Ergänzung bei “Über uns”

Es wurde Zeit für eine kleine Ergänzung des “Über uns“-Textes. Im Wesentlichen für alle, die Tucholskys Forderung nach Ironiekennzeichen in der deutschen Sprache uneingeschränkt unterstützen können, und diejenigen, die krampfhaft versuchen, Individuen zu Gruppen zu nivellieren.

Alles hört auf mein Kommando

Natürlich empfinde ich Schadenfreude, wenn Microsoft eine Analystenkonferenz in die Hose geht. Aber wieso sind eigentlich die Leute so heiß auf die Steuerung eines PCs per Spracherkennung? Gut, für Textverarbeitung mag das sinnvoll sein, aber sonst? Man stelle sich mal ein Großraumbüro vor, in dem jeder seinem PC irgendwelche Befehle entgegenbellt. Wie viel angenehmer sind dagegen diskretes Tastaturklappern und Mausklicken…

Besser nicht auf den Staatsanwalt warten

Wie wenig sinnvoll es ist, mit rechtlichen Schritten gegen Hetzpropaganda vorzugehen, zeigt dieser Artikel in der Netzeitung. Darin kann man wunderbar erkennen, dass es lediglich durchdachter Parolen bedarf, um gegen wen auch immer übel zu hetzen. Strafrechtliches Vorgehen erscheint dagegen immer am Rande der Lächerlichkeit zu agieren.

Es bleibt wohl doch nichts anderes übrig, als Hetze und Hass-Parolen durch Bürgerengagement und Argumente zu erwidern. Justitia wird das kaum für uns regeln können.

Waffenruhe auf islamistisch

Zum Thema Kana ist bei Statler&Waldorf eigentlich alles zu finden, was auch mir zu sagen einfiele, wenn ich an diese schlimme Tragödie denke.

Außerdem wird – so abgeschlossen die einseitige Verurteilung Israels für die üblichen Vorurteilsinhaber natürlich schon ist – sicher noch abzuwarten sein, was die Untersuchung des Vorkommnisses ergibt. Warum explodiert ein Haus erst 7 Stunden nach der Bombardierung? Saßen die Flüchtlinge dort vielleicht in mitten eines Hisbollah-Waffenlagers? Freiwillig?

Nun hat Israel also eine 48-stündige Waffenruhe verkündet. Wohlwissend, dass diese natürlich nicht nur (hoffentlich) von Zivilisten genutzt wird, das umkämpfte Gebiet zu verlassen. Sondern auch von der Hisbollah, sich zu formieren und neu in Stellung zu bringen.
Und was lesen wir heute? Die Hisbollah ignoriert die Waffenruhe und feuert neue Raketen nach Nordisrael.
Die sind nicht dumm, die Islamisten. Sie wissen ganz genau, dass in den Augen der Weltöffentlichkeit auf Juden gefeuerte Raketen nicht zählen. Eine Waffenruhe, ein Frieden, der diesen Namen verdient, ist ein passives Israel, dass sich beschießen lässt, ohne großen Ärger zu machen.

UPDATE:
Hier bei Lizas Welt findet sich ein Wörterbuch, mit dem die Reaktionen der deutschen Presse auf den aktuellen Krieg Israels gegen die Hisbollah gedeutet werden können. Weil sich mit Sprache eben auch gut Krieg führen lässt…

NACHTRAG:
Offensichtlich hat die Hisbollah doch noch keine Raketen abgefeuert.

NACHTRAG 2:
Nun fliegen sie doch wieder, die Hisbollah-Raketen.

Auf Druck der USA

Schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit lese ich bei SPON einen Artikel, in dem berichtet wird, der Sicherheitsrat der UN habe “auf Druck der USA” von einer Verurteilung Israels abgesehen.

Die Wahrheit ist natürlich, dass die USA, wie jedes andere ständige Mitglied auch, mit einem “Nein” jeden Beschluss verhindern können (auch fälschlich “Vetorecht” genannt). Deswegen werden diejenigen, die an einem Sicherheitsratsbeschluss interessiert sind, immer einen Vorschlag vorlegen, der vorher mit allen ständigen Mitgliedern abgestimmt wurde.

Interessant ist SPONS unterschiedliches Arsenal von Formulierungen für ähnliche Tatbestände. Die USA “üben Druck aus” oder “blockieren“,
Russland und China “wenden sich gegen etwas” “lehnen ab (2x)”,
sprechen sich gegen etwas aus” oder “bestehen auf etwas“.

Honi soit…

Urlaubslektüren 31.07.2006

Da gerade das Kosmoblog Betriebsferien macht (dafür ist bestimmt der Blogbetriebsrat verantwortlich!), habe ich endlich mal wieder eine Chance, auf einige Quellen hinzuweisen; der Herr Speck lässt einem ja ansonsten kaum etwas übrig. Sie haben’s übrigens gut, Herr Speck: Da Sie kein (Sozial-)Demokrat* sind, können Sie Robert Reichs Rules for a Sane Vacation (“First, don’t read anything. Second, don’t watch anything. Third, don’t talk with anyone.”) getrost ignorieren.

Dann mal los: 

(mehr…)

Ambivalente Seeräuber

Historische Piraten umweht neben einer steifen rebellischen Brise der Duft von Freiheit, Gleicheit und ausgeprägter Brüderlichkeit: bei Seeräubers ging’s angeblich sozial gerecht zu. In einem längeren Artikel auf meinem Senfblog versuche ich einen Blick hinter den Mythos vom Freibeuter als “Robin Hood der Meere” zu werfen. Sozialromantische Piraten.

Eins sei vorweggenommen: die berühmten “Brüder der Küste” (in der Karibik, zwischen 1630 und 1693) waren nach innen ebenso kommunistisch, wie sie nach außen hin anarchokapitalistisch (alias “libertär”) waren.

Chávez, der Achmadinedschad-Versteher

Mit Personenkult ist das so eine Sache. Um ganz sicherzugehen, sollte man sich nur geeignete tote Kultfiguren aussuchen. Lebende demontieren sich gerne selbst.

Doping: Ein Fall für den Staat?

Nach dem Zynismus jetzt das Nachdenken: Wie kriegt man das Doping aus dem Sport? Brauchen wir neue Gesetze wie in Spanien oder in Italien? (mehr…)

Hüpf

Sieh da: Ein Stöckchen von Karsten. Diesmal sogar ein ganz besonderes: mit Peilsender! Wer sich so viel Mühe macht wie der Initiator dieser Idee, darf ruhig mit reger Teilnahme belohnt werden. Also denn: (mehr…)

SPD-Senator feiert “sozialistische Gemeinschaftsarbeit”

“Fleißige Bauarbeiter, Ingenieure und … erbauten in sozialistischer Gemeinschaftsarbeit X .”

Phrasen wie diese begleiteten uns damals in dem Land, aus dem ich stamme, als ständiges Propaganda-Hintergrundrauschen, und wurden (was die Schwäche jeder totalitären Propaganda offenbart) gar nicht mehr wahr- oder für wahr genommen.
Denn im Grunde wusste jeder, dass X auf Befehl der Oberen erbaut, hergestellt oder entwickelt worden war.
(mehr…)

Sire, geben Sie Doping-Freiheit

Was haben wir uns gewundert, als Floyd Landis diese furiose Alleinfahrt nach Morzine startete und mit großem Vorsprung vor dem Gelben Trikot beendete. Viele haben gesagt: Der ist doch gedopt! Und die Antwort lautet: Yep.

Bleibt natürlich die Frage, ob Testosteron auch dumm macht – eine Steilvorlage an den Feminismus… Denn dass der Etappensieger zur Dopingkontrolle muss, war klar. Also waren Landis und sein Team nicht nur unfair, sondern auch unfähig, die Dosierung so zu halten wie alle anderen auch.

Lassen wir doch die Moralpredigten und die Spielereien sein. Werden wir ehrlich, geben wir Doping frei. Statt stundenlang darüber grübeln zu müssen, was ein Mobilfunkunternehmen oder ein Quark mit Radsport zu tun haben, wäre für uns Zuschauer ein „Team Pfizer“ oder eine „Equipe Sanofi“ durchaus einleuchtend.

Man könnte ein weißes Trikot mit roten Kreuzen kreieren, das vom Teamarzt der führenden Mannschaft zu tragen wäre. Und der Etappengewinner würde ähnlich wie die Skiläufer ihre Skier eine Packung des Mittels in die Kamera halten, dem er seinen Erfolg verdankt. Der aktuelle Stand der medizinischen Forschung in den Konzernen ließe sich praktischerweise an den Ergebnislisten von Tour de France und Giro d’Italia ablesen.

Und aus angeblichen Helden werden ganz gewöhnliche Versuchskaninchen. Ich jedenfalls radle – wie Oswald Metzger – weiterhin mal mehr und mal weniger schnell durch meine neue Heimat und fühle mich auch ohne pharmazeutischen Turboantrieb pudelwohl. Das Doping kommt danach: mit einem schönen Hefeweizen von “Kühler Krug”.

Die im Schatten

Wetten, dass dieser Fall keine Grünhelmchen, keine Friedensaktivisten und auch die rote Heidi nicht auf die Barrikaden oder zum Moralisieren zur Talkshow-Schrulle Christiansen gehen lässt?

Es gibt halt Opfer erster und zweiter Klasse.
Nur der auf die USA oder Israel gerichtete Finger ist medientauglich.

Libanons Schiiten beginnen zu murren

Das sind wohl gute Nachrichten: Ein einflussreicher Hisbollah-Führer wirft dem Kriegstreiber Nasrallah vor, eine “Strategie der nationalen Zerstörung” zu verfolgen.

Wenn das nun sogar in der Hisbollah begriffen wird – vielleicht nehmen dies dann auch mal unsere dumm-rote Heidi und diverse journalistische Schreibtischvölkerrechtler vom Niveau eines Prantl wahr?

Hamburg – künftiger Sitz der ökospirituellen Weltregierung

Entschuldigung für die boulevardeske Titelzeile, aber besser kann man die derzeitige Hamburger Sommerlochfüllung nicht umschreiben.
Leider erst heute entdeckt: Die Zeit: Rat für die Welt

Warum Hamburgs konservative Regierung einen grün angehauchten Think Tank unterstützt

Die Welt als Gelehrtenrepublik, formal regiert von gewählten Parlamentariern, in Wirklichkeit aber vom Weltzukunftsrat mit Sitz in Hamburg – so etwa scheint von Uexkülls Vision auszusehen. Kein Wunder, das dies Projekt aus Hamburger Perspektive einen gewissen Reiz hat.

(Aus meiner Hamburger Perspektive jedenfalls nicht!)

Investmentbanker und Öko-Spiritu-Lobbyist Claus Grosser ist jedenfalls der Ansicht, dass die Leute, auf die es in Hamburg ankommt, sich bei ihm, Claus Grossner, zu treffen pflegen, während “die Politiker ja zum großen Teil gar nicht mehr die Machthaber” seien. Es lebe die erleuchtete Weltenretter-Elite! Demokratie? Im Angesicht der ökologische Probleme nicht so wichtig. Eines ist nicht untypisch für Lobbybuden: Der Bürger soll entmündigt werden.

In einem Punkt irrt “Die Zeit” allerdings: Der Think-Tank ist eher “violett” als “grün”. Einiges zum Begriff “Ökospirituell” und zum ökospirtuellen Netzwerk “HOLON” hier:
New Age und der Ökospiritualismus
und hier: Netzwerk HOLON – wer liegt mit wem im ökospirituellen Bett?

(via: Flötenfuchs)

Nachtrag, zum besseren Verständnis:
Es ist nun nicht so, dass Grosser oder von Uexküll schräge New-Age-Esoteriker seien – dann würden sie vermutlich auch nicht von an sich konservativer Seite so ernst genommen. Es ist eher so, dass die ökospirituellen Esos auf die Ideen und Heilslehren von Uexkülls voll abfahren. Wobei ich von Uexküll ohne Weiteres dem “Post-New-Age” zuordnen würde – aber eben in “seriöser” Erscheinung.
Das “Holon”-Netzwerk / “Dynamik 5″ berufen sich auf von Uexküll und unterstützen ihn und die Idee des “Weltzukunftsrates”, es ist aber meines Wissens nicht “seine” Organisation.

Hakenkreuze

In Malmö, Schweden, demonstrierten am Sonntag Palästinenser gegen den Krieg im Libanon – und trugen dabei Plakate mit Hakenkreuzen. (Das Hakenkreuz ist als Symbol in Schweden nicht verboten.) Liberale Politiker fordern, dass die staatliche Beihilfe für den Malmöer Palestinenserverein eingefroren werden muss.
Die Reaktion des Sprechers der Palästinenser: “Sie waren für die Meinungsfreiheit, als es um die Mohammed-Karrikaturen ging, aber in diesen Fall nicht. Weshalb nicht?”

Die Meldung auf Schwedisch: Sydsvenskan: Hakkors (mit einer Reihe weiterführender Artikel – ist im Moment Thema Nr. 1 in Südschweden) und zusammengefaßt auf Englisch: The Local: Liberals condemn demo swastika

Hinweis: Inger Sveinsson – Englische Meldung via fdog (War auch gut, mein Schwedisch ist nicht so toll.)

Debattenkultur

Ohne noch viel dazu zu sagen, möchte ich einfach noch einmal mein Erschrecken kundtun, mein Erschrecken über die offensichtliche intellektuelle Armut des SPD-Spitzenpersonals, das sich hier entfaltet.
Was Nahles und Heil dort an Sprechblasen absondern und an beharrlicher Diskussionsverweigerung zeigen, überfordert meine Nerven (was mein dortiges Abgleiten in immer bissigere Polemik vielleicht erklärt).

Das ist noch schlimmer als das ständige Geheule diverser Kommentatoren darüber zu lesen, dass die SPD keine lupenreine DDR-Politik betreibt, keine Unternehmer einsperren und die Bundeswehr nicht für Verstaatlichungen einsetzen will.

Lesenswert (neben wenigen Ausnahmen) ist lediglich der Kommentator JPJ, dessen Beiträge seltene Lichtblicke darstellen.

Wenn sich die deutsche Sozialdemokratie darin spiegelt (und unser Marian wirklich eine seltene Ausnahme darstellt) …

Den Gedanken möchte ich gar nicht weiterführen.

Hisbollah hält deutsche Vermittlung für möglich

titelt die Süddeutsche.

Wie kommen die islamistischen Idioten drauf? Haben sie etwa den letzten Prantl gelesen?

Von Holland lernen…

… ist nicht nur im Fußball das Übelste nicht. 4-2-3-1 und Microsoft gegen 4-3-3 und Linux. So sieht’s aus.

Niemand ist völlig nutzlos

Geschäftsidee:

Zeige deinen Nachbarn an, weil er dir etwas geklaut hat. Wenn man dich fragt, was genau, verlange eine genaue Aufstellung aller Dinge, die sich im Besitz deines Nachbarn befinden, um daraus das Geklaute zu identifizieren. Kannst du bei keinem dieser Gegenstände nachweisen, dass er mal dir gehört hat, bezichtige deinen Nachbarn des Diebstahls von etwas, das er inzwischen vernichtet hat.

Absurd? Nö – gelistet an der NASDAQ als “SCOX”.

(inspiriert durch Pro-Linux und Kommentatoren)

Nächste Seite »

Bad Behavior has blocked 1035 access attempts in the last 7 days.