12. Juli 2006
Logisch
Ich hätte auch aufgehört. Warum?
- Klinsmann kam als Notnagel ohne Alternative, jetzt aber müsste er damit rechnen, dass bei Misserfolgen einige mit den Hufen scharren werden.
- Die WM im eigenen Land war ein so überragendes Ziel, dass viele maßgebliche Akteure ihre Eigeninteressen zurückgestellt haben. Die jetzt alle zwei Jahre folgenden Turniere sind dagegen vergleichsweise grauer Alltag.
- Bevor es ernst wurde, hatte man eine lange exklusive Vorbereitung. Die Spiele während der Saison konnten als Testspiele angesehen werden. Im Gegensatz dazu sind zukünftig parallel zum Bundesliga-Alltag wichtige Qualifikationsspiele zu bestreiten.
- Das Echo aus DFB und Bundesliga ist heuchlerisch: Da Klinsmann sich noch an ein anderes Spiel gegen Italien erinnern kann, weiß er die wenigen wahren Unterstützer von den vielen Mitläufern zu unterscheiden.
- Die Blöd-Zeitung ist gegen ihn, d.h. er muss im schlimmsten Fall mit “Enthüllungen” in seinem Privatleben rechnen.
- Mehr Erfolg als jetzt ist unwahrscheinlich. Viele Spieler sind über sich hinausgewachsen, aber an der Grundqualität mangelt es noch immer. Europameisterschaften sind zudem besser besetzt als Weltmeisterschaften.
- Jeder Motivator nutzt sich mal ab. Diese Erfahrung machen nicht nur Fußballtrainer immer wieder.
Warten wir ab, wer Nachfolger wird. Löw wäre keine besonders gute Lösung. Sollte er es dennoch werden, folgt an dieser Stelle auch die Begründung für meine Meinung.
Update:
Es sieht so aus, als liefe es auf Löw hinaus. Ich halte das für keine gute Idee, weil Löws bisherige Trainerstationen bei größeren Vereinen (bis auf die erste beim VfB Stuttgart vielleicht) eher als Misserfolge zu bezeichnen sind. Offensichtlich fehlt es ihm an Eigenschaften, die über das Taktische und Trainingskonzeptionelle hinausgehen, für einen Trainer oder “Teammanager” aber unabdinglich sind. Er hat darüber hinaus nicht die Popularität und den Respekt aus aktiver Zeit, die z.B. ein Völler oder ein Klinsmann einbringen konnten, und die zumindest eine Zeitlang vor den Angriffen schützen, die gerade bei einer konsequenten Verfolgung des eben eingeschlagenen Weges unweigerlich kommen werden. Löw ist wie z.B. Holger Osieck ein perfekter zweiter Mann, weil er in genau dieser Position seine Stärken einbringen kann. Als Löwenbändiger von Mannschaft und Öffentlichkeit taugt er nicht.
Die Frage nach den Alternativen ist natürlich berechtigt. Am liebsten wäre mir selbst ein Deutsch sprechender internationaler Toptrainer mit ähnlicher Philosophie, also z.B. einer vom Kaliber eines Arsène Wenger, aber das ist wohl unrealistisch. Daum ist verbrannt, Hitzfeld eher ein Rückschritt, Matthäus eine Katastrophe und Klopp oder Doll zu grün. Bierhoff ist zu kühl, Sammer zu problematisch. Vielleicht sollten wir uns wieder einen von Berti empfehlen lassen?
Verfasst von Rayson um 11:03 Uhr in der Kategorie Steckenpferde der Autoren (Trackback)
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