23. Juni 2006
Analyse eines auf der Couch sitzenden Zuschauers
Ich gestehe: Ich habe es ein, zwei mal getan. Ich habe mir Fußballspiele angesehen.
Zum Glück ist mir im Nachhinein (genauer gesagt: vor ein paar Minuten) eine Rechtfertigung dafür eingefallen. Ich habe dies nämlich nur getan, um mich dabei zu beobachten und meine Analyse ins Blog zu stellen.
Hier ist sie:
1. Gelegentlich ist Fußball nicht langweilig.
2. Voraussetzung für Spannung beim Fußballgucken ist, dass ich einer der beiden Mannschaften den Sieg wünsche.
3. Ist mir egal, wer gewinnt, ist die Spannung dahin. Es bleibt besten- und seltenstenfalls Freude über schön anzusehendes Spielen.
Da ich Spannung mag, habe ich also auch versucht, dieser oder jener Mannschaft den Sieg zu wünschen. Nur: Es wurde mir schlicht zu blöd.
Mir fielen nur alberne, mit Fußball letztlich nichts mehr zu tun habende Gründe ein, 11 Mannen dieser oder jener Nationalität die Daumen zu drücken:
Die Niederländer? Haben Ayan Hirsi Ali vertrieben – also mögen die Argentinier gewinnen! (Aber haben die Argentinier nicht auch viele deutsche Nazis aufgenommen? Und wie war das mit der Militärdiktatur?)
Die Italiener? Haben zu viel Gel im Haar, sind zu laut und arrogant – also mögen die Amerikaner gewinnen! (Aber Guantanamo! Krieg für Öl! Kyoto! Burger King! … )
Die Japaner? Sind irgendwie noch einen Tick exotischer als die Brasilianer, also mögen sie gewinnen. Andererseits sollen die auch recht rassistisch sein. Und die weiblichen brasilianischen Fans, die ich letztens auf dem Frankfurter Hauptbahnhof gesehen habe… Also mögen doch die Brasilianer …?
Und die Deutschen? Fühle ich mich mit denen nicht aus einem Heimatgefühl heraus verbunden?
Nein. Meine Heimat ist da, wo ich mich wohlfühle. Und das ist nicht zwingend Deutschland, wie ich vor Jahren feststellen konnte.
Mein Fazit: Alles Quatsch. Fußball spielt man. Oder man lässt spielen.
Aber man sieht nicht zu. Denn das ist entweder langweilig oder verführt zu albernen Gedanken.
Verfasst von Boche um 10:39 Uhr in der Kategorie Steckenpferde der Autoren (Trackback)
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