher nicht nehmen. Matthäus und Daum will man nicht.

    Man sollte vielleicht mal die “Titanic” fragen ;-)

  2. Francois
    12.07.2006 | 11:24

    Ich hätte auch keine Lust, bei jedem Spiel, das nicht 5:0 gewonnen wird, ständig über meinen Wohnsitz zu diskutieren.

    Ich verstehe Klinsmann und v.a. Punkt 4 von Rayson.

  3. 12.07.2006 | 11:51

    @stefanolix

    Siehe Update :-)

  4. 12.07.2006 | 12:47

    Ich hätte mich wie Klinsmann entschieden. Und zwar aus Gründen 4 und 5 – die übrigens, als er die Aufgabe übrnahm, noch nicht voll absehbar waren. Ich vermute, er hat die WM noch mit zusammengebissenen Zähnen ordendlich zuende gebracht, dauernd gegen die drei B-Mächte in Fußball-Deutschland anzukämpfen (Bild, Bayern-München und Beckenbauer – letzterer stellvertretend für den DFB-Klüngel) kostest auf die Dauer einfach zuviel Nerven.

  5. 12.07.2006 | 12:54

    Das hätte mich auch sehr gewundert (und ent-täuscht), wenn er weiter gemacht hätte, zumal er ja praktisch mit einem “Kreuziget ihn” begonnen hat und das jetzige “Hosiana” doch durch allerlei externe Faktoren aufgepumpt war, wie vo Rayson beschrieben.

    Vielleicht wird ja jetzt die Löw-Lösung gewählt, mit Klinsmann als spiritus rector und deus ex machina (Videokonferenz, wöchentlicher Klinsi-podcast…). Jemand, der gar nicht Trainer ist, kann nicht gefeuert werden.

    Wie wäre es mit Pekerman? Der wäre jetzt frei ;-) .

  6. 12.07.2006 | 13:23

    Den Kampf mit der Öffentlichkeit muss Bierhoff übernehmen, der ist doch smart genug. Dem Vernehmen nach kann Sammer besser mit der BILD zusammenarbeiten als Klinsmann, also wäre diese Flanke auch besetzt. Und Löw macht eben die fachliche Arbeit. Sammer und Bierhoff haben außerdem ihre Meriten aus der Nationalmannschaft (EM ‘96).

  7. 12.07.2006 | 13:47

    Ich kann es voll verstehen.
    Er hat die Berichterstattung in der Vergangenheit (gut dargestellt zum Beispiel im Bildblog) bestimmt nicht vergessen.

    Er muß damit rechnen, dass das Spielchen schnell wieder los geht. Dann kann sich niemand mehr an die Leistung von Klinsmann bei der WM erinnern.
    Er hat jetzt etwas geschafft, was niemand so erwartet hatte. Ab jetzt hätte er nur noch verlieren können, weil jeder von nun an erwartet, dass die Mannschaft zum Beispiel die EM gewinnt.

  8. 12.07.2006 | 21:52

    Schöner Artikel aber vielleicht wird der Jogi das schon machen. Klinsmann war als Spieler ja auch nicht immer gleich gut. Oder darf man das nicht miteinander vergleichen? Im Ernst. Ich sehe nur einen Punkte, der vielleicht gegen Löw spricht. Er mag vielleicht weniger druckvoll innerhalb der verkrusteten Strukturen des DFB wirken können. Aber du hast Recht. Die Alternativen sind nicht bestechend. Klopp hätte ich mir schon vorstellen können. Er hat eine Art, die ich der von Klinsmann insbesondere in Bezug auf seine motivatorischen Fähigkeiten am ehesten vergleichbar finde.

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