16. Juni 2006
Nie wieder Nationalhymne
Durch eine Meldung der FAZ von heute aufmerksam geworden, stieß ich auf eine Pressemitteilung der GEW, die interessante Einblicke in gewisse propagandistische Argumentationsschemata verschafft.
Für besonders gelungen halte ich diesen Passus:
„Deutschland will sich in den nächsten Wochen weltoffen präsentieren und die WM zu einem Fest der Völkerverständigung machen. Dabei haben braune Parolen keinen Platz.“
In diesem Zusammenhang wies Thöne auf die überarbeitete und aktualisierte Neuveröffentlichung einer Broschüre des hessischen GEW-Landesverbandes „Argumente gegen das Deutschlandlied“ hin (s. Anlage).
“Braune Parolen” und “in diesem Zusammenhang Argumente gegen das Deutschlandlied”. Also, liebe Angela, lieber Horst, lieber Klinsi, wenn ihr das nächste Mal “Einigkeit und Recht und Freiheit” singt, seid euch bewusst, dass ihr jederzeit wegen Nazipropaganda festgenommen werden könntet. Ob sich übrigens der Blick in die genannte Broschüre lohnt, würde ich bezweifeln. Dort wird in weiten Teilen in ahistorischer Manier gegen die erste Strophe polemisiert und der Hymne nicht weniger polemisch ihre Verwendung während der Nazizeit vorgeworfen. Konsequent zu Ende gedacht ergäbe das auch eine schöne Hassschrift gegen die deutsche Sprache, aber selbst das würde mich bei der GEW kaum wundern, sogar eher manche ihrer pädagogischen Positionen erklären helfen… Die Broschüre soll zwar aktualisiert worden sein, aber der Aufbau der ersten Strophe, die tatsächlich heute historisch überholt ist, als Strohmann ignoriert geflissentlich, dass seit dem Kohl-Weizsäcker-Briefwechsel von 1991 die deutsche Nationalhymne nur noch aus der dritten Strophe besteht. Aber wenn man genauer hinschaut, findet der GEW, dass eine Nationalhymne schon deshalb von Übel sei, weil in unserem Land Menschen vieler Nationalitäten leben – die Polemik gegen die Hymne ist also eigentlich eine Polemik gegen den Nationalstaat. Es täte der Diskussion gut, das von Anfang an auch offen zu sagen.
Da haben wir Deutsche nun das Glück, eine Hymne mit historischer Dimension zu besitzen, die nicht von ackertränkendem Blut oder leuchtenden Raketeneinschlägen handelt, und deren Melodie auf einem Streichquartett statt auf einem Tschingderassabumm-Marsch basiert, und doch finden wir daran etwas zu mäkeln. Walter Jens, der übrigens im Gegensatz zum GEW den Text historisch korrekt bewertet, erklärt die Hymne für “nicht mehr zeitgemäß”. Seine Argumentation leidet zwar etwas darunter, dass er zum Beweis die angebliche Unverständlichkeit der Wendung “sind des Glückes Unterpfand” anführt, uns aber andererseits Brechts Kinderhymne mit der Zeile “Anmut sparet nicht noch Mühe” empfiehlt, dennoch hat seine Kritik was.
Ich habe einen Vorschlag, der in der Lage wäre, alle genannten Aspekte zu berücksichtigen: Statt einer Nationalhymne wird jeweils der aktuelle Spitzenreiter in den Charts gespielt. Zeitgemäß ist er zwangsläufig, deutsch fast nie und international beliebt so gut wie immer. Selbst die NationalspielerSpieler der DFB-Auswahl könnten dann den Text mitsingen, vielleicht dabei sogar ein wenig tanzen.
Die typisch faschistische und, meine antideutschen Freunde werden das schon irgendwie hinkriegen, natürlich auch antisemitische Gegenposition findet sich hier.
Verfasst von Rayson um 14:38 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik (Trackback)
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