23. Juni 2006
Rock-Opas Mauer
Ich kann es ja verstehen: Da hat man ein Lied geschrieben, das recht gut gefiel und auch noch einen Hauch Welthistorie abbekam. Das macht bestimmt stolz. Da denkt man sich wohl: Wow! Ich gehöre zu großen Ereignissen der Geschichte – und alle haben auf mich geschaut!
So muss es wohl dem Roger Waters gegangen sein. Hat da ein Lied über eine Mauer.
An einer Mauer, mit der Menschen eingesperrt wurden, hat er es mit großem Erfolg und welthistorischer Verve gesungen. War sicher ein erhebendes Gefühl. Ein Ansingen gegen Unterdrückung und Unfreiheit, das auch noch geschäftlichen Erfolg und künstlerischen Ruhm abwarf.
Und nun? Die Mauer von damals ist weg. Aber Roger ist nicht dumm. Roger findet eine neue Mauer, gegen die er ansingen kann.
Diese Mauer ist zwar ein Schutzwall nach außen und keine Gefängnismauer nach innen – aber egal: Die Mauer muss weg. Denn wenn eine Mauer Mörder am Morden hindert, ist sie rassistisch. (Wohl weil der Mörder rassistisch motiviert ist. Ist ja auch irgendeine Logik, nicht wahr?)
Grass zeigt es, Waters zeigt es – manchmal ist Berühmtheit von Nachteil. Nämlich dann, wenn sie offensichtliche Altersdemenz oder schlicht politische Dummheit an die Öffentlichkeit zerrt.
Verfasst von Boche um 11:04 Uhr in der Kategorie International, Politik (Trackback)
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